Wirtschaft
Visitenkarten (Meishi)
名刺めいしmeishiDie Karte ist die Person: das Ritual des Meishi-Austauschs
Die Meishi, die japanische Visitenkarte, wird zu Beginn jedes ersten Treffens getauscht und gilt als Verlängerung ihres Besitzers. Man überreicht und empfängt sie mit beiden Händen, liest sie aufmerksam und lässt sie während der Besprechung auf dem Tisch liegen; ausländische Besucher sollten reichlich Karten dabeihaben, am besten mit japanischer Rückseite.
In Japan liefert eine Visitenkarte mehr als Kontaktdaten. Sie sagt dem Empfänger, zu welchem Unternehmen jemand gehört und welche Position er innehat – Angaben, die bestimmen, wie man sich anspricht, wo man sitzt und wer mit wem spricht. Ohne Karte lässt sich ein Neuling schwer einordnen.
Deshalb ist der Austausch der Meishi zu Beginn jeder Geschäftsbeziehung eine kleine Zeremonie, und Nachlässigkeit mit der Karte kann als Nachlässigkeit gegenüber der Person verstanden werden. Japanische Berufstätige tauschen im Laufe ihrer Karriere oft Tausende Karten und bewahren sie sorgfältig auf.
Schritt für Schritt
- 1VorbereitenReichlich zweisprachige Karten im Etui mitnehmen und schon vor Betreten des Raums griffbereit haben.
- 2ÜberreichenAufstehen, die Karte mit beiden Händen dem Empfänger zugewandt halten, Firma und Namen nennen und sich leicht verbeugen.
- 3EmpfangenDie andere Karte mit beiden Händen nehmen, sich bedanken und sie aufmerksam lesen.
- 4HinlegenErhaltene Karten in der Sitzordnung auf den Tisch legen und während der Besprechung dort lassen.
- 5AufbewahrenZum Schluss die Karten sorgfältig ins Etui stecken, nie in die Gesäßtasche.
Was eine Meishi zeigt
Eine japanische Visitenkarte nennt Firmenname, oft mit Logo, Abteilung, Titel, den vollständigen Namen und Kontaktdaten. Unternehmen und Position stehen meist vor dem Namen – Ausdruck der Bedeutung der Zugehörigkeit. Japanische Namen werden mit dem Familiennamen zuerst angegeben.
Ausländischen Besuchern sind zweisprachige Karten zu empfehlen, auf einer Seite Englisch oder die eigene Sprache, auf der anderen Japanisch, mit dem Namen in Katakana, der Schrift für Fremdwörter. Druckereien in Japan und viele Übersetzungsdienste fertigen solche Karten rasch an; Titel sollten dem entsprechenden japanischen Rang angepasst und nicht wörtlich übersetzt werden.
Die Schrift, in der ausländische Namen auf Japanisch geschrieben werden.
Meishi-ire
名刺入れmeishi-ireVisitenkartenetui, meist aus Leder oder Metall; Karten trägt man nie lose oder im Portemonnaie.
Der Austausch
Karten werden im Stehen getauscht, zu Beginn des Treffens und vor dem Hinsetzen. Meist bietet der Besucher oder der Rangniedrigere zuerst an. Man hält die Karte mit beiden Händen, die Schrift dem Empfänger zugewandt, nennt Firma und Namen und verbeugt sich leicht. Bieten beide gleichzeitig an, übergibt jeder mit der rechten und empfängt mit der linken Hand und stützt die erhaltene Karte dann mit beiden Händen.
Gegenüber Ranghöheren hält man die eigene Karte etwas tiefer als deren Karte – ein Zeichen des Respekts. Beim Empfangen sagt man „chōdai itashimasu“ („ich nehme sie dankend entgegen“) oder bedankt sich einfach und betrachtet die Karte einen Moment aufmerksam.
Während und nach der Besprechung
Erhaltene Karten legt man vor sich auf den Tisch, in der Sitzordnung der Anwesenden – das hilft, sich die Namen zu merken; die Karte des Ranghöchsten liegt oft auf dem Etui. Sie bleiben bis zum Ende der Besprechung dort und werden dann sorgfältig ins Etui gesteckt.
In Anwesenheit des Besitzers auf die Karte zu schreiben, sie zu knicken, mit ihr zu spielen, sie liegen zu lassen oder in die Gesäßtasche zu stecken, gilt als respektlos. Viele Unternehmen scannen Karten danach in gemeinsame Kontaktdatenbanken, und digitale Visitenkarten-Apps sind verbreitet – der physische Austausch bleibt aber Standard.
Titel
Japanische Titel zeigen den Rang in einer recht einheitlichen Unternehmenshierarchie. Wer sie kennt, erkennt Entscheidungsträger und spricht Menschen korrekt an. Die Entsprechungen variieren je nach Unternehmen, und viele Firmen verwenden eigene englische Übersetzungen.
| Japanisch | Lesung | Ungefähre Entsprechung |
|---|---|---|
| 会長 | kaichō | Vorsitzender (Chairman) |
| 代表取締役社長 | daihyō torishimariyaku shachō | Präsident und vertretungsberechtigter Direktor, CEO |
| 取締役 | torishimariyaku | Direktor (Mitglied des Board) |
| 執行役員 | shikkō yakuin | Executive Officer, Mitglied der Geschäftsleitung |
| 本部長 | honbuchō | Bereichsleiter |
| 部長 | buchō | Abteilungsleiter |
| 課長 | kachō | Gruppen- oder Referatsleiter |
| 係長 / 主任 | kakarichō / shunin | Teamleiter / Sachbearbeiter mit Führungsaufgaben |
Häufige Fragen
Braucht man für eine Japanreise japanische Visitenkarten?
Sehr zu empfehlen. Eine zweisprachige Karte mit japanischer Rückseite zeigt Respekt und erleichtert den Partnern, die Angaben zu lesen und abzulegen.
Wie viele Visitenkarten sollte man mitnehmen?
Mehr als gedacht; an Besprechungen in Japan nehmen oft viele Personen teil, und jede erhält eine Karte. Wem die Karten ausgehen, gerät in Verlegenheit.
Darf man Notizen auf eine japanische Visitenkarte schreiben?
Nicht in Anwesenheit des Besitzers. Notizen macht man anderswo oder nach der Besprechung.
Wie übersetzt man den eigenen Titel?
Nicht wörtlich, sondern nach dem entsprechenden japanischen Rang, etwa Abteilungsleiter als 部長 (buchō). Ein Übersetzer oder die Kammer vor Ort kann bei der Einordnung helfen.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Invest Japan – Doing business in Japan (öffnet in neuem Tab) — JETRO (Japan External Trade Organization)
- 2.Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) (öffnet in neuem Tab) — DIHKJ
- 3.EU Business in Japan (öffnet in neuem Tab) — EU-Japan Centre for Industrial Cooperation