Nationalparks · Yamagata, Fukushima, Niigata
Nationalpark Bandai-Asahi
磐梯朝日国立公園ばんだいあさひこくりつこうえんBandai-Asahi Kokuritsu KōenPilgerberge, Schneegebirge und die Seen eines zerborstenen Vulkans
Bandai-Asahi ist einer der größten Nationalparks Japans und erstreckt sich über die Gebirge von Yamagata, Fukushima und Niigata. Seit 1950 verbindet er die heiligen Berge Dewa Sanzan, die wilden Asahi- und Iide-Ketten, die Vulkane Azuma und Adatara sowie den Bandai-san mit den Seen, die sein katastrophaler Ausbruch von 1888 hinterließ.
Überblick
Der Nationalpark Bandai-Asahi umfasst einen breiten Gebirgsstreifen im Süden Tōhokus und besteht aus vier getrennten Gebieten. Im Nordwesten erheben sich die Dewa Sanzan und das Asahi-Gebirge über die Shōnai-Ebene von Yamagata. Südlich davon bildet das Iide-Gebirge ein abgelegenes, schneereiches Massiv an der Grenze von Yamagata, Niigata und Fukushima, das am Dainichi-dake 2.128 m erreicht. Im Osten liegen die Vulkane Azuma und Adatara zwischen Yonezawa und der Stadt Fukushima, im Südosten der Bandai-san mit den Ura-Bandai-Seen und dem Inawashiro-See.
Der 1950 ausgewiesene Park ist mit 1.866 km² der drittgrößte Japans. Bekannt ist er für einen der größten zusammenhängenden Buchenwälder des Landes und für den Schnee, der auf Asahi und Iide bis in den Hochsommer liegen bleibt.
Seine beiden Hälften haben unterschiedlichen Charakter. Die westlichen Berge sind Orte der Pilgerschaft und der Wildnis, besucht von yamabushi (Bergasketen) und Weitwanderern. Die östlichen Vulkane mit Thermalquellen, Kraterseen und Panoramastraßen gehören zu den meistbesuchten Landschaften Tōhokus.
Landschaft und Entstehung
Asahi- und Iide-Gebirge sind nicht vulkanisch, sondern gehobene Schollen aus Granit und älteren Gesteinen, tief zertalt und mit Schneefeldern, die den Sommer überdauern. Der Gassan dagegen ist ein breiter, abgetragener Schildvulkan, und die Gruppen Azuma und Adatara sind aktive Vulkanketten mit Fumarolen, Kraterseen und Schwefelablagerungen; Issaikyō-zan und Adatara-yama werden von der Japanischen Wetterbehörde überwacht.
Am Bandai-san (1.816 m) zeigt sich die Wucht eines Flankenkollapses. Am 15. Juli 1888 sprengte eine Dampfexplosion den Gipfel Kobandai weg, und eine Schuttlawine raste die Nordseite hinab. Der hufeisenförmige Krater ist von Ura-Bandai aus noch zu sehen, die verschütteten Täler wurden zu einer Seenplatte. Der Inawashiro-See im Süden ist älter: Frühere Ausbrüche des Bandai stauten ein tektonisches Becken auf.
Höhepunkte
- 磐梯山Bandai-san
Der 1.816 m hohe „Aizu-Fuji“ – von Süden ebenmäßig, von Norden aufgerissen, wo sich der Einsturzkrater von 1888 öffnet.
Goshiki-numa
五色沼Goshiki-numaKette von Teichen in Ura-Bandai, deren Wasser von Kobaltblau bis Smaragdgrün reicht, verbunden durch einen Waldlehrpfad.
- 猪苗代湖Inawashiro-ko
Viertgrößter See Japans, „Himmelsspiegel-See“ genannt, mit überwinternden Schwänen am Nordufer.
- 月山Gassan
Der 1.984 m hohe mittlere Berg der Dewa Sanzan, Sinnbild der Vergangenheit und der Welt der Toten, mit Gipfelschrein.
Haguro-san
羽黒山Haguro-sanDer niedrigste der drei heiligen Berge, erstiegen über 2.446 Steinstufen durch eine Zedernallee vorbei an einer fünfstöckigen Pagode.
Jōdo-daira und Azuma-Kofuji
浄土平・吾妻小富士Jōdo-daira, Azuma-KofujiVulkanplateau an der Bandai-Azuma Skyline mit kurzem Aufstieg zum Rand des kreisrunden Azuma-Kofuji-Kraters.
Iide-Gebirge
飯豊連峰Iide renpōLanger, schneereicher Grat mit Zweitausendern, Blumenwiesen und Hütten, eines der wildesten Gebirge Honshus.
Natur
Ökologie
Der Winterschnee vom Japanischen Meer prägt die Ökologie des Parks. Buchenwald bedeckt die mittleren Hänge von Asahi und Iide in einem der größten zusammenhängenden Bestände Japans; darüber tragen Schneetälchen und windgepeitschte Grate schon in mäßiger Höhe reiche Alpenwiesen. Besonders das Iide-Gebirge ist für seine schneegespeisten Blumenfelder und Endemiten bekannt.
Große Säugetiere sind häufig: Kragenbär, Japanischer Serau und Rotgesichtsmakak leben in den Wäldern, Steinadler und Haubenadler jagen über den Graten. In Ura-Bandai und am Inawashiro-See bieten Seen und Sümpfe Wasservögeln Lebensraum, darunter den Singschwänen, die am Inawashiro überwintern.
Flora
Buchenwald
ブナ林buna-rinAusgedehnter Buchenurwald an Asahi und Iide, Quellgebiet vieler Flüsse.
Iide-Enzian
イイデリンドウIide-rindōNur im Iide-Gebirge vorkommender Enzian, Blüte im Sommer.
Azuma-Hoshikusa
アズマホシクサAzuma-hoshikusaKleines Augenblütengewächs (Eriocaulon), nach dem Azuma-Gebiet benannt, auf nassen Böden.
Zedernallee am Haguro-san
羽黒山のスギ並木Haguro-san no sugi namikiHunderte mächtige Japanische Zedern (sugi) entlang der Pilgerstufen, Besonderes Naturdenkmal.
Rhododendren
シャクナゲshakunageBlühen im Frühsommer an den Graten von Azuma und Adatara.
Fauna
Kragenbär
ツキノワグマtsukinowagumaIn den Buchenwäldern häufig; im Herbst frisst er Bucheckern.
Japanischer Serau
ニホンカモシカnihon-kamoshikaOft an den verschneiten Hängen von Asahi und Iide zu sehen.
Steinadler und Haubenadler
イヌワシ・クマタカinuwashi, kumatakaBeide Greifvögel brüten in den abgelegenen westlichen Bergen.
Singschwan
オオハクチョウōhakuchōÜberwintert in großer Zahl am Nordufer des Inawashiro-Sees.
Kultur
Die Dewa Sanzan sind seit rund 1.400 Jahren ein Zentrum des Shugendō, der synkretistischen Bergreligion; die Überlieferung schreibt ihre Erschließung Prinz Hachiko zu, einem Sohn des Kaisers Sushun. Noch heute halten yamabushi am Haguro-san asketische Klausuren ab, weiß gekleidete Pilger steigen im Sommer auf den Gassan. Tempel am Fuß des Yudono-san bewahren sokushinbutsu, Mönche, die sich durch Fasten und Meditation selbst mumifizierten. Der Haiku-Dichter Matsuo Bashō bestieg 1689 alle drei Berge und schrieb dort Verse seiner „Schmalen Straße ins Hinterland“.
Im Osten ist die Geschichte der Region Aizu mit dem Bandai verbunden; in Inawashiro wurde der Bakteriologe Noguchi Hideyo geboren. Der Dichter und Bildhauer Takamura Kōtarō machte den Adatara mit dem Wort seiner Frau Chieko bekannt, der wahre Himmel sei der über dem Adatara-yama.
Dewa-Sanzan-Schrein
出羽三山神社Dewa Sanzan-jinjaDie gemeinsame Schreinhalle Sanjin Gōsaiden auf dem Haguro-san, in der die Gottheiten aller drei Berge verehrt werden.
Fünfstöckige Pagode am Haguro-san
羽黒山五重塔Haguro-san gojū-no-tōUnbemalte Holzpagode im Zedernwald, Nationalschatz.
Yudono-san-Schrein
湯殿山神社Yudono-san-jinjaSchrein, dessen Kultobjekt eine über einen Felsen fließende heiße Quelle ist; Fotografieren ist dort untersagt.
Museum zum Ausbruch des Bandai-san
磐梯山噴火記念館Bandai-san Funka KinenkanMuseum in Ura-Bandai zum Ausbruch von 1888 und zur Vulkanologie.
Geschichte
593 (Überlieferung)
Prinz Hachiko soll die Dewa Sanzan als heilige Berge erschlossen haben.
1689
Matsuo Bashō besteigt auf seiner Reise in den Norden Haguro-san, Gassan und Yudono-san.
1888
Am 15. Juli verschütten Ausbruch und Flankenkollaps des Bandai-san Dörfer und schaffen die Ura-Bandai-Seen.
1950
Ausweisung als Nationalpark am 5. September.
