Präfektur Saga · Kleinstadt
Arita
有田町ありたちょうArita-chōVier Jahrhunderte Porzellan in einem Tal
Arita ist eine kleine Stadt im Westen der Präfektur Saga, in der im frühen 17. Jahrhundert erstmals in Japan Porzellan hergestellt wurde. Das Porzellan, in Europa als „Imari“ bekannt, wird bis heute in Dutzenden Werkstätten entlang eines schmalen Tals gefertigt.
Überblick
Arita liegt in einem schmalen Tal im Hügelland Westsagas nahe der Grenze zu Nagasaki. Anfang des 17. Jahrhunderts fanden aus Korea verschleppte Töpfer am Talschluss bei Izumiyama Porzellanstein, und der Ort wurde zum ersten und lange einzigen Porzellanzentrum Japans. Die Domäne Saga kontrollierte das Gewerbe streng, hielt die Techniken geheim und lenkte den Absatz über den Hafen Imari, der der Ware im Ausland ihren Namen gab.
Als Bürgerkriege Mitte des 17. Jahrhunderts die chinesischen Exporte unterbrachen, wandte sich die Niederländische Ostindien-Kompanie an Arita. Blau-weiße und emaillierte Stücke gelangten in europäische Schlösser und beeinflussten Meißen und andere Manufakturen. Aus dieser Zeit stammen der Kakiemon-Stil mit sparsamem Aufglasurdekor auf milchweißem Grund und der reich vergoldete Kinrande-Stil.
Heute ist Arita eine lebendige Töpferstadt. Die alte Hauptstraße von Uchiyama mit Kaufmanns- und Töpfermeisterhäusern ist als historisches Ensemble geschützt, Gassen zwischen Mauern aus wiederverwendeten Brennofenziegeln führen zu den Werkstätten, und der Keramikmarkt im Frühjahr verwandelt den ganzen Ort in einen Markt.
Sehenswürdigkeiten
Porzellansteinbruch Izumiyama
泉山磁石場Izumiyama JisekibaDer helle, ausgehöhlte Hang, an dem zuerst Porzellanstein gebrochen wurde; nationale historische Stätte.
Tōzan-Schrein
陶山神社Tōzan JinjaSchrein am Hang mit einem Porzellan-Torii von 1888, Wächterhunden und Laternen aus Porzellan; eine Bahnlinie kreuzt den Zugangsweg.
Tonbai-Mauern
トンバイ塀tonbai-beiMauern aus ausgedienten Brennofenziegeln und Schamotte entlang der Hintergassen von Uchiyama.
Keramikmuseum Kyushu
佐賀県立九州陶磁文化館Saga Kenritsu Kyūshū Tōji BunkakanPräfekturmuseum der Keramik Kyushus mit einer bedeutenden Sammlung aus Europa zurückgekehrten Exportporzellans.
Kakiemon-Werkstatt
柿右衛門窯Kakiemon-gamaWerkstatt der Linie Sakaida Kakiemon, deren milchweißer Nigoshide-Scherben und Aufglasurtechnik als wichtiges immaterielles Kulturgut geschützt sind.
Ofenstätte Tengudani
天狗谷窯跡Tengudani kama atoReste eines frühen Hangofens, eine der Stätten der ersten Porzellanproduktion.
Arita Porcelain Park
有田ポーセリンパークArita Pōserin PākuPark mit einem Nachbau des Dresdner Zwingers, in dem europäisches und japanisches Porzellan ausgestellt ist.
Stadtviertel
Uchiyama
内山UchiyamaDer historische Kern im oberen Tal, ein Schutzgebiet mit Töpfermeisterhäusern, Galerien und westlich geprägten Meiji-Bauten.
Sotoyama
外山SotoyamaDas äußere Tal mit weiteren Werkstätten, darunter die von Kakiemon und Genemon.
Nishi-Arita
西有田Nishi-AritaDer ländliche Westen der Stadt mit der Ryūmon-Schlucht und Reisterrassen.
Geschichte
Die Überlieferung schreibt den Fund des Porzellansteins in Izumiyama 1616 dem Koreaner Ri Sanpei (Yi Sam-pyeong) zu, der während Hideyoshis Invasionen nach Japan gebracht wurde und als Begründer des Arita-Porzellans verehrt wird. In den 1640er-Jahren entwickelte die Familie Sakaida Kakiemon rote Aufglasurfarben, und ab 1659 bestellte die Niederländische Ostindien-Kompanie große Mengen für den Export.
Im 18. Jahrhundert kehrte die chinesische Konkurrenz zurück, und Arita konzentrierte sich auf den Inlandsmarkt. Ein Großbrand 1828 zerstörte den Ort fast vollständig; beim Wiederaufbau entstanden die Kaufmannshäuser, die noch heute Uchiyama säumen. In der Meiji-Zeit gewann Arita-Porzellan Medaillen auf den Weltausstellungen in Paris und Wien, und die Stadt ging zur industriellen Fertigung über. 2006 fusionierte Arita mit dem Nachbarort Nishi-Arita.
1616
In Izumiyama wird Porzellanstein entdeckt, der Überlieferung nach durch den koreanischen Töpfer Ri Sanpei.
1640er
Sakaida Kakiemon entwickelt rote Aufglasurfarben.
1659
Die Niederländische Ostindien-Kompanie beginnt, Arita-Porzellan in großem Stil für den Export zu bestellen.
spätes 17. Jh.
Die fürstlichen Öfen der Nabeshima werden in Ōkawachiyama bei Imari eingerichtet.
1828
Der Bunsei-Brand zerstört den größten Teil Aritas.
1867
Arita-Porzellan wird auf der Pariser Weltausstellung gezeigt.
1991
Uchiyama wird zum geschützten Ensemble traditioneller Bauten erklärt.
2006
Arita fusioniert mit Nishi-Arita.
2016
Arita begeht vierhundert Jahre Porzellanherstellung.
Kultur
Die Kultur Aritas ist sein Porzellan: Familien von Töpfern, Malern und Händlern arbeiten seit Generationen im Tal, und die Arbeitsteilung zwischen Masseherstellung, Drehern, Malern und Brennöfen prägt den Ort bis heute. Mehrere Meisterlinien, vor allem Kakiemon und Imaemon, sind als Träger wichtiger immaterieller Kulturgüter anerkannt. Der Begründer des Handwerks, Ri Sanpei, wird im Tōzan-Schrein verehrt, und ein Denkmal auf dem Hügel über dem Ort blickt über das Tal.
Feste
Keramikmarkt Arita
有田陶器市Arita Tōki-ichiVom 29. April bis 5. Mai verwandelt sich die Hauptstraße auf rund vier Kilometern in einen der größten Keramikmärkte Japans.
Tōso-sai
陶祖祭Tōso-saiZeremonie am 4. Mai zu Ehren Ri Sanpeis als Begründer des Arita-Porzellans.
Herbstliches Porzellanfest
秋の有田陶磁器まつりAki no Arita Tōjiki MatsuriKleinerer Porzellanmarkt im November, verbunden mit der Laubfärbung im Tal.
Essen
Godōfu
ごどうふgodōfuWeicher, elastischer Tofu aus mit Kudzu oder Stärke gebundener Sojamilch, mit süßer Sesamsoße – das traditionelle Festessen Aritas.
Essen auf Arita-Porzellan
Örtliche Restaurants servieren Menüs und Currys auf hier gefertigtem Porzellan, besonders zur Zeit des Keramikmarkts.
Imari-Rind
伊万里牛Imari-gyūWagyu aus dem benachbarten Imari, in den Restaurants der Gegend serviert.
Unterwegs vor Ort
- Am JR-Bahnhof Arita der Sasebo-Linie halten Expresszüge aus Hakata (etwa anderthalb Stunden); der Bahnhof Kami-Arita liegt näher an Uchiyama.
- Die Matsuura-Bahn fährt von Arita nach Imari und entlang der Küste; Takeo-Onsen an der Nishi-Kyushu-Shinkansen ist eine kurze Bahnfahrt entfernt.
- Uchiyama erkundet man am besten zu Fuß; Leihfahrräder und Gemeindebusse helfen bei den entfernteren Werkstätten.
Ausflüge
Imari und Ōkawachiyama
Das abgeschiedene Dorf der fürstlichen Nabeshima-Öfen zwischen steilen Felswänden.
Takeo Onsen
Thermalort mit zinnoberrotem Turmtor und einer auffälligen Stadtbibliothek.
Hasami
Benachbarter Porzellanort in der Präfektur Nagasaki, bekannt für Alltagsgeschirr.
Marinehafen und Tor zu den Kujūkushima-Inseln, etwa eine halbe Stunde mit dem Zug.
Die andere große Töpferstadt Sagas, an der Genkai-Küste.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Warum heißt Arita-Porzellan in Europa „Imari“?
In der Edo-Zeit wurde die Ware aus Arita zum Hafen Imari gebracht und dort verschifft, daher kannten Händler und Sammler sie als Imari; „Alt-Imari“ (ko-Imari) bezeichnet bis heute frühes Arita-Porzellan.
Wann findet der Keramikmarkt statt?
Jedes Jahr vom 29. April bis 5. Mai, während der Golden Week. Der Ort ist dann sehr voll, es verkehren Sonderzüge.
Hat Arita-Porzellan Meißen beeinflusst?
Ja. Arita-Porzellan im Kakiemon- und Imari-Stil gehörte zu den Sammlungen Augusts des Starken in Dresden und diente der Meißener Manufaktur in ihrer Frühzeit als Vorbild.
Kann man in Arita selbst Porzellan bemalen?
Mehrere Werkstätten bieten Mal- oder Töpferkurse an; aktuelle Angebote kennt der örtliche Tourismusverband.
Weiterlesen
Quellen
- 1.令和2年国勢調査 人口等基本集計 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
- 2.有田町公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 有田町
- 3.佐賀県立九州陶磁文化館 (öffnet in neuem Tab) — 佐賀県
- 4.Saga (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization