UNESCO · Kulturerbe · 2013
Fujisan – heiliger Ort und Quelle künstlerischer Inspiration
富士山―信仰の対象と芸術の源泉ふじさん―しんこうのたいしょうとげいじゅつのげんせんFuji-san – Shinkō no Taishō to Geijutsu no GensenDer heilige Berg, der zum Sinnbild Japans wurde
„Fujisan – heiliger Ort und Quelle künstlerischer Inspiration“ ist das Welterbe des Fuji, mit 3.776 m der höchste Berg Japans, 2013 als Kultur- und nicht als Naturerbe eingetragen. Seine 25 Bestandteile in den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka – der obere Berg, Pilgerwege, Sengen-Schreine, Pilgerherbergen, Seen, Quellen, Lavaformationen und der Kiefernstrand Miho no Matsubara – spiegeln Jahrhunderte der Bergverehrung und das Bild des Fuji in der Kunst.
Überblick
Der Fuji ist ein nahezu symmetrischer Schichtvulkan, der sich einzeln von fast Meereshöhe bis auf 3.776 m an der Grenze der Präfekturen Yamanashi und Shizuoka erhebt. Seine Ausbrüche weckten früh Furcht und Ehrfurcht; am Fuß entstanden Schreine, um die Gottheit des Vulkans zu besänftigen, die später mit der Göttin Konohanasakuya-hime gleichgesetzt und unter dem Namen Asama oder Sengen verehrt wurde. Ab dem 12. Jahrhundert bestiegen Asketen den Berg, in der Edo-Zeit wurde die Pilgerfahrt zur Volksbewegung.
Träger dieser Bewegung waren die Fuji-ko, Bruderschaften nach den Lehren des Asketen Hasegawa Kakugyo. Sie schickten Pilgergruppen aus Edo und anderswo in weißen Gewändern auf den Berg, nachdem diese sich in Quellen und Seen am Fuß gereinigt hatten. In Fujiyoshida am Beginn des Yoshida-Wegs entstanden Herbergen der Oshi, der Pilgermeister. Wer nicht reisen konnte, errichtete in der eigenen Stadt einen Fujizuka, einen Miniatur-Fuji.
Keine Landschaft Japans wurde öfter gemalt und besungen – von den Gedichten des Man'yoshu bis zu Katsushika Hokusais „36 Ansichten des Berges Fuji“ und den Drucken Utagawa Hiroshiges, die sein Bild nach Europa trugen und die westliche Kunst des 19. Jahrhunderts beeinflussten. Deshalb umfasst das Welterbe nicht nur den oberen Berg, sondern auch Orte, von denen aus er verehrt und dargestellt wurde, darunter den rund 45 km entfernten Kiefernstrand Miho no Matsubara.
Warum Welterbe
Die UNESCO stützt die Eintragung auf zwei Kulturkriterien. Der Fuji ist ein außergewöhnliches Zeugnis einer lebendigen Tradition der Bergverehrung, in der Aufstieg, Pilgerschaft und Reinigung an Quellen und Seen Wiedergeburt und Nähe zu den Gottheiten verhießen; verkörpert wird sie durch Wege, Schreine, Pilgerherbergen und Lavaformationen (Kriterium iii).
Das Bild des einsamen, oft schneebedeckten Kegels über Seen und Meer inspirierte Künstler und Dichter und wurde zum Sinnbild Japans. Über die Ukiyo-e-Drucke trug es wesentlich zur Entwicklung der westlichen Kunst im 19. Jahrhundert bei (Kriterium vi).
Die Wahl kultureller statt natürlicher Kriterien war bewusst: Umweltbelastungen und Bebauung rund um den Berg sprachen gegen eine Nominierung als Naturerbe, und der kulturelle Wert liegt in der Beziehung zwischen Menschen und Berg.
Bestandteile
- 山頂の信仰遺跡群Sanchō no Shinkō Iseki-gun
Der Kraterrand mit Schreinen und Kultstätten, darunter der Okumiya des Fujisan Hongu Sengen Taisha, dem der Berg oberhalb der achten Station gehört.
Pilgerwege
登山道TozandōDie historischen Routen Yoshida, Subashiri, Suyama und Omiya-Murayama, auf denen Pilger aufstiegen und denen die heutigen Aufstiegswege weitgehend folgen.
- 浅間神社Sengen-jinja
Schreine am Fuß des Bergs, vor allem der Fujisan Hongu Sengen Taisha in Fujinomiya, Hauptschrein von rund 1.300 Sengen-Schreinen, und der Kitaguchi Hongu Fuji Sengen Jinja in Fujiyoshida am Beginn des Yoshida-Wegs.
Häuser der Pilgermeister
御師住宅Oshi JūtakuDie ehemaligen Häuser der Familien Togawa und Osano in Fujiyoshida, in denen Oshi die Mitglieder der Fuji-ko vor dem Aufstieg beherbergten und anleiteten.
- 富士五湖Fuji Goko
Yamanaka-, Kawaguchi-, Sai-, Shoji- und Motosu-See am Nordfuß, durch Lavaströme aufgestaut; an ihren Ufern vollzogen Pilger Reinigungsriten.
Quellen und Lavaformationen
忍野八海・人穴富士講遺跡Oshino Hakkai, Hitoana Fuji-kō IsekiDie acht Quellteiche von Oshino, gespeist vom Schmelzwasser des Fuji, die Lavabaumformen von Funatsu und Yoshida sowie die Lavahöhle Hitoana, den Fuji-ko heilig als Ort der Askese Hasegawa Kakugyos.
- 白糸ノ滝Shiraito no Taki
Ein breiter Vorhang aus Quellwasser, das am Südwestfuß aus den Lavaschichten tritt – ein Reinigungsort der Pilger.
- 三保松原Miho no Matsubara
Strand mit Schwarzkiefern auf der Miho-Halbinsel in der Stadt Shizuoka, klassischer Blickpunkt auf den Fuji über die Suruga-Bucht und Schauplatz des No-Spiels Hagoromo.
Geschichte
864–866
Der Jogan-Ausbruch an der Nordwestflanke schafft das Lavafeld, auf dem später der Wald Aokigahara wächst, und teilt einen älteren See in Sai- und Shoji-See.
12. Jh.
Der Asket Matsudai Shonin besteigt den Berg mehrfach und gründet einen Tempel auf dem Gipfel – Beginn organisierter asketischer Besteigungen.
16.–17. Jh.
Hasegawa Kakugyo übt Askese in der Hitoana-Höhle; seine Lehren werden zur Grundlage der Fuji-ko-Bewegung.
1707
Der Hoei-Ausbruch an der Südostflanke, bislang der letzte Ausbruch, verteilt Asche bis nach Edo.
um 1830–1832
Hokusai veröffentlicht die „36 Ansichten des Berges Fuji“.
1872
Das Besteigungsverbot für Frauen wird aufgehoben.
2013
Aufnahme in die Welterbeliste als Kulturerbe.
Besuch
- Die Besteigungssaison auf den Hauptrouten liegt im Sommer, etwa von Juli bis Anfang September; außerhalb sind die Wege gesperrt und Besteigungen gefährlich. Zugangsregeln, Gebühren und Anmeldepflichten legen die Präfekturen Yamanashi und Shizuoka fest und veröffentlichen sie auf ihren offiziellen Fuji-Seiten.
- Der größte Teil des Welterbes lässt sich ohne Besteigung erleben: Sengen-Schreine, Pilgerherbergen in Fujiyoshida, die Fünf Seen, Oshino Hakkai, Shiraito-Fall und Miho no Matsubara liegen am Fuß des Bergs.
- Fujiyoshida und die Fünf Seen erreicht man von Tokio mit Fernbus oder Bahn in etwa zwei Stunden, Fujinomiya und die Shizuoka-Seite mit dem Tokaido-Shinkansen bis Shin-Fuji oder Mishima und weiter mit dem Bus.
- Höhenkrankheit, Kälte, Gewitter und Steinschlag sind am oberen Berg ernste Gefahren; nötig sind angemessene Ausrüstung und die Bereitschaft, bei schlechtem Wetter umzukehren.
Häufige Fragen
Warum ist der Fuji Kultur- und nicht Naturerbe?
Nominiert wurde er für seine Rolle in Religion und Kunst – Pilgerfahrt, Schreine und sein Bild in Malerei und Dichtung –, nicht für seine Geologie. Deshalb gehören auch Schreine, Häuser und ein ferner Strand dazu.
Wem gehört der Gipfel des Fuji?
Das Gebiet oberhalb der achten Station gehört dem Fujisan Hongu Sengen Taisha, wie der Oberste Gerichtshof Japans 1974 bestätigte. Die Präfekturgrenze am Gipfel ist bis heute nicht festgelegt.
Was sind Fuji-ko?
Bruderschaften, besonders verbreitet in Edo, deren Mitglieder gemeinsam Geld sparten, um Pilger auf den Berg zu schicken, und für Daheimgebliebene Miniatur-Fujis errichteten.
Warum gehört Miho no Matsubara zum Welterbe Fuji?
Der rund 45 km vom Gipfel entfernte Kiefernstrand ist einer der berühmtesten Orte, von denen aus der Fuji betrachtet und dargestellt wurde; seine Aufnahme würdigt die Rolle des Bergs in der Kunst.
Wann ist der Fuji zuletzt ausgebrochen?
1707 beim Hoei-Ausbruch. Der Fuji gilt weiterhin als aktiver Vulkan und wird von der Japanischen Meteorologischen Agentur überwacht.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Fujisan, sacred place and source of artistic inspiration (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.世界遺産 富士山 (öffnet in neuem Tab) — 富士山世界文化遺産協議会(山梨県・静岡県)