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Japan

Berge · Yamanashi, Shizuoka

Fuji

富士山ふじさんFuji-san

Japans höchster Berg: aktiver Vulkan, Pilgerziel und das meistgemalte Motiv des Landes.

Der Fuji (富士山, Fuji-san) ist mit 3.776 m der höchste Berg Japans – ein aktiver Schichtvulkan an der Grenze der Präfekturen Yamanashi und Shizuoka, der zuletzt 1707 ausbrach. Seit Jahrhunderten als heiliger Berg verehrt und unzählige Male gemalt, gehört er seit 2013 zum Weltkulturerbe.

Höhe: 3.776 mAktiver VulkanNationalpark · 1936UNESCO-Welterbe · 2013Besonderer Ort landschaftlicher Schönheit · 1952100 berühmte BergeHeiliger Ort

Überblick

Der Fuji steigt nahezu von Meereshöhe an der Suruga-Bucht bis auf 3.776 m an, ein fast symmetrischer Kegel mit rund 35 bis 40 km Basisdurchmesser. Seine Wirkung verdankt er der freien Lage: An klaren Wintertagen ist er aus dem etwa 100 km entfernten Zentrum Tokios zu sehen, ebenso von der Pazifikküste Shizuokas und von den Fuji-Fünf-Seen in Yamanashi. Der Gipfelkrater misst rund 600 m im Durchmesser; auf seinem höchsten Punkt, dem Kengamine, stand lange die Wetterwarte mit ihrer Radarkuppel.

Keine andere Landschaft ist so eng mit dem Bild Japans verbunden. Verehrt wurde der Berg zunächst als Sitz einer Feuergottheit, später gleichgesetzt mit der Göttin Konohanasakuya-hime; ab der Edo-Zeit stiegen Pilgerbünde in weißen Gewändern in großer Zahl hinauf. Maler, Dichter und Holzschnittmeister machten ihn zum nationalen Sinnbild, lange bevor er auf Banknoten und Briefmarken erschien.

Heute steigen jeden Sommer sehr viele Menschen auf, die meisten in einer einzigen Nacht, um vom Gipfel den Sonnenaufgang (goraikō) zu erleben. Die unteren Hänge bergen Seen, Lavahöhlen, Quellteiche und den Wald Aokigahara; das gesamte Gebiet gehört zum Nationalpark Fuji-Hakone-Izu. Die Präfekturgrenze zwischen Yamanashi und Shizuoka ist im Gipfelbereich bis heute nicht festgelegt – er gehört dem Schrein Fujisan Hongū Sengen Taisha.

Landschaft und Entstehung

Der Fuji ist ein junger Schichtvulkan, der auf älteren Vorgängern sitzt: Unter ihm liegen Komitake und der Alte Fuji (Ko-Fuji). Der heutige Kegel, der Neue Fuji (Shin-Fuji), ist in den vergangenen rund 10.000 Jahren aus basaltischen Lavaströmen und Tephra gewachsen – daher die auffallend regelmäßigen, steilen Oberhänge. Der Berg liegt dort, wo Eurasische, Nordamerikanische und Philippinische Platte zusammentreffen; das speist sein Magma und die häufigen Erdbeben der Region.

Die Überlieferung verzeichnet mehr als ein Dutzend Ausbrüche. Beim Jōgan-Ausbruch 864–866 floss Lava von der Nordwestflanke in den See Senoumi und teilte ihn in den heutigen Sai-See und den Shōji-See; auf dem Lavafeld wächst heute der Wald Aokigahara. Der Hōei-Ausbruch von 1707 an der Südostflanke war explosiv: Er riss den Hōei-Krater auf und bedeckte das rund 100 km entfernte Edo mit Asche.

Regen und Schmelzwasser versickern im porösen Gestein und treten Jahrzehnte später am Fuß des Berges als kalte, klare Quellen wieder aus – in Oshino Hakkai, an den Shiraito-Fällen und im Fluss Kakitagawa. Die oberen Hänge bestehen aus nackter Schlacke. Die Baumgrenze liegt mit etwa 2.500 m tiefer als an vergleichbaren Gipfeln, weil sich auf dem jungen Vulkanboden kaum Erde bilden konnte.