1959
Die Bandai-Azuma Skyline durch die Azuma-Vulkane wird eröffnet.
2011
Der Bandai-san wird als Japanischer Geopark anerkannt.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Schneekorridore an der Bandai-Azuma Skyline bei der Wiedereröffnung; die Skisaison am Gassan beginnt im April und reicht in den Sommer.
Sommer
Pilger- und Wandersaison an den Dewa Sanzan, im Asahi- und Iide-Gebirge; Alpenblumen ab Juli, die Berghütten sind geöffnet.
Herbst
Im Oktober färben sich Buchenwald und Ura-Bandai-Seen gold und rot – eine der klassischen Herbstrouten Tōhokus über Skyline und Bandai-Azuma Lake Line.
Winter
Tiefer Schnee sperrt die Hochstraßen; Skigebiete um Bandai und Inawashiro sind in Betrieb, Schwäne überwintern am See, yamabushi halten am Haguro-san Winterklausuren ab.
Routen und Wege
Naturpfad Goshiki-numa
Leichter Weg von etwa 3,6 km zwischen Bishamon-numa und dem Hibara-See entlang der Teiche.
Steinstufen am Haguro-san
Der Pilgerweg mit 2.446 Stufen durch die Zedernallee vom Zuishin-mon-Tor zum Gipfelschrein; rund eine Stunde Aufstieg.
Gassan ab der 8. Station
Sommerlicher Pilgerweg über alpine Moore zum Gipfelschrein, als volle Überschreitung weiter hinab zum Yudono-san.
Bandai-san ab Happōdai
Kürzeste Gipfelroute durch Buchenwald und am Kraterrand vorbei; etwa 4 bis 5 Stunden hin und zurück.
Überschreitung des Iide-Gebirges
Mehrtägige Hüttentour auf dem Hauptgrat, oft bis in den Juli mit Schneefeldquerungen.
Praktische Hinweise
- Tōhoku- und Yamagata-Shinkansen halten in Fukushima, Kōriyama und Yonezawa; Tsuruoka und der Flughafen Shōnai sind die Tore zu den Dewa Sanzan, die JR-Ban'etsu-West-Linie führt nach Inawashiro.
- Bergstraßen wie die Bandai-Azuma Skyline und die Zufahrt zum Gassan sind vom Spätherbst bis zum Frühjahr gesperrt.
- Am Adatara-yama und an den Azuma-Vulkanen treten Gase aus; auf den Wegen bleiben, Sperrungen und Warnstufen beachten.
- Bären sind im ganzen Park verbreitet; Iide und Asahi verlangen früh in der Saison volle Bergausrüstung und Erfahrung im Schnee.
- Am Yudono-san-Schrein und auf Teilen der Pilgerwege sind Fotografieren und das Sprechen über den heiligen Ort traditionell untersagt.
Häufige Fragen
Was sind die Dewa Sanzan?
Die drei Berge von Dewa – Haguro-san, Gassan und Yudono-san – sind heilige Gipfel des Shugendō, der japanischen Bergreligion, in Yamagata. Pilger besuchen traditionell alle drei; sie stehen für Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft bzw. Geburt, Tod und Wiedergeburt.
Wie entstanden die Goshiki-numa-Teiche?
Beim Ausbruch am 15. Juli 1888 brach die Nordflanke des Bandai-san zusammen, verschüttete Dörfer und tötete mehrere Hundert Menschen. Der Schutt staute Flüsse zu Hunderten Seen und Teichen auf, darunter Hibara-ko, Onogawa-ko, Akimoto-ko und die farbigen Goshiki-numa („fünffarbige Teiche“).
Gehört der Inawashiro-See zum Park?
Ja. Der Inawashiro-See, viertgrößter See Japans, liegt am Südfuß des Bandai-san und gehört zum Bandai-Gebiet des Parks.
Kann man am Gassan im Sommer Ski fahren?
Am Gassan fällt so viel Schnee, dass das Skigebiet erst im Frühjahr öffnet, sobald die Zufahrt geräumt ist; auf den Altschneefeldern wird bis in den Frühsommer gefahren.
Was ist die Bandai-Azuma Skyline?
Eine Panoramastraße durch die Azuma-Vulkane von der Stadt Fukushima zum Tsuchiyu-Pass, vorbei am dampfenden Plateau Jōdo-daira und dem Krater des Azuma-Kofuji; im Winter gesperrt.
Weiterlesen
Quellen
- 1.磐梯朝日国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
- 2.国立公園の概要 (öffnet in neuem Tab) — 環境省
- 3.Bandai-Asahi National Park (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Japan
- 4.日本ジオパークネットワーク (öffnet in neuem Tab) — 日本ジオパークネットワーク