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Japan

Tokushima · Stadt

Miyoshi

三好市みよししMiyoshi-shi

Rankenbrücken und verborgene Weiler im Herzen Shikokus

Miyoshi ist eine bergige Stadt im Westen der Präfektur Tokushima im Herzen Shikokus, zu der das Iya-Tal und die Schluchten Ōboke und Koboke des Yoshino gehören. Ihre Rankenbrücken, steilen Weiler und Heike-Sagen machen sie zu einer der bekanntesten abgelegenen Gegenden Japans.

Überblick

Miyoshi umfasst über 700 Quadratkilometer des Shikoku-Gebirges und ist damit flächenmäßig die größte Gemeinde Shikokus; die meisten Einwohner leben jedoch im Städtchen Awa-Ikeda am Yoshino. Die Stadt entstand 2006 aus Ikeda und den Bergdörfern von Iya und des Yoshino-Schluchtenlands.

Der Yoshino durchbricht hier in den Schluchten Ōboke und Koboke nach Norden das Gebirge – Wände aus kristallinem Schiefer, beliebt für Rafting und Bootsfahrten. Östlich davon fließt der Iya durch ein so tiefes, abgeschiedenes Kerbtal, dass sich hier der Legende nach Überlebende des Taira-Klans nach ihrer Niederlage 1185 versteckten. Weiler kleben an Hängen mit bis zu 40 Grad Neigung, und aus Bergranken geflochtene Brücken waren einst die einzigen Übergänge.

Heute sind die Iya no Kazurabashi und die Doppel-Rankenbrücken von Oku-Iya Wahrzeichen des Tals, und der Terrassenweiler Ochiai steht als traditionelles Ortsbild unter Schutz. Weiter östlich beginnt in Minokoshi der Weg auf den Tsurugi-san. Awa-Ikeda, eine frühere Tabakstadt, ist der Eisenbahnknoten Shikokus, an dem sich die Linien nach Kōchi, Takamatsu und Tokushima treffen.

Sehenswürdigkeiten

  • Iya no Kazurabashi

    祖谷のかずら橋Iya no kazurabashi

    45 m lange, aus Strahlengriffel-Ranken geflochtene Hängebrücke über den Iya, alle drei Jahre erneuert; Wichtiges materielles Volkskulturgut.

  • Doppel-Rankenbrücken von Oku-Iya

    奥祖谷二重かずら橋Oku-Iya nijū kazurabashi

    Zwei nebeneinander gespannte Rankenbrücken, „Mann-und-Frau-Brücken“ genannt, tief im östlichen Iya.

  • Ōboke-Schlucht

    大歩危Ōboke

    Schlucht des Yoshino mit Ausflugsbooten und Rafting durch Wildwasser; wegen ihrer Gesteinsformationen Naturdenkmal.

  • Iya-Tal

    祖谷渓Iya-kei

    Das tiefe Tal des Iya mit dem Aussichtspunkt der Statue des „pinkelnden Knaben“ an einer Felskante.

  • Weiler Ochiai

    落合集落Ochiai shūraku

    Bauernhäuser und Terrassenfelder an einem Hang mit rund 390 m Höhenunterschied; geschütztes Ensemble.

  • Unpen-ji

    雲辺寺Unpen-ji

    Pilgertempel 66, mit rund 900 m der höchstgelegene Tempel des Pilgerwegs, an der Grenze zu Kagawa und per Seilbahn erreichbar.

  • Udatsu-Straßen von Awa-Ikeda

    阿波池田うだつの町並みAwa-Ikeda udatsu no machinami

    Kaufmannshäuser des Tabakhandels mit erhöhten Brandmauern und ein Tabakmuseum.

Stadtviertel

  • Awa-Ikeda

    阿波池田Awa-Ikeda

    Stadtzentrum und Eisenbahnknoten am Yoshino.

  • Nishi-Iya

    西祖谷Nishi-Iya

    Das westliche Iya mit der Kazurabashi und Iya Onsen.

  • Higashi-Iya

    東祖谷Higashi-Iya

    Das östliche Iya mit Ochiai, den Doppelbrücken und Minokoshi am Fuß des Tsurugi-san.

  • Yamashiro

    山城Yamashiro

    Das Gebiet der Koboke-Schlucht, bekannt für Yōkai-Sagen und ein kleines Yōkai-Museum.

Geschichte

Die Abgeschiedenheit Iyas nährte die Überlieferung, dass sich hier geflohene Heike niederließen; Familien im Tal führen ihre Abstammung auf sie zurück, und die Rankenbrücken, die man bei Verfolgung kappen konnte, gehören zur Legende. In der Edo-Zeit baute das Tal Tabak an, und Ikeda wurde zur wohlhabenden Tabakhandelsstadt mit Kaufmannshäusern und Udatsu-Brandmauern.

Die Dosan-Linie durch die Ōboke-Schlucht wurde 1935 vollendet und verband Kōchi mit der Nordküste. Die Straßen nach Iya wurden erst im 20. Jahrhundert ausgebaut. 2005 wurde der Weiler Ochiai als geschütztes Ensemble ausgewiesen, 2006 entstand die heutige Stadt.

  1. 1185

    Der Legende nach fliehen Taira nach der Schlacht von Dan-no-ura nach Iya.

  2. Edo-Zeit

    Tabakanbau und -handel bringen Ikeda und dem Iya-Tal Wohlstand.

  3. 1935

    Die Dosan-Linie durch die Ōboke-Schlucht wird vollendet.

  4. 2005

    Der Bergweiler Ochiai wird geschütztes Ensemble traditioneller Bauten.

  5. 2006

    Ikeda, Mino, Yamashiro, Ikawa, Higashi-Iya und Nishi-Iya schließen sich zu Miyoshi zusammen.

  6. 2017

    Die Rafting-Weltmeisterschaft findet auf dem Yoshino bei Ōboke statt.

Kultur

Das Leben in Iya entwickelte sich in Abgeschiedenheit: Landwirtschaft am Steilhang, strohgedeckte Häuser, Buchweizen und Kartoffeln sowie ein Schatz an Heike-Legenden und Yōkai-Geschichten. Viele Weiler haben Einwohner verloren, doch die Terrassenlandschaften werden geschätzt, und restaurierte Bauernhäuser beherbergen heute Gäste. Das Herbstlaub in den Schluchten lockt zahlreiche Besucher.

Feste

  • Erneuerung der Kazurabashi

    かずら橋架け替えKazurabashi kakekae

    Alle drei Jahre wird die Rankenbrücke mit frisch in den Bergen gesammelten Ranken neu gebaut.

  • Awa Odori in Ikeda

    池田町阿波おどりIkeda-chō Awa Odori

    Der sommerliche Awa Odori in den Straßen der Tabakhändler.

  • Herbstlaub in Iya

    祖谷の紅葉Iya no kōyō

    Im Spätherbst färben sich die Schluchten von Iya und Ōboke rot und golden.

Essen

  • Iya-Soba

    祖谷そばIya soba

    Dicke, kurze Buchweizennudeln mit wenig oder keinem Bindemittel.

  • Dekomawashi

    でこまわしDekomawashi

    Spieße mit örtlichen Kartoffeln, Tofu und Konnyaku, mit Miso über dem Herdfeuer gegrillt.

  • Amego

    あめごAmego

    Rotgetupfte Bergforelle, am Spieß über dem Feuer mit Salz gegrillt.

  • Iya-Tofu

    祖谷豆腐Iya dōfu

    Sehr fester Tofu, den man mit einem Seil verschnüren kann – eine Bergtradition.

Unterwegs vor Ort

  • Die Bahnhöfe Awa-Ikeda und Ōboke liegen an der JR-Dosan-Linie mit Limited-Express-Zügen aus Okayama, Takamatsu und Kōchi; Awa-Ikeda ist zudem Endpunkt der Tokushima-Linie.
  • Busse fahren ab Awa-Ikeda und Ōboke zur Kazurabashi und weiter ins Iya-Tal, allerdings selten; ein Mietwagen ist am flexibelsten.
  • Die Straßen in Iya sind schmal und kurvig, mit Ausweichbuchten; man sollte zusätzliche Zeit einplanen.
  • Im Sommer und Herbst fährt ein Bus nach Minokoshi, dem Ausgangspunkt für den Tsurugi-san.

Ausflüge

  • Tsurugi-san

    剣山Tsurugi-san

    Zweithöchster Gipfel Shikokus, ab Minokoshi per Sessellift und Wanderweg.

  • Kotohira

    琴平Kotohira

    Der Kotohira-gū in Kagawa, etwa 40 Minuten nördlich mit der Dosan-Linie.

  • Wakimachi

    脇町Wakimachi

    Die Udatsu-Straße der Indigohändler weiter unten im Yoshino-Tal.

  • Kōchi

    高知Kōchi

    Die Hauptstadt von Tosa, etwa anderthalb Stunden südlich mit dem Limited Express.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Ist die Rankenbrücke von Iya sicher?

Ja. Sie ist mit verborgenen Stahlseilen verstärkt und wird alle drei