Zum Inhalt springen
Japan

Miyazaki · Kleinstadt

Takachiho

高千穂町たかちほちょうTakachiho-chō

Wo die Götter zur Erde herabstiegen

Takachiho ist eine Berggemeinde im Nordwesten der Präfektur Miyazaki, berühmt für die Takachiho-Schlucht am Gokase und als einer der Orte, an denen die japanische Mythologie den Abstieg der Götter auf die Erde verortet. Schreine, die Höhle Amano Iwato und nächtelange Kagura-Tänze machen den Ort zu einem Zentrum des Shintō-Mythos und der Volkskunst.

Überblick

Takachiho liegt in einem Hochbecken der Kyushu-Berge nahe den Grenzen zu Kumamoto und Oita. Der Gokase und seine Nebenflüsse haben sich hier tief in die mächtigen Ablagerungen der Aso-Ausbrüche eingeschnitten. Der berühmteste Abschnitt, die Takachiho-kyō, ist eine Klamm mit säulenförmig geklüfteten Wänden aus verschweißtem vulkanischem Tuff von bis zu etwa 100 Metern Höhe; der Manai-Wasserfall stürzt in den Fluss, auf dem Ruderboote unter ihm hindurchgleiten.

Der Ort ist von Mythen durchdrungen. Kojiki und Nihon Shoki erzählen, wie der Himmelsenkel Ninigi nach „Takachiho in Hyūga“ herabstieg, und die örtliche Überlieferung verlegt hierher auch die Höhle, in der sich die Sonnengöttin Amaterasu verbarg und die Welt in Dunkelheit stürzte – bis die übrigen Götter sie mit Tanz und Gelächter hervorlockten. Der Amano-Iwato-Schrein blickt über einen Fluss auf diese Höhle, und in der Flussgrotte Amano Yasukawara sollen sich die Götter zur Beratung versammelt haben.

Jener Tanz lebt im Yokagura von Takachiho fort, einem Zyklus von 33 Maskentänzen, die im Winter die ganze Nacht in Dorfhäusern aufgeführt werden und in gekürzter Form jeden Abend für Besucher am Takachiho-Schrein. Rund um den Ort ziehen sich Reisterrassen und Teefelder die Hänge hinauf; das Gebiet Takachiho-gō und Shiibayama ist als landwirtschaftliches Welterbesystem (GIAHS) anerkannt.

Sehenswürdigkeiten

  • Takachiho-Schlucht

    高千穂峡Takachiho-kyō

    Klamm mit säulenförmig geklüfteten Wänden am Gokase und dem Manai-Wasserfall; ein Uferweg folgt dem Rand, unten können Ruderboote gemietet werden.

  • Takachiho-Schrein

    高千穂神社Takachiho jinja

    Hauptschrein des Bezirks in einem Zedernhain, mit einer Kagura-Halle für die abendlichen Aufführungen.

  • Amano-Iwato-Schrein

    天岩戸神社Amano Iwato jinja

    Schrein, der die Höhle verehrt, in der sich Amaterasu verbarg; man sieht sie vom Westheiligtum aus jenseits des Iwato-Flusses.

  • Amano Yasukawara

    天安河原Amano Yasukawara

    Große Uferhöhle, in der sich die Götter versammelt haben sollen; Besucher haben darin unzählige kleine Steinhaufen aufgeschichtet.

  • Kunimigaoka

    国見ヶ丘Kunimigaoka

    Aussichtshügel über dem Becken von Takachiho, bekannt für Wolkenmeere an Herbstmorgen und den Blick Richtung Aso.

  • Takachiho-Amaterasu-Bahn

    高千穂あまてらす鉄道Takachiho Amaterasu tetsudō

    Offene Draisine auf einem Teilstück der stillgelegten Bahn, einschließlich der hohen Brücke über das Gokase-Tal.

Stadtviertel

  • Mitai (Ortskern)

    三田井Mitai

    Kompaktes Zentrum mit Busbahnhof, Takachiho-Schrein, Gasthäusern und Lokalen, nahe der Schlucht.

  • Iwato

    岩戸Iwato

    Talbezirk mit dem Amano-Iwato-Schrein und Amano Yasukawara, einige Kilometer östlich des Zentrums.

  • Terrassen von Tochimata

    栃又棚田Tochimata tanada

    Reisterrassen an den Hängen des Beckens, Teil des anerkannten landwirtschaftlichen Erbes der Region.

Geschichte

Takachiho war ein abgelegener Bergbezirk der Provinz Hyūga, der leichter mit Aso und Bungo als mit der Hyūga-Küste verbunden war. Seit dem Mittelalter herrschte der Mitai-Clan von hier aus, bis er Ende des 16. Jahrhunderts unterging; in der Edo-Zeit gehörte der Bezirk zum Fürstentum Nobeoka. Schreine und Kagura entwickelten sich in engem Austausch mit den Schrein- und Shugendō-Traditionen von Aso.

In der Moderne festigten Staatsshintō und Tourismus Takachihos Ruf als „Land der Mythen“. 1972 erreichte eine Bahnstrecke von Nobeoka den Ort; nach schweren Taifunschäden 2005 wurde sie stillgelegt, und auf einem Teilstück verkehrt heute eine Ausflugsdraisine. Tourismus, Rinderzucht, Tee und Forstwirtschaft tragen die Gemeinde.

  1. 712 / 720

    Kojiki und Nihon Shoki nennen Takachiho in Hyūga als Ort des Abstiegs Ninigis.

  2. Mittelalter

    Der Mitai-Clan beherrscht den Bezirk Takachiho.

  3. Edo-Zeit

    Takachiho gehört zum Fürstentum Nobeoka.

  4. 1934

    Die Schlucht des Gokase wird Landschaftsschönheit und Naturdenkmal von nationalem Rang.

  5. 1972

    Die Takachiho-Bahn von Nobeoka erreicht den Ort.

  6. 1978

    Das Yokagura von Takachiho wird Wichtiges Immaterielles Volkskulturgut.

  7. 2005

    Ein Taifun unterbricht die Bahnlinie, die später stillgelegt wird.

  8. 2015

    Takachiho-gō und Shiibayama werden als landwirtschaftliches Welterbesystem (GIAHS) anerkannt.

Kultur

Das Herz der Kultur Takachihos ist das Kagura. Von November bis Februar richtet jede von rund zwanzig Dorfgemeinschaften eine Nacht Yokagura aus: Ein Privathaus wird zum Schrein auf Zeit, 33 Tänze folgen von der Dämmerung bis in den nächsten Tag, Essen und Trinken werden mit den Zuschauern geteilt. Die Tänze erzählen die Mythen der Gegend, allen voran das Öffnen der Felshöhle durch den starken Gott Tajikarao. Reisterrassen, Tee, Wald und Jagdtraditionen – bis hin zu einem Fest, bei dem den Göttern ein Wildschwein geopfert wird – halten eine bergbäuerliche Lebensweise sichtbar.

Feste

  • Yokagura von Takachiho

    高千穂の夜神楽Takachiho no yokagura

    Nächtliches Kagura in Dorfhäusern zwischen November und Februar; eine gekürzte Aufführung mit vier zentralen Tänzen findet jeden Abend für Besucher am Takachiho-Schrein statt.

  • Kagura-Fest von Takachiho

    高千穂神楽まつりTakachiho kagura matsuri

    Fest am Takachiho-Schrein Ende November, bei dem alle 33 Tänze nacheinander aufgeführt werden.

  • Shishikake Matsuri

    猪掛祭Shishikake matsuri

    Frühwinterlicher Ritus am Takachiho-Schrein, bei dem ein Wildschwein dargebracht wird – ein Erbe der Jagdkultur der Berge.

Essen

  • Takachiho-Rind

    高千穂牛Takachiho-gyū

    Wagyu aus der Rinderzucht des Berglands, ein Zweig der Miyazaki-Rind-Tradition.

  • Kamairi-cha

    釜炒り茶kamairi-cha

    In der Pfanne gerösteter grüner Tee, in Japan selten geworden, hier noch hergestellt und für sein röstiges Aroma geschätzt.

  • Kappo-zake

    かっぽ酒kappo-zake

    Sake oder Shōchū, in einem frischen Bambusrohr über dem Feuer erwärmt – das traditionelle Getränk der Kagura-Nächte.

  • Nagashi-Sōmen

    流しそうめんnagashi-sōmen

    Dünne Nudeln, die in kaltem Wasser eine Bambusrinne hinabgleiten und mit Stäbchen aufgefangen werden; in der warmen Jahreszeit an der Schlucht serviert.

Unterwegs vor Ort

  • Takachiho hat keinen Bahnanschluss. Busse fahren vom Bahnhof Nobeoka an der Nippō-Hauptlinie in etwa anderthalb Stunden und von Kumamoto über Aso in etwa drei Stunden zum Busbahnhof des Ortes.
  • Direkte Fernbusse verbinden Takachiho mit Fukuoka.
  • Schlucht, Takachiho-Schrein und Zentrum liegen fußläufig beieinander; Amano Iwato und Kunimigaoka erreicht man mit Ortsbus, Taxi oder Auto.

Ausflüge

  • Aso

    Die gewaltige Aso-Caldera mit ihrem aktiven Krater in der Präfektur Kumamoto, etwa anderthalb Autostunden entfernt.

  • Nationalpark Aso-Kuju

    Grasland und Vulkane jenseits der Grenze in Kumamoto und Oita.

  • Shiiba

    椎葉村Shiiba-son

    Abgelegenes Bergdorf südlich von Takachiho, Heimat des Volkslieds Hietsuki-bushi und der Legenden geflohener Heike.

  • Gokase

    五ヶ瀬町Gokase-chō

    Nachbargemeinde im Hochland am Oberlauf des Gokase, mit Teefeldern und einem Skigebiet, das oft als südlichstes Japans bezeichnet wird.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Takachiho?

Mit dem Bus vom Bahnhof Nobeoka an der Ostküste, mit dem Bus von Kumamoto über Aso oder mit dem Fernbus von Fukuoka. Viele reisen mit dem Mietwagen an, womit sich Takachiho leicht mit Aso verbinden lässt.

Kann man als Besucher Kagura sehen?

Ja. Jeden Abend wird am Takachiho-Schrein eine einstündige Aufführung mit vier typischen Tänzen gezeigt. Die vollständigen nächtlichen Yokagura in Privathäusern im Winter sind mitunter auch für respektvolle Gäste zugänglich; der Tourismusverband gibt Auskunft.

Ist Takachiho der einzige Ort des Götterabstiegs?

Nein. Die Chroniken sprechen von „Takachiho in Hyūga“, und sowohl dieser Ort als auch der Gipfel Takachiho-no-mine in den Kirishima-Bergen beanspruchen, die Stätte zu sein. Darüber wird seit der Edo-Zeit gestritten.

Kann man in der Schlucht Boot fahren?

Ja, bei geeignetem Wasserstand werden Ruderboote vermietet, mit denen man unter dem Manai-Wasserfall hindurchfährt. Sie sind sehr gefragt und werden nach starkem Regen eingestellt.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 調査の結果 (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局 (Statistics Bureau of Japan)
  2. 2.高千穂町ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 高千穂町 (Takachiho Town)
  3. 3.宮崎県ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 宮崎県 (Miyazaki Prefecture)
  4. 4.Miyazaki (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization

Redaktion · Veröffentlicht: