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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 2016

Das architektonische Werk von Le Corbusier – ein herausragender Beitrag zur Moderne

ル・コルビュジエの建築作品―近代建築運動への顕著な貢献―る・こるびゅじえのけんちくさくひん―きんだいけんちくうんどうへのけんちょなこうけん―Ru Korubyujie no Kenchiku Sakuhin – Kindai Kenchiku Undō e no Kencho na Kōken

Le Corbusiers unbegrenzt wachsendes Museum in Ueno

Das 1959 eröffnete Nationalmuseum für westliche Kunst im Ueno-Park in Tokio ist Le Corbusiers einziger Bau in Ostasien und Japans Bestandteil des länderübergreifenden Welterbes „Das architektonische Werk von Le Corbusier“ mit 17 Stätten in sieben Ländern, eingetragen 2016. Sein Hauptgebäude verkörpert die Idee eines „unbegrenzt wachsenden Museums“.

Eingetragen 2016Kriterien: i, ii, viTokio

Überblick

Am Anfang stand eine Sammlung. Matsukata Kojiro, Präsident der Kawasaki-Werft in Kobe, trug in den 1910er- und 1920er-Jahren eine umfangreiche Sammlung europäischer Kunst zusammen, von der ein großer Teil in Frankreich verblieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg als Feindvermögen beschlagnahmt, kehrten 1959 rund 370 Werke nach Japan zurück – unter der Bedingung, dass eigens ein Museum für sie gebaut würde. Die japanische Regierung beauftragte Le Corbusier.

Le Corbusier besuchte Tokio 1955 und entwarf das Hauptgebäude; drei japanische Architekten, die in seinem Pariser Atelier gearbeitet hatten – Maekawa Kunio, Sakakura Junzo und Yoshizaka Takamasa –, arbeiteten die Pläne aus und leiteten den Bau. Entstanden ist ein auf Pilotis gestellter Stahlbetonkubus, verkleidet mit Waschbetonplatten. Im Inneren führt eine Rampe aus der zentralen, von oben belichteten Halle des 19. Jahrhunderts in Galerien, die als quadratische Spirale angeordnet sind – ein Grundriss, der das Museum nach außen unbegrenzt wachsen lassen sollte. Alle Maße folgen dem Proportionssystem des Modulor.

Im Juni 1959 wurde das Museum im Ueno-Park eröffnet. Spätere Flügel stammen von Maekawa Kunio, in den 1990er-Jahren erhielt der Altbau eine Erdbebenisolierung im Fundament. 2016 wurde Japans Bestandteil zusammen mit sechzehn weiteren Werken Le Corbusiers in Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Indien und der Schweiz eingetragen – das erste Welterbe, das sich über drei Kontinente erstreckt.

Warum Welterbe

Das länderübergreifende Welterbe wurde nach drei Kriterien eingetragen. Le Corbusiers Werk ist ein Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft und eine herausragende Antwort auf grundlegende architektonische und gesellschaftliche Fragen des 20. Jahrhunderts (Kriterium i). Es bezeugt einen beispiellosen weltweiten Ideenaustausch über ein halbes Jahrhundert, von der Entstehung der Moderne in Europa bis nach Südamerika, Indien und Japan (Kriterium ii).

Die Bauten sind unmittelbar mit den Ideen der Moderne verbunden, deren Theorien und Werke im 20. Jahrhundert universelle Bedeutung hatten (Kriterium vi). Das Nationalmuseum für westliche Kunst vertritt in der Serie den Bautyp Museum und zeigt, wie Le Corbusiers Ideen nach Japan gelangten und von seinen japanischen Schülern weitergetragen wurden, die zu prägenden Architekten der Nachkriegszeit wurden.

Bestandteile

  • Hauptgebäude des Nationalmuseums für westliche Kunst

    国立西洋美術館本館Kokuritsu Seiyō Bijutsukan Honkan

    Der eingetragene Bau von 1959, seit 2007 wichtiges Kulturgut Japans. Der spätere Neue Flügel (1979) und der Wechselausstellungsbau von Maekawa Kunio und seinem Büro gehören nicht zum Welterbe.

  • Halle des 19. Jahrhunderts

    19世紀ホールJūkyū-seiki Hōru

    Das zentrale, durch ein dreieckiges Oberlicht erhellte Atrium, von dem eine Rampe zu den Galerien hinaufführt; Le Corbusier dachte es als Herz der Spirale.

  • Unbegrenzt wachsendes Museum

    無限成長美術館Mugen Seichō Bijutsukan

    Le Corbusiers Konzept einer Galerie, die sich spiralförmig von einem Zentrum aus entwickelt und mit der Sammlung erweitert werden kann; verwirklicht hat er es in Tokio sowie in Ahmedabad und Chandigarh in Indien.

  • Vorplatz

    前庭Zentei

    Der offene Platz vor dem Hauptgebäude mit Güssen von Rodins Höllentor, Denker und Bürgern von Calais aus der Sammlung Matsukata; eine 2022 abgeschlossene Erneuerung näherte ihn wieder Le Corbusiers ursprünglichem Entwurf an.

Geschichte

  1. 1910er–1920er

    Matsukata Kojiro baut in Europa seine Sammlung westlicher Kunst auf.

  2. 1951

    Bei den Friedensverhandlungen in San Francisco bittet Japan um Rückgabe der in Frankreich verbliebenen Sammlung.

  3. 1955

    Le Corbusier besichtigt das Grundstück in Ueno.

  4. 1959

    Eröffnung im Juni, nachdem Frankreich rund 370 Werke zurückgegeben hat.

  5. 1979

    Fertigstellung des Neuen Flügels nach Entwurf von Maekawa Kunio.

  6. 2007

    Das Hauptgebäude wird zum wichtigen Kulturgut erklärt.

  7. 2016

    Eintragung als Teil des Welterbes „Das architektonische Werk von Le Corbusier“.

Besuch

  • Das Museum liegt im Ueno-Park wenige Schritte vom Parkausgang des JR-Bahnhofs Ueno, nahe dem Nationalmuseum Tokio und gegenüber Maekawa Kunios Konzerthaus Tokyo Bunka Kaikan.
  • Im eingetragenen Hauptgebäude ist die ständige Sammlung zu sehen; die Architektur lässt sich so bei einem Museumsbesuch von innen erleben.
  • Der Vorplatz mit den Rodin-Skulpturen ist auch ohne Besuch der Galerien zugänglich.

Häufige Fragen

Ist das Museum Le Corbusiers einziger Bau in Japan?

Ja. Das Nationalmuseum für westliche Kunst ist das einzige Gebäude Le Corbusiers in Japan und in ganz Ostasien.

Hat Le Corbusier das Museum allein entworfen?

Er entwarf das Hauptgebäude; seine japanischen Schüler Maekawa Kunio, Sakakura Junzo und Yoshizaka Takamasa übernahmen Ausführungsplanung und Bauleitung, Maekawa entwarf später auch die Erweiterungen.

Welche Bauten gehören sonst zum Welterbe Le Corbusier?

Insgesamt siebzehn, darunter die Villa Savoye und die Unité d'habitation in Marseille, die Kapelle von Ronchamp, zwei Häuser der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die Villa Le Lac am Genfersee, das Kapitol in Chandigarh und das Haus Curutchet in La Plata.

Was ist die Sammlung Matsukata?

Die Sammlung westlicher Gemälde und Skulpturen des Industriellen Matsukata Kojiro. Die 1959 aus Frankreich zurückgekehrten Werke, darunter Gemälde Monets und Skulpturen Rodins, bilden den Kern des Museumsbestands.

Quellen

  1. 1.The Architectural Work of Le Corbusier, an Outstanding Contribution to the Modern Movement (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.国立西洋美術館 (öffnet in neuem Tab) — 独立行政法人国立美術館 国立西洋美術館

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