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Japan

Feste · Oktober

Nagasaki Kunchi

長崎くんちながさきくんちNagasaki Kunchi

Die Geschichte einer Hafenstadt, vor ihrem Schrein getanzt

Nagasaki Kunchi ist das Herbstfest des Suwa-Schreins in Nagasaki und findet jedes Jahr vom 7. bis 9. Oktober statt. Die Weihevorführungen der Stadtviertel – darunter der Drachentanz, sich drehende Schiffswagen und ein in die Luft geworfener Trommelwagen – spiegeln die jahrhundertelangen Kontakte der Hafenstadt mit China und den Niederlanden.

Über zwei Jahrhunderte der Edo-Zeit war Nagasaki der einzige Hafen Japans, in dem Niederländer und Chinesen Handel treiben durften, und das große Fest der Stadt trägt diese Geschichte in Kostümen, Musik und Festwagen weiter. Kunchi ist die örtliche Form von kunichi, „neunter Tag“ – ein Verweis auf das alte Fest am neunten Tag des neunten Monats nach dem Mondkalender.

Das Fest gehört zum Suwa-Schrein, dem Schutzschrein der Stadt. Sein Kern sind die Hōnō-odori, die Vorführungen, die die Viertel der Gottheit vor dem Schrein, am vorläufigen Schrein am Hafen und in den Straßen darbringen.

Ursprünge

Der Suwa-Schrein erhielt seine heutige Gestalt in den 1620er Jahren, als das Shogunat in der einst christlichsten Stadt Japans das Christentum unterdrückte; das Fest diente auch dazu, die Bevölkerung an den Schrein zu binden. 1634 führten die Kurtisanen Takao und Otowa vor dem Schrein einen Tanz zu einem Gesang auf – dieses Ereignis gilt als Beginn des Festes.

In den folgenden Jahrzehnten übernahmen die Stadtviertel die Vorführungen, und Einflüsse aus dem chinesischen Viertel und von der niederländischen Handelsniederlassung auf Dejima flossen ins Repertoire ein.

Die Odorichō und der Sieben-Jahres-Turnus

Die mitwirkenden Viertel, Odorichō genannt, sind in sieben Gruppen eingeteilt, die sich abwechseln: Ein Viertel ist also nur alle sieben Jahre an der Reihe. Dadurch unterscheidet sich das Programm von Jahr zu Jahr, und der Auftritt eines Viertels ist ein großes Ereignis, auf das ab Anfang Juni monatelang geprobt wird.

Während der drei Tage wird jede Vorführung mehrmals gezeigt – am Schrein, am Otabisho (dem vorläufigen Schrein am Hafen) und an weiteren Orten. Außerdem ziehen die Viertel durch die Straßen und tanzen vor Geschäften und Häusern.

Bekannte Vorführungen

Nicht jede Vorführung ist jedes Jahr zu sehen, denn jede gehört zu einem bestimmten Viertel im Turnus. Die bekanntesten verbinden japanischen Tanz mit großen Aufbauten, die von Mannschaften gezogen oder getragen werden.

  • Jaodori (Drachentanz)

    龍踊jaodori

    Ein langer, an Stangen getragener Drache jagt einer goldenen Kugel nach – ein Tanz, den die chinesische Gemeinde nach Nagasaki brachte.

  • Tōjinbune

    唐人船tōjinbune

    Schiffswagen im Stil chinesischer Dschunken, die von ihren Ziehern auf der Stelle rasant gedreht werden; auch niederländische Schiffe gehören zu den Schiffswagen.

  • Kokkodesho

    コッコデショkokkodesho

    Ein Trommelwagen, den die Träger hoch in die Luft werfen und wieder auffangen; benannt nach ihrem Ruf.

  • Kujira no shiofuki

    鯨の潮吹きkujira no shiofuki

    Ein Wal, der Wasser speit – Erinnerung an den Walfang, von dem Teile der Küste um Nagasaki einst lebten.

  • Hon'odori

    本踊hon'odori

    Klassischer japanischer Tanz von Tänzerinnen und Tänzern des Viertels, oft unter Mitwirkung von Geishas der Stadt.

Festtage und Zurufe

Am 7. Oktober ziehen die Gottheiten des Suwa-Schreins in Mikoshi zum Otabisho am Hafen Ōhato hinab (Okudari), am 9. Oktober kehren sie zurück (Onobori). Die drei Tage heißen Maebi, Nakabi und Atobi.

Das Publikum spielt mit: „Motte kōi!“ fordert eine Zugabe, „Shomōya-re!“ verlangt nach mehr. Diese Rufe von den Rängen des Suwa-Schreins gehören zu den prägenden Eindrücken des Festes.

Besuch

Die Tribünenplätze am Suwa-Schrein und am Otabisho werden im Voraus vergeben, viele Vorführungen lassen sich aber auch in den Straßen der Innenstadt sehen, wo die Viertel vor Geschäften und Häusern auftreten. Nagasaki ist mit dem Nishi-Kyūshū-Shinkansen ab Takeo-Onsen erreichbar, mit Anschluss aus Hakata. Programm und mitwirkende Viertel veröffentlichen die Veranstalter vor jedem Fest.

Zeitleiste

  1. 1571

    Nagasaki wird als Hafen für den portugiesischen Handel geöffnet.

  2. 1620er

    Der Suwa-Schrein erhält im Zuge der Christenverfolgung seine heutige Gestalt.

  3. 1634

    Die Kurtisanen Takao und Otowa tanzen vor dem Schrein – der überlieferte Beginn des Festes.

  4. 1641

    Die niederländische Handelsniederlassung wird nach Dejima verlegt; chinesische und niederländische Einflüsse prägen das Repertoire.

  5. 1979

    Die Weihetänze werden Wichtiges immaterielles Volkskulturgut.

Häufige Fragen

Wann findet Nagasaki Kunchi statt?

Jedes Jahr vom 7. bis 9. Oktober, unabhängig vom Wochentag.

Was bedeutet „Kunchi“?

Es ist die in Kyūshū gebräuchliche Form von kunichi, „neunter Tag“, und bezieht sich auf das Fest am neunten Tag des neunten Mondmonats.

Warum ist der Drachentanz nicht jedes Jahr zu sehen?

Die Viertel wechseln sich in sieben Gruppen ab. Jedes Viertel und damit seine typische Vorführung ist nur alle sieben Jahre an der Reihe.

Was rufen die Zuschauer?

„Motte kōi!“ ist die Aufforderung zur Zugabe, „Shomōya-re!“ die Bitte um mehr. Die Mitwirkenden antworten meist mit einer Wiederholung.

Was hat das Fest mit der Geschichte Nagasakis zu tun?

Als einziger Hafen der Edo-Zeit für Handel mit China und den Niederlanden nahm Nagasaki deren Einflüsse auf – sichtbar im Drachentanz und in den Schiffswagen.

Quellen

  1. 1.長崎くんち 公式サイト (öffnet in neuem Tab) — 長崎伝統芸能振興会
  2. 2.長崎市公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 長崎市
  3. 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁

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