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Japan

Yamagata · Stadt

Tsuruoka

鶴岡市つるおかしTsuruoka-shi

Samuraistadt, heilige Berge und die Küche Shonais

Tsuruoka ist die frühere Burgstadt des Fürstentums Shonai an der Japanmeerküste der Präfektur Yamagata und das Tor zu den heiligen Bergen Dewa Sanzan; die UNESCO hat die Stadt für ihre Esskultur als Kreativstadt der Gastronomie ausgezeichnet.

Überblick

Tsuruoka liegt im südlichen Teil der Shonai-Ebene, wo sich Reisfelder zwischen dem Japanischen Meer und den Dewa-Bergen erstrecken. Zweieinhalb Jahrhunderte lang residierte hier die Familie Sakai als Herr des Fürstentums Shonai. Im kompakten Zentrum um die einstige Burg stehen noch die Fürstenschule, die Villa der Landesherren und eine Reihe von Bauten aus Meiji- und Taishō-Zeit. Der hier aufgewachsene Schriftsteller Fujisawa Shuhei ließ das fiktive Fürstentum seiner Samurai-Erzählungen in dieser Landschaft spielen.

Seit der Fusion mit fünf Nachbargemeinden 2005 ist Tsuruoka flächenmäßig die größte Gemeinde Tohokus. Ihr Gebiet reicht von der Küste bei Yunohama und Atsumi bis zu den Gipfeln des Gassan und der Asahi-Kette und umfasst den gesamten Pilgerweg der Dewa Sanzan: den Haguro-san mit seiner fünfstöckigen Pagode, den Gassan und den Yudono-san.

Die Esskultur der Stadt – alte Gemüsesorten, Wildpflanzen aus den Bergen, Fisch aus dem Japanischen Meer und die vegetarische Tempelküche Shōjin Ryōri der Pilgerherbergen am Haguro – brachte Tsuruoka 2014 als erster japanischer Stadt den Titel einer UNESCO-Kreativstadt der Gastronomie ein. Zugleich ist Tsuruoka ein Forschungsstandort mit einem Biotechnologie-Cluster, der um das Institut für fortgeschrittene Biowissenschaften der Keio-Universität entstanden ist.

Sehenswürdigkeiten

  • Haguro-san und die fünfstöckige Pagode

    羽黒山五重塔Haguro-san Gojū-no-tō

    Die unbemalte Holzpagode, ein Nationalschatz, steht im Zedernwald am Beginn einer Steintreppe mit rund 2.400 Stufen, die zur Sanjin Gosaiden führt – der Halle, in der die Gottheiten aller drei Berge verehrt werden.

  • Chidokan

    旧庄内藩校致道館Kyū Shōnai Hankō Chidōkan

    Die Fürstenschule Shonais von 1805; Lehrhalle und Schrein sind die einzigen erhaltenen Gebäude einer Fürstenschule in Tohoku und als Historische Stätte geschützt.

  • Chido-Museum

    致道博物館Chidō Hakubutsukan

    Museum auf dem Gelände des Alterssitzes der Sakai mit Garten, dem westlich gestalteten früheren Amtsgebäude des Bezirks Nishitagawa von 1881 und einem hierher versetzten mehrgeschossigen Bauernhaus.

  • Tsuruoka-Park und Shonai-Schrein

    鶴岡公園・荘内神社Tsuruoka Kōen, Shōnai Jinja

    Das von Gräben umgebene Gelände der Burg Tsurugaoka mit Kirschbäumen; der Schrein im einstigen Hauptburghof ehrt die Sakai-Fürsten. Im Park stehen auch das Taihokan von 1915 und das Fujisawa-Shuhei-Gedenkmuseum.

  • Kamo-Aquarium

    鶴岡市立加茂水族館Tsuruoka Shiritsu Kamo Suizokukan

    Kleines städtisches Aquarium an der Küste, spezialisiert auf Quallen, mit einer der artenreichsten Quallensammlungen der Welt.

  • Zenpo-ji

    善寳寺Zenpō-ji

    Sōtō-Zen-Tempel, von Fischern entlang der Japanmeerküste als Schutzherr der Seefahrt verehrt, mit großer fünfstöckiger Pagode und einem für seine Karpfen bekannten Teich.

  • Yudono-san-Schrein

    湯殿山神社Yudono-san Jinja

    Das innerste Heiligtum der Dewa Sanzan; verehrt wird ein von heißem Quellwasser überströmter Fels. Besucher gehen barfuß, Fotografieren ist nicht gestattet.

  • Rodungsgelände Matsugaoka

    松ヶ岡開墾場Matsugaoka Kaikonjō

    Große Seidenraupenhallen, die ehemalige Samurai Shonais in den 1870er-Jahren errichteten; heute Museen und Werkstätten und Kern der „Samurai Silk“-Geschichte.

Stadtviertel

  • Burgstadtzentrum

    鶴岡中心市街地Tsuruoka chūshin shigaichi

    Das Viertel um den Tsuruoka-Park mit Chidokan, Chido-Museum, der katholischen Kirche von 1903 und alten Kaufmannshäusern am Fluss Uchikawa.

