Miyagi · Kleinstadt
Matsushima
松島町まつしままちMatsushima-machiKieferninseln, Zen-Tempel und das Erbe der Date
Matsushima ist eine Kleinstadt an der Bucht von Matsushima nordöstlich von Sendai – berühmt für die kiefernbewachsenen Inselchen, die zu den „Drei Landschaften Japans“ zählen, und für den von Date Masamune erneuerten Zen-Tempel Zuigan-ji.
Überblick
Matsushima bedeutet „Kieferninseln“. Der Name bezieht sich auf die zahllosen Inselchen aus weichem Tuff und Sandstein, bewachsen mit Schwarz- und Rotkiefern, die die flache Bucht zwischen Shiogama und der Halbinsel Oshika füllen. Seit dem 17. Jahrhundert zählt die Bucht zusammen mit Amanohashidate und Miyajima zu den Nihon Sankei, den „Drei Landschaften Japans“, und steht als besonderer landschaftlicher Schönheitsort unter Schutz.
Der Ort selbst ist eine kompakte Uferzeile aus Tempeln, Teehäusern und Anlegestellen. Religiöses Zentrum ist der Zen-Tempel Zuigan-ji, dessen Gebäude Date Masamune im frühen 17. Jahrhundert neu errichten ließ und der den Date als Familientempel diente. Um ihn herum liegen die Halle Godaidō auf ihrem Inselchen, der Mausoleumstempel Entsū-in und die Einsiedlerinsel Oshima.
Beim Tsunami von 2011 brachen die Inseln die Wucht der Welle; Matsushima kam glimpflicher davon als viele Nachbarorte, auch wenn die Uferzone überflutet wurde. Die Stadt ist bis heute das meistbesuchte Landschaftsziel Miyagis und von Sendai aus in deutlich weniger als einer Stunde erreichbar.
Sehenswürdigkeiten
Zuigan-ji
瑞巌寺ZuiganjiRinzai-Zen-Tempel der Date, 1609 neu errichtet; Haupthalle mit bemalten Schiebetüren und Küchen- und Wohngebäude sind Nationalschätze, am zedernbeschatteten Zugangsweg liegen Höhlen mit Gedenkreliefs.
Godaidō
五大堂GodaidōKleine Halle auf einem Inselchen, erreichbar über rote Brücken mit offenen Bohlen, 1604 von Masamune erneuert; ihre Statuen der fünf Weisheitskönige werden nur alle 33 Jahre gezeigt.
Entsū-in
円通院EntsūinMausoleumstempel für Masamunes Enkel Date Mitsumune, dessen Schreinhalle mit westlichen Rosen verziert ist; bekannt für Moos- und Steingärten und das Herbstlaub.
Kanrantei
観瀾亭KanranteiTeepavillon über der Bucht, der Überlieferung nach ein Gebäude der Burg Fushimi, das Toyotomi Hideyoshi Masamune schenkte und das die Date später hierher versetzten.
Oshima
雄島OshimaKleine Insel, über die rote Brücke Togetsukyō erreichbar; einst buddhistischer Rückzugsort mit Höhlen, Steinreliefs und stillen Pfaden.
Fukuurajima
福浦島FukuurajimaBewaldete Insel, über eine lange rote Fußgängerbrücke erreichbar, mit Naturpfad und Blick über die Bucht.
- 松島湾Matsushima-wan
Die Bucht mit rund 260 Inselchen, am besten vom Ausflugsboot oder von den Aussichtspunkten der Shidaikan zu überblicken.
Stadtviertel
Uferzone Matsushima-Kaigan
松島海岸Matsushima KaiganHafenfront zwischen Bahnhof und Godaidō mit Bootsanlegern, Fischrestaurants und Andenkenläden.
Tempelbezirk Zuigan-ji
瑞巌寺ZuiganjiTempelviertel mit Zuigan-ji, Entsū-in und benachbarten Nebentempeln im Zedernwald, wenige Minuten landeinwärts.
Tomiyama und Ōgidani
富山・扇谷Tomiyama, ŌgidaniHügel hinter dem Ort mit zwei der vier klassischen Aussichtspunkte auf die Bucht, der Shidaikan.
Geschichte
Lange bevor Matsushima zum Aussichtsziel wurde, war es ein heiliger Ort. Nach der Tempelüberlieferung gründete der Mönch Ennin hier 828 einen Tendai-Tempel; in der Kamakura-Zeit wurde er als Zen-Tempel neu begründet, und die vorgelagerte Insel Oshima wurde zum Rückzugsort von Asketen, deren Reliefs und Gedenksteine noch heute die Höhlen säumen.
Date Masamune ließ 1604 die Godaidō-Halle erneuern und vollendete 1609 den neuen Zuigan-ji – mit Holz aus der Region Kumano und Handwerkern aus Kyoto. Der konfuzianische Gelehrte Hayashi Gahō zählte Matsushima 1643 zu den drei schönsten Landschaften Japans, und Matsuo Bashō kam 1689 auf der in Oku no Hosomichi beschriebenen Reise hierher und rühmte die Bucht in seiner Prosa. In der Moderne entwickelte sich der Ort, erschlossen durch die Bahn aus Sendai, zum Ausflugsziel; 1952 wurde die Bucht zum besonderen landschaftlichen Schönheitsort erklärt.
828
Der Tempelüberlieferung nach gründet Ennin einen Tendai-Tempel, den Vorläufer des Zuigan-ji.
13. Jh.
Neugründung als Zen-Tempel unter dem Kamakura-Shogunat.
1604
Date Masamune lässt die Halle Godaidō auf ihrem Inselchen erneuern.
1609
Vollendung des Zuigan-ji unter Masamunes Förderung.
