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Japan

Sitten & Etikette

Onsen-Etikette

温泉おんせんonsen

Erst waschen, dann baden: die Logik des Gemeinschaftsbads

Im japanischen Onsen (heiße Quelle) oder Sentō (öffentliches Bad) wäscht man sich zuerst gründlich an einem Duschplatz, badet ohne Badekleidung und hält Handtuch und Haare aus dem Wasser. Die Regeln dienen dazu, das von vielen geteilte Wasser sauber und die Atmosphäre ruhig zu halten.

Japan liegt in einer der vulkanisch aktivsten Zonen der Erde, und überall auf dem Archipel sprudeln Tausende heißer Quellen. Das Baden darin gehört zu den beliebtesten Freizeitvergnügen des Landes – in großen Kurorten wie Beppu und Kusatsu ebenso wie in schlichten Dorfbädern oder im Ryokan (traditionelles Gasthaus) mit eigener Quelle.

Das Gemeinschaftsbad funktioniert, weil alle dieselben wenigen Regeln befolgen. Keine davon ist willkürlich: Das Badewasser dient dem Entspannen, nicht dem Waschen, und es wird mit Fremden geteilt, die es sauber und ruhig vorfinden wollen. Wer dieses Prinzip verstanden hat, kommt im Onsen mühelos zurecht.

Schritt für Schritt

  1. 1Im Umkleideraum ausziehenSchuhe am Eingang ablegen, dann im Umkleideraum sämtliche Kleidung in einen Korb oder ein Schließfach legen. Ins Bad nur das kleine Handtuch mitnehmen.
  2. 2Gründlich waschenAuf einem Hocker am Duschplatz Körper und Haare mit Seife waschen, alles vollständig abspülen und zum Schluss auch den Hocker abspülen.
  3. 3Langsam ins Becken steigenZunächst etwas Badewasser über den Körper gießen (kakeyu), um sich an die Hitze zu gewöhnen, dann langsam eintauchen. Das Handtuch bleibt draußen.
  4. 4Ruhig entspannenNicht schwimmen oder spritzen, leise sprechen. Wird es zu heiß, aussteigen und abkühlen.
  5. 5Vor dem Umkleideraum abtrocknenMit dem kleinen Handtuch abtupfen, bevor man zurück in den Umkleidebereich geht, damit der Boden trocken bleibt. Mineralreiches Wasser spülen viele bewusst nicht ab.

Was ein Onsen ist

Rechtlich ist ein Onsen nach dem Gesetz über heiße Quellen von 1948 Wasser oder Gas aus dem Untergrund, das entweder mit mindestens 25 °C austritt oder bestimmte Mengen an Mineralstoffen enthält. Viele Quellen sind reich an Schwefel, Eisen, Salz oder Hydrogencarbonat; die Badehäuser hängen eine Tafel mit der Zusammensetzung des Wassers und seinen überlieferten Wirkungen aus.

Ein Sentō ist ein Nachbarschaftsbad mit erhitztem Leitungswasser, früher unverzichtbar in Städten, in denen Wohnungen kein Bad hatten. Die Etikette ist dort dieselbe wie im Onsen und im Freiluftbad.

  • Rotenburo

    露天風呂rotenburo

    Freiluftbad, oft zwischen Felsen mit Blick auf Fluss, Meer oder Berge.

  • Sentō

    銭湯sentō

    Städtisches Badehaus, häufig mit einem Wandbild des Fuji über den Becken.

  • Kashikiri-buro

    貸切風呂kashikiri-buro

    Privatbad, das für eine bestimmte Zeit reserviert wird; ideal für Familien oder für alle, die ungestört baden möchten.

  • Ashiyu

    足湯ashiyu

    Fußbad, in Kurorten oft kostenlos im Freien; ausziehen muss man sich nicht.

Warum es die Regeln gibt

Das traditionelle Baden trennt Reinigen und Entspannen. Gewaschen wird außerhalb des Beckens, ins Becken steigt man sauber, um auszuruhen. Seife, Shampoo und Schmutz im gemeinsamen Wasser würden allen anderen das Bad verderben. In vielen Onsen fließt das Wasser zudem direkt aus der Quelle nach, ohne chemisch aufbereitet zu werden – die Sauberkeit hängt also von den Badenden ab.

Nacktheit ist schlicht die normale Art zu baden und hat keine besondere Bedeutung. Badekleidung gilt als unhygienisch, weil sie auch anderswo getragen wird und nicht erkennen lässt, ob sich jemand gewaschen hat. Die Ruhe ergibt sich aus dem Zweck des Bades als Ort der Erholung.

Handtuch, Haare und Wasser

Ins Bad nimmt man ein kleines Handtuch mit, zum Waschen und zum Bedecken – ins Badewasser darf es aber nie. Man legt es gefaltet auf den Kopf oder an den Beckenrand. Lange Haare werden hochgesteckt, damit sie das Wasser nicht berühren.

Schwimmen, Spritzen, Springen und Untertauchen gehören nicht ins Onsen. Zu langes Sitzen im heißen Wasser kann Schwindel verursachen; man steigt deshalb langsam ein, setzt sich zwischendurch auf den Rand und trinkt danach genug. Nach Alkoholgenuss sollte man nicht baden.

Tätowierungen

Viele Onsen und Sentō haben Menschen mit Tätowierungen traditionell den Zutritt verweigert, weil großflächige Tattoos mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht wurden. Die Praxis ist sehr unterschiedlich: Manche Bäder heißen Tätowierte willkommen, manche erlauben kleine Tattoos, wenn sie mit einem hautfarbenen Pflaster abgedeckt sind, andere lehnen weiterhin ab. In Privatbädern stellt sich die Frage nicht.

Die Regeln legt jede Einrichtung selbst fest und ändert sie gelegentlich; ein Blick auf die Website des Bades oder eine Nachfrage vor dem Besuch klärt die Lage.

Gemischtes Baden

Die meisten Bäder sind nach Geschlechtern getrennt. Die Eingänge sind mit Noren-Vorhängen markiert – meist blau oder mit 男 für Männer, rot oder mit 女 für Frauen. In Gasthäusern werden die beiden Seiten manchmal zwischen Morgen und Abend getauscht; es lohnt sich also, jedes Mal auf das Schild zu schauen.

Konyoku, das gemischte Baden, hat sich in einigen ländlichen Quellen erhalten. Manche erlauben inzwischen Badetücher oder Badekleider; die Regeln bestimmt das jeweilige Bad.

Häufige Fragen

Badet man im Onsen wirklich nackt?

Ja, in fast allen traditionellen Onsen und Sentō badet man nackt. Badekleidung trägt man nur in manchen gemischten Freizeitbädern, die das ausdrücklich vorsehen.

Darf man mit Tattoo ins Onsen?

Das entscheidet jedes Bad selbst. Manche erlauben Tattoos, manche nur abgedeckt, andere gar nicht; Privatbäder sind eine Alternative. Am besten vorher nachfragen.

Warum darf das Handtuch nicht ins Wasser?

Mit dem Handtuch hat man sich gewaschen, das Badewasser teilen aber alle. Bleibt es draußen, bleibt das Bad sauber.

Muss man nach dem Onsen duschen?

Nein. Viele lassen das Mineralwasser bewusst auf der Haut; bei empfindlicher Haut kann es sinnvoll sein, saures oder schwefelhaltiges Wasser abzuspülen.

Sind heiße Quellen für alle geeignet?

Gesunde Menschen baden meist problemlos. Bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten und ärztlicher Rat sinnvoll; nach Alkohol sollte man nicht baden.

Quellen

  1. 1.温泉の保護と利用 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  2. 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO

Redaktion · Veröffentlicht: