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Japan

Feste · August

Nebuta-Festival in Aomori

青森ねぶた祭あおもりねぶたまつりAomori Nebuta Matsuri

Leuchtende Riesen, Taiko-Trommeln und springende Tänzer im Norden Honshus

Beim Nebuta-Festival in Aomori, jedes Jahr vom 2. bis 7. August, ziehen riesige, von innen beleuchtete Festwagen aus bemaltem Papier durch die Stadt – Krieger, Götter und Dämonen aus Sage und Kabuki. Tausende Haneto-Tänzer springen zum Ruf „Rassera“ um die Figuren, und jeder im passenden Kostüm darf mitmachen.

Nebuta sind Laternenwagen: Figuren aus Draht und Holz, mit handbemaltem Washi-Papier bespannt und von Hunderten Glühbirnen von innen erleuchtet. Die großen Nebuta der Stadt Aomori messen etwa neun Meter in der Breite und fünf Meter in der Höhe; sie stehen auf Rollgestellen und werden von Trägerteams geschoben und gedreht. Jede zeigt eine dramatische Szene – einen Samuraihelden, einen chinesischen Feldherrn, einen buddhistischen Wächter oder einen Dämon im Kampf –, entnommen aus Geschichte, Sage, Kabuki oder Volksüberlieferung.

Das Fest fällt in die erste Augustwoche und damit in die Tanabata- und Obon-Zeit Nordjapans. Fünf Nächte lang umkreisen die Wagen die Innenstadt, begleitet von Trommlern, Flötenspielern und einer Menge von Tänzern. Am letzten Tag ziehen sie bei Tageslicht, und am Abend fahren einige auf Booten über den Hafen, während ein Feuerwerk den Abschluss bildet.

Ursprünge

Meist wird der Brauch als örtliche Form des nemuri-nagashi erklärt, des „Fortschwemmens der Müdigkeit“: Im Hochsommer, kurz vor der Erntearbeit, setzte man Laternen und andere Gegenstände auf Flüsse oder das Meer, um Schläfrigkeit und Unheil loszuwerden. Damit gehört er in den Umkreis der Tanabata-Bräuche des siebten Mondmonats. Eine beliebte Legende schreibt die Riesenlaternen dem Feldherrn Sakanoue no Tamuramaro zu, der um 800 im Norden kämpfte und damit seine Gegner hervorgelockt haben soll – historisch belegt ist das nicht.

Laternenumzüge im Tsugaru-Gebiet sind seit der Edo-Zeit bezeugt, und in Aomori wuchsen die Wagen stetig. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Großteil der Stadt durch Bombenangriffe zerstört war, wurde das Fest in größerem Maßstab organisiert. In den Nachkriegsjahrzehnten entstand die heutige Form mit großen Figurenwagen, die von Unternehmen, Bürgergruppen und Vereinen gebaut werden.

Wie eine Nebuta entsteht

Jeden großen Wagen entwirft und baut ein nebuta-shi, ein spezialisierter Meister, mit seinem Team in den Monaten vor dem Fest. Früher bestand das Gerüst aus Bambus und wurde mit Kerzen beleuchtet; heute ist es Draht auf Holzkonstruktion mit elektrischem Licht. Über das Gerüst wird Papier geklebt, die Umrisse werden mit schwarzer Tusche gezogen, Wachs sorgt für durchscheinende Glanzlichter, zuletzt kommen die Farben.

Die Wagen werden jedes Jahr bewertet; Preise gibt es für die beste Nebuta, den besten Meister sowie für Musik und Tanz. Nach dem Fest werden die meisten Figuren abgebaut. Einige Preisträger sind ein Jahr lang im Nebuta-Museum Wa Rasse am Hafen zu sehen.

Haneto: die Tänzer

Unverwechselbar machen das Fest die haneto, die „Springenden“. In einem weißen, Yukata-ähnlichen Kostüm mit blumengeschmücktem Hut, Schärpe, kleinen Glöckchen und Tasuki-Bändern hüpfen sie von einem Fuß auf den anderen um die Wagen und rufen „Rassera, rassera“. Mitmachen kann jeder: Wer das vollständige Kostüm trägt, das in der Stadt verkauft und verliehen wird, darf sich ohne Anmeldung einreihen.

Die Musik spielen Gruppen aus Taiko-Trommlern, Flöten und Handzimbeln (tebiragane), jeder Wagen mit eigenen Musikern. Die Träger (hikite) drehen und wiegen die Figuren vor dem Publikum und lassen sie lebendig wirken.

  • Nebuta

    ねぶたnebuta

    Der große figürliche Laternenwagen der Stadt Aomori.

  • Haneto

    跳人haneto

    Die kostümierten Tänzer, die um die Wagen springen; offen für alle im Kostüm.

  • Nebuta-shi

    ねぶた師nebuta-shi

    Der Meisterhandwerker, der einen Wagen entwirft und baut.

  • Rassera

    ラッセラーrassera

    Der Ruf der Haneto; seine Bedeutung ist nicht gesichert.

Ablauf der Festwoche

Der Ablauf bleibt von Jahr zu Jahr gleich. Am Vorabend, dem 1. August, gibt es eine kleinere Abendveranstaltung; das eigentliche Fest beginnt am 2. August.

DatumEreignis
2.–3. AugustAbendumzüge, darunter die Kinder-Nebuta
4.–6. AugustAbendumzüge der großen Nebuta
7. AugustUmzug bei Tag; abends Bootsprozession und Feuerwerk über der Bucht

Nebuta und Neputa in der Präfektur

Anfang August feiern viele Orte der Präfektur Aomori Laternenwagenfeste, jeweils in eigener Form. In der Stadt Aomori heißen die Wagen Nebuta. In Hirosaki, der alten Burgstadt des Tsugaru-Clans, heißt das Fest Neputa; die Wagen sind überwiegend fächerförmig (ōgi-neputa), vorne mit Kriegerszenen, hinten mit einer Schönen bemalt, und ziehen zu langsamerer, feierlicher Musik. Goshogawara ist für seine Tachineputa bekannt, senkrechte Riesenfiguren von mehr als zwanzig Metern Höhe.

Anreise und Besuch

Aomori erreicht man mit dem Tōhoku-Shinkansen von Tokio in gut drei Stunden bis Shin-Aomori. Unterkünfte in der Stadt sind für die Festwoche oft Monate im Voraus ausgebucht; viele Besucher übernachten in Hirosaki, Hachinohe oder weiter entfernt. Entlang der Strecke gibt es kostenpflichtige Tribünenplätze, die Umzüge lassen sich aber auch vom Straßenrand aus verfolgen.

Zeitleiste

  1. Edo-Zeit

    Laternenumzüge im Tsugaru-Gebiet bezeugt

  2. Spätes 19. Jh.

    Die Wagen in Aomori werden größer

  3. 1945

    Luftangriffe im Juli zerstören weite Teile der Stadt

  4. Nachkriegszeit

    Größere Organisation des Fests; die heutigen Figurenwagen entstehen

  5. 1980

    Ernennung zum wichtigen immateriellen Volkskulturgut

Häufige Fragen

Wann ist das Nebuta-Festival?

Jedes Jahr vom 2. bis 7. August. Vom 2. bis 6. August ziehen die Wagen abends, am 7. August tagsüber, gefolgt von einer Bootsprozession und einem Feuerwerk.

Dürfen Besucher mittanzen?

Ja. Wer das vollständige Haneto-Kostüm trägt, kann sich den Tänzern anschließen; Kostüme werden in der Stadt verkauft und verliehen.

Was unterscheidet Nebuta und Neputa?

Nebuta heißt die Form der Stadt Aomori mit dreidimensionalen Figuren; die Neputa in Hirosaki sind überwiegend bemalte Fächerwagen mit ruhigerer Musik.

Kann man die Figuren auch außerhalb der Festzeit sehen?

Ja, ausgewählte Wagen stehen das ganze Jahr im Nebuta-Museum Wa Rasse nahe dem Bahnhof Aomori.

Quellen

  1. 1.青森ねぶた祭 オフィシャルサイト (öffnet in neuem Tab) — 青森ねぶた祭実行委員会
  2. 2.青森県庁ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 青森県
  3. 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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