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Japan

Präfektur Fukuoka · Stadt

Dazaifu

太宰府市だざいふしDazaifu-shi

Der „ferne Hof“ im Westen Japans

Dazaifu ist eine kleine Stadt südöstlich von Fukuoka, in der einst die Regierungsbehörde für Kyushu und die Außenbeziehungen Japans ihren Sitz hatte. Bekannt ist sie heute vor allem für den Schrein Dazaifu Tenmangū, der dem Gelehrten Sugawara no Michizane geweiht ist, und für das Nationalmuseum Kyushu.

Überblick

Dazaifu verdankt seinen Namen der Regierungsbehörde, die hier im späten 7. Jahrhundert entstand: Sie verwaltete die neun Provinzen Kyushus und die vorgelagerten Inseln, empfing ausländische Gesandtschaften und sicherte die Westgrenze. Die Zeitgenossen nannten sie den „fernen Hof“ (tōno mikado). Mit Straßenraster, Provinztempeln und Beamtenresidenzen war sie das größte Verwaltungszentrum außerhalb der Hauptstadt. Die historische Behörde wird 大宰府 geschrieben, die heutige Stadt 太宰府.

Ihren heutigen Ruhm verdankt die Stadt dem Dazaifu Tenmangū über dem Grab des Sugawara no Michizane. Der Staatsmann und Gelehrte der Heian-Zeit starb hier 903 in der Verbannung und wurde später als Tenjin, Gottheit der Gelehrsamkeit, verehrt. Schüler aus ganz Japan beten hier um Erfolg bei Prüfungen; die Ladenstraße zum Schrein ist gesäumt von Ständen mit Umegae-Mochi.

Rund um den Schrein liegen die freigelegten Fundamente des Regierungssitzes, der Tempel Kanzeon-ji mit der ältesten bekannten Tempelglocke Japans, die Ordinationshalle Kaidan-in, Erdwälle und Bergfestungen aus den 660er-Jahren und auf dem Hügel hinter dem Schrein das Nationalmuseum Kyushu, das sich dem Austausch Japans mit Asien widmet.

Sehenswürdigkeiten

  • Dazaifu Tenmangū

    太宰府天満宮Dazaifu Tenmangū

    Hauptschrein des Tenjin-Kults auf Kyushu über Michizanes Grab; bekannt für die Haupthalle aus der Momoyama-Zeit, die Bogenbrücken über den Shinji-Teich und den „fliegenden Pflaumenbaum“ (tobiume).

  • Nationalmuseum Kyushu

    九州国立博物館Kyūshū Kokuritsu Hakubutsukan

    Nationalmuseum zur Entstehung der japanischen Kultur im Austausch mit Asien, in einem großen Bau mit wellenförmigem Dach, durch einen Tunnel mit dem Schrein verbunden.

  • Ruinen des Regierungssitzes

    大宰府政庁跡Dazaifu Seichō ato

    Fundamentsteine des zentralen Amtsbezirks auf freiem Feld, eine besondere historische Stätte.

  • Kanzeon-ji

    観世音寺Kanzeon-ji

    Von Kaiser Tenji gelobter Tempel mit einer Bronzeglocke, die als älteste Japans gilt (Nationalschatz), und einem Schatzhaus mit monumentalen Heian-Skulpturen.

  • Kaidan-in

    戒壇院Kaidan-in

    Eine der drei staatlichen Ordinationsplattformen des alten Japan, neben dem Tōdai-ji in Nara und dem Yakushi-ji in Shimotsuke.

  • Kōmyōzen-ji

    光明禅寺Kōmyōzen-ji

    Kleiner Zen-Tempel beim Tenmangū mit Moos- und Kiesgarten, besonders im Herbst geschätzt.

  • Erdwall Mizuki

    水城跡Mizuki ato

    Über einen Kilometer langer Verteidigungswall aus dem 7. Jahrhundert quer durch die Ebene Richtung Fukuoka; besondere historische Stätte.

  • Sakamoto Hachimangū

    坂本八幡宮Sakamoto Hachimangū

    Kleiner Schrein nahe den Regierungsruinen, verbunden mit der Residenz des Ōtomo no Tabito und dem Äranamen Reiwa.

Stadtviertel

  • Schreinweg des Tenmangū

    太宰府天満宮参道Dazaifu Tenmangū sandō

    Ladenstraße vom Bahnhof Dazaifu zum Schrein, bekannt für Umegae-Mochi und ein Café des Architekten Kengo Kuma.

  • Umgebung von Kanzeon-ji und Kaidan-in

    Stilles Gebiet mit Tempeln, Feldern und Ruinen westlich des Schreins, nahe dem Regierungsbezirk.

  • Shiōji-yama

    四王寺山Shiōji-yama

    Hügel nördlich der Stadt mit den Wällen der Burg Ōno und Wanderwegen.

Geschichte

Nach der Niederlage der Truppen Yamatos und Baekjes gegen Tang und Silla in der Schlacht am Hakusukinoe 663 befestigte der Hof Nordkyushu gegen eine Invasion: Der Erdwall Mizuki und die Bergfestungen Ōno und Kii nach koreanischem Vorbild entstanden rund um die Ebene, in der sich die Regierungsbehörde formierte. Im Ritsuryō-Staat regierte Dazaifu ganz Kyushu; zu seinen Beamten zählte der Dichter Ōtomo no Tabito, Gastgeber des im Man'yōshū überlieferten Pflaumenblütenfests von 730.

901 wurde Sugawara no Michizane nach Hofintrigen auf einen Scheinposten hierher versetzt; zwei Jahre später starb er. Der Schrein über seinem Grab wurde zu einem der wichtigsten Tenjin-Schreine Japans. Im Mittelalter verlor die Behörde an Bedeutung, und Dazaifu wurde zur Schreinstadt. 1982 erhielt der Ort Stadtrecht, 2005 öffnete das Nationalmuseum Kyushu.

  1. 664–665

    Nach der Niederlage am Hakusukinoe entstehen der Erdwall Mizuki und die Burg Ōno zum Schutz der Ebene.

  2. spätes 7. Jh.

    Die Regierungsbehörde Dazaifu wird eingerichtet.

  3. 730

    Ōtomo no Tabito lädt zum Pflaumenblütenfest, dessen Vorwort im Man'yōshū später den Namen der Ära Reiwa liefert.

  4. 901

    Sugawara no Michizane wird faktisch nach Dazaifu verbannt.

  5. 903

    Michizane stirbt in Dazaifu; bald darauf entsteht ein Schrein über seinem Grab.

  6. 1591

    Die Haupthalle des Tenmangū wird unter Kobayakawa Takakage neu errichtet.

  7. 1982

    Dazaifu erhält Stadtrecht.

  8. 2005

    Das Nationalmuseum Kyushu öffnet als viertes Nationalmuseum Japans.

Kultur

Das kulturelle Leben Dazaifus kreist um den Kult des Tenjin als Schutzgottheit der Gelehrsamkeit. Von Januar bis Anfang März drängen sich Schüler und Eltern vor den Aufnahmeprüfungen im Schrein, und die Votivtäfelchen (ema) stapeln sich. Die rund sechstausend Pflaumenbäume blühen von Ende Januar bis in den März. Rituale bewahren die höfische Kultur der Heian-Zeit, etwa das Dichterfest am gewundenen Bach; Tempel und Ruinen machen die Stadt zugleich zu einem Zentrum der Archäologie und der Erforschung der frühen Beziehungen Japans zum Festland.

Feste

  • Onisube

    鬼すべOnisube

    Feuerritual in der Nacht des 7. Januar, bei dem Rauch einen Dämon aus einer Holzhalle treibt; eines der größten Feuerfeste Japans.

  • Usokae

    鷽替えUsokae

    Am 7. Januar tauschen Besucher geschnitzte Gimpel aus Holz – so werden die Lügen des alten Jahres in Glück verwandelt.

  • Kyokusui no En

    曲水の宴Kyokusui no En

    Dichterfest im Heian-Stil am ersten Sonntag im März: Höflinge verfassen Verse, während Sakeschalen auf einem Bach vorbeitreiben.

  • Jinkōshiki

    神幸式大祭Jinkōshiki Taisai

    Großes Herbstfest des Schreins im September mit nächtlicher Prozession der Götter-Sänfte.

Essen

  • Umegae-Mochi

    梅ヶ枝餅umegae mochi

    Gegrillte Reiskuchen mit süßer Bohnenpaste und eingeprägter Pflaumenblüte; der Legende nach reichte eine Frau dem verbannten Michizane solche Kuchen.

  • Pflaumenerzeugnisse

    梅ume

    Die Pflaume ist Wahrzeichen des Schreins und findet sich in Eingelegtem, Süßigkeiten und Getränken.

Unterwegs vor Ort

  • Nishitetsu-Züge fahren von Tenjin in Fukuoka nach Nishitetsu-Futsukaichi, wo man in die kurze Zweigbahn nach Dazaifu umsteigt; die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde.
  • Direktbusse verbinden den Bahnhof Hakata und den Flughafen Fukuoka mit Dazaifu.
  • Der JR-Bahnhof Futsukaichi an der Kagoshima-Hauptlinie liegt eine kurze Bus- oder Taxifahrt vom Zentrum entfernt.
  • Schrein, Museum und die wichtigsten Tempel sind zu Fuß erreichbar; für die Regierungsruinen und Mizuki bietet sich das Fahrrad an.

Ausflüge

  • Fukuoka

    Tempel in Hakata, Einkaufen in Tenjin und abends die Garküchen – eine halbe Stunde entfernt.

  • Futsukaichi Onsen

    Alter Thermalort im benachbarten Chikushino.

  • Kurume

    Geburtsort der Tonkotsu-Ramen und Zentrum der Kasuri-Weberei, weiter südlich an der Nishitetsu-Linie.

  • Yanagawa

    Kanalstadt an derselben Nishitetsu-Linie, oft mit Dazaifu an einem Tag verbunden.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Warum pilgern Schüler zum Dazaifu Tenmangū?

Der Schrein ist Sugawara no Michizane geweiht, der als Tenjin, Schutzgottheit der Gelehrsamkeit, verehrt wird; Schüler bitten hier um Erfolg bei den Aufnahmeprüfungen.

Warum wird Dazaifu mit unterschiedlichen Schriftzeichen geschrieben?

Die antike Behörde schreibt man 大宰府, die heutige Stadt und der Schrein verwenden 太宰府. Gelesen wird beides Dazaifu.

Was hat Dazaifu mit der Ära Reiwa zu tun?

Der Äraname Reiwa (seit 2019) stammt aus dem Vorwort zu Gedichten eines Pflaumenblütenfests, das Ōtomo no Tabito 730 in seiner Residenz in Dazaifu veranstaltete.

Lohnt sich Dazaifu als Halbtagesausflug von Fukuoka?

Ja. Für Schrein, Schreinweg und Nationalmuseum reicht ein halber Tag; wer auch die Regierungsruinen, den Kanzeon-ji und Mizuki sehen will, plant einen ganzen Tag ein.

Wann blühen die Pflaumenbäume?

Meist von Ende Januar bis Anfang März; am frühesten blüht der heilige Tobiume-Baum vor der Haupthalle.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 人口等基本集計 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
  2. 2.太宰府市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 太宰府市
  3. 3.太宰府天満宮 (öffnet in neuem Tab) — 太宰府天満宮
  4. 4.九州国立博物館 (öffnet in neuem Tab) — 九州国立博物館

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