Fukushima · Stadt
Aizu-Wakamatsu
会津若松市あいづわかまつしAizu-Wakamatsu-shiSamuraitreue, die rot gedeckte Tsuruga-jo und der Sake des Aizu-Beckens
Aizu-Wakamatsu ist das historische Zentrum der Region Aizu im Westen der Präfektur Fukushima – die Burgstadt des Lehens Aizu, deren Widerstand im Boshin-Krieg 1868 die Burg Tsuruga-jo und die jungen Byakkotai in ganz Japan berühmt machte.
Überblick
Aizu-Wakamatsu liegt im Südosten des Aizu-Beckens, einer weiten, von Bergen umschlossenen Reisebene; nordöstlich erheben sich der Bandai und der Inawashiro-See. Fast drei Jahrhunderte lang war die Stadt Sitz des Lehens Aizu, eines der bedeutendsten Fürstentümer Nordjapans und Bollwerk der Treue zum Tokugawa-Shogunat.
Diese Treue prägt das Bild der Stadt. 1868 belagerten die Truppen der neuen Meiji-Regierung die Burg einen Monat lang; die Tragödie der Byakkotai, jugendlicher Kämpfer, die auf dem Iimori-yama starben, und die Verteidigung der Burg durch Männer wie Frauen gingen ins kollektive Gedächtnis Japans ein. Der wiederaufgebaute Hauptturm der Tsuruga-jo, die Samuraischule Nisshinkan und die Gräber auf dem Iimori-yama halten diese Geschichte lebendig.
Zugleich ist Aizu-Wakamatsu eine Stadt des Handwerks und des Brauens. Aizu-Lackwaren, mit Blumen bemalte Kerzen, der rote Ochse Akabeko und eine Reihe von Sakebrauereien in den alten Straßen setzen Traditionen fort, die das Lehen einst förderte. Der Thermalort Higashiyama Onsen in den östlichen Hügeln dient der Stadt seit Jahrhunderten als Badeort.
Sehenswürdigkeiten
Tsuruga-jo
鶴ヶ城Tsuruga-jōBurg des Lehens Aizu, amtlich Wakamatsu-jo; der rekonstruierte fünfgeschossige Hauptturm beherbergt ein Museum und ist der einzige in Japan mit rot glasierten Dachziegeln. Das Burggelände ist nationale historische Stätte mit rund 1.000 Kirschbäumen.
Teehaus Rinkaku
茶室麟閣Chashitsu RinkakuTeehaus im Burggelände, verbunden mit Sen Shoan, dem Sohn des Teemeisters Sen no Rikyu, der unter Gamo Ujisato in Aizu Zuflucht fand.
Iimori-yama
飯盛山Iimori-yamaHügel östlich des Zentrums mit den Gräbern der Byakkotai, dem Aussichtspunkt, von dem aus sie die Stadt brennen sahen, und Gedenkmälern.
Sazae-do
さざえ堂Sazae-dōSechseckige Holzhalle von 1796 auf dem Iimori-yama; dank einer doppelten Wendelrampe begegnen sich Auf- und Absteigende nie. Wichtiges Kulturgut.
Nisshinkan
會津藩校日新館Aizu Hankō NisshinkanNachbau der Lehensschule, in der die Samuraisöhne konfuzianische Klassiker, Kampfkünste und sogar Schwimmen in Rüstung lernten.
Oyakuen
御薬園OyakuenLandschaftsgarten der Fürsten von Aizu mit Teich, Villa und Heilkräutergarten; als Ort landschaftlicher Schönheit (Meisho) national geschützt.
Aizu Bukeyashiki
会津武家屋敷Aizu BukeyashikiFreilichtmuseum um den Nachbau der Residenz des Oberhofmeisters Saigo Tanomo, dessen Familie sich während der Belagerung das Leben nahm.
Nanokamachi-dori
七日町通りNanokamachi-dōriStraße mit restaurierten Läden, Speichern und Fassaden im westlichen Stil aus Meiji- und Taisho-Zeit, mit Geschäften für Lackwaren, Kerzen und Sake.
Stadtviertel
Burgviertel
Tsuruga-jo mit Gräben und Park sowie das frühere Samuraiviertel im Süden, nahe dem Oyakuen-Garten.
Nanokamachi und Noguchi-Hideyo-Straße
七日町・野口英世青春通りNanokamachi, Noguchi Hideyo Seishun-dōriAlte Kaufmannsstraßen westlich des Zentrums, darunter die Straße, in der Noguchi Hideyo an der Hand operiert wurde und seine medizinische Ausbildung begann.
