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Japan

Feste · Juli

Gion-Matsuri

祇園祭ぎおんまつりGion Matsuri

Ein Monat der Riten und ein Zug fahrender Museen durch Kyotos Altstadt

Das Gion-Matsuri ist das Fest des Yasaka-Schreins in Kyoto. Es dauert den ganzen Juli und gipfelt in den Umzügen der hohen Festwagen yama und hoko am 17. und 24. Juli. Entstanden 869 als Ritus gegen eine Seuche, gehört es zu den ältesten und berühmtesten Festen Japans.

Kaum ein Fest ist so lang, so alt und so eng mit einer einzigen Stadt verbunden wie das Gion-Matsuri. Den ganzen Juli über feiern der Yasaka-Schrein im Viertel Gion und die Nachbarschaften im Zentrum Kyotos zwischen Shijō- und Oike-Straße eine Folge von Riten – von der Eröffnung am 1. Juli bis zur abschließenden Reinigungszeremonie am 31. Juli.

Im Gedächtnis bleiben jedoch vor allem die Festwagen: die riesigen hoko mit ihrem hoch aufragenden, speerartigen Mast und die kleineren yama, von denen jeder einer einzelnen Nachbarschaftsvereinigung gehört. Behängt mit flämischen Gobelins, persischen Teppichen, chinesischem Brokat, japanischem Lack und Metallschmuck, gelten sie als fahrende Museen. Ihr Umzug durch die Innenstadt am Vormittag des 17. und des 24. Juli ist der öffentliche Höhepunkt.

Ursprung: ein Ritus gegen die Seuche

Das Fest führt sich auf das Jahr 869 zurück, als eine Epidemie die Hauptstadt Heian-kyō heimsuchte. Im Garten Shinsen-en wurde ein goryōe abgehalten, ein Ritus zur Besänftigung zorniger Geister, die man für Krankheiten verantwortlich machte; dabei stellte man 66 Hellebarden auf, eine für jede Provinz des Landes. Angerufen wurde Gozu Tennō, ein Seuchengott, der mit der Shintō-Gottheit Susanoo gleichgesetzt wurde. Susanoo wird im Yasaka-Schrein verehrt, der damals Gion-sha hieß – daher der Name von Viertel und Fest.

Im Lauf der Jahrhunderte ging das Fest in die Hände der Stadtbürger über. In der Muromachi-Zeit wetteiferten reiche Kaufmannsviertel mit immer prächtigeren Wagen. Der Ōnin-Krieg (1467–1477) verwüstete die Stadt und unterbrach das Fest für mehr als drei Jahrzehnte. Seine Wiederbelebung im Jahr 1500 war ein Zeichen bürgerlichen Selbstbewusstseins, und die damals entstandene Organisation nach Nachbarschaften trägt die Festwagen bis heute.

Yama und hoko: die Festwagen

Die hoko sind die Riesen: zweistöckige Holztürme auf vier großen Rädern, über deren Dach ein Mast weit in die Höhe ragt, insgesamt bis zu etwa zwölf Tonnen schwer. Im Inneren sitzen Musiker und spielen die getragene, sich wiederholende Gion-bayashi auf Flöten, Trommeln und kleinen Glocken. Die yama sind leichter, werden meist getragen oder geschoben und tragen eine Kiefer oder eine Figurengruppe aus Sage und Geschichte.

Jedes Jahr werden die Wagen ohne einen einzigen Nagel neu aufgebaut; die Balken werden mit Seilen verschnürt, eine Technik namens nawagarami. Wenige Stunden nach dem Umzug sind sie wieder zerlegt. Einen hoko ziehen Dutzende Männer; an Kreuzungen wird er auf untergelegtem, gespaltenem Bambus herumgezogen – ein Manöver namens tsuji-mawashi.

  • Naginata-boko

    長刀鉾Naginata-boko

    Führt stets den ersten Umzug an. Als einziger Wagen trägt er noch ein lebendes chigo, einen als heiliges Kind der Gottheit erwählten Jungen, der zu Beginn mit einem Schwert ein heiliges Seil durchtrennt.

  • Funa-boko

    船鉾Funa-boko

    Wagen in Schiffsform, verbunden mit der legendären Kaiserin Jingū; er beschließt den ersten Umzug.

  • Ōfune-boko

    大船鉾Ōfune-boko

    Das Schiff am Ende des zweiten Umzugs; 1864 verbrannt und 2014 nach 150 Jahren in den Umzug zurückgekehrt.

  • Chimaki

    粽chimaki

    Gebundene Bambusblätter, die an jedem Wagen als Schutzamulett ausgegeben werden. Man hängt sie für ein Jahr über den Hauseingang – essbar sind sie nicht.

Der Festkalender im Juli

Der Ablauf des Monats ist festgelegt. Anfang Juli wird im Rathaus von Kyoto die Reihenfolge der Wagen ausgelost, wobei einige Wagen feste Plätze haben. Um den 10. Juli beginnt der Aufbau auf den Straßen; am selben Abend werden die Tragschreine (mikoshi) im Kamo-Fluss rituell gereinigt.

Die Abende vor den Umzügen, yoiyama genannt, sind für viele Einheimische das eigentliche Fest: Die Wagen stehen im Licht von Papierlaternen, die Musik spielt, und alte Kaufmannshäuser öffnen ihre Vorderräume, um Stellschirme und Erbstücke zu zeigen – ein Brauch namens byōbu matsuri. Am Abend des 17. Juli werden die Gottheiten des Yasaka-Schreins in drei mikoshi zu einem Behelfsschrein an der Shijō-Straße getragen, am Abend des 24. Juli kehren sie zurück.

DatumEreignis
1. JuliKippu-iri: Eröffnungsriten in den Nachbarschaften
10. JuliBeginn des Wagenaufbaus; Reinigung der mikoshi im Kamo-Fluss
14.–16. JuliYoiyama-Abende vor dem ersten Umzug
17. JuliSaki-matsuri: Umzug von 23 Wagen; abends Auszug der mikoshi
21.–23. JuliYoiyama-Abende vor dem zweiten Umzug
24. JuliAto-matsuri: Umzug von 11 Wagen; Hanagasa-Umzug; Rückkehr der mikoshi
31. JuliAbschließende Reinigung am Eki-Schrein im Yasaka-Schrein

Die beiden Umzüge

Traditionell fanden die Umzüge an zwei getrennten Tagen statt; 1966 wurden sie zu einem einzigen großen Umzug am 17. Juli zusammengelegt. Seit 2014 gilt wieder die historische Form: das saki-matsuri (Vorfest) am 17. Juli und das ato-matsuri (Nachfest) am 24. Juli. Der erste Umzug führt ostwärts über die Shijō-Straße, nach Norden über die Kawaramachi-Straße und westwärts über die Oike-Straße; der zweite nimmt die Strecke in umgekehrter Richtung.

Der Umzug am 17. Juli ist größer und zieht die meisten Zuschauer an. Am 24. Juli geht es mit dem Hanagasa-Umzug von Tänzerinnen und Kindern mit Blumenhüten etwas ruhiger zu. Beide Umzüge beginnen am Vormittag.

Das Fest erleben

Im Juli ist Kyoto heiß und schwül, und besonders an den yoiyama-Abenden sind die für den Verkehr gesperrten Hauptstraßen überfüllt. Wer die Wagen in Ruhe betrachten will, kommt am besten in den Tagen zwischen Auslosung und yoiyama, wenn aufgebaut und die Musik geprobt wird.

An den yoiyama-Abenden lassen sich manche Wagen besteigen. Nach altem Herkommen dürfen Frauen die Oberdecks einiger hoko nicht betreten; einzelne Nachbarschaften haben diese Regel gelockert. Reservierte Sitzplätze entlang der Umzugsstrecke vergeben die städtischen Tourismusstellen.

Zeitleiste

  1. 869

    Goryōe-Ritus gegen eine Seuche im Shinsen-en mit 66 Hellebarden

  2. 970

    Der Ritus soll seither jährlich abgehalten worden sein

  3. 1467–1477

    Der Ōnin-Krieg verwüstet Kyoto; das Fest ruht

  4. 1500

    Die Stadtbürger beleben Fest und Festwagen wieder

  5. 1864

    Ein Brand während des Kinmon-Zwischenfalls zerstört viele Wagen, darunter den Ōfune-boko

  6. 1966

    Beide Umzüge werden am 17. Juli zusammengelegt

  7. 2009

    Aufnahme der Festwagenriten in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes

  8. 2014

    Getrennte Umzüge am 17. und 24. Juli wiederhergestellt; Rückkehr des Ōfune-boko

  9. 2016

    Eintrag erweitert zu den Festwagenfesten Yama, Hoko, Yatai in Japan

Häufige Fragen

Wann findet das Gion-Matsuri statt?

Jedes Jahr vom 1. bis 31. Juli. Die großen Festwagenumzüge ziehen am Vormittag des 17. und 24. Juli, die Laternenabende (yoiyama) liegen am 14.–16. und 21.–23. Juli.

Welcher Tag lohnt sich am meisten?

Der Umzug am 17. Juli ist der größte. Stimmungsvoll, aber sehr voll sind die yoiyama-Abende davor.

Zu welchem Schrein gehört das Fest?

Zum Yasaka-Schrein im Viertel Gion, dessen Gottheit Susanoo als Schutzmacht gegen Seuchen verehrt wurde.

Wie alt ist das Gion-Matsuri?

Es geht auf einen Ritus gegen eine Epidemie im Jahr 869 zurück und zählt damit zu den ältesten Festen Japans.

Was sind chimaki?

Schutzamulette aus gebundenen Bambusblättern, die an den Festwagen ausgegeben werden. Sie hängen ein Jahr lang über dem Hauseingang und sind nicht zum Essen gedacht.

Quellen

  1. 1.八坂神社 祇園祭 (öffnet in neuem Tab) — 八坂神社
  2. 2.Yama, Hoko, Yatai, float festivals in Japan (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage
  3. 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  4. 4.Kyoto City Official Travel Guide (öffnet in neuem Tab) — Kyoto City Tourism Association

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