1643
Hayashi Gahō nennt Matsushima unter den „Drei Landschaften Japans“.
1647
Gründung des Entsū-in als Mausoleumstempel für Date Mitsumune.
1689
Matsuo Bashō besucht Matsushima auf seiner Reise „Oku no Hosomichi“.
1952
Ernennung zum besonderen landschaftlichen Schönheitsort.
2011
Der Tsunami vom 11. März überflutet die Uferzone; die Inseln mildern seine Wucht.
2018
Abschluss der rund zehnjährigen Restaurierung der Haupthalle des Zuigan-ji.
Kultur
Matsushima ist zugleich Tempelstadt und Dichterlandschaft. Der Zuigan-ji ist bis heute ein aktiver Zen-Tempel, und die Höhlen und Gedenksteine am Zugangsweg und auf Oshima zeugen von Jahrhunderten der Wallfahrt und Totenverehrung. Von Saigyō bis Bashō schrieben Dichter über die Bucht; der berühmte Vers, der nur den Namen wiederholt – „Matsushima ya, aa Matsushima ya“ –, wird oft Bashō zugeschrieben, stammt aber von einem späteren Dichter.
Der Festkalender folgt den Jahreszeiten der Bucht: Austernfest im Winter, Laternen auf dem Wasser im August, abendliche Beleuchtung der Tempelgärten des Entsū-in im Herbst.
Feste
Austernfest Matsushima
松島かき祭りMatsushima Kaki MatsuriWinterfest Anfang Februar, bei dem Austern aus der Bucht an der Uferpromenade gegrillt werden.
Matsushima Tōrō Nagashi
松島灯籠流しMatsushima Tōrō NagashiZur O-bon-Zeit im August treiben Laternen für die Verstorbenen auf der Bucht, begleitet von Feuerwerk.
Herbstbeleuchtung
紅葉ライトアップkōyō raito appuIm November werden die Ahornbäume des Entsū-in und anderer Tempel abends angestrahlt.
Essen
Austern
牡蠣kakiIn der Bucht gezüchtet und gegrillt, frittiert oder als Reisschale gegessen, vor allem von Spätherbst bis Vorfrühling.
Anago-don
穴子丼anago-donReisschale mit geschmortem oder gegrilltem Meeraal, eine Spezialität Matsushimas.
Sasa-kamaboko
笹かまぼこsasa-kamabokoBlattförmige Fischkuchen, an der Uferpromenade oft frisch gegrillt.
Zunda mochi
ずんだ餅zunda mochiReiskuchen mit süßer Edamame-Paste, serviert in den Teehäusern an der Bucht.
Unterwegs vor Ort
- Die JR-Senseki-Linie fährt von Sendai in etwa 40 Minuten zum Bahnhof Matsushima-Kaigan, der Zuigan-ji und der Uferzone am nächsten liegt.
- Der JR-Bahnhof Matsushima an der Tohoku-Hauptlinie liegt weiter im Landesinneren und ist von den Sehenswürdigkeiten deutlich weiter entfernt.
- Ausflugsboote verkehren zwischen Shiogama und Matsushima und bieten Rundfahrten zwischen den Inseln an.
- Die wichtigsten Ziele – Zuigan-ji, Godaidō, Entsū-in, Kanrantei, Oshima und Fukuurajima – liegen in Gehweite des Bahnhofs.
Ausflüge
- 仙台Sendai
Präfekturhauptstadt mit den Bauten der Date, in weniger als einer Stunde mit der Bahn.
Shiogama
塩竈ShiogamaHafenstadt mit dem Shiogama Jinja und einem Fischmarkt, per Boot über die Bucht verbunden.
Ōtakamori und Oku-Matsushima
大高森ŌtakamoriHügel auf Miyato-jima in Higashimatsushima mit dem weitesten Rundblick über die Bucht, einer der Shidaikan-Aussichtspunkte.
Ruinen von Tagajō
多賀城跡Tagajō atoStätte der alten Provinzhauptstadt von Mutsu, besondere historische Stätte mit der Tagajō-Stele.
- 石巻Ishinomaki
Hafenstadt an der Mündung des Kitakami, weiter entlang der Senseki-Linie.
Weitere Städte der Präfektur
Häufige Fragen
Warum ist Matsushima berühmt?
Die Bucht von Matsushima mit rund 260 kiefernbestandenen Inselchen zählt zu den „Drei Landschaften Japans“. Außerdem steht hier der Zuigan-ji, der Zen-Tempel der Date-Fürsten.
Wie kommt man von Sendai nach Matsushima?
Mit der JR-Senseki-Linie in etwa 40 Minuten bis Matsushima-Kaigan. Alternativ fahren Boote von Shiogama über die Bucht.
Was sind die „Drei Landschaften Japans“?
Die Nihon Sankei: Matsushima in Miyagi, Amanohashidate in der Präfektur Kyoto und Miyajima (Itsukushima) in der Präfektur Hiroshima, seit dem 17. Jahrhundert als Dreiergruppe genannt.
Hat Bashō ein Haiku über Matsushima geschrieben?
Bashō rühmte Matsushima in der Prosa von Oku no Hosomichi, hinterließ dort aber kein eigenes Haiku. Der bekannte Vers „Matsushima ya, aa Matsushima ya“ stammt von einem späteren Dichter.
Wurde Matsushima 2011 vom Tsunami getroffen?
Die Uferzone wurde überflutet, doch die Inseln bremsten die Welle, sodass die Schäden geringer ausfielen als in vielen Nachbarorten. Tempel und Sehenswürdigkeiten sind längst wieder zugänglich.
Weiterlesen
Quellen
- 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
- 2.松島町ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 松島町
- 3.国指定文化財等データベース (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 4.宮城県公式ウェブサイト (öffnet in neuem Tab) — 宮城県