Iimori-yama und Higashiyama
飯盛山・東山Iimori-yama, HigashiyamaÖstliche Hügel mit den Byakkotai-Gräbern, der Sazae-do, dem Aizu Bukeyashiki und dem Tal von Higashiyama Onsen.
Bahnhofsviertel
Der Bahnhof Aizu-Wakamatsu im Norden ist Ausgangspunkt der Rundbusse sowie der Ban’etsu-West- und der Tadami-Linie.
Geschichte
Seit dem Mittelalter herrschte das Haus Ashina über Aizu und errichtete in Kurokawa eine Festung, die Vorläuferin der Burg. 1589 eroberte Date Masamune die Gegend, doch Toyotomi Hideyoshi übertrug sie bald Gamo Ujisato. Dieser baute die Burg mit einem siebengeschossigen Hauptturm neu, nannte sie Tsuruga-jo, legte die Burgstadt an und benannte sie in Wakamatsu um. Nach den kurzen Herrschaften von Uesugi Kagekatsu und des Hauses Kato übernahm 1643 Hoshina Masayuki das Lehen und begründete die Linie, die bis zur Meiji-Restauration regierte.
Nach der Niederlage von 1868 wurden die Samurai des Lehens größtenteils nach Tonami im äußersten Norden verbannt, der Hauptturm 1874 abgerissen. Wakamatsu erhielt 1899 Stadtrecht, wuchs durch Eingemeindungen und heißt seit 1955 Aizu-Wakamatsu. 1965 wurde der Hauptturm rekonstruiert, 2011 erhielt sein Dach wieder rot glasierte Ziegel.
1384
Der Überlieferung nach errichtet Ashina Naomori die Festung Kurokawa, die Vorläuferin der Tsuruga-jo.
1589
Date Masamune besiegt die Ashina und besetzt Kurokawa.
1592–1593
Gamo Ujisato benennt die Stadt in Wakamatsu um und vollendet einen siebengeschossigen Hauptturm; die Burg heißt fortan Tsuruga-jo.
1643
Hoshina Masayuki wird Fürst von Aizu.
1796
Bau der Sazae-do, einer Holzhalle mit doppelter Wendelrampe, auf dem Iimori-yama.
1803
Fertigstellung der Lehensschule Nisshinkan.
1868
Belagerung der Tsuruga-jo im Boshin-Krieg; Mitglieder der Byakkotai sterben auf dem Iimori-yama; die Burg kapituliert nach rund einem Monat.
1874
Abriss des beschädigten Hauptturms.
1899
Wakamatsu erhält Stadtrecht; seit 1955 heißt die Stadt Aizu-Wakamatsu.
1965
Wiederaufbau des Hauptturms der Tsuruga-jo; 2011 wird das rote Ziegeldach wiederhergestellt.
Kultur
Aizu-Wakamatsu pflegt die Ideale des alten Lehens: Kinder lernen bis heute die Regeln des Nisshinkan, und jedes Frühjahr und jeden Herbst wird auf dem Iimori-yama der Byakkotai gedacht. Das Handwerk gehört zum Alltag – Aizu-Lackwaren, bemalte Aizu-Kerzen, Akabeko und die runden Stehaufpuppen Okiagari-koboshi vom Neujahrsmarkt. Man spricht einen Tohoku-Dialekt mit eigener, sanfter Sprachmelodie, und die Sakekultur ist lebendig – Brauereibesuche und Verkostungen gehören zur Gastfreundschaft der Stadt.
Feste
Aizu-Fest
会津まつりAizu MatsuriEnde September; Höhepunkt ist der Umzug Aizu Hanko Gyoretsu mit den Fürsten von Aizu, den Byakkotai und dem Frauenkorps.
Toka-ichi
十日市Tōka-ichiNeujahrsmarkt am 10. Januar im Zentrum, auf dem man Stehaufpuppen kauft – eine mehr, als die Familie Mitglieder hat.
Fest der bemalten Kerzen
会津絵ろうそくまつりAizu Erōsoku MatsuriWinterfest im Februar, bei dem Tausende Kerzen den Schnee an der Tsuruga-jo und im Oyakuen-Garten erleuchten.
Higan-jishi
彼岸獅子Higan-jishiLöwentänze, die um die Frühlings-Tagundnachtgleiche durch die Stadt ziehen und das Ende des Winters verkünden.
Essen
Kozuyu
こづゆkozuyuKlare Suppe auf Brühe von getrockneten Jakobsmuscheln mit Taro, Konjak, Shiitake und Weizengluten-Kügelchen, zu Hochzeiten und Neujahr in flachen Aizu-Lackschalen serviert.
Sauce-Katsudon
ソースカツ丼sōsu katsudonDickes Schweineschnitzel in süßer Sauce auf Weißkohl und Reis, oft so üppig, dass der Deckel nicht schließt.
Wappa-meshi
わっぱ飯wappa-meshiReis, mit Lachs, Pilzen oder Bergkräutern in runden Spanholzschachteln gedämpft.
Aizu-Dengaku
会津田楽Aizu dengakuTofu, Reiskuchen, Taro und Hering am Spieß, mit süßem Miso bestrichen und über Holzkohle gegrillt.
Basashi
馬刺しbasashiRohes Pferdefleisch, in Aizu meist mageres rotes Fleisch mit Knoblauch-Chili-Miso.
Sake aus Aizu
会津の地酒Aizu no jizakeSake aus Brauereien der Altstadt, teils mit Probierstuben, gebraut aus Reis des Beckens und weichem Bergwasser.
Unterwegs vor Ort
- Von Tokio fährt man meist mit dem Tohoku-Shinkansen nach Koriyama und weiter mit der JR-Ban’etsu-West-Linie in gut einer Stunde nach Aizu-Wakamatsu; insgesamt dauert die Reise rund drei Stunden.
- Von Süden führen Züge der Tobu-Bahn ab Asakusa über Kinugawa auf die Aizu-Bahn, die über Ashinomaki Onsen nach Aizu-Wakamatsu fährt.
- Zwei Rundbusse, „Haikara-san“ und „Akabe“, verbinden den Bahnhof mit Nanokamachi, der Tsuruga-jo, dem Iimori-yama und Higashiyama Onsen.
- Die JR-Tadami-Linie führt nach Westen durch Oku-Aizu in die Präfektur Niigata; die Ban’etsu-West-Linie setzt sich nordwestlich über Kitakata nach Niigata fort.
Ausflüge
Ouchi-juku
大内宿Ōuchi-jukuPoststation der Edo-Zeit in Shimogo mit einer Straße strohgedeckter Häuser, als Ensemble national geschützt und bekannt für Negi-Soba.
Kitakata
喜多方KitakataStadt der Lehmspeicher und Ramen-Lokale, etwa 20 Minuten nördlich mit dem Zug.
Inawashiro-See und Noguchi-Hideyo-Gedenkmuseum
猪苗代湖Inawashiro-koGroßer See am Fuß des Bandai; am Nordufer steht das Geburtshaus Noguchi Hideyos.
- 磐梯山・裏磐梯Bandai-san, Urabandai
Vulkan und die Seenhochfläche, die sein Ausbruch von 1888 schuf, mit den Goshiki-numa-Teichen.
To-no-hetsuri
塔のへつりTō-no-hetsuriZu turmartigen Formen ausgewaschene Uferfelsen am Fluss Okawa, nahe einem Bahnhof der Aizu-Bahn.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Wer waren die Byakkotai?
Die Byakkotai waren Einheiten junger Samurai aus Aizu im Alter von etwa 16 und 17 Jahren. 1868 sah eine Gruppe von ihnen vom Iimori-yama aus Rauch über der Stadt, hielt die Burg für gefallen und nahm sich das Leben; ihre Gräber liegen auf dem Hügel.
Ist die Tsuruga-jo original erhalten?
Nein. Der ursprüngliche Hauptturm wurde 1874 abgerissen; der heutige ist eine Rekonstruktion von 1965 mit Museum, während Steinmauern und Gräben original sind.
Wie viel Zeit sollte man für Aizu-Wakamatsu einplanen?
Ein voller Tag reicht für Burg, Iimori-yama und Altstadt; mit einem zweiten Tag lässt sich ein Ausflug nach Ouchi-juku, Kitakata oder zum Bandai anschließen.
Wie kommt man von Tokio nach Aizu-Wakamatsu?
Am einfachsten mit dem Tohoku-Shinkansen bis Koriyama und weiter mit der Ban’etsu-West-Linie; alternativ fahren Züge der Tobu-Bahn und der Aizu-Bahn ab Asakusa über Kinugawa.
Weiterlesen
Quellen
- 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
- 2.会津若松市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 会津若松市
- 3.福島県ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 福島県
- 4.Aizu-Wakamatsu (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization