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Japan

Okinawa · Stadt

Miyakojima

宮古島市みやこじましMiyakojima-shi

Flache Koralleninseln in unwirklich blauem Meer

Miyakojima ist die Stadt der Miyako-Inseln in der Präfektur Okinawa – flache Inseln aus Korallenkalk rund 300 Kilometer südwestlich der Hauptinsel, bekannt für weiße Sandstrände, außergewöhnlich klares Wasser und die langen Brücken nach Irabu, Ikema und Kurima.

Überblick

Die Stadt Miyakojima entstand 2005 aus der Stadt Hirara und den Gemeinden Gusukube, Shimoji, Ueno und Irabu und umfasst die Insel Miyako samt Ikema, Ōgami, Irabu, Shimoji und Kurima. Die Inseln sind niedrige Plateaus aus gehobenem Korallenkalk, ohne Berge und ohne Flüsse; Regen versickert im Gestein. Wasser wurde daher lange aus Quellen und Höhlen geschöpft, seit dem späten 20. Jahrhundert auch aus unterirdischen Staudämmen, die das Süßwasser im Kalk zurückhalten.

Weil keine Flüsse Schwebstoffe ins Meer tragen, ist das Wasser um Miyako berühmt klar. Strände wie Yonaha Maehama und Sunayama, das lange Kap Higashi-hennazaki und das riesige Riff Yabiji ziehen Besucher an, und die drei Brücken nach Irabu, Ikema und Kurima – die 2015 eröffnete Irabu-Brücke ist über 3,5 Kilometer lang – machen die Inseln bequem mit dem Auto erreichbar.

Miyako hat eine eigene Sprache, eigene Lieder und Bräuche, darunter das Pāntu-Ritual der schlammbedeckten Gottheiten und die Trinkrunde Otōri. Zuckerrohr bedeckt den größten Teil der Felder, dazu kommen Mangos und Rinderzucht; seit der Eröffnung der Brücken und eines zweiten Flughafens auf Shimoji ist der Tourismus stark gewachsen.

Sehenswürdigkeiten

  • Strand Yonaha Maehama

    与那覇前浜Yonaha Maehama

    Rund sieben Kilometer feiner weißer Sand an der Südwestküste, gegenüber der Insel Kurima.

  • Higashi-hennazaki

    東平安名崎Higashi-hennazaki

    Schmales Kap, das etwa zwei Kilometer in den Pazifik ragt, mit Leuchtturm und wilden Lilien im Frühjahr; staatlich geschützte Stätte landschaftlicher Schönheit.

  • Irabu-Brücke

    伊良部大橋Irabu Ōhashi

    Mautfreie, 3.540 Meter lange Brücke über türkisfarbenes Flachwasser nach Irabu, eine der längsten ihrer Art in Japan.

  • Tōri-ike

    通り池Tōri-ike

    Zwei tiefe Karstlöcher auf Shimoji, unterirdisch miteinander und mit dem Meer verbunden; Stätte landschaftlicher Schönheit und Naturdenkmal.

  • Strand Sunayama

    砂山ビーチSunayama Bīchi

    Kleiner Strand hinter einer Sanddüne nördlich von Hirara, mit natürlichem Felsbogen.

  • Yabiji

    八重干瀬Yabiji

    Großes Korallenriffsystem nördlich von Ikema, das bei den niedrigsten Springtiden, traditionell im dritten Mondmonat, teils aus dem Meer auftaucht.

  • Denkmal des Deutschen Kaisers

    独逸皇帝博愛記念碑Doitsu Kōtei Hakuai Kinenhi

    Gedenkstein von 1876 in Hirara, auf Anordnung Wilhelms I. zum Dank für die Rettung deutscher Seeleute errichtet.

  • Deutsches Kulturdorf Ueno

    うえのドイツ文化村Ueno Doitsu Bunkamura

    Park mit einem Nachbau der Marksburg am Rhein und Ausstellungen über die Rettung von 1873 und die deutsch-japanische Freundschaft.

Stadtviertel

  • Hirara

    平良Hirara

    Städtisches Zentrum und Hafen an der Westküste mit Rathaus, Märkten und den meisten Restaurants.

