Sitten & Etikette
Genkan und Schuhe
玄関げんかんgenkanEine Stufe höher beginnt das Haus
In Japan zieht man die Straßenschuhe im Genkan aus, dem tiefer gelegenen Eingangsbereich von Wohnungen und vielen traditionellen Gebäuden, bevor man den erhöhten Innenboden betritt. Der Brauch hält den Straßenschmutz aus Räumen fern, in denen man auf dem Boden sitzt und schläft.
Jede japanische Wohnung hat einen Genkan: einen kleinen Eingangsbereich auf Bodenniveau, meist gefliest oder aus Stein, und eine Stufe darüber beginnt der Wohnraum. Diese Stufe ist eine klare Grenze. Schuhe gehören nach draußen und bleiben unten; drinnen geht man in Socken oder Hausschuhen.
Der Brauch hat einen praktischen Ursprung – in traditionellen Häusern saß, aß und schlief man auf Holz- und Tatamiböden – und einen symbolischen: Er trennt das saubere Innen (uchi) vom Außen (soto). Dieselbe Grenze findet sich in Schulen, Tempeln, traditionellen Gasthäusern und manchen Restaurants und Arztpraxen.
Schritt für Schritt
- 1Im Genkan anhaltenIm tiefer gelegenen Eingangsbereich stehen bleiben und die Gastgeber begrüßen; den erhöhten Boden nicht mit Schuhen betreten.
- 2Aus den Schuhen hinaufSchuhe ausziehen und direkt auf den erhöhten Boden steigen, ohne den Genkan-Boden mit den Füßen zu berühren.
- 3Schuhe ordnenUmdrehen oder hinknien und die Schuhe mit den Spitzen zur Tür nebeneinanderstellen oder auf Bitte in den Schuhschrank räumen.
- 4Hausschuhe anziehenAngebotene Hausschuhe auf Holzböden tragen, vor Tatami ausziehen und in der Toilette gegen die Toilettenpantoffeln tauschen.
Warum die Schuhe ausgezogen werden
Das häusliche Leben spielte sich in Japan lange nah am Boden ab. Tatami-Matten bestehen aus einem festen Kern, der mit Binsengeflecht bezogen ist; harte Sohlen beschädigen sie leicht. Auf ihnen saß man, aß man und breitete nachts die Futons aus. Straßenschmutz dort hineinzutragen wäre unhygienisch und zerstörerisch zugleich.
Mit der Zeit bekam der Brauch auch eine Bedeutung. Der Genkan markiert den Übergang vom Öffentlichen ins Private, und das Ausziehen der Schuhe gehört zum Betreten eines fremden Haushalts dazu. Viele Japaner halten daran auch in ganz westlich eingerichteten Wohnungen ohne Tatami fest.
Wo man die Schuhe auszieht
Die Faustregel ist einfach: Gibt es am Eingang eine Stufe oder einen erhöhten Boden, eine Reihe Hausschuhe oder einen Schuhschrank, bleiben die Schuhe draußen. Schilder mit 土足禁止 (dosoku kinshi, „keine Straßenschuhe“) machen es eindeutig.
Privatwohnungen
Immer. Gastgeber halten meist Hausschuhe für Gäste bereit.
Ryokan und Minshuku
Am Eingang oder an der Zimmertür; manche Gasthäuser verwahren die Schuhe der Gäste an der Rezeption.
Tempelhallen und manche Schreingebäude
Vor Hallen mit Holz- oder Tatamiboden; oft stehen Plastiktüten oder Regale bereit.
Restaurants mit Zashiki
Räume oder Bereiche mit Tatami und niedrigen Tischen; die Schuhe bleiben an der Stufe oder in Fächern.
Schulen, manche Praxen und Burgen
Schulen haben Schuhfächer und Innenschuhe; in vielen historischen Burgtürmen zieht man vor dem Aufstieg die Schuhe aus.
Umkleidekabinen
Vor dem erhöhten Boden einer Anprobekabine zieht man die Schuhe aus.
Hausschuhe und Tatami
Hausschuhe (surippa) trägt man auf Holz- oder Teppichböden, zieht sie aber vor Tatami aus – dort geht man nur in Socken oder barfuß. Für die Toilette stehen meist eigene Pantoffeln hinter der Tür bereit; man wechselt hinein und wieder hinaus, damit der Rest der Wohnung sauber bleibt. In Toilettenpantoffeln durch die Wohnung zu laufen, ist ein klassischer Fehler, über den Gastgeber gern schmunzeln.
Im Ryokan gehen Gäste oft in Hausschuhen über die Flure und lassen sie vor dem Tatamizimmer stehen.
Surippa
スリッパsurippaHausschuhe für Holzböden und Flure.
Toire surippa
トイレスリッパtoire surippaEigene Pantoffeln, die nur in der Toilette getragen werden.
Getabako
下駄箱getabakoSchuhschrank im Genkan; der Name erinnert an die hölzernen Geta-Sandalen, die man früher darin aufbewahrte.
Mit Anstand aus den Schuhen
Man schlüpft aus den Schuhen und steigt direkt auf den erhöhten Boden, ohne mit dem bestrumpften Fuß den Genkan-Boden zu berühren – der zählt noch als draußen. Danach dreht man sich leicht um oder kniet sich hin und stellt die Schuhe ordentlich nebeneinander, die Spitzen zur Tür, damit man beim Gehen bequem hineinschlüpfen kann. In Privatwohnungen übernimmt das mitunter der Gastgeber.
An Besichtigungstagen sparen Schuhe zum Hineinschlüpfen viel Zeit, und saubere Socken ohne Löcher sind eine Überlegung wert – sie werden gesehen.
Häufige Fragen
Warum zieht man in Japan die Schuhe aus?
Damit kein Straßenschmutz in Räume gelangt, in denen man traditionell auf dem Boden sitzt und schläft – und um die Grenze zwischen draußen und Zuhause zu markieren.
Darf man mit Hausschuhen auf Tatami?
Nein. Vor Tatami zieht man die Hausschuhe aus und geht in Socken oder barfuß.
Muss man im Tempel die Schuhe ausziehen?
Meist vor dem Betreten von Hallen mit Holz- oder Tatamiboden, nicht aber auf dem Gelände. Eine Stufe, Schuhregale oder ein Schild zeigen es an.
Was sind Toilettenpantoffeln?
Eigene Pantoffeln, die in der Toilette stehen. Man zieht sie beim Hineingehen an und beim Hinausgehen wieder aus.
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Quellen
- 1.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO
- 2.Web Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Foreign Affairs of Japan