Feste · Dezember
Chichibu-Nachtfest
秩父夜祭ちちぶよまつりChichibu YomatsuriLaternenwagen und Feuerwerk in einer Dezembernacht
Das Chichibu-Nachtfest (Chichibu Yomatsuri) ist das Jahresfest des Chichibu-Schreins in der Präfektur Saitama und findet am 2. und 3. Dezember statt. In der Nacht zum 3. Dezember werden sechs mit Laternen behängte Festwagen unter Feuerwerk den steilen Dangozaka-Hang hinaufgezogen; es zählt zu den drei großen Wagenfesten Japans und zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.
Chichibu liegt in einem Becken in den Bergen des westlichen Saitama, und die Marktstadt lebte über Jahrhunderte von Seidenraupenzucht und Seidenweberei. Das Fest des Chichibu-Schreins zu Winterbeginn schließt das bäuerliche Jahr ab und war früher mit einem großen Seidenmarkt verbunden, der Händler aus Edo anzog und Geld und Gäste in die Stadt brachte.
Berühmt ist das Fest heute für das Zusammenspiel von laternenglühenden Festwagen, dem eindringlichen Trommeln der Chichibu-Yatai-bayashi und dem Feuerwerk über der Stadt in kalter Dezemberluft. Mit dem Gion Matsuri in Kyoto und dem Takayama Matsuri zählt es zu den drei großen Wagenfesten Japans.
Die Legende
Der volkstümlichen Überlieferung nach ist das Fest ein jährliches Stelldichein: Die weibliche Gottheit des Chichibu-Schreins, gleichgesetzt mit Myōken, dem vergöttlichten Polarstern, trifft in dieser einen Nacht den männlichen Drachengott des Bukō, des Kalkbergs, der das Becken von Chichibu überragt. Der Festplatz (Otabisho), an dem sich die Wagen versammeln, ist der Ort ihrer Begegnung.
Unter der Geschichte liegt eine ältere bäuerliche Logik: Der Berg spendete Wasser für die Felder, und das Fest dankt für Ernte und Seidenjahr.
Die sechs Festwagen
Chichibu kennt zwei Arten von Wagen. Die beiden Kasaboko tragen in ihrer ursprünglichen Form hohe Aufbauten aus künstlichen Blumen, die heute wegen der Oberleitungen für den Umzug meist abgenommen werden; die vier Yatai sind überdachte Wagen, deren Seiten sich zu einer Bühne ausklappen lassen. Alle sechs sind reich geschnitzt, lackiert und mit bestickten Behängen versehen, und jeder wiegt deutlich über zehn Tonnen.
Seit 1962 stehen die Wagen als Wichtige materielle Volkskulturgüter unter Schutz. Außerhalb der Festzeit zeigt das Museum Chichibu Matsuri Kaikan neben dem Schrein Wagenteile und erklärt das Fest.
Kasaboko
笠鉾kasabokoWagen mit gestuften, schirmartigen Aufbauten; Chichibu besitzt zwei.
Yatai
屋台yataiÜberdachte Wagen mit ausklappbaren Seitenteilen, die sich in eine Bühne verwandeln; Chichibu besitzt vier.
Chichibu-Yatai-bayashi
秩父屋台囃子Chichibu yatai-bayashiDie Festmusik aus Trommeln, Flöte und Glocke, im Inneren der Wagen gespielt und für ihren treibenden Rhythmus bekannt.
Girimawashi
ギリ回しgirimawashiDie Technik, einen schweren Wagen an einer Ecke mit Hebeln anzuheben und auf einem Drehpunkt zu wenden.
Festablauf
Am 2. Dezember, dem Vorabendfest (Yoimiya), werden die Wagen ausgestellt und durch die Stadt gezogen; auf einigen Yatai wird auf der ausgeklappten Bühne Kabuki gespielt (Yatai-shibai). Im Schrein wird Chichibu-Kagura aufgeführt, ein Schreintanz, der ebenfalls als Wichtiges immaterielles Volkskulturgut geschützt ist.
Das Hauptfest am 3. Dezember mündet in den nächtlichen Umzug. Der Mikoshi des Schreins zieht voran, die sechs Wagen folgen, von Hunderten Menschen im Wechsel den steilen Dangozaka-Hang zum Otabisho hinaufgezogen. Den ganzen Abend über steigt Feuerwerk über der Stadt auf; die Ankunft der erleuchteten Wagen oben am Hang ist der Höhepunkt des Festes.
Seide und Stadt
In der Edo-Zeit fiel das Fest mit dem Seidenmarkt von Chichibu zusammen, und der Wohlstand aus der Seide finanzierte Wagen und Schmuck; mitunter sprach man vom „Seidenfest“. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Chichibu-Meisen, ein gemusterter Seidenstoff, in ganz Japan populär.
Getragen wird das Fest bis heute von den sechs Vierteln, die je einen Wagen besitzen, pflegen und Musiker wie Zugmannschaften ausbilden.
Besuch
Chichibu ist von Ikebukuro in Tokio mit dem Limited Express der Seibu-Bahn in etwa achtzig Minuten erreichbar, alternativ über die Chichibu-Bahn. In der Nacht zum 3. Dezember ist der Andrang sehr groß, und die Zuschauerbereiche am Dangozaka und am Otabisho werden streng gelenkt. Die Winternächte im Becken sind kalt, und das Fest spielt sich großteils im Freien nach Einbruch der Dunkelheit ab.
Zeitleiste
Edo-Zeit
Das Fest wird zusammen mit dem großen Seidenmarkt von Chichibu gefeiert; die Wagen erhalten ihre heutige Form.
1962
Die Wagen werden Wichtige materielle Volkskulturgüter.
1979
Wagenumzüge und Chichibu-Kagura werden Wichtiges immaterielles Volkskulturgut.
2016
Aufnahme in das immaterielle UNESCO-Kulturerbe als Teil von „Yama, Hoko, Yatai“.
Häufige Fragen
Wann findet das Chichibu-Nachtfest statt?
Jedes Jahr am 2. und 3. Dezember. Der nächtliche Umzug mit Feuerwerk ist am 3. Dezember.
Warum wird im Dezember gefeiert?
Es ist das Fest des Chichibu-Schreins zum Abschluss des bäuerlichen Jahres und fiel früher mit dem Seidenmarkt zu Winterbeginn zusammen.
Wie viele Festwagen gibt es?
Sechs: zwei Kasaboko und vier Yatai, die jeweils einem Viertel der Stadt gehören.
Wie kommt man von Tokio nach Chichibu?
Mit dem Limited Express der Seibu-Bahn ab Ikebukuro in etwa achtzig Minuten bis Seibu-Chichibu.
Was sollte man für den Abend bedenken?
Die Nacht ist kalt und die Menge groß; warme Kleidung und etwas Geduld beim Rückweg zum Bahnhof sind ratsam.
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Quellen
- 1.秩父神社 (öffnet in neuem Tab) — 秩父神社
- 2.Yama, Hoko, Yatai, float festivals in Japan (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage
- 3.秩父市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 秩父市