  • Gusukube

    城辺Gusukube

    Ländlicher Südosten mit Zuckerrohrfeldern, Higashi-hennazaki und dem Strand Boraga.

  • Ueno

    上野Ueno

    Südlicher Ortsteil mit dem Deutschen Kulturdorf und den Ferienanlagen am Maehama.

  • Irabu und Shimoji

    伊良部島・下地島Irabu-jima・Shimoji-shima

    Zwillingsinseln, durch kurze Brücken über einen Kanal verbunden, mit dem Fischerhafen Sarahama, Klippen, Tōri-ike und dem Flughafen Shimojishima.

  • Ikema

    池間島Ikema-jima

    Kleine Fischerinsel im Norden mit eigenem Dialekt und starker Seefahrertradition.

Geschichte

Ende des 14. Jahrhunderts nahm Miyako Beziehungen zum Königreich Chūzan auf der Hauptinsel auf. Um 1500 stellte sich sein Anführer Nakasone Tuyumya im Kampf gegen den Rebellen Oyake Akahachi aus Yaeyama auf die Seite Shuris und erhielt dafür die Herrschaft über die südlichen Inseln. Unter Satsumas Oberhoheit über Ryukyu wurde Miyako und Yaeyama ab 1637 eine Kopfsteuer auferlegt, die unabhängig von der Ernte pro Person erhoben wurde; eine Petitionsbewegung von Bauern aus Miyako an den Reichstag in den 1890er-Jahren führte 1903 zu ihrer Abschaffung.

1873 retteten Dorfbewohner aus Ueno die Besatzung des deutschen Handelsschiffs R. J. Robertson, das in einem Taifun auf das Riff gelaufen war, und pflegten die Seeleute, bis sie heimkehren konnten. Aus Dankbarkeit ließ Kaiser Wilhelm I. 1876 in Hirara ein Denkmal errichten. Daran erinnert das Deutsche Kulturdorf Ueno, das Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2000 besuchte. 1945 erlitt Miyako Luftangriffe, aber keine Bodenkämpfe; 1972 kehrte es mit Okinawa zu Japan zurück.

  1. 1390

    Miyako beginnt, dem Königreich Chūzan Tribut zu leisten.

  2. 1500

    Nakasone Tuyumya unterstützt Shuri bei der Niederschlagung des Aufstands von Oyake Akahachi auf Ishigaki.

  3. 1637

    Einführung der Kopfsteuer auf Miyako und Yaeyama.

  4. 1771

    Der Große Meiwa-Tsunami fordert auch auf den Miyako-Inseln viele Opfer.

  5. 1873

    Dorfbewohner retten die Besatzung des deutschen Schiffs R. J. Robertson.

  6. 1876

    Enthüllung des von Kaiser Wilhelm I. gestifteten Denkmals in Hirara.

  7. 1903

    Abschaffung der Kopfsteuer nach Petitionen der Bauern Miyakos.

  8. 1992

    Eröffnung der Ikema-Brücke, 1995 folgt die Kurima-Brücke.

  9. 2005

    Fünf Gemeinden schließen sich zur Stadt Miyakojima zusammen.

  10. 2015

    Die Irabu-Brücke verbindet Miyako mit Irabu und Shimoji.

Kultur

Miyakos Kultur ist eng und eigenständig. Die Miyako-Sprache (Myākufutsu) unterscheidet sich vom Okinawanischen und sogar von Insel zu Insel; die UNESCO führt sie als gefährdet. Das Pāntu-Ritual von Shimajiri, bei dem mit Schlamm und Ranken bedeckte Gestalten Dorfbewohner und neue Häuser beschmieren, um Unheil zu vertreiben, gehört zur Gruppe der Raihō-shin auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Bei Festen wird der Kreistanz Kuichā getanzt, und die Trinkrunde Otōri ist ein bekannter – und mitunter umstrittener – geselliger Brauch. Auf die Rettung der deutschen Seeleute von 1873 ist man stolz; in den Schulen wird sie als Geschichte der Gastfreundschaft erzählt.

Feste

  • Pāntu

    パーントゥpāntu

    Herbstritual in Shimajiri: Schlammbedeckte Gottheiten steigen aus einem heiligen Brunnen und beschmieren die Dorfbewohner als Glücksbringer.

  • Triathlon von Miyakojima

    全日本トライアスロン宮古島大会Zen-Nihon Toraiasuron Miyakojima Taikai

    Japans bekanntester Langdistanz-Triathlon, seit 1985 im April auf Strecken über die Inseln und Brücken.

  • Kuichā

    クイチャーkuichā

    Gemeinschaftlicher Kreistanz mit Gesang und Händeklatschen bei Dorffesten, als Bitte um Regen und gute Ernte.

Essen

  • Miyako-Soba

    宮古そばMiyako soba

    Dünne, flache Nudeln in klarer Brühe; Schweinefleisch und Fischkuchen lagen traditionell versteckt unter den Nudeln.

  • Mango aus Miyako

    マンゴーmangō

    Im Gewächshaus gezogene Mangos, die im Hochsommer reifen – eine der geschätztesten Früchte der Inseln.

  • Miyako-Rind

    宮古牛Miyako-gyū

    Auf den Inseln aufgezogenes Wagyu, eine kleine, angesehene Marke.

  • Awamori und Otōri

    オトーリotōri

    Mit Wasser verdünnter Awamori wird im Otōri-Brauch getrunken: Reihum hält jeder eine kurze Rede, füllt das Glas und lässt es um den Tisch kreisen.

  • Bonito aus Irabu

    鰹katsuo

    Mit der Angelrute gefangener Bonito aus Sarahama, als Sashimi und als Katsuobushi.

Unterwegs vor Ort

  • Der Flughafen Miyako bei Hirara wird von Naha in unter einer Stunde sowie direkt von Tokio und weiteren Städten angeflogen; der Flughafen Shimojishima auf Shimoji bedient weitere Inlands- und einige internationale Strecken.
  • Passagierfähren von der Okinawa-Hauptinsel gibt es nicht; innerhalb der Stadt fährt eine Fähre von Shimajiri nach Ōgami-jima, nach Tarama bestehen Fähr- und Flugverbindungen.
  • Brücken verbinden Miyako mit Irabu, Shimoji, Ikema und Kurima, sodass sich die Inseln an einem Tag mit dem Auto erkunden lassen; Busse fahren selten, die meisten Besucher mieten Auto oder Fahrrad.

Ausflüge

  • Irabu und Shimoji

    伊良部島Irabu-jima

    Jenseits der Irabu-Brücke: Klippen, Tōri-ike, der Strand Sawada und die Küste an der Landebahn von Shimoji mit weitem Meerblick.

  • Ikema und Kurima

    来間島Kurima-jima

    Kleine Inseln am Ende der Ikema- und der Kurima-Brücke mit Aussichtspunkten und ruhigen Stränden.

  • Ōgami-jima

    大神島Ōgami-jima

    Winzige heilige Insel, per kurzer Fährfahrt erreichbar; gesperrte Kultstätten sind unbedingt zu respektieren.

  • Ishigaki

    石垣島Ishigaki-jima

    Die Drehscheibe Yaeyamas, einen kurzen Flug entfernt – für Reisen, die mehrere Südinseln verbinden.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Miyakojima?

Per Flugzeug zum Flughafen Miyako oder Shimojishima, von Naha in unter einer Stunde oder direkt von mehreren Städten der Hauptinseln. Eine Passagierfähre ab Naha gibt es nicht.

Warum ist das Wasser um Miyako so klar?

Die Inseln bestehen aus flachem Korallenkalk ohne Flüsse, sodass kaum Erde oder Sediment ins Meer gespült wird.

Was verbindet Miyakojima mit Deutschland?

1873 retteten Inselbewohner die Besatzung des deutschen Schiffs R. J. Robertson. Kaiser Wilhelm I. dankte 1876 mit einem Denkmal in Hirara; das Deutsche Kulturdorf Ueno erinnert an die Geschichte.

Braucht man auf Miyakojima ein Auto?

Sehr empfehlenswert: Busse fahren selten, während man dank der Brücken alle verbundenen Inseln an einem Tag abfahren kann.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — 沖縄県企画部統計課
  2. 2.宮古島市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 宮古島市
  3. 3.Raiho-shin, ritual visits of deities in masks and costumes (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage
  4. 4.Okinawa (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization

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