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Japan

Japanisch lernen

Die japanische Schrift

日本語の表記にほんごのひょうきNihongo no hyōki

Drei Schriften, ein Satz

Das Japanische verwendet drei Schriften im selben Satz: Kanji (aus China übernommene Schriftzeichen) für die meisten Inhaltswörter, Hiragana für Grammatik und einheimische Wörter und Katakana für Lehnwörter und Hervorhebungen. Dazu kommen lateinische Buchstaben (Rōmaji) und arabische Ziffern.

Kaum eine Sprache wird so geschrieben wie das Japanische. Eine einzige Zeitungszeile kann chinesische Schriftzeichen, zwei verschiedene Silbenschriften, lateinische Buchstaben und Ziffern enthalten – und geübte Leser wechseln zwischen ihnen, ohne es zu bemerken. Das System wirkt zunächst abschreckend, doch jede Schrift hat eine klare Aufgabe, und wer diese Aufgaben kennt, hat den Schlüssel zum Lesen.

Die Mischung ist historisch gewachsen. Japan besaß keine eigene Schrift, als chinesische Zeichen über die koreanische Halbinsel ins Land kamen, und jahrhundertelang passten Schreiber eine Schrift an, die für eine ganz andere Sprache geschaffen war. Aus dieser Anpassung entstanden in der Heian-Zeit Hiragana und Katakana; die heutige Kombination wurde erst im 20. Jahrhundert vereinheitlicht.

Wer im Satz welche Aufgabe hat

Im Satz 私はコーヒーを飲みます (watashi wa kōhī o nomimasu, „Ich trinke Kaffee“) hat jede Schrift ihre Rolle. Die Kanji 私 (ich) und 飲 (trinken) tragen die Bedeutung, die Hiragana は, を und みます markieren Grammatik und Verbendung, und die Katakana コーヒー schreiben ein Lehnwort, das über das Niederländische ins Japanische kam.

Diese Arbeitsteilung macht Texte leichter lesbar, als sie aussehen. Da Japanisch ohne Leerzeichen zwischen den Wörtern geschrieben wird, geben die Kanji dem Auge Halt: Die Inhaltswörter heben sich vom grammatischen Beiwerk ab.

  • Kanji

    漢字kanji

    Aus dem Chinesischen übernommene Zeichen für Substantive und die Stämme von Verben und Adjektiven.

  • Hiragana

    平仮名hiragana

    Die runde Silbenschrift für Partikeln, Endungen, einheimische Wörter ohne gängiges Kanji und Lesehilfen für Kinder.

  • Katakana

    片仮名katakana

    Die eckige Silbenschrift für Lehnwörter, ausländische Namen, Lautmalerei, Fachbegriffe aus Biologie und Hervorhebungen.

  • Rōmaji

    ローマ字rōmaji

    Die lateinische Schrift, etwa auf Bahnhofsschildern, in Abkürzungen, Markennamen und bei der Eingabe am Computer.

Wie die Schriften entstanden

Chinesische Schriftzeichen waren in Japan spätestens im 5. Jahrhundert bekannt und dienten zunächst dem Schreiben von klassischem Chinesisch. Um Japanisch selbst aufzuschreiben, nutzte man Zeichen allein wegen ihres Lautwerts. Die Gedichtsammlung Man'yōshū aus dem 8. Jahrhundert ist weitgehend so notiert, weshalb diese lautliche Verwendung Man'yōgana heißt.

Im 9. und 10. Jahrhundert wurden diese Lautzeichen in zwei Richtungen vereinfacht. Aus kursiven Formen entstanden die Hiragana, die eng mit der höfischen Literatur von Frauen wie dem Genji monogatari verbunden sind. Aus Bruchstücken von Zeichen, die Mönche als Lesehilfen an den Rand buddhistischer Texte schrieben, entstanden die Katakana. Lange wurden beide in getrennten Bereichen verwendet; die heutige Mischschrift aus Kanji und Kana setzte sich mit den Sprachreformen nach 1868 und vor allem nach 1946 durch.

Lesungen und Furigana

Die meisten Kanji haben mehrere Lesungen. On-Lesungen gehen auf die chinesische Aussprache zurück und kommen vor allem in Zusammensetzungen vor, Kun-Lesungen sind einheimisch-japanische Wörter, die dem Zeichen zugeordnet wurden. 山 liest man in 富士山 (Fuji-san) san, allein stehend aber yama.

