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Japan

Kanto · Präfektur · JP-10

Gunma

群馬県ぐんまけんGunma-ken

Heiße Quellen, Seide und Berge am Ursprung des Tone

Gunma ist eine gebirgige Binnenpräfektur im Nordwesten der Region Kanto; Hauptstadt ist Maebashi, größte Stadt Takasaki. Sie ist eine der großen Thermalregionen Japans mit Kusatsu und Ikaho und die Wiege der modernen japanischen Seidenindustrie, für die die Seidenspinnerei Tomioka steht.

Überblick

Gunma hat die Umrisse eines fliegenden Kranichs – ein Vergleich, den jedes Kind im Land aus dem Kartenspiel Jomo Karuta kennt. Etwa zwei Drittel der Fläche sind Gebirge: das Mikuni-Gebirge an der Grenze zu Niigata, die Vulkane Kusatsu-Shirane und Asama im Westen und die drei „Jomo-Berge“ Akagi, Haruna und Myogi, die die Ebene um Maebashi und Takasaki einrahmen. Im Norden bei Minakami entspringt der Tone, Japans Fluss mit dem größten Einzugsgebiet.

Der Vulkanismus hat der Präfektur zahlreiche Onsen beschert. Kusatsu mit seinem stark sauren Wasser und dem dampfenden Yubatake auf dem Hauptplatz gehört zu den berühmtesten heißen Quellen Japans; Ikaho, Minakami, Shima, Manza und Hoshi sind weitere klassische Badeorte. Im Nordosten reicht ein Teil des Hochmoors Oze nach Gunma hinein.

Seit der späten Edo-Zeit war Gunma das Zentrum der japanischen Seidenraupenzucht und Seidenhaspelei. Die 1872 von der Meiji-Regierung gegründete Seidenspinnerei Tomioka wurde 2014 zusammen mit zugehörigen Stätten Welterbe. Heute ist die Präfektur ein Industriestandort – Subaru baut in Ota seine Autos – und ein wichtiger Lieferant von Gemüse und Konnyaku für Tokio.

Name und Herkunft

Der Name stammt vom Bezirk Gunma (群馬郡), einem der alten Bezirke der Provinz Kozuke um das heutige Takasaki und Shibukawa; früher wurde er mit Zeichen geschrieben, die „Kuruma“ gelesen wurden. Die Präfektur Gunma entstand 1871, ging 1873 mit Iruma in der Präfektur Kumagaya auf und wurde 1876 in den Grenzen Kozukes neu gegründet. Um den Hauptstadtsitz stritten Takasaki und Maebashi lange; 1881 wurde Maebashi offiziell Sitz der Verwaltung.

Städte

Geografie

Der Südosten Gunmas gehört zur Kanto-Ebene, durch die Tone, Karasu und Watarase an Takasaki, Maebashi, Isesaki und Ota vorbeifließen. Der Rest ist Bergland: das Mikuni-Gebirge mit dem Tanigawa-dake auf der Hauptwasserscheide Honshus, das Vulkanplateau von Kusatsu und Manza, der Asama an der Grenze zu Nagano, das Hochland von Oze im Nordosten und die schroffen, tief zerfurchten Gipfel des Myogi und der Kanra-Hügel im Südwesten. Die Nationalparks Joshin’etsu Kogen, Oze und Nikko reichen in die Präfektur hinein.

Klima

In der Ebene sind die Sommer heiß und gewitterreich – Tatebayashi und Isesaki melden regelmäßig einige der höchsten Temperaturen Japans. Im Winter fegt der Karakkaze über das Land, ein kalter, trockener Nordwestwind, der seinen Schnee bereits auf der Japanmeerseite abgeladen hat. Die Berge an der Grenze zu Niigata um Minakami und Oze erhalten dagegen viel Schnee und tragen Skigebiete.

Landschaft

  • Tanigawa-dake

    谷川岳Tanigawa-dake

    1.977 m hoher Gipfel an der Grenze zu Niigata mit berüchtigten Felswänden, per Seilbahn ab Minakami erreichbar.

  • Asama

    浅間山Asama-yama

    Aktiver Schichtvulkan (2.568 m) an der Grenze zu Nagano; sein Ausbruch 1783 verwüstete den Nordwesten Gunmas.

  • Kusatsu-Shirane

    草津白根山Kusatsu-Shirane-san

    Aktiver Vulkan oberhalb von Kusatsu mit dem türkisfarbenen Kratersee Yugama, im Nationalpark Joshin’etsu Kogen.

  • Akagi

    赤城山Akagi-yama

    Breiter Vulkan nördlich von Maebashi mit dem Kratersee Onuma; einer der drei Jomo-Berge.

  • Haruna

    榛名山Haruna-san

    Vulkan mit Kratersee und dem Bergschrein Haruna Jinja; seine Ausbrüche im 6. Jahrhundert begruben Dörfer, die heute bei Shibukawa ausgegraben werden.

  • Myogi

    妙義山Myōgi-san

    Zerklüfteter Vulkanrest mit Felstürmen und kettengesicherten Kletterrouten, eine der drei markantesten Felslandschaften Japans.

  • Oze

    尾瀬Oze

    Hochmoor auf etwa 1.400 m mit Bohlenwegen, Scheinkalla und Taglilien, geteilt mit Fukushima und Niigata.

Natur in dieser Präfektur

Welterbe in dieser Präfektur

Geschichte

Gunma besitzt eine der dichtesten Konzentrationen von Hügelgräbern (Kofun) in Ostjapan – Zeugnis einer mächtigen regionalen Elite im 5. und 6. Jahrhundert. Die Kozuke Sanpi, drei beschriftete Steinmonumente des 7. und 8. Jahrhunderts bei Takasaki, stehen im UNESCO-Register „Memory of the World“. Im 14. Jahrhundert führte Nitta Yoshisada, ein Krieger aus dem Osten Kozukes, das Heer, das 1333 das Kamakura-Shogunat vernichtete.

In der Sengoku-Zeit rangen Uesugi, Takeda und Hojo um die Provinz. Unter den Tokugawa war sie unter Domänen wie Takasaki, Maebashi, Numata und Annaka aufgeteilt, durchzogen vom Nakasendo und der Straße zu den Goldminen von Sado. Der Ausbruch des Asama 1783 begrub das Dorf Kanbara unter einem Schuttstrom und verschärfte die Tenmei-Hungersnot.

Ab den 1850er-Jahren machte der Seidenexport über Yokohama Gunma wohlhabend. Die staatliche Seidenspinnerei Tomioka (1872) führte französische Haspeltechnik ein, und die Seidenhaushalte der Präfektur, in denen Frauen einen Großteil des Einkommens erwirtschafteten, wurden sprichwörtlich. Im 20. Jahrhundert entstand in Ota die Flugzeugfabrik Nakajima, Vorläuferin von Subaru; Joetsu- und Hokuriku-Shinkansen machten Takasaki zum wichtigen Bahnknoten.

  1. 6. Jahrhundert

    Ausbrüche des Haruna begraben Siedlungen bei Shibukawa; in Kanai Higashiura wird später ein Krieger in Rüstung gefunden.

  2. 681–726

    Die drei Steinmonumente Kozuke Sanpi entstehen nahe dem heutigen Takasaki.

  3. 1333

    Nitta Yoshisada sammelt in Kozuke Truppen und erobert Kamakura.

  4. 1598

    Ii Naomasa gründet die Burg Takasaki.

  5. 1783

    Der Tenmei-Ausbruch des Asama begräbt das Dorf Kanbara.

  6. 1872

    Die Seidenspinnerei Tomioka nimmt den Betrieb auf.

  7. 1876

    Neugründung der Präfektur Gunma in den Grenzen Kozukes; 1881 wird Maebashi Hauptstadt.

  8. 1917

    Nakajima Chikuhei gründet in Ota eine Flugzeugfabrik, Vorläuferin von Subaru.

  9. 1982

    Der Joetsu-Shinkansen über Takasaki wird eröffnet.

  10. 2014

    Die Seidenspinnerei Tomioka und zugehörige Stätten werden Welterbe.

Kultur

Gunmas Identität beruht auf Seide, heißen Quellen und einem etwas raubeinigen Selbstbild, das das alte Sprichwort „kakaa-denka to karakkaze“ zusammenfasst: Im Haus regieren die Frauen, draußen bläst der trockene Wind. Fast jeder, der hier aufwächst, kennt die 44 Verse des 1947 geschaffenen Kartenspiels Jomo Karuta, das Geschichte und Geografie der Präfektur vermittelt.

Feste

  • Daruma-Markt von Takasaki

    高崎だるま市Takasaki Daruma-ichi

    Neujahrsmarkt, auf dem die roten Pappmaché-Daruma der Stadt für die Wünsche des neuen Jahres verkauft werden.

  • Yagibushi-Fest in Kiryu

    桐生八木節まつりKiryū Yagibushi Matsuri

    Sommerfest Anfang August mit Straßentänzen zum Volkslied Yagibushi rund um eine erhöhte Bühne.

  • Fest von Numata

    沼田まつりNumata Matsuri

    Anfang August tragen Frauen einen tragbaren Schrein mit riesiger Tengu-Maske durch die Straßen.