Höhepunkte

  • Kengamine

    剣ヶ峰Kengamine

    Höchster Punkt des Kraterrands und Japans, auf der Südwestseite des Kraters, mit Vermessungspunkt und ehemaliger Wetterwarte.

  • Ohachi-meguri

    お鉢巡りOhachi-meguri

    Umrundung des Gipfelkraters: etwa 3 km und anderthalb Stunden über acht Erhebungen und vorbei an den Gipfelschreinen.

  • Hōei-Krater

    宝永火口Hōei kakō

    Krater des Ausbruchs von 1707 an der Südostflanke, auf kurzen Wegen von der 5. Station Fujinomiya erreichbar.

  • Aokigahara

    青木ヶ原樹海Aokigahara jukai

    Dichter Hemlock- und Zypressenwald mit dicker Moosschicht auf der Lava von 864; darin Lavahöhlen wie die Windhöhle Fugaku und die Eishöhle Narusawa.

  • Fuji-Fünf-Seen

    富士五湖Fuji-goko

    Yamanaka-, Kawaguchi-, Sai-, Shōji- und Motosu-See, von Lava aufgestaut, am Nordfuß – die klassischen Aussichtspunkte auf den Fuji.

  • Shiraito-Fälle

    白糸ノ滝Shiraito no Taki

    Ein breiter Vorhang aus Quellwasser, das am Südwestfuß aus den Lavaschichten tritt; Bestandteil des Welterbes.

Ökologie

Die Vegetation ist klar gestuft: Laub- und Mischwald am Fuß, ab etwa 1.600 m subalpiner Nadelwald aus Tannen und Hemlocktannen, an der Baumgrenze ein schmaler Saum aus niedergedrückten Lärchen und Erlen. Darüber folgt eine der kargsten Hochzonen Japans, die nur wenige Pionierpflanzen besiedeln. Weil der Vulkan so jung ist, besitzt er im Vergleich zu den älteren Alpen kaum endemische Arten.

Flora

  • Japanische Lärche

    カラマツkaramatsu

    Wächst an der Baumgrenze als flacher, vom Wind geformter Strauch, etwa im Gebiet Okuniwa.

  • Fuji-Distel

    フジアザミfuji-azami

    Japans größte Distel mit großen, nickenden Blütenköpfen; Pionier auf lockerem Vulkanschutt.

  • Wald von Aokigahara

    Hemlocktannen und Hinoki-Scheinzypressen, deren Wurzeln über die dünne Erdschicht auf der Lava greifen; darunter eine geschlossene Moosdecke.

Fauna

  • Japanischer Serau

    カモシカkamoshika

    Eine Ziegenantilope der Waldstufe, als besonderes Naturdenkmal geschützt.

  • Tannenhäher

    ホシガラスhoshigarasu

    Häufig im subalpinen Wald, wo er Samen von Nadelbäumen versteckt.

  • Kragenbär

    ツキノワグマtsukinowaguma

    Lebt in den Wäldern am Fuß des Berges, auf den Aufstiegsrouten selten zu sehen.

Kultur

Die Verehrung des Fuji begann als Besänftigung eines gefährlichen Vulkans: Nach Ausbrüchen gründete man an seinem Fuß Sengen-Schreine. Asketen des Shugendō bestiegen ihn seit der Heian-Zeit; in der Edo-Zeit machten die Pilgerbünde (Fuji-kō), angeregt vom Asketen Hasegawa Kakugyō und seinem Nachfolger Jikigyō Miroku, den Aufstieg zu einer Volksfrömmigkeit. Wer nicht reisen konnte, bestieg in Edo einen fujizuka, einen künstlich aufgeschütteten Mini-Fuji auf Schreingelände. Frauen blieb der Gipfel bis 1872 verwehrt.

Schon das Man'yōshū besingt den Berg, und seit der Heian-Zeit taucht er in der Malerei auf. Katsushika Hokusais „Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji“ (um 1830–1832), darunter „Die große Welle vor Kanagawa“, und Utagawa Hiroshiges Tōkaidō-Blätter trugen sein Bild in die Welt und prägten den europäischen Japonismus.

  • Fujisan Hongū Sengen Taisha

    富士山本宮浅間大社Fujisan Hongū Sengen Taisha

    Hauptschrein der rund 1.300 Sengen-Schreine in Fujinomiya; ihm gehört der Gipfelbereich oberhalb der 8. Station, auf dem Kraterrand steht sein innerer Schrein.