Ist eine Lesung selten oder richtet sich ein Text an Kinder oder Lernende, stehen kleine Kana neben oder über den Kanji, die Furigana. Kinderbücher, Manga für jüngere Leser und Lehrwerke setzen sie reichlich ein – eine große Hilfe beim Lernen.

  • Okurigana

    送り仮名okurigana

    Hiragana nach einem Kanji-Stamm, die die Flexion zeigen, etwa in 食べる (taberu, essen).

  • Furigana

    振り仮名furigana

    Kleine Lesehilfen in Kana neben den Kanji.

Senkrecht und waagerecht

Japanisch lässt sich senkrecht schreiben, in Spalten von oben nach unten und von rechts nach links, oder waagerecht von links nach rechts. Romane, Zeitungen und die meisten Manga sind senkrecht gesetzt; deshalb beginnen diese Bücher auf der Seite, die man in Europa für die hintere hält. Websites, naturwissenschaftliche Texte, Geschäftsdokumente und Lehrbücher für Lernende sind meist waagerecht.

Die Zeichensetzung ist schlicht: 。 ist der Punkt, 、 das Komma, und Anführungszeichen sehen so aus: 「 」.

Normen: Jōyō-Kanji und Schulkanji

Der Staat verbietet keine Zeichen, legt aber einen Richtwert fest. Die Jōyō-Kanji-Liste, 2010 per Kabinettsbekanntmachung erlassen und vom Amt für kulturelle Angelegenheiten betreut, umfasst 2.136 Zeichen für den allgemeinen Gebrauch in Behörden, Zeitungen und Schule. In der Grundschule lernen Kinder in sechs Jahren eine Teilmenge von 1.026 Zeichen, die Kyōiku-Kanji; der Rest folgt in der Mittelschule.

Daneben gibt es eine eigene Liste von Zeichen, die für Personennamen zugelassen sind (Jinmeiyō-Kanji). Deshalb können Namen Zeichen enthalten, die im Alltagsbestand nicht vorkommen.

Womit Lernende beginnen

Fast jeder Kurs beginnt mit Hiragana: Die Schrift ist in ein bis zwei Wochen zu lernen und genügt, um jedes japanische Wort zu schreiben. Danach folgen Katakana, und Kanji lernt man über Jahre hinweg zusammen mit dem Wortschatz. Wer länger als die ersten Tage an Rōmaji festhält, bremst sich aus, denn Lehrbücher und echte Texte sind in Kana und Kanji geschrieben. Hinzu kommt, dass deutsche Leser Rōmaji leicht „deutsch“ aussprechen – ein Grund mehr, früh auf Kana umzusteigen.

Häufige Fragen

Warum hat das Japanische drei Schriften?

Kanji wurden aus dem Chinesischen übernommen, um Bedeutungen zu schreiben; für Endungen und Partikeln brauchte die japanische Grammatik aber Lautzeichen. Hiragana und Katakana entstanden als vereinfachte Kanji und übernahmen je eigene Aufgaben.

Mit welcher Schrift fängt man an?

Mit Hiragana. Sie bildet alle Laute der Sprache ab, steht in jedem Satz und ist die Grundlage aller Anfängerlehrbücher. Danach folgen Katakana und schrittweise die Kanji.

Wie viele Kanji braucht man für die Zeitung?

Die 2.136 Jōyō-Kanji sind der amtliche Richtwert für allgemeine Texte, und Zeitungen halten sich weitgehend daran. Wer die meisten davon und den passenden Wortschatz kennt, kann einer Zeitung folgen.

Kann man Japanisch nur mit lateinischer Umschrift lernen?

Höchstens in den ersten Tagen. Lehrbücher, Schilder und alle echten Texte nutzen Kana und Kanji, und die Umschrift verwischt Unterschiede wie lange Vokale. Besser ist ein früher Umstieg auf Kana.

Warum schreibt man im Deutschen „Tokio“, aber nicht „Kioto“?

„Tokio“ ist eine eingebürgerte deutsche Schreibung aus älterer Zeit. Für die meisten anderen Namen hat sich die Hepburn-Umschrift durchgesetzt, also Kyoto, Osaka oder Hokkaido.

Quellen

  1. 1.常用漢字表(平成22年内閣告示第2号) (öffnet in neuem Tab) — 文化庁 (Agency for Cultural Affairs)
  2. 2.The Japan Foundation – Japanese-Language Education (öffnet in neuem Tab) — The Japan Foundation
  3. 3.学習指導要領(学年別漢字配当表) (öffnet in neuem Tab) — 文部科学省 (MEXT)

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