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Japan

Japanisch lernen

Keigo (Höflichkeitssprache)

敬語けいごkeigo

Andere erhöhen, sich selbst zurücknehmen

Keigo ist das System der Höflichkeitssprache im Japanischen. Mit ehrerbietigen Formen (Sonkeigo) hebt man die Handlungen anderer hervor, mit bescheidenen Formen (Kenjōgo) stellt man die eigenen zurück, und höfliche Formen (Teineigo) halten das ganze Gespräch verbindlich.

Im Japanischen ist Respekt Teil der Grammatik. Dieselbe Bitte lässt sich einfach, höflich oder sehr ehrerbietig formulieren, und die richtige Wahl zeigt das Verhältnis zwischen Sprecher, Zuhörer und der Person, über die gesprochen wird. Keigo ist der Oberbegriff für dieses System. Mit dem deutschen Siezen hat es nur entfernt zu tun: Es geht nicht um eine Anrede, sondern um ganze Verbformen und Wortfelder.

Auch Muttersprachler lernen vieles davon erst beim Berufseinstieg, und Unternehmen bieten eigene Schulungen an. Lernende müssen Keigo nicht früh beherrschen, doch die höflichen -masu-Formen gehören zu jedem Anfängerkurs, und wer in Japan einkauft, reist oder arbeitet, sollte ehrerbietige und bescheidene Formen zumindest erkennen.

Die drei Hauptarten

Traditionell teilt man Keigo in drei Arten. Die ehrerbietige Sprache (Sonkeigo) erhöht die Person, die handelt, typischerweise den Zuhörer oder Vorgesetzte. Die bescheidene Sprache (Kenjōgo) nimmt den Sprecher und dessen Seite zurück. Die höfliche Sprache (Teineigo) mit -masu und desu zeigt Höflichkeit gegenüber dem Zuhörer, ohne jemanden zu erhöhen oder herabzusetzen.

2007 veröffentlichte der Kulturrat beim Amt für kulturelle Angelegenheiten Leitlinien zum Keigo, die fünf Kategorien unterscheiden: Sie trennen zwei Arten bescheidener Sprache und nehmen Bikago hinzu, die verschönernden Vorsilben o- und go-.

  • Sonkeigo

    尊敬語sonkeigo

    Ehrerbietige Formen für Handlungen anderer: いらっしゃる (irassharu) für „gehen, kommen, da sein“.

  • Kenjōgo

    謙譲語kenjōgo

    Bescheidene Formen für eigene Handlungen: 参る (mairu) für „gehen, kommen“, 申す (mōsu) für „sagen“.

  • Teineigo

    丁寧語teineigo

    Höflicher Stil mit -masu, desu und ございます (gozaimasu).

  • Bikago

    美化語bikago

    Gehobene Wörter mit o- oder go-: お茶 (ocha, Tee), ご飯 (gohan, Reis, Mahlzeit).

Sonderverben

Viele häufige Verben haben eigene ehrerbietige und bescheidene Entsprechungen, die man schlicht lernen muss. Andere folgen Mustern: ehrerbietig お + Stamm + になる (o-kaki ni naru, jemand schreibt), bescheiden お + Stamm + する (o-mochi suru, ich trage es für Sie).

BedeutungEinfachEhrerbietig (Sonkeigo)Bescheiden (Kenjōgo)
gehen / kommen行く iku / 来る kuruいらっしゃる irassharu参る mairu / 伺う ukagau
da seinいる iruいらっしゃる irassharuおる oru
sagen言う iuおっしゃる ossharu申す mōsu / 申し上げる mōshiageru
essen / trinken食べる taberu / 飲む nomu召し上がる meshiagaruいただく itadaku
sehen見る miruご覧になる goran ni naru拝見する haiken suru
tunする suruなさる nasaruいたす itasu
wissen知っている shitte iruご存じだ gozonji da存じている zonjite iru

Innen und außen: Uchi und Soto

Keigo richtet sich weniger nach absolutem Rang als nach Gruppen. Gegenüber Außenstehenden gelten Mitglieder der eigenen Gruppe als Teil des Selbst und werden daher nicht erhöht. Eine Angestellte, die mit einem Kunden spricht, nennt ihren eigenen Firmenchef ohne Ehrentitel und mit bescheidenen Verben, obwohl sie innerhalb der Firma ehrerbietig über ihn sprechen würde.

Diese Logik von Innen- und Außengruppe, Uchi und Soto, ist der Teil des Keigo, bei dem Lernenden die meisten Fehler unterlaufen – besonders am Telefon.

Wo man Keigo hört

Reisende begegnen Keigo ständig, oft ohne es zu merken: im Gruß いらっしゃいませ (irasshaimase, willkommen) beim Betreten eines Geschäfts, in Bahnhofsdurchsagen und im Hotel. Personal in Läden und Restaurants folgt festen Servicefloskeln, die manchmal als übertrieben förmliches „Handbuch-Keigo“ kritisiert werden.

Im Beruf prägt Keigo E-Mails, Telefonate und Besprechungen. Feste Wendungen wie よろしくお願いいたします (yoroshiku onegai itashimasu) stehen am Ende fast jeder Nachricht.

  • Irasshaimase

    いらっしゃいませirasshaimase

    Gruß beim Betreten eines Geschäfts; Kunden müssen nicht antworten.

  • Kashikomarimashita

    かしこまりましたkashikomarimashita

    Bescheidenes „Sehr wohl, verstanden“ von Personal und im Geschäftsleben.

  • Osore irimasu ga

    恐れ入りますがosore irimasu ga

    Ein verbindliches „Entschuldigen Sie, aber …“ vor einer Bitte.

Was Lernende brauchen

Anfänger sollten zuerst den höflichen -masu-Stil sicher beherrschen, der für ausländische Sprecher immer angemessen ist. Danach folgt das Erkennen der häufigsten ehrerbietigen und bescheidenen Verben, die in Durchsagen und im Service allgegenwärtig sind. Aktives Keigo ist für alle wichtig, die in einem japanischen Unternehmen arbeiten; der JLPT prüft es zunehmend ab N3, ebenso Tests für Wirtschaftsjapanisch.

Häufige Fragen

Müssen Ausländer Keigo sprechen?

Von Reisenden erwartet das niemand. Höfliche -masu-Formen genügen im Alltag, und das Bemühen wird geschätzt. Im japanischen Berufsleben gehört Keigo dagegen zur fachlichen Kompetenz.

Was unterscheidet Sonkeigo und Kenjōgo?

Sonkeigo erhöht die handelnde Person, meist den Zuhörer oder Vorgesetzte. Kenjōgo nimmt den Sprecher und dessen Seite zurück. Beide drücken Respekt aus, nur aus entgegengesetzter Richtung.

Ist Keigo dasselbe wie das deutsche Siezen?

Nein. Das Siezen betrifft vor allem die Anrede, Keigo dagegen ganze Verben, Wortfelder und die Frage, wer erhöht oder zurückgenommen wird – auch wenn über Dritte gesprochen wird.

Wird Keigo im JLPT geprüft?

Ja, ab N3. Ehrerbietige und bescheidene Formen kommen in Grammatik-, Lese- und Hörverstehensaufgaben vor, besonders in N2 und N1.

Quellen

  1. 1.敬語の指針(文化審議会答申、平成19年) (öffnet in neuem Tab) — 文化庁 (Agency for Cultural Affairs)
  2. 2.The Japan Foundation – Japanese-Language Education (öffnet in neuem Tab) — The Japan Foundation

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