Gunma · Kleinstadt
Kusatsu
草津町くさつまちKusatsu-machiJapans klassischer Höhenkurort
Kusatsu ist ein Thermalort auf rund 1.200 m Höhe am Osthang des Vulkans Kusatsu-Shirane im Nordwesten Gunmas. Seine heißen Quellen – stark sauer und mit einer der größten natürlichen Schüttungen Japans – zählen seit der Edo-Zeit zu den berühmtesten des Landes.
Überblick
Kusatsu liegt auf einem Vulkanplateau unterhalb des Kusatsu-Shirane, eines aktiven Vulkans, dessen Kratersee Yugama zu den sauersten Seen der Welt gehört. Die Quellen treten mit bis zu etwa 95 °C zutage und fließen in größeren Mengen durch den Ort als bei jeder anderen natürlich sprudelnden heißen Quelle Japans. Das Wasser ist so sauer, dass sich eine Ein-Yen-Münze darin binnen Tagen auflösen soll; seit jeher wird es bei Hautleiden geschätzt und als „Abschlussbad“ nach dem Besuch anderer Kurorte empfohlen.
Herz des Ortes ist das Yubatake, das „Heißwasserfeld“: eine dampfende Kaskade aus Holzrinnen auf dem Hauptplatz, in der das Quellwasser abkühlt und gelbe Yunohana (Schwefelblüten) absetzt. Ringsum steigt eine kompakte Altstadt mit Gasthäusern, Andenkenläden und öffentlichen Bädern die Hänge hinauf. Die traditionelle Methode, das Wasser ohne Verdünnung abzukühlen – Yumomi, das Umrühren mit langen Brettern zum Volkslied Kusatsu-bushi –, wird für Besucher vorgeführt.
In der Meiji-Zeit lobte der deutsche Arzt Erwin Bälz, Professor an der Universität Tokio, Wasser und Klima Kusatsus und trug so zu seinem modernen Ruf bei. Heute ist der Ort ganzjährig besucht: Ski im Winter, Wandern in der grünen Jahreszeit und im Sommer ein internationales Musikfestival.
Sehenswürdigkeiten
Yubatake
湯畑YubatakeDie dampfende Quelle auf dem Hauptplatz: Heißes Wasser fließt durch Holzrinnen und stürzt als türkisfarbene Kaskade herab; nachts beleuchtet.
Netsu no Yu
熱乃湯Netsu no YuHalle am Yubatake, in der mehrmals täglich Yumomi-Vorführungen mit dem Lied Kusatsu-bushi stattfinden.
Sainokawara-Park
西の河原公園Sainokawara KōenTal mit dampfenden Quellen und grünen Becken westlich des Zentrums, mit einem der größten Freiluftbäder Japans.
Otaki no Yu
大滝乃湯Ōtaki no YuGroßes öffentliches Badehaus mit Becken unterschiedlicher Temperatur nach Art der alten Zeitbad-Kur.
Kosen-ji
光泉寺Kōsen-jiTempel auf dem Hügel über dem Yubatake, der Überlieferung nach von Gyoki gegründet, mit Blick über den Platz.
Bälz-Gedenkmuseum
ベルツ記念館Berutsu KinenkanMuseum zu Leben und Wirken Erwin Bälz’ und seinen Studien über die Quellen Kusatsus.
Stadtviertel
Rund um das Yubatake
湯畑YubatakeDas Ortszentrum an der Quelle mit Gasthäusern, öffentlichen Bädern und Läden, die Onsen-Manju verkaufen.
Sainokawara-dori
西の河原通りSainokawara-dōriLadenstraße vom Yubatake hinunter zum Sainokawara-Park.
Jizo-Viertel
地蔵JizōRuhiges oberes Viertel um die Quelle Jizo no Yu mit kleinen Gasthäusern und einem traditionellen Badehaus.
Tenguyama
天狗山TenguyamaSkigebiet und sommerliches Hochplateau an den Hängen oberhalb des Ortes.
Geschichte
Legenden schreiben die Entdeckung der Quellen dem Prinzen Yamato Takeru oder dem Mönch Gyoki im 8. Jahrhundert zu; Minamoto no Yoritomo soll hier 1193 gebadet haben. In der Sengoku-Zeit war Kusatsu landesweit bekannt, und im 17. Jahrhundert zählte der konfuzianische Gelehrte Hayashi Razan es neben Arima und Gero zu den drei berühmten heißen Quellen Japans.
In der Edo-Zeit kamen Gäste zum Jikan-yu, einer streng getakteten Heißbadekur unter Aufsicht von Bademeistern. Die Quellen zogen auch Menschen mit Lepra an, die im Viertel Yunosawa eine Gemeinschaft bildeten; 1932 entstand in der Nähe das staatliche Sanatorium Kuryu Rakusen-en. Die Schmalspurbahn Kusakaru verband Kusatsu von 1926 bis 1962 mit Karuizawa. 2018 erinnerte ein phreatischer Ausbruch am Motoshirane, einem Gipfel des Kusatsu-Shirane, an den Vulkan über dem Ort.
8. Jahrhundert
Der Legende nach entdeckt der Mönch Gyoki die Quellen.
1193
Minamoto no Yoritomo soll an der später Shirahata no Yu genannten Quelle gebadet haben.
17. Jahrhundert
Hayashi Razan nennt Kusatsu, Arima und Gero die drei berühmten heißen Quellen Japans.
