Ontake
御嶽山おんたけさんOntake-sanEin heiliger Riese unter Japans Vulkanen, gezeichnet vom Ausbruch 2014.
Der Ontake (御嶽山, Ontake-san), 3.067 m, ist ein gewaltiger aktiver Vulkan an der Grenze der Präfekturen Nagano und Gifu und nach dem Fuji der zweithöchste Vulkan Japans. Seit Jahrhunderten Zentrum der Bergverehrung mit eigenen Pilgerbünden, wurde er durch den plötzlichen phreatischen Ausbruch vom 27. September 2014 weltweit bekannt, bei dem 58 Wanderer starben und fünf vermisst blieben.
Überblick
Der Ontake ist ein riesiges Vulkanmassiv über den Wäldern des Kiso-Tals, mit einem über 3 km langen Gipfelkamm, mehreren Gipfeln und fünf Kraterseen. Sein höchster Punkt, der Kengamine (3.067 m), macht ihn zum zweithöchsten Vulkan Japans nach dem Fuji und zum westlichsten Dreitausender des Landes.
Jahrhundertelang war der Ontake ein heiliger Berg, den nur Asketen nach langem Fasten betreten durften. Im späten 18. Jahrhundert öffneten ihn zwei Mönche für einfache Gläubige; er wurde zum Ziel der Ontake-kō, der Pilgerbünde aus ganz Zentraljapan. Ihre Gedenksteine, Schreine und Hütten säumen noch heute die Wege.
Der phreatische Ausbruch vom 27. September 2014, der ohne wirksame Vorwarnung einen voll besetzten Gipfel traf, veränderte die Art, wie Japan Bergsteiger über Vulkangefahren informiert. Gedenkstätten erinnern auf dem Gipfel und in den Dörfern am Fuß an die Opfer.
Landschaft und Entstehung
Der Ontake ist ein Schichtvulkan, der sich über mehrere Hunderttausend Jahre auf älteren Sedimenten aufgebaut hat. Sein Gipfelbereich ist eine Kette von Kratern in Nord-Süd-Richtung vom Tsugumi-dake bis zum Kengamine, mit Kraterseen wie Ichi-no-ike, Ni-no-ike – einem der höchstgelegenen Seen Japans – und San-no-ike.
Vor 1979 galt der Ontake als erloschen; der phreatische Ausbruch jenes Jahres öffnete neue Schlote an der Südwestflanke des Kengamine. 1984 löste ein Erdbeben unter der Südflanke den Ontake-Bergsturz aus, der das Tal darunter verschüttete. Der Ausbruch von 2014 ereignete sich an derselben Kraterreihe wie 1979.
Höhepunkte
Kengamine
剣ヶ峰KengamineHöchster Punkt mit dem Gipfelschrein des Ontake Jinja und Gedenkstätten für die Opfer von 2014.
Ni-no-ike
二ノ池Ni-no-ikeKratersee in etwa 2.900 m, 2014 teilweise mit Asche gefüllt.
Kaida-Hochland
開田高原Kaida kōgenHochfläche am Nordostfuß mit freiem Blick auf den Berg und einer Tradition der Kiso-Pferde.
Nigorigo Onsen
濁河温泉Nigorigo onsenEines der höchstgelegenen Thermaldörfer Japans auf der Gifu-Seite, Ausgangspunkt der Hida-Route.
Ökologie
An den Flanken wächst einer der schönsten subalpinen Nadelwälder Zentraljapans aus Tannen und Hemlocktannen, weiter unten die Kiso-Hinoki-Scheinzypresse. Der Gipfelkamm ist vulkanische Wüste mit vereinzelten Alpenpflanzen.
Flora
Kiso-Hinoki
木曽ヒノキKiso hinokiBegehrte Scheinzypresse der Kiso-Wälder, verwendet für den Neubau des Ise-Schreins.
Komakusa
コマクサkomakusaWächst auf dem vulkanischen Schotter im Gipfelbereich.
Fauna
Alpenschneehuhn
ライチョウraichōAm Ontake lebt die westlichste Schneehuhnpopulation der japanischen Alpen.
Kragenbär
ツキノワグマtsukinowagumaLebt in den Wäldern der Täler von Kiso und Hida.
Kultur
Im Mittelalter durften nur Asketen den Ontake besteigen, die zuvor bis zu 100 Tage Reinigungsübungen absolviert hatten. 1785 öffnete der Mönch Kakumei die Kurosawa-Route von Kiso-Fukushima für einfache Gläubige, 1792 Fukan die Ōtaki-Route. Die von ihnen inspirierten Pilgerbünde (Ontake-kō) und später die shintōistische Ontake-kyō-Sekte verbreiteten sich über ganz Zentraljapan. Zu ihren Ritualen gehört das oza-date, bei dem ein Medium die Gottheiten des Berges sprechen lässt.
Ontake Jinja
御嶽神社Ontake JinjaSchreine in Kurosawa und Ōtaki am Fuß, mit inneren Schreinen auf dem Gipfel.
Reijin-hi
霊神碑reijin-hiZehntausende Gedenksteine für verstorbene Pilger, deren Seelen der Überlieferung nach auf dem Berg wohnen.
Geschichte
1785
Kakumei öffnet die Kurosawa-Route für Laienpilger.
1792
Fukan öffnet die Ōtaki-Route.
1979
Erster phreatischer Ausbruch in historischer Zeit.
1984
Das West-Nagano-Erdbeben löst den Ontake-Bergsturz an der Südflanke aus.
2014
Phreatischer Ausbruch am 27. September: 58 Tote, 5 Vermisste.
Im Lauf der Jahreszeiten
Frühling
Tiefer Schnee bis Juni; Skigebiete an den unteren Flanken sind bis ins Frühjahr in Betrieb.
Sommer
Pilger- und Bergsaison; im Juli und August sind Gruppen der Ontake-kō auf den Wegen unterwegs.
Herbst
Laubfärbung ab Ende September; am 27. September wird des Ausbruchs von 2014 gedacht.
Winter
Verschneit und für allgemeine Besteigungen geschlossen; die unteren Hänge dienen dem Skisport.
Routen und Wege
Kurosawa-Route (Kiso)
Von der Bergstation der Ontake-Seilbahn in etwa 2.150 m über die 8. Station zum Kengamine; rund 3–4 Stunden, mittelschwer. Historisch ab dem Ontake Jinja am Fuß.
Ōtaki-Route
Vom Parkplatz Tanohara in etwa 2.180 m am Ōtaki-Gipfelschrein vorbei; etwa 3,5 Stunden zum Kengamine – die Hauptroute der Pilger.
Hida-Route ab Nigorigo
Von der Gifu-Seite durch subalpinen Wald zum Tsugumi-dake; etwa 4 Stunden, ruhiger.
Praktische Hinweise
- Der Zugang zum Gipfelbereich hängt von der vulkanischen Aktivität und von örtlichen Regelungen ab, die sich seit 2014 mehrfach geändert haben. Vor jeder Besteigung die Ontake-Seite der Japanischen Wetterbehörde und die Gemeinden (Kiso, Ōtaki, Gero) prüfen.
- Am Gipfelkamm einen Helm mitführen; entlang des Kraterrands wurden seit 2014 Schutzräume errichtet.
- Im Sommer steigen viele Pilgergruppen auf – ihre Rituale an Schreinen und Gedenksteinen respektieren.
- Anreise mit Auto oder Bus ab Kiso-Fukushima an der JR-Chūō-Linie.
Häufige Fragen
Was geschah 2014 am Ontake?
Kurz vor Mittag am 27. September 2014, einem Samstag mit vielen Wanderern am Gipfel, schleuderte ein phreatischer (dampfgetriebener) Ausbruch Gestein und Asche über den Gipfelbereich. 58 Menschen starben, 5 gelten als vermisst – die schwerste Vulkankatastrophe Japans seit dem Zweiten Weltkrieg.
Kann man den Ontake wieder besteigen?
Nach 2014 wurde der Gipfelbereich gesperrt und seither schrittweise wieder geöffnet; am Kraterrand entstanden Schutzräume. Der Zugang hängt von der vulkanischen Aktivität und örtlichen Regelungen ab – maßgeblich sind die Japanische Wetterbehörde sowie die Gemeinden Kiso und Ōtaki.
Was sind die Ontake-kō?
Pilgerbünde, die in weißen Gewändern, mit Gesängen und Glöckchen auf den Berg steigen – in der Tradition der Asketen Kakumei und Fukan aus dem späten 18. Jahrhundert. Zehntausende Gedenksteine (reijin-hi) für verstorbene Pilger säumen die Wege.
Wie lange dauert der Aufstieg?
Von der Bergstation der Ontake-Seilbahn auf der Kurosawa-Route etwa 3 bis 4 Stunden zum Kengamine, vom Ausgangspunkt in Ōtaki etwa 3,5 Stunden.
Weiterlesen
Quellen
- 1.日本の主な山岳標高 (öffnet in neuem Tab) — 国土地理院 (Geospatial Information Authority of Japan)
- 2.火山登山者向けの情報提供ページ(御嶽山) (öffnet in neuem Tab) — 気象庁 (Japan Meteorological Agency)
- 3.長野県公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 長野県 (Nagano Prefecture)
- 4.岐阜県公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 岐阜県 (Gifu Prefecture)