  • Kitaguchi Hongū Fuji Sengen Jinja

    北口本宮冨士浅間神社Kitaguchi Hongū Fuji Sengen Jinja

    Von Zedern gesäumter Schrein in Fujiyoshida, an dem der Pilgerweg Yoshida traditionell beginnt.

  • Oshi-Häuser

    御師住宅oshi jūtaku

    Häuser der oshi, der Priester, die Pilger führten und beherbergten; in Fujiyoshida erhalten.

  • Miho no Matsubara

    三保松原Miho no Matsubara

    Kiefernbestandene Landzunge in Shizuoka, rund 45 km vom Gipfel entfernt – als klassischer Blick auf den Fuji über das Meer Teil des Welterbes.

  • Oshino Hakkai

    忍野八海Oshino Hakkai

    Acht vom Grundwasser des Fuji gespeiste Quellteiche, an denen sich Pilger früher reinigten.

Geschichte

  1. 8. Jh.

    Die Gedichtsammlung Man'yōshū preist den Fuji als heiligen, feuerspeienden Berg.

  2. 864–866

    Jōgan-Ausbruch: Lava von der Nordwestflanke teilt den Senoumi-See in Sai- und Shōji-See und bildet den Untergrund von Aokigahara.

  3. 12. Jh.

    Der Asket Matsudai Shōnin steigt mehrfach auf und gründet einen Tempel auf dem Gipfel; das Shugendō am Fuji nimmt Gestalt an.

  4. 1707

    Hōei-Ausbruch, der bislang letzte: Der Hōei-Krater entsteht, Asche fällt auf Edo.

  5. um 1830–1832

    Hokusai veröffentlicht die „Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji“.

  6. 1872

    Das Aufstiegsverbot für Frauen wird aufgehoben.

  7. 1932

    Eine ständige Wetterwarte nimmt auf dem Gipfel den Betrieb auf (seit 2004 unbemannt).

  8. 1936

    Der Fuji wird Teil des Nationalparks Fuji-Hakone, des späteren Fuji-Hakone-Izu.

  9. 2013

    Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste als Kulturstätte.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Schnee liegt am Kegel bis in den Juni. Kirschblüte und Moosphlox an den nördlichen Seen rahmen den weißen Gipfel; die Aufstiegswege sind geschlossen.

Sommer

Bergsaison von etwa Juli bis Anfang September: Die Hütten sind geöffnet, der Gipfel ist meist schneefrei. Tagsüber steckt er oft in Wolken, nachts herrschen oben Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Herbst

Der erste Schnee pudert den Gipfel meist Ende September oder im Oktober. Ab Ende Oktober färbt sich das Laub an den Seen, die Luft wird klarer.

Winter

Die Jahreszeit der besten Fernsicht – von Tokio, der Izu-Küste und den Seen aus. Der Berg ist dann vereist und heftigen Stürmen ausgesetzt; eine Winterbesteigung ist ernsthaftes Hochtourengelände.

Routen und Wege

  • Yoshida-Route (Yamanashi)

    Ab der 5. Station an der Fuji Subaru Line in etwa 2.300 m; rund 6 Stunden Aufstieg und 4 Stunden Abstieg. Die meisten Hütten und der größte Andrang; Auf- und Abstieg verlaufen getrennt.

  • Fujinomiya-Route (Shizuoka)

    Vom höchsten Ausgangspunkt, etwa 2.400 m, auf der Südseite; rund 5 Stunden hinauf, 3–4 hinab. Die kürzeste, aber steile Route, sie endet nahe dem Kengamine.

  • Subashiri-Route (Shizuoka)

    Ab etwa 2.000 m auf der Ostseite, zunächst durch Wald; rund 6 Stunden Aufstieg. Trifft an der 8. Station auf die Yoshida-Route; im Abstieg lockt die Sandabfahrt (sunabashiri).

  • Gotemba-Route (Shizuoka)

    Ab etwa 1.450 m, der tiefste Ausgangspunkt mit den meisten Höhenmetern und wenigen Hütten; 7–8 Stunden Aufstieg. Lang und kräftezehrend, belohnt mit dem schnellen Sandabstieg Ōsunabashiri.

  • Historischer Pilgerweg Yoshidaguchi

    Vom Schrein Kitaguchi Hongū Fuji Sengen Jinja durch den Wald zur 5. Station – etwa 5 Stunden Gehzeit, bevor der eigentliche Gipfelaufstieg beginnt.

Praktische Hinweise

  • Die Besteigung regeln die Präfekturen Yamanashi und Shizuoka: Auf den Routen gelten ein Bergbeitrag, Voranmeldung sowie Zeit- oder Mengenbeschränkungen. Die Regeln ändern sich von Jahr zu Jahr; maßgeblich sind die offizielle Fuji-Kletterseite und die Präfekturen.
  • Höhenkrankheit ist häufig, weil die meisten an einem Tag von 2.300 auf 3.776 m steigen. Eine Übernachtung in einer Hütte an der 7. oder 8. Station und ein langsames Tempo senken das Risiko.
  • Auch im August kann es auf dem Gipfel vor Sonnenaufgang um den Gefrierpunkt liegen, dazu kommt starker Wind. Warme Schichten, Regenkleidung, Stirnlampe, Handschuhe und Wasser gehören ins Gepäck.
  • Außerhalb der offiziellen Saison sind die Hütten geschlossen, und am Berg herrscht Winter. Die Behörden raten dringend von Besteigungen ab; sie bleiben erfahrenen Alpinisten vorbehalten.
  • Die 5. Stationen erreicht man mit Bussen aus Kawaguchiko, Fujinomiya, Gotemba und Shinjuku; einige Zufahrtsstraßen sind in der Saison für Privatwagen gesperrt.
  • Als aktiver Vulkan wird der Fuji überwacht; aktuelle Vulkaninformationen veröffentlicht die Japanische Wetterbehörde (JMA).

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Fuji?

Die japanische Landesvermessung (GSI) gibt für den Kengamine, den höchsten Punkt des Kraterrands, 3.776 m an. Damit überragt der Fuji alle anderen Berge Japans deutlich; der zweithöchste, der Kita-dake, misst 3.193 m.

Wann darf man den Fuji besteigen?

Offizielle Saison ist der schneefreie Sommer, ungefähr von Anfang Juli bis Anfang September; dann sind Hütten und Erste-Hilfe-Stationen geöffnet. Öffnungstermine, Bergbeitrag und Voranmeldung legen die Präfekturen Yamanashi und Shizuoka jedes Jahr neu fest und veröffentlichen sie auf der offiziellen Fuji-Kletterseite.

Braucht man für den Fuji Bergerfahrung?

Im Sommer ist der Aufstieg auf den Normalwegen eine lange, steile Wanderung ohne Kletterstellen. Schwierigkeiten bereiten vor allem Höhe, Kälte in der Nacht und Wetterumschwünge – Kondition und warme Ausrüstung sind wichtiger als Technik.

Ist der Fuji noch ein aktiver Vulkan?

Ja. Die Japanische Wetterbehörde (JMA) führt den Fuji als aktiven Vulkan und überwacht ihn ständig. Beim letzten Ausbruch 1707 entstand an der Südostflanke der Hōei-Krater, und Asche fiel bis nach Edo, dem heutigen Tokio.

Warum ist der Fuji Kultur- und nicht Naturerbe?

Die UNESCO würdigt den Fuji als Ziel von Verehrung und Pilgerschaft und als Motiv der Kunst, von Hokusai bis zur Dichtung. Zum Welterbe gehören 25 Bestandteile, darunter Schreine, Pilgerherbergen, Seen, Quellen und der Gipfelbereich.

Quellen

  1. 1.日本の主な山岳標高 (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院 (Geospatial Information Authority of Japan)
  2. 2.Fujisan, sacred place and source of artistic inspiration (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  3. 3.富士山 — 火山登山者向けの情報提供ページ / 活火山 (öffnet in neuem Tab) — 気象庁 (Japan Meteorological Agency)
  4. 4.富士箱根伊豆国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  5. 5.Official Web Site for Mt. Fuji Climbing (öffnet in neuem Tab) — Fujisan climbing information (Ministry of the Environment, Yamanashi and Shizuoka prefectures)

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