  • Nabelfest von Shibukawa

    渋川へそ祭りShibukawa Heso Matsuri

    Sommerfest der Stadt, die sich als geografischer Mittelpunkt („Nabel“) Japans sieht, mit Tänzern, deren Bäuche bemalt sind.

Traditionelles Handwerk

  • Kiryu-Weberei

    桐生織Kiryū-ori

    Seidenweberei mit über tausendjähriger Geschichte; Kiryu gilt als „Nishijin des Ostens“.

  • Isesaki-Kasuri

    伊勢崎絣Isesaki-gasuri

    Seidenikat, dessen Muster vor dem Weben in die Fäden gefärbt werden.

  • Daruma aus Takasaki

    高崎だるまTakasaki daruma

    Rote Pappmaché-Daruma mit Augenbrauen als Kranich und Bart als Schildkröte; Takasaki stellt den Großteil der japanischen Daruma her.

  • Sosaku-Kokeshi

    創作こけしsōsaku kokeshi

    Moderne, frei gestaltete Holzpuppen, deren größter Hersteller Gunma ist.

Traditionen

  • Jomo Karuta

    上毛かるたJōmō Karuta

    Kartenspiel mit Versen über Orte und Persönlichkeiten Gunmas, von Schulkindern in Wettbewerben gespielt.

  • Kakaa-denka

    かかあ天下kakaa-denka

    „Die Frau hat das Sagen“: Redewendung, die auf die wirtschaftliche Rolle der Frauen in Seidenhaushalten zurückgeht.

  • Joshu-Dialekt

    上州弁Jōshū-ben

    Die Mundart von Joshu (Kozuke), bekannt für ihre knappen Endungen wie „-be“ und „-nn“.

Küche

Gunma ist eher Weizen- und Nudelland als Reisland: Die trockenen Winter begünstigten Winterweizen, und Mehlspeisen wie Udon, Okkirikomi und Yakimanju prägen die Alltagsküche. Der weitaus größte Teil des japanischen Konnyaku stammt von hier, ebenso Lauch aus Shimonita und Sommerkohl vom Tsumagoi-Plateau.

  • Yakimanju

    焼きまんじゅうyakimanju

    Gedämpfte Hefeklöße am Spieß, mit süßem Miso bestrichen und gegrillt – Gunmas klassischer Imbiss.

  • Okkirikomi

    おっきりこみokkirikomi

    Breite, flache Nudeln, mit Wurzelgemüse in Soja- oder Misobrühe gegart.

  • Mizusawa-Udon

    水沢うどんMizusawa udon

    Feste, glasige Udon vom Tempelweg zur Mizusawa-Kannon bei Ikaho, kalt serviert.

  • Himokawa-Udon

    ひもかわうどんhimokawa udon

    Extrem breite, bandförmige Nudeln aus Kiryu.

  • Sauce-Katsudon

    ソースかつ丼sōsu katsudon

    In Worcestersauce getauchtes Schweineschnitzel auf Reis, Spezialität von Kiryu und Maebashi.

  • Konnyaku

    こんにゃくkonnyaku

    Konjakgelee, roh als Sashimi, in Oden oder mit Miso gegrillt; Gunma beherrscht die Landesproduktion.

Heiße Quellen

  • Kusatsu Onsen

    草津温泉Kusatsu Onsen

    Stark saure Quellen mit einer der größten natürlichen Schüttungen Japans, rund um das Yubatake im Ortszentrum.

  • Ikaho Onsen

    伊香保温泉Ikaho Onsen

    Kurort am Hang des Haruna, berühmt für seine Steintreppe mit 365 Stufen und das eisenhaltige „goldene“ Wasser.

  • Minakami Onsen

    水上温泉Minakami Onsen

    Gruppe von Badeorten am oberen Tone, darunter Takaragawa mit großen Freiluftbädern am Fluss.

  • Shima Onsen

    四万温泉Shima Onsen

    Ruhiger Talort, dessen Name Heilung von „vierzigtausend Leiden“ verspricht; das Gasthaus Sekizenkan zählt zu den ältesten Holzherbergen Japans.

  • Manza Onsen

    万座温泉Manza Onsen

    Hoch gelegene Schwefelquellen auf rund 1.800 m an der Flanke des Kusatsu-Shirane.

  • Hoshi Onsen

    法師温泉Hōshi Onsen

    Ein einzelnes historisches Gasthaus im Mikuni-Gebirge mit hölzernem Badehaus, in dem das Wasser direkt durch den Kies aufsteigt.

