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Japan

UNESCO · Kulturerbe · 1999

Schreine und Tempel von Nikko

日光の社寺にっこうのしゃじNikkō no Shaji

Mausoleen der Shogune im heiligen Bergwald

Die Schreine und Tempel von Nikko umfassen 103 Bauten zweier Schreine und eines Tempels – Toshogu, Futarasan-Schrein und Rinno-ji – in den bewaldeten Bergen der Präfektur Tochigi, darunter die reich geschnitzten Mausoleen des ersten und dritten Tokugawa-Shoguns. Seit 1999 sind sie als Meisterwerk der Edo-Architektur in einer heiligen Landschaft Welterbe.

Eingetragen 1999Kriterien: i, iv, viTochigi

Überblick

Nikko liegt rund 130 km nördlich von Tokio am Fuß der vulkanischen Nikko-Berge, wo der Fluss Daiya das Bergland verlässt. Im 8. Jahrhundert wurde der Ort zum Zentrum der Bergverehrung: Der Mönch Shodo Shonin gründete hier einen Tempel und bestieg den heiligen Berg Nantai. Über Jahrhunderte blühte ein shintoistisch-buddhistischer Kult der drei Berge von Nikko.

Eine neue Bedeutung erhielt Nikko, als Tokugawa Ieyasu, Begründer des Shogunats, 1616 starb und im Jahr darauf hier als Gottheit Tosho Daigongen beigesetzt wurde. Sein Enkel Iemitsu ließ den Schrein in den 1630er-Jahren prunkvoll neu errichten – mit Tausenden Handwerkern, Lack, Blattgold und farbigen Schnitzereien. Iemitsus eigenes Mausoleum, der Taiyuin, folgte 1653. Während der Edo-Zeit pilgerten Shogune, Fürsten und koreanische Gesandtschaften nach Nikko.

Mit der Trennung von Shinto und Buddhismus nach 1868 wurde die Anlage in die heutigen zwei Schreine und einen Tempel aufgeteilt. Das rund 50 Hektar große Welterbe umfasst 103 Gebäude – neun Nationalschätze und 94 wichtige Kulturgüter – samt dem umgebenden Zedernwald.

Warum Welterbe

Die UNESCO stützt die Eintragung auf drei Kriterien. Die Schreine und Tempel sind mit ihren Schnitzereien und Malereien Meisterwerke menschlicher Schöpferkraft, eingefügt in die natürliche Umgebung (Kriterium i). Sie sind ein herausragendes Beispiel des Gongen-zukuri-Stils der Edo-Zeit und der dekorativen Künste jener Epoche (Kriterium iv).

Zugleich verkörpert der Ort die japanische Tradition der Bergverehrung, in der die Bauten untrennbar mit Wald und Gipfeln verbunden sind, und die Verschmelzung von Shinto und Buddhismus, die Japans Religion bis ins 19. Jahrhundert prägte (Kriterium vi).

Bestandteile

  • Nikko Toshogu

    日光東照宮Nikkō Tōshōgū

    Schrein und Mausoleum Tokugawa Ieyasus, bis 1636 unter Iemitsu neu errichtet. Zu den Höhepunkten zählen das Yomeimon-Tor, so überreich geschnitzt, dass man es „den ganzen Tag betrachten“ könne, die drei Affen am heiligen Stall und die schlafende Katze am Weg zu Ieyasus Grab.

  • Futarasan-Schrein

    日光二荒山神社Nikkō Futarasan-jinja

    Schrein der Gottheiten von Nantai, Nyoho und Taro. Seine Haupthalle von 1619 ist das älteste Gebäude der Anlage; die zinnoberrote Shinkyo-Brücke über den Daiya markiert den heiligen Zugang.

  • Rinno-ji

    日光山輪王寺Nikkōzan Rinnō-ji

    Tendai-Tempel in der Nachfolge von Shodo Shonins Gründung. Die Sanbutsudo-Halle birgt drei große vergoldete Statuen, die buddhistischen Gestalten der drei heiligen Berge.

  • Taiyuin

    大猷院Taiyūin

    1653 vollendetes Mausoleum des dritten Shoguns Tokugawa Iemitsu, das zum Rinno-ji gehört – aus Ehrerbietung vor dem Großvater bewusst schlichter als der Toshogu.

  • Gongen-zukuri

    権現造Gongen-zukuri

    Schreingrundriss, der Haupt- und Gebetshalle über einen Zwischenraum unter einem gemeinsamen, verschachtelten Dach verbindet; der Toshogu ist sein prunkvollstes Beispiel.

Geschichte

  1. 766

    Überliefertes Gründungsjahr des Shihonryu-ji, Vorläufer des Rinno-ji, durch Shodo Shonin.

  2. 782

    Shodo Shonin erreicht der Überlieferung nach den Gipfel des Nantai.

  3. 1617

    Der im Vorjahr verstorbene Tokugawa Ieyasu wird in Nikko beigesetzt und als Gottheit verehrt.

  4. 1634–1636

    Tokugawa Iemitsu lässt den Toshogu in seiner heutigen Gestalt errichten.

  5. 1653

    Vollendung des Taiyuin, des Mausoleums Iemitsus.

  6. 1871

    Infolge der Trennung von Shinto und Buddhismus entstehen Toshogu, Futarasan-Schrein und Rinno-ji als eigene Einrichtungen.

  7. 1999

    Aufnahme in die Welterbeliste.

  8. 2013–2017

    Umfassende Restaurierung des Yomeimon-Tors.

Besuch

  • Von Tokio erreicht man Nikko mit dem Tobu-Limited-Express ab Asakusa in rund zwei Stunden oder mit dem Tohoku-Shinkansen bis Utsunomiya und der JR Nikko-Linie; die Schreine liegen etwa 2 km bergauf von den Bahnhöfen.
  • Die drei Bezirke grenzen im Wald aneinander und lassen sich in einem halben Tag zu Fuß besichtigen; Steintreppen und Wege sind stellenweise steil.
  • Beim Frühlingsfest des Toshogu am 17. und 18. Mai zieht am 18. Mai eine Prozession von tausend Kriegern in Edo-Tracht durch die Anlage.
  • Viele verbinden den Besuch mit dem Chuzenji-See und den Kegon-Fällen, die über die kurvenreiche Irohazaka-Straße im Nationalpark Nikko erreichbar sind.

Häufige Fragen

Wer ist im Toshogu von Nikko bestattet?

Tokugawa Ieyasu, der erste Tokugawa-Shogun. Er wurde 1617 als Gottheit hier beigesetzt; sein Grab liegt im inneren Bezirk hinter dem Hauptschrein.

Wo sind die drei Affen zu sehen?

Die Schnitzerei der Affen, die „nichts Böses sehen, hören und sagen“, schmückt den heiligen Stall des Toshogu – als Teil einer Bildfolge über das Leben eines Affen.

Warum gibt es zwei Schreine und einen Tempel?

Nikko war eine gemeinsame shintoistisch-buddhistische Anlage, bis die Meiji-Regierung beide Religionen trennen ließ. Daraus gingen Toshogu, Futarasan-Schrein und Rinno-ji hervor.

Gehören Chuzenji-See und Kegon-Fälle zum Welterbe?

Nein. Sie liegen im Nationalpark Nikko und sind eng mit der Bergverehrung verbunden, eingetragen sind jedoch nur die Schreine und der Tempel im Ort.

Ist Nikko als Tagesausflug von Tokio machbar?

Ja, bei rund zwei Stunden Fahrt pro Richtung. Wer auch den Chuzenji-See sehen möchte, sollte eine Übernachtung einplanen.

Quellen

  1. 1.Shrines and Temples of Nikko (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  3. 3.日光東照宮 (öffnet in neuem Tab) — 日光東照宮
  4. 4.日光市 (öffnet in neuem Tab) — 日光市

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