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Japan

Nationalparks · Kagawa, Okayama, Hiroshima, Hyogo, Ehime, Yamaguchi, Tokushima, Wakayama, Präfektur Fukuoka, Oita

Nationalpark Setonaikai

瀬戸内海国立公園せとないかいこくりつこうえんSetonaikai Kokuritsu Kōen

Ein Binnenmeer aus Inseln, Meerengen und Hafenstädten

Der Nationalpark Setonaikai schützt die Landschaft der Seto-Inlandsee, des fast geschlossenen Meeres zwischen Honshu, Shikoku und Kyushu mit seinen Hunderten Inseln. Am 16. März 1934 als einer der ersten drei Nationalparks Japans ausgewiesen, reicht er über zehn Präfekturen und ist samt Wasserfläche der größte Nationalpark des Landes.

Fläche: 672,8 km²Nationalpark · 1934UNESCO-Welterbe · 1996Ramsar-Feuchtgebiet · 2012

Überblick

Der Nationalpark Setonaikai ist kein zusammenhängendes Gebiet, sondern ein Mosaik aus Inseln, Kaps, Bergen und Meerengen, verstreut über die Seto-Inlandsee – von der Insel Awaji und dem Rokkō-Gebirge über Kobe im Osten bis vor die Kanmon-Straße und an die Küste von Ōita im Westen. Sein Thema ist eine Meereslandschaft: stilles Wasser mit grünen Inseln, Fischerdörfern und Terrassenhängen, gesehen von Aussichtspunkten hoch über dem Meer.

Als Japan am 16. März 1934 seine ersten Nationalparks schuf, war Setonaikai einer der drei, die an diesem Tag ausgewiesen wurden, zusammen mit Unzen und Kirishima. Anfangs umfasste er nur die Bisan-Seto, die Meerenge zwischen Okayama und Kagawa um Shōdoshima, Yashima und Washūzan; in den 1950er-Jahren wurde er stark erweitert. Mit seiner Wasserfläche ist er heute der größte Nationalpark des Landes, seine Landflächen liegen in zehn Präfekturen.

Seit der Antike ist die Inlandsee Japans große Verkehrsader, und entsprechend geschichtsträchtig ist der Park: der „schwimmende“ Schrein von Itsukushima, der Gezeitenhafen Tomonoura, das Schlachtfeld von Yashima und die Kunstinseln um Naoshima.

Landschaft und Entstehung

Die Seto-Inlandsee liegt in einer Senkungszone zwischen den gehobenen Gebirgen von Chūgoku und Shikoku. Als der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren stieg, überflutete das Meer eine Landschaft aus Becken und Hügeln; die Kuppen blieben als Inseln stehen. Die japanische Küstenwache zählt über 700 Inseln mit mehr als 100 m Uferlinie.

Viel Gestein ist verwitterter Granit – daher die weißen Sandstrände und die runden, kieferbestandenen Hügel, das Ideal des hakusha seishō („weißer Sand, grüne Kiefern“). Zwischen den Becken zwingen enge Meerengen wie Naruto, Akashi und Kurushima die Gezeiten zu starken Strömungen, die Strudel und reiche Fischgründe erzeugen. Tafelberge aus Andesit wie Yashima und die Schlucht Kankakei auf Shōdoshima fügen ein vulkanisches Element hinzu.

Höhepunkte

  • Itsukushima (Miyajima)

    厳島Itsukushima

    Heilige Insel mit dem Schrein und seinem im Meer stehenden großen Torii sowie dem Urwald des Misen (535 m).

  • Shōdoshima

    小豆島Shōdoshima

    Zweitgrößte Insel der Inlandsee mit der vulkanischen Schlucht Kankakei und Olivenhainen.

  • Strudel von Naruto

    鳴門の渦潮Naruto no Uzushio

    Gezeitenstrudel in der Meerenge zwischen Awaji und Shikoku, am größten bei Springflut.

  • Awaji

    淡路島Awajishima

    Größte Insel der Inlandsee; ihre Küsten und Hügel gehören teilweise zum Park.

  • Washūzan

    鷲羽山Washūzan

    Granithügel an der Spitze der Kojima-Halbinsel, der klassische Aussichtspunkt über die Inseln der Bisan-Seto und die Seto-Ōhashi-Brücken.

  • Yashima

    屋島Yashima

    Tafelberg aus Andesit über Takamatsu, Schauplatz einer Schlacht des Genpei-Kriegs und Tempel 84 der Shikoku-Pilgerfahrt.

  • Tomonoura

    鞆の浦Tomonoura

    Hafenstadt, in der Schiffe auf den Gezeitenwechsel warteten; erhalten sind Steinlaterne, Anlegestufen und Kaufmannshäuser.

Natur

Ökologie

Das Setouchi-Klima ist trocken und sonnig mit milden Wintern. Der ursprüngliche immergrüne Laubwald ist auf den dünnen Granitböden weitgehend Rotkiefernwäldern gewichen; Urwald hat sich am Misen erhalten, geschützt durch die Heiligkeit Miyajimas. Das Meer selbst ist flach und produktiv: Seegraswiesen, Watten und strömungsreiche Engen ernähren Meerbrassen, Kraken und viele andere Arten, dazu seltene Tiere der geschützten Küste.

Flora

  • Japanische Rotkiefer

    アカマツakamatsu

    Der Baum der Granithügel, die „grüne Kiefer“ der klassischen Inlandsee-Landschaft.

  • Urwald am Misen

    弥山原始林Misen genshirin

    Immergrüner Wald aus Tannen und Laubbäumen auf Miyajima, aus religiösen Gründen weitgehend unberührt und Naturdenkmal.

  • Seegras

    アマモamamo

    Wiesen in flachen Buchten, Kinderstube vieler Fischarten.

  • Olivenbaum

    オリーブorību

    Im frühen 20. Jahrhundert auf Shōdoshima eingeführt und heute Teil des Inselbilds.

Fauna

  • Glattschweinswal

    スナメリsunameri

    Der kleine Schweinswal der Inlandsee; seine Gewässer vor Takehara stehen bereits seit 1930 als Naturdenkmal unter Schutz.

  • Japanischer Pfeilschwanzkrebs

    カブトガニkabutogani

    „Lebendes Fossil“, das an den Watten der Inlandsee laicht, besonders bei Kasaoka.

  • Rote Meerbrasse

    真鯛madai

    Wird in den starken Strömungen der Engen besonders fest und gilt als edelster Fisch der Inlandsee.

  • Miyajima-Libelle

    ミヤジマトンボMiyajima tonbo

    Seltene Libelle der Brackwassersümpfe Miyajimas; ihretwegen wurde die Insel 2012 Ramsar-Gebiet.

Kultur

Die Inlandsee verband die Hauptstadtregionen Nara und Kyoto mit Kyushu und dem Festland; ihre Häfen, Schreine und Piratenburgen sind in die japanische Geschichte eingewoben. Der Taira-Clan erhob Itsukushima zu seinem Schrein, bei Yashima wurde im Genpei-Krieg gekämpft, und im Mittelalter beherrschten die Murakami – „Seefürsten“ zwischen Seeräuberei und Geleitschutz – die Meerengen der Geiyo-Inseln. Tomonoura und andere Häfen blühten als Gezeitenhäfen an der Route koreanischer Gesandtschaften und reisender Fürsten.

Seit den 1990er-Jahren sind einige Inseln, allen voran Naoshima, Teshima und Inujima, für zeitgenössische Kunst bekannt; seit 2010 findet alle drei Jahre die Setouchi-Triennale statt.

  • Itsukushima-Schrein

    厳島神社Itsukushima Jinja

    Über dem Watt errichteter Schrein, der seine heutige Gestalt im 12. Jahrhundert unter Taira no Kiyomori erhielt.

  • Naoshima

    直島Naoshima

    Insel der Museen und Freiluftkunst, geprägt unter anderem von Bauten Andō Tadaos.

  • Yashima-ji

    屋島寺Yashima-ji

    Tempel 84 der Shikoku-Pilgerfahrt zu den 88 Tempeln, auf dem Plateau von Yashima.

  • Kankakei

    寒霞渓Kankakei

    Schlucht mit vulkanischen Felsnadeln auf Shōdoshima, berühmt für ihr Herbstlaub.

  • Onomichi und die Shimanami-Inseln

    しまなみShimanami

    Per Brücken verbundene Inselkette zwischen Onomichi und Imabari, einst Kerngebiet der Murakami.

Geschichte

  1. 1168

    Taira no Kiyomori lässt den Itsukushima-Schrein in seiner heutigen Form errichten.

  2. 1185

    Schlacht von Yashima zwischen Taira und Minamoto.

  3. 1934

    Ausweisung am 16. März als einer der ersten drei Nationalparks Japans, zunächst um die Bisan-Seto.

  4. 1950er

    Starke Erweiterung auf große Teile der Inlandsee, darunter Awaji, Naruto und Rokkō.

  5. 1988

    Die Seto-Ōhashi-Brücken verbinden Okayama und Kagawa über die Bisan-Seto.

  6. 1996

    Der Itsukushima-Schrein wird Welterbe.

  7. 1999

    Mit dem Shimanami Kaidō entsteht eine Straßenverbindung über die Geiyo-Inseln.

  8. 2012

    Miyajima wird Ramsar-Gebiet.

Im Lauf der Jahreszeiten

Frühling

Dunstige, ruhige See und Kirschblüte auf den Inselhügeln; eine der besten Zeiten für den Shimanami Kaidō per Rad.

Sommer

Heiß und sonnig, Badestrände auf den Inseln; das Bootsfest Kangensai auf Miyajima findet an einem Sommerabend nach dem Mondkalender statt.

Herbst

Klare Fernsicht über die Inseln, Ahornlaub in Kankakei und im Momijidani auf Miyajima.

Winter

Trocken, mild und oft sonnig; Austernzeit in der Bucht von Hiroshima.

Routen und Wege

  • Shimanami Kaidō

    Rad- und Straßenroute von rund 70 km über sechs Inseln und ihre Brücken zwischen Onomichi und Imabari.

  • Auf den Misen

    Mehrere Wege führen vom Schrein durch Urwald zum Gipfel; eine Seilbahn übernimmt den größten Teil des Anstiegs.

  • Inselfähren

    Fähren ab Takamatsu, Uno und anderen Häfen verbinden Shōdoshima, Naoshima, Teshima und viele kleinere Inseln.

  • Bootsfahrt zu den Strudeln von Naruto

    Ausflugsboote fahren unter der Ōnaruto-Brücke an die Strudel heran, die um die Springflut am stärksten sind.

Praktische Hinweise

  • Der Sanyō-Shinkansen folgt dem Nordufer; Okayama, Fukuyama, Hiroshima und Shin-Kobe sind die wichtigsten Ausgangspunkte.
  • Der Park ist weit verstreut: Besser nach Teilgebieten planen (Miyajima, Bisan-Seto-Inseln, Shimanami, Awaji–Naruto) als als eine Reise.
  • Die Strudel von Naruto hängen von den Gezeiten ab; die örtlich veröffentlichten Gezeitentafeln nennen die besten Zeiten.
  • Die Hirsche auf Miyajima sind Wildtiere; vom Füttern wird abgeraten.

Häufige Fragen

Welches waren die ersten Nationalparks Japans?

Setonaikai, Unzen und Kirishima wurden gemeinsam am 16. März 1934 ausgewiesen – die ersten drei Nationalparks des Landes.

Gehört Miyajima zu einem Nationalpark?

Ja. Miyajima (Itsukushima) liegt im Nationalpark Setonaikai, der Schrein ist Welterbe.

Über wie viele Präfekturen erstreckt sich der Park?

Über zehn: Hyogo, Wakayama, Okayama, Hiroshima, Yamaguchi, Tokushima, Kagawa, Ehime, Fukuoka und Ōita.

Lässt sich die Inlandsee mit dem Fahrrad erkunden?

Ja, am bekanntesten ist der Shimanami Kaidō zwischen Onomichi und Imabari, dessen Brücken eigene Rad- und Fußwege haben.

Warum sind die Strudel von Naruto so stark?

Die Gezeiten von Pazifik und Inlandsee sind gegeneinander verschoben; das Wasser schießt daher mit hoher Geschwindigkeit durch die enge Naruto-Straße, und wo schnelle auf langsame Strömung trifft, bilden sich Strudel.

Quellen

  1. 1.環境省_瀬戸内海国立公園 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  2. 2.環境省_国立公園_国立公園一覧 (öffnet in neuem Tab) — 環境省 (Ministry of the Environment)
  3. 3.Itsukushima Shinto Shrine (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  4. 4.National Parks of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of the Environment, Government of Japan

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