  • Toge (Haguro)

    手向Tōge

    Pilgerdorf am Fuß des Haguro-san mit rund dreißig Shukubo, Tempelherbergen, die von Yamabushi-Familien geführt werden.

  • Yunohama Onsen

    湯野浜温泉Yunohama Onsen

    Seebad an einem langen Sandstrand mit Blick nach Westen über das Japanische Meer.

  • Yutagawa Onsen

    湯田川温泉Yutagawa Onsen

    Stilles Badetal südlich des Zentrums, bekannt für Bambussprossen im Frühjahr und seine Verbindung zu Fujisawa Shuhei.

  • Atsumi Onsen

    あつみ温泉Atsumi Onsen

    Badeort in einem Flusstal nahe der Grenze zu Niigata mit Morgenmarkt und Fußbädern an der Uferpromenade.

Geschichte

Die religiöse Geschichte der Gegend ist weit älter als die Stadt: Der Überlieferung nach erschloss Prinz Hachiko Ende des 6. Jahrhunderts den Haguro-san als heiligen Berg, und die Dewa Sanzan wurden zum führenden Zentrum des Shugendo in Nordjapan. Die Burg Daihozan, später Tsurugaoka genannt, war im Mittelalter ein lokaler Stützpunkt und kam um 1600 unter die Herrschaft der Mogami.

1622 wurde Sakai Tadakatsu aus einem angesehenen Vasallenhaus der Tokugawa in Tsurugaoka eingesetzt; seine Nachkommen regierten Shonai bis 1868. Das Fürstentum galt als finanziell solide – gestützt von der Kaufmannsfamilie Honma in Sakata – und pflegte mit der Schule Chidokan eine ausgeprägte Bildungstradition. Im Boshin-Krieg blieb Shonais Armee im Feld unbesiegt; die milden Kapitulationsbedingungen Saigo Takamoris begründeten eine dauerhafte Verbundenheit zwischen Shonai und Kagoshima. Ehemalige Samurai rodeten anschließend die Hochfläche von Matsugaoka für die Seidenraupenzucht, und in der Meiji-Zeit erhielt die Stadt den Namen Tsuruoka.

  1. 593

    Der Überlieferung nach erschließt Prinz Hachiko den Haguro-san als heiligen Berg.

  2. 1622

    Sakai Tadakatsu wird Herr des Fürstentums Shonai mit Sitz auf der Burg Tsurugaoka.

  3. 1805

    Gründung der Fürstenschule Chidokan.

  4. 1868

    Shonai kämpft im Boshin-Krieg und kapituliert nach dem Fall von Aizu.

  5. 1872

    Ehemalige Samurai Shonais beginnen, die Hochfläche von Matsugaoka für die Seidenraupenzucht zu roden.

  6. 1876

    Die Präfektur Tsuruoka geht in der Präfektur Yamagata auf.

  7. 1924

    Tsuruoka erhält das Stadtrecht.

  8. 2001

    Die Keio-Universität eröffnet in Tsuruoka ihr Institut für fortgeschrittene Biowissenschaften.

  9. 2005

    Fusion mit Fujishima, Haguro, Kushibiki, Asahi und Atsumi.

  10. 2014

    Tsuruoka wird UNESCO-Kreativstadt der Gastronomie.

Kultur

Tsuruoka bewahrt ein ausgeprägtes Selbstverständnis als Samuraistadt, geprägt von der Betonung von Bildung und Disziplin im Fürstentum Shonai, und eine lebendige religiöse Kultur am Haguro-san, wo Yamabushi noch heute asketische Übungen abhalten und Pilger aufnehmen. Im Dorf Kurokawa spielen Bauernfamilien seit über fünfhundert Jahren ihr eigenes Nō. Die vielfältigen Esstraditionen – von Bergwildpflanzen bis zu alten Gemüsesorten, die einzelne Familien über Generationen erhalten – werden im Rahmen des UNESCO-Titels dokumentiert und gefördert.

Feste

  • Kurokawa-Nō (Ōgi-Fest)

    黒川能・王祇祭Kurokawa Nō, Ōgi-sai

    Am 1. und 2. Februar spielt das Dorf Kurokawa für den Kasuga-Schrein die ganze Nacht Nō; als Wichtiges immaterielles Volkskulturgut geschützt.

  • Tenjin-Fest von Tsuruoka

    鶴岡天神祭Tsuruoka Tenjin Matsuri

    Am 25. Mai ziehen Verkleidete in Kimono, Strohhut und Stoffmaske schweigend durch die Straßen und schenken Sake aus; bleibt man drei Jahre unerkannt, erfüllt sich der Überlieferung nach ein Wunsch. Auch „Bakemono Matsuri“ (Geisterfest) genannt.

  • Shōrei-sai

    松例祭Shōrei-sai

    Feuerritual der Yamabushi in der Silvesternacht auf dem Gipfel des Haguro-san, Abschluss einer hunderttägigen Klausur zweier erfahrener Asketen.

