UNESCO · Kulturerbe · 1996
Shinto-Schrein Itsukushima
厳島神社いつくしまじんじゃItsukushima-jinjaEin Schrein auf dem Meer vor einem heiligen Berg
Der Shinto-Schrein Itsukushima auf der Insel Miyajima (Präfektur Hiroshima) ist eine Anlage zinnoberroter Hallen und Gänge über dem Watt der Seto-Inlandsee, deren großes Torii vor der Küste im Wasser steht. Seine heutige Gestalt geht auf Taira no Kiyomori im 12. Jahrhundert zurück; 1996 wurde er zusammen mit dem Meer davor und dem Bergwald des Misen eingetragen.
Überblick
Itsukushima, meist Miyajima („Schreininsel“) genannt, liegt im Westen der Seto-Inlandsee unmittelbar vor der Küste südwestlich von Hiroshima. Die Insel selbst wurde seit alters als Gottheit verehrt; deshalb errichtete man den Schrein nicht auf ihrem Boden, sondern über der flachen Bucht am Fuß des Misen. Bei Flut scheinen Hallen, Gänge und Bühne zu schwimmen, bei Ebbe zieht sich das Meer zurück und das Torii ist trockenen Fußes erreichbar.
Ein Heiligtum soll hier seit 593 bestanden haben. Die heutige Anlage geht auf Taira no Kiyomori zurück, den mächtigen Höfling und Krieger, der Itsukushima zum Schutzschrein der Taira machte und ihn um 1168 nach dem Vorbild eines Adelspalasts der Heian-Zeit neu errichten ließ. Nach Bränden im 13. Jahrhundert wurde er nach demselben Plan wieder aufgebaut; spätere Förderer – die Mori, Toyotomi Hideyoshi und die Asano-Fürsten von Hiroshima – stifteten Hallen, eine No-Bühne und eine Pagode.
Zum Welterbe gehören die Schreinbauten, die Meeresfläche, in der sie stehen, und der Urwald an den Hängen des Misen (535 m) als Kulisse; der Rest der Insel und das umgebende Meer bilden die Pufferzone. Die Insel liegt im Nationalpark Setonaikai.
Warum Welterbe
Die UNESCO nennt vier Kriterien. Die Anordnung der Bauten über dem Wasser vor dem Berg gilt als Meisterwerk, das künstlerisches und technisches Können vereint (Kriterium i). Sie veranschaulicht die japanische Vorstellung landschaftlicher Schönheit, in der Natur und Menschenwerk verschmelzen – eine Idee, die Schrein- und Landschaftsgestaltung beeinflusste (Kriterium ii).
Die Anlage ist das schönste Beispiel eines Schreins nach der Ästhetik des Shinden-zukuri-Palasts der Heian-Zeit (Kriterium iv). Als heilige Insel, deren Natur selbst Gegenstand der Verehrung ist, steht sie zudem in besonderer Weise für den Shinto-Glauben (Kriterium vi).
Bestandteile
Hauptschrein und Wandelgänge
本社本殿・廻廊Honsha Honden, KairōDas 1571 unter Mori Motonari erneuerte Hauptheiligtum und die rund 275 m langen überdachten Gänge über dem Wasser; die Bodenbretter liegen mit Fugen, damit der Wasserdruck bei Flut entweichen kann.
Großes Torii
大鳥居ŌtoriiRund 200 m vor dem Ufer und etwa 16 m hoch, errichtet 1875. Die Hauptpfeiler sind naturbelassene Kampferstämme; das Tor steht allein durch sein Eigengewicht, ohne im Meeresboden verankert zu sein. Restaurierung 2019 bis 2022.
No-Bühne
能舞台Nō Butai1680 von Asano Tsunanaga, dem Fürsten von Hiroshima, gestiftet – die einzige No-Bühne Japans über dem Meer.
Fünfstöckige Pagode und Senjokaku
五重塔・千畳閣Gojū-no-tō, SenjōkakuDie Pagode von 1407 verbindet japanische und chinesische Stilelemente; die riesige „Halle der tausend Matten“ ließ Toyotomi Hideyoshi 1587 beginnen, vollendet wurde sie nie.
- 弥山原始林Misen Genshirin
Immergrüner Wald am höchsten Berg der Insel, seit Jahrhunderten als heiliger Boden geschont und als Naturdenkmal geschützt; der Berg ist zugleich ein Ort des Shingon-Buddhismus.
Geschichte
593
Überliefertes Gründungsjahr des Schreins durch Saeki no Kuramoto.
1164
Die Taira stiften die Heike Nokyo, prachtvoll ausgestaltete Sutrenrollen, heute Nationalschatz.
um 1168
Taira no Kiyomori baut den Schrein im Shinden-Stil als Schrein seines Klans neu.
1207, 1223
Zwei Brände zerstören den Schrein; er wird nach demselben Plan wieder errichtet.
1555
Mori Motonari besiegt Sue Harukata in der Schlacht von Itsukushima auf der Insel.
1571
Mori Motonari lässt das Hauptheiligtum erneuern.
1875
Errichtung des heutigen großen Torii.
1996
Aufnahme in die Welterbeliste.
Besuch
- Fähren fahren von Miyajimaguchi, das mit der JR Sanyo-Linie oder der Straßenbahn von Hiroshima erreichbar ist, in etwa zehn Minuten zur Insel; Direktboote legen auch im Zentrum Hiroshimas ab.
- Die Gezeiten bestimmen das Bild: Bei Flut scheint der Schrein zu schwimmen, bei Ebbe lässt sich das Torii zu Fuß erreichen.
- Auf den Misen führen Wanderwege durch den geschützten Wald, teils auch eine Seilbahn; vom Gipfel reicht der Blick über die Inseln der Inlandsee.
- Die Hirsche der Insel sind wild lebende, als heilig geschützte Tiere; die Behörden raten davon ab, sie zu füttern.
- Das Musikfest Kangensai mit höfischer Musik auf Booten findet im Sommer am 17. Tag des sechsten Monats nach dem Mondkalender statt.
Häufige Fragen
Warum steht der Itsukushima-Schrein im Wasser?
Die ganze Insel galt als Gottheit, deshalb baute man den Schrein auf das Watt statt auf heiligen Boden. Zugleich entstand so der Eindruck eines auf dem Meer schwimmenden Palasts.
Kann man zum Torii hinauslaufen?
Ja, bei Ebbe liegt der Sandboden vor dem Schrein frei, und das Torii ist zu Fuß erreichbar; bei Flut steht es im Meer.
Sind Miyajima und Itsukushima dasselbe?
Ja. Itsukushima ist der amtliche Name der Insel, Miyajima („Schreininsel“) die gebräuchliche Bezeichnung.
Gehört die ganze Insel zum Welterbe?
Nein. Eingetragen sind der Schrein, das Meer davor und die bewaldeten Hänge des Misen, etwa 14 Prozent der Insel; der Rest bildet die Pufferzone.
Lässt sich Miyajima mit Hiroshima an einem Tag verbinden?
Ja. Vom Zentrum Hiroshimas dauert die Anreise mit Bahn oder Straßenbahn und Fähre rund eine Stunde, mit dem Direktboot vom Friedenspark aus weniger.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Itsukushima Shinto Shrine (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 2.日本の世界遺産一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
- 3.世界遺産 厳島神社 (öffnet in neuem Tab) — 厳島神社
- 4.廿日市市 (öffnet in neuem Tab) — 廿日市市