Wirtschaft

Die Industrie dominiert Gunmas Wirtschaft. In Ota stehen die Hauptwerke von Subaru, und im Gürtel von Takasaki über Isesaki bis Ota sitzen Autozulieferer, Elektronik, Maschinenbau und Nahrungsmittelindustrie. Die Landwirtschaft konzentriert sich auf hochwertige Produkte für Tokio: Sommerkohl vom Tsumagoi-Plateau, Konnyaku, Lauch, Gurken und Milch. Onsen- und Skitourismus tragen die Bergregionen.

Wichtige Branchen

  • Automobile und Zulieferer (Subaru, Ota)
  • Elektrotechnik und Elektronik
  • Nahrungsmittelindustrie
  • Landwirtschaft (Kohl, Konnyaku, Shimonita-Lauch, Milch)
  • Onsen- und Skitourismus
  • Seide und Textilien (historisch, in Kiryu weiterhin aktiv)

Bekannte Persönlichkeiten

  • Nitta Yoshisada (1301–1338)

    新田義貞

    Krieger aus dem Nitta-Gut, der 1333 Kamakura eroberte und damit das Kamakura-Shogunat beendete.

  • Hagiwara Sakutaro (1886–1942)

    萩原朔太郎

    In Maebashi geborener Dichter, Mitbegründer der modernen freien Lyrik in japanischer Sprache.

  • Nakajima Chikuhei (1884–1949)

    中島知久平

    Gründer der Flugzeugwerke Nakajima in Ota, der Vorläufer von Subaru.

  • Fukuda Takeo (1905–1995)

    福田赳夫

    Premierminister Japans (1976–1978) aus der Gegend von Takasaki.

  • Nakasone Yasuhiro (1918–2019)

    中曽根康弘

    In Takasaki geborener Premierminister (1982–1987).

Anreise

  • Joetsu- und Hokuriku-Shinkansen erreichen Takasaki ab Tokio in etwa 50 Minuten; die Joetsu-Linie führt weiter nach Jomo-Kogen (für Minakami), die Hokuriku-Linie nach Annaka-Haruna.
  • Züge der JR Takasaki-Linie fahren ab Ueno und Shinjuku; die JR Ryomo-Linie verbindet Takasaki und Maebashi mit Kiryu und Ashikaga.
  • Limited Express-Züge der Tobu-Bahn ab Asakusa bedienen Tatebayashi, Ota und Akagi.
  • Nach Kusatsu fährt die JR Agatsuma-Linie bis Naganohara-Kusatsuguchi, von dort Busse hinauf in den Ort; außerdem gibt es direkte Fernbusse ab Tokio.
  • Kan-Etsu- und Kita-Kanto-Autobahn durchqueren die Präfektur; einen Flughafen hat Gunma nicht.

Historische Provinzen

  • 上野国Kōzuke-no-kuni

Präfektursymbole

Blume
レンゲツツジrenge-tsutsuji
Baum
クロマツkuromatsu
Vogel
ヤマドリyamadori

Häufige Fragen

Wofür ist Gunma bekannt?

Vor allem für heiße Quellen – Kusatsu, Ikaho, Minakami –, außerdem für die Seidenspinnerei Tomioka, Daruma aus Takasaki, Konnyaku, Yakimanju und Berge wie Tanigawa-dake und Asama.

Liegt Kusatsu Onsen in Gunma?

Ja. Kusatsu ist eine Gemeinde im Nordwesten Gunmas auf rund 1.200 m Höhe, erreichbar mit Bahn und Bus oder per Direktbus ab Tokio in etwa vier Stunden.

Lässt sich die Seidenspinnerei Tomioka an einem Tag von Tokio aus besuchen?

Ja. Mit Shinkansen oder JR-Zug nach Takasaki, dann mit der Joshin-Bahn nach Joshu-Tomioka; von dort sind es wenige Gehminuten.

Warum ist Gunma in Japan Gegenstand von Witzen?

Internet-Memes stellen Gunma als unerforschte Wildnis dar – ein Running Gag, den die Präfektur inzwischen selbst für ihre Werbung nutzt.

Was ist Hauptstadt – Maebashi oder Takasaki?

Hauptstadt ist Maebashi; Takasaki ist etwas größer und der wichtigste Bahnknoten mit Shinkansen-Anschluss.

Quellen

  1. 1.群馬県ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 群馬県 (Gunma Prefecture)
  2. 2.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局 (Statistics Bureau of Japan)
  3. 3.全国都道府県市区町村別面積調 (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院 (Geospatial Information Authority of Japan)
  4. 4.Tomioka Silk Mill and Related Sites (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  5. 5.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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