  • Kandara-Fest

    寒鱈まつりKandara Matsuri

    Winterliches Essensfest im Januar rund um Kandara-jiru, die Kabeljausuppe Shonais.

Essen

  • Shōjin Ryōri vom Haguro

    精進料理shōjin ryōri

    Vegetarische Küche der Dewa Sanzan aus Berggemüse, Wildpflanzen und Bambussprossen, serviert in den Shukubo von Toge.

  • Dadacha-mame

    だだちゃ豆dadacha-mame

    Alte Edamame-Sorte mit nussigem Aroma, auf den Feldern rund um die Stadt angebaut und im Spätsommer gegessen.

  • Kandara-jiru

    寒鱈汁kandara-jiru

    Winterliche Misosuppe mit Pazifischem Kabeljau samt Leber und Milch, das Hochwintergericht der Shonai-Küste, auch Donpei-jiru genannt.

  • Moso-jiru

    孟宗汁mōsō-jiru

    Frühlingssuppe aus Mōsō-Bambussprossen mit Sakehefe und Miso.

  • Mugikiri

    麦切りmugikiri

    Dünne, flache Weizennudeln aus Shonai, ein regionaler Verwandter der Udon.

  • Atsumi-Rübe

    温海かぶAtsumi kabu

    Rote Rübe, die an den Hängen bei Atsumi im Brandrodungsfeldbau gezogen und in süßem Essig eingelegt wird.

Unterwegs vor Ort

  • Der Bahnhof Tsuruoka liegt an der JR-Uetsu-Linie; der Expresszug ab Niigata braucht etwa zwei Stunden und hat dort Anschluss an den Joetsu-Shinkansen aus Tokio.
  • Der Flughafen Shonai zwischen Tsuruoka und Sakata bietet Flüge nach Tokio-Haneda und ist mit dem Flughafenbus in rund einer halben Stunde erreichbar.
  • Busse ab dem Bahnhof fahren zum Haguro-san, nach Yunohama Onsen und zum Kamo-Aquarium; Gassan und Yudono-san werden in den schneefreien Monaten von Saisonbussen bedient.
  • Fernbusse verbinden Tsuruoka über die Gassan-Route mit Yamagata und Sendai, Nachtbusse fahren nach Tokio.

Ausflüge

  • Gassan

    月山Gassan

    Mit 1.984 Metern der höchste der Dewa Sanzan, im Sommer vom Ausgangspunkt Hachigome bestiegen; Schneefelder halten sich bis weit in die Saison.

  • Sakata

    酒田市Sakata-shi

    Alter Hafen an der Mogami-Mündung mit den Reisspeichern Sankyo Soko von 1893 und den Anwesen der Kaufmannsfamilie Honma.

  • Chokai-san

    鳥海山Chōkai-san

    Vulkan an der Grenze zu Akita über dem Norden der Shonai-Ebene, erschlossen durch die Bergstraße Chokai Blue Line.

  • Bootsfahrt auf dem Mogami

    最上川舟下りMogami-gawa funakudari

    Bootsfahrten durch die Mogami-Schlucht bei Tozawa, wo Basho 1689 flussabwärts reiste.

  • Asahi-Gebirge

    朝日連峰Asahi Renpō

    Buchenbewaldete Granitkette im Nationalpark Bandai-Asahi, erreichbar aus dem Stadtteil Asahi.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wie besucht man die Dewa Sanzan von Tsuruoka aus?

Busse fahren ganzjährig vom Bahnhof Tsuruoka zum Haguro-san. Gassan und Yudono-san werden von Saisonbussen angefahren und sind nur nach der Schneeschmelze zugänglich, etwa vom Frühsommer bis in den Herbst.

Kann man bei Yamabushi übernachten?

Ja. Im Pilgerdorf Toge am Fuß des Haguro-san führen Yamabushi-Familien Shukubo-Herbergen mit Shōjin Ryōri; einige bieten kurze Programme zur asketischen Übung an.

Warum ist Tsuruoka UNESCO-Stadt der Gastronomie?

Die Auszeichnung von 2014 würdigt die Vielfalt der lokalen Esskultur, etwa alte, von einzelnen Bauernfamilien bewahrte Gemüsesorten, die Shōjin Ryōri vom Haguro und jahreszeitliche Gerichte wie Kandara-jiru.

Wofür ist das Kamo-Aquarium bekannt?

Es ist auf Quallen spezialisiert und zeigt so viele Quallenarten wie kaum ein anderes Aquarium der Welt.

Wie weit ist Tsuruoka von Tokio entfernt?

Mit der Bahn dauert die Fahrt über den Joetsu-Shinkansen und einen Expresszug ab Niigata rund vier Stunden; der Flug von Tokio-Haneda nach Shonai dauert etwa eine Stunde.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.鶴岡市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 鶴岡市
  3. 3.出羽三山神社 (öffnet in neuem Tab) — 出羽三山神社
  4. 4.磐梯朝日国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省

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