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Japan

Themen

Samurai

侍さむらいsamurai

Krieger, Herrscher und Beamte über sieben Jahrhunderte

Die Samurai waren Japans erblicher Kriegerstand. Er entstand im 10. und 11. Jahrhundert in den Provinzen, regierte das Land über die Shogunate von 1185 bis 1868 und wurde in den 1870er-Jahren als Rechtsstand abgeschafft. Im langen Frieden der Edo-Zeit waren die meisten Samurai eher Verwaltungsbeamte als Kämpfer.

Das Wort Samurai leitet sich vom Verb saburau, „dienen“, ab und bezeichnete ursprünglich bewaffnete Diener von Adligen am Heian-Hof. In den folgenden Jahrhunderten wurde es zur Bezeichnung für den gesamten Stand der Berufskrieger – im Japanischen allgemeiner bushi genannt –, die dem Hof zunächst dienten, ihn dann beherrschten und Japan schließlich fast siebenhundert Jahre lang regierten.

Das populäre Bild des schwertschwingenden Kriegers, der einem strengen Ehrenkodex folgt, erzählt nur einen Teil der Geschichte. Samurai waren Grundherren, berittene Bogenschützen, Burgenbauer, Förderer von Zen und Teezeremonie und in der friedlichen Edo-Zeit überwiegend besoldete Beamte in Burgstädten. Ihre Geschichte spiegelt die gesamte politische Geschichte des vormodernen Japan.

Ursprünge

Als der Zentralstaat der Nara- und frühen Heian-Zeit schwächer wurde, bewaffneten Grundherren in den Provinzen sich und ihre Gefolgsleute, um ihre Güter zu schützen, Abgaben einzutreiben und Räuber zu bekämpfen. Kriegerverbände (bushidan) bildeten sich um Anführer, die oft von Nebenlinien des Kaiserhauses abstammten – vor allem die Taira (Heike) und die Minamoto (Genji). Der Hof setzte diese Krieger ein, um Aufstände wie die des Taira no Masakado und des Fujiwara no Sumitomo 939–941 niederzuschlagen und Kriege im Nordosten zu führen.

Die frühen Krieger kämpften vor allem als berittene Bogenschützen; „der Weg von Bogen und Pferd“ (kyūba no michi) beschrieb ihre Berufung, lange bevor das Schwert zu ihrem Symbol wurde.

Kriegerherrschaft

In den Hōgen- und Heiji-Wirren der 1150er-Jahre wurden Krieger zu Schiedsrichtern der Hofpolitik, und Taira no Kiyomori beherrschte die Regierung. Der Sieg der Minamoto im Genpei-Krieg (1180–1185) führte dazu, dass Minamoto no Yoritomo in Kamakura die erste Kriegerregierung errichtete und das Shogunat zum eigentlichen Machtzentrum machte. In den folgenden sieben Jahrhunderten – unter den Shogunaten von Kamakura, Muromachi und Tokugawa – regierten Krieger Japan, während der Kaiser in Kyoto herrschte, ohne zu regieren.

Grundlage dieser Ordnung war die Bindung zwischen Herr und Vasall, in der Land und Schutz gegen Kriegsdienst getauscht wurden. In den Bürgerkriegen der Sengoku-Zeit stürzten rangniedere Krieger oft ihre Herren, und die großen Regionalfürsten (Daimyō) stellten Heere mit zahlreichen Fußsoldaten (ashigaru) auf. Die Reichseiniger des späten 16. Jahrhunderts trennten Krieger und Bauern und siedelten die Krieger in Burgstädte um – so entstand der feste Samurai-Stand der Edo-Zeit.

  • Minamoto no Yoritomo

    源頼朝Minamoto no Yoritomo

    Gründer des Kamakura-Shogunats (1147–1199).

  • Daimyō

    大名daimyō

    Territorialfürsten; in der Edo-Zeit Inhaber von Fürstentümern mit einem veranschlagten Ertrag von mindestens 10.000 koku Reis.

  • Ashigaru

    足軽ashigaru

    Fußsoldaten, die den Kern der Sengoku-Heere bildeten, bewaffnet mit Speeren und später Feuerwaffen.

Waffen und Rüstungen

Der Bogen (yumi) blieb jahrhundertelang die wichtigste Waffe. Das gekrümmte Schwert (tachi, später katana), aus Stählen unterschiedlicher Härte geschmiedet, erhielt seine klassische Form in der Heian- und Kamakura-Zeit und wurde zum Standeszeichen der Samurai; in der Edo-Zeit durften nur Samurai das Schwerterpaar aus Lang- und Kurzschwert (daishō) tragen. Speere (yari) beherrschten die Schlachtfelder des 15. und 16. Jahrhunderts, und nach 1543 veränderten Feuerwaffen die Kriegführung.

Die Rüstung entwickelte sich vom kastenförmigen ō-yoroi der berittenen Bogenschützen zu leichteren Rüstungen für den Kampf zu Fuß und im 16. Jahrhundert zu kugelsicheren Plattenrüstungen (tōsei gusoku). Helme mit Zieraufsätzen und Gesichtsmasken dienten Schutz und Repräsentation zugleich. Viele Schwerter und Rüstungen sind als Nationalschätze erhalten, und die traditionelle Schwertschmiedekunst lebt in Zentren wie Seki (Gifu) und Bizen (Okayama) fort.

  • Katana

    刀katana

    Gekrümmtes, einschneidiges Schwert, mit der Schneide nach oben im Gürtel getragen – das Symbol der Samurai.

  • Masamune

    正宗Masamune

    Schwertschmied der späten Kamakura-Zeit in der Provinz Sagami, als größter Meister seines Fachs verehrt.

  • Yabusame

    流鏑馬yabusame

    Berittenes Bogenschießen als Schreinritual, etwa am Tsurugaoka Hachimangū in Kamakura.

Samurai in der Edo-Zeit

Nach 1615 gab es zweieinhalb Jahrhunderte lang keine größeren Kriege. Die Samurai, etwa sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung, wurden zu einem erblichen Stand von Verwaltungsbeamten, Wachen und Gelehrten, der in Burgstädten von Reisbezügen seiner Fürsten lebte. Der Rang bestimmte Amt, Einkommen, Kleidung und sogar die Heirat. Viele waren arm; rangniedere Samurai besserten ihr Einkommen oft mit Handwerk auf, etwa mit der Herstellung von Schirmen oder Laternen.

Die Erziehung der Samurai verband konfuzianische Bildung mit Kampfkünsten. Fürstentumsschulen (hankō) bildeten junge Männer für den Staatsdienst aus, und Schulen für Schwertkampf, Bogenschießen und Reiten blühten als Wege der Selbstvervollkommnung. Herrenlose Samurai (rōnin) lebten unsicher außerhalb dieser Ordnung; die Rache der 47 Rōnin von Akō 1703, die ihren Herrn rächten und danach zum Seppuku verurteilt wurden, wurde zur berühmtesten Geschichte der Treue im japanischen Theater.

  • Die 47 Rōnin

    赤穂浪士Akō rōshi

    Gefolgsleute aus Akō, die 1703 ihren Herrn rächten; ihre Gräber liegen im Sengaku-ji in Tokio, ihre Geschichte ist das Drama Chūshingura.

  • Miyamoto Musashi

    宮本武蔵Miyamoto Musashi

    Schwertkämpfer (um 1584–1645), der in der Reigandō-Höhle bei Kumamoto das „Buch der fünf Ringe“ schrieb.

  • Rōnin

    浪人rōnin

    Samurai ohne Herrn, oft verarmt nach der Einziehung von Fürstentümern.

Ideale und die Idee des Bushidō

Die Werte der Krieger wandelten sich im Lauf der Zeit. Mittelalterliche Kriegserzählungen preisen Mut, Ruhm und Treue, zeigen aber auch häufige Seitenwechsel um des Lohnes willen. In der Edo-Zeit deuteten Autoren die Rolle des Kriegers im konfuzianischen Sinn von Pflicht und moralischem Vorbild. Der bekannteste Text, das Hagakure (1716), aufgezeichnet von Yamamoto Tsunetomo aus dem Fürstentum Saga, betont unbedingte Hingabe und Todesbereitschaft – war aber vor dem 20. Jahrhundert kaum verbreitet.

Der Begriff Bushidō, „Weg des Kriegers“, war vor der Moderne selten. Bekannt wurde er durch Nitobe Inazōs englischsprachiges Buch „Bushido: The Soul of Japan“ (1899), das westlichen Lesern die Ethik der Samurai vorstellte; danach nutzte der Staat ihn bis 1945, um Loyalität und Opferbereitschaft in Armee und Schulen zu fördern. Die Forschung sieht Bushidō daher weitgehend als moderne Konstruktion, die ältere Ideale selektiv aufgreift. Die rituelle Selbsttötung durch Bauchaufschneiden (seppuku) gab es seit dem Mittelalter; in der Edo-Zeit wurde sie als ehrenvolle Todesart oder Strafe für Samurai formalisiert.

  • Hagakure

    葉隠Hagakure

    Aussprüche des Yamamoto Tsunetomo, 1716 im Fürstentum Saga zusammengestellt.

  • Seppuku

    切腹seppuku

    Rituelle Selbsttötung durch Aufschneiden des Bauches, umgangssprachlich auch Harakiri.

  • Nitobe Inazō

    新渡戸稲造Nitobe Inazō

    Pädagoge und Diplomat (1862–1933), Verfasser von „Bushido: The Soul of Japan“ und später Untergeneralsekretär des Völkerbunds.

Religion und Kultur

Die Krieger verehrten Hachiman, den Kami des Krieges und Schutzgott der Minamoto, und viele waren fromme Anhänger des Amida-Buddhismus. Der von den Shōgunen in Kamakura und Muromachi geförderte Zen-Buddhismus bot eine Meditationsdisziplin, die spätere Autoren mit der Schwertkunst verbanden. Samurai waren zudem große Kulturförderer: Sie unterstützten Nō-Theater, Tuschmalerei, Gartenkunst und vor allem die Teezeremonie, deren Meister den Kriegsherren des 16. Jahrhunderts dienten. Viele Samurai dichteten, und in der Edo-Zeit stammten einige der bedeutendsten Gelehrten, Maler und Schriftsteller Japans aus Samurai-Familien.

  • Hachiman

    八幡Hachiman

    Kami des Krieges und Schutzherr der Krieger, verehrt im Tsurugaoka Hachimangū in Kamakura.

  • Zen

    禅Zen

    Meditationsschule des Buddhismus, gefördert von den Kriegerregierungen.

Das Ende der Samurai

Rangniedere Samurai aus den Fürstentümern Satsuma, Chōshū und Tosa waren die treibende Kraft der Meiji-Restauration von 1868 – die dann ihren eigenen Stand abschaffte. 1871 wurden die Fürstentümer aufgelöst, ab 1873 nahm die Wehrpflicht der Gemeinen den Samurai das Waffenmonopol, 1876 wurden die Bezüge in Staatsanleihen umgewandelt und das Tragen von Schwertern in der Öffentlichkeit verboten. Ehemalige Samurai wurden zu shizoku, einem Stand ohne Vorrechte, bis auch dieser 1947 abgeschafft wurde.

Manche leisteten Widerstand. Die Satsuma-Rebellion von 1877 unter Saigō Takamori wurde von der neuen Wehrpflichtarmee niedergeschlagen – das Ende der Samurai als militärische Kraft. Viele ehemalige Samurai wurden Beamte, Offiziere, Lehrer, Unternehmer und Journalisten des neuen Japan.

  • Saigō Takamori

    西郷隆盛Saigō Takamori

    Anführer der Satsuma-Rebellion (1828–1877), oft „der letzte Samurai“ genannt.

  • Byakkotai

    白虎隊Byakkotai

    Einheit jugendlicher Samurai aus Aizu; im Boshin-Krieg 1868 versuchten zwanzig von ihnen auf dem Iimoriyama, sich das Leben zu nehmen, neunzehn starben.

Wo das Erbe der Samurai zu sehen ist

Originalburgen, Samurai-Residenzen und Museen bewahren die materielle Welt der Samurai in ganz Japan. Zwölf Burgtürme sind aus der Edo-Zeit oder früher erhalten; der prächtigste ist die Burg Himeji.

  • Burg Himeji

    姫路城Himeji-jō

    Weitgehend unversehrte Burg des frühen 17. Jahrhunderts, seit 1993 Welterbe.

  • Kakunodate

    角館Kakunodate

    Samurai-Viertel mit schwarz umzäunten Residenzen und Trauerkirschen in Semboku, Präfektur Akita.

  • Nagamachi

    長町武家屋敷跡Nagamachi buke yashiki ato

    Ehemaliges Samurai-Viertel von Kanazawa mit Lehmmauern und Kanälen.

  • Hagi

    萩Hagi

    Burgstadt des Fürstentums Chōshū, dessen Samurai die Meiji-Restauration anführten.

  • Burg Matsumoto

    松本城Matsumoto-jō

    Schwarzer Burgturm des späten 16. Jahrhunderts, Nationalschatz.

Nachwirkung und Bild

Die Samurai gehören bis heute zu den stärksten Bildern Japans, im Inland wie im Ausland – durch Kabuki, historische Romane, die Filme Kurosawa Akiras, Manga, Anime und Videospiele. Kampfkünste wie Kendō, Kyūdō und Iaidō bewahren Techniken und Etikette aus der Ausbildung der Samurai. Die Forschung mahnt, dass das populäre Bild – unbestechliche Treue, ein einheitlicher Bushidō-Kodex, das Katana als Hauptwaffe – einen Stand vereinfacht, dessen Werte und Rollen sich über sieben Jahrhunderte stark wandelten.

Zeitleiste

  1. 10.–11. Jh.

    Bewaffnete Grundherren in den Provinzen bilden Kriegerverbände.

  2. 939–941

    Die Aufstände des Taira no Masakado und des Fujiwara no Sumitomo werden von Kriegern niedergeschlagen.

  3. 1156–1159

    Hōgen- und Heiji-Wirren rücken die Krieger ins Zentrum der Politik.

  4. 1185

    Die Minamoto besiegen die Taira; in Kamakura beginnt die Kriegerherrschaft.

  5. 1274 / 1281

    Samurai wehren die Mongoleneinfälle ab.

  6. 1467–1568

    Sengoku-Zeit der Bürgerkriege zwischen Regionalfürsten.

  7. 1588–1591

    Hideyoshis Schwertjagd und Trennung von Kriegern und Bauern.

  8. 1603–1867

    Edo-Zeit: Die Samurai werden unter den Tokugawa zum Verwaltungsstand.

  9. 1703

    Die 47 Rōnin von Akō rächen ihren Herrn.

  10. 1871–1876

    Auflösung der Fürstentümer, Wehrpflicht, Ende der Bezüge und Schwertverbot.

  11. 1877

    Die Satsuma-Rebellion, der letzte Samurai-Aufstand, wird niedergeschlagen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Samurai?

Samurai kommt vom Verb saburau, „dienen“. Ursprünglich waren damit bewaffnete Diener von Adligen gemeint, später der gesamte erbliche Kriegerstand, auch bushi genannt.

Wann gab es Samurai?

Kriegerverbände entstanden im 10. und 11. Jahrhundert; von 1185 bis 1868 regierten Samurai Japan, in den 1870er-Jahren wurde der Stand abgeschafft.

Gab es einen festen Bushidō-Kodex?

Einen einheitlichen schriftlichen Kodex gab es nicht. Die Werte der Krieger wandelten sich; der Begriff Bushidō wurde erst um 1900 populär, vor allem durch Nitobe Inazōs Buch, und dann in der nationalistischen Erziehung genutzt.

Gab es weibliche Samurai?

Frauen aus Samurai-Familien lernten, den Haushalt zu verteidigen, oft mit der Schwertlanze Naginata, und manche kämpften, etwa Nakano Takeko aus Aizu 1868. Einen eigenen Kriegerstatus hatten Frauen jedoch nicht.

Wo kann man Samurai-Häuser besichtigen?

Gut erhaltene Samurai-Viertel gibt es in Kakunodate (Akita), Nagamachi in Kanazawa und in der Altstadt von Hagi; Originalburgen wie Himeji und Matsumoto zeigen die Welt der Daimyō.

Quellen

  1. 1.国立歴史民俗博物館 (öffnet in neuem Tab) — National Museum of Japanese History
  2. 2.東京国立博物館 (öffnet in neuem Tab) — Tokyo National Museum
  3. 3.Himeji-jo (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  4. 4.Japan – History (öffnet in neuem Tab) — Encyclopaedia Britannica

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