1870er–1880er
Erwin Bälz untersucht Quellen und Klima Kusatsus und macht sie bekannt.
1926
Die Kusakaru-Bahn aus Karuizawa erreicht Kusatsu; 1962 wird sie stillgelegt.
1932
Eröffnung des staatlichen Sanatoriums Kuryu Rakusen-en.
1980
Gründung der Internationalen Sommer-Musikakademie und des Festivals Kusatsu.
2018
Ein phreatischer Ausbruch am Motoshirane trifft das Skigebiet von Kusatsu.
Kultur
Die Badekultur Kusatsus kennt eigene Rituale: Yumomi, das Umrühren des Wassers mit Holzbrettern im Takt des Kusatsu-bushi, und Jikan-yu, die getaktete Kur, bei der die Badenden auf Kommando gemeinsam ins sehr heiße Wasser steigen. Der Arzt Erwin Bälz wird als Wohltäter verehrt; Partnerstadt ist sein Geburtsort Bietigheim-Bissingen. Im August bringt das Internationale Sommer-Musikfestival klassische Musiker und Meisterkurse in den Ort.
Feste
Internationales Sommer-Musikfestival
草津夏期国際音楽アカデミー&フェスティヴァルKusatsu Kaki Kokusai Ongaku Akademī ando FesutivaruKonzerte und Meisterkurse klassischer Musik, jeden August seit 1980.
Yumomi-Vorführungen
湯もみyumomiTägliche Vorführungen im Netsu no Yu: Frauen in Baumwollkimono rühren das Wasser mit Brettern und singen dazu den Kusatsu-bushi.
Essen
Onsen-Manju
温泉まんじゅうonsen manjūGedämpfte Teigküchlein aus braunem Zucker mit Bohnenmus, warm verkauft in den Gassen rund um das Yubatake.
Onsen-Tamago
温泉たまごonsen tamagoIm Thermalwasser langsam gegarte Eier, deren Dotter vor dem Eiweiß stockt.
Hanamame
花豆hanamameGroße Feuerbohnen aus dem kühlen Hochland, süß eingekocht.
Maitake-Soba
舞茸そばmaitake sobaBuchweizennudeln mit Tempura vom Maitake-Pilz, fester Bestandteil der örtlichen Speisekarten.
Unterwegs vor Ort
- Von Tokio mit der JR Agatsuma-Linie (Limited Express „Kusatsu“ ab Ueno oder über Takasaki) bis Naganohara-Kusatsuguchi, dann rund 25 Minuten mit dem Bus hinauf zum Busbahnhof Kusatsu Onsen.
- Direkte Fernbusse fahren ab Shinjuku und anderen Terminals Tokios in etwa vier Stunden.
- Busse verbinden Kusatsu außerdem in rund 75 Minuten mit Karuizawa und dessen Shinkansen-Bahnhof an der Hokuriku-Linie.
- Der Ortskern ist kompakt und zu Fuß zu erkunden; die Straßen zum Kusatsu-Shirane und nach Manza können je nach vulkanischer Warnstufe gesperrt sein – maßgeblich sind die Angaben von JMA und Gemeinde.
Ausflüge
- 湯釜Yugama
Saurer, türkisfarbener Kratersee im Nationalpark Joshin’etsu Kogen; der Zugang hängt von den geltenden Vulkanbeschränkungen ab.
- 鬼押出し園Onioshidashi-en
Schwarzes Lavafeld vom Ausbruch des Asama 1783 auf dem Tsumagoi-Plateau.
Höhenkurort in Nagano mit Wäldern, Kirchen und Outlet-Zentrum.
Manza Onsen
万座温泉Manza OnsenMilchig-weiße Schwefelquellen auf rund 1.800 m auf der anderen Seite des Vulkans.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Warum ist Kusatsu Onsen so berühmt?
Wegen der großen natürlichen Schüttung sehr heißen, stark sauren Wassers, des malerischen Yubatake und seiner langen Geschichte: Seit der Edo-Zeit gilt es als eine der drei großen heißen Quellen Japans.
Was ist Yumomi?
Eine traditionelle Methode, das sehr heiße Quellwasser ohne Verdünnung abzukühlen: Man rührt es mit langen Holzbrettern um und singt dazu den Kusatsu-bushi. Vorführungen gibt es im Netsu no Yu.
Welche Rolle spielte Erwin Bälz für Kusatsu?
Der aus Württemberg stammende Arzt lehrte in der Meiji-Zeit an der Universität Tokio und machte Kusatsu als Kurort bekannt. Ein Museum erinnert an ihn, und seine Geburtsstadt Bietigheim-Bissingen ist Partnerstadt.
Wie kommt man von Tokio nach Kusatsu?
Mit der JR Agatsuma-Linie bis Naganohara-Kusatsuguchi und weiter per Bus, insgesamt rund drei Stunden, oder direkt mit dem Fernbus ab Shinjuku in etwa vier Stunden.
Ist das saure Wasser für jeden verträglich?
Es kann empfindliche Haut und Augen reizen; kurze Badegänge, kein Wasser in die Augen und bei Hautreaktionen anschließendes Abspülen werden empfohlen.
Weiterlesen
Quellen
- 1.草津町ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 草津町 (Kusatsu Town)
- 2.気象庁ホームページ(火山情報) (öffnet in neuem Tab) — 気象庁 (Japan Meteorological Agency)
- 3.上信越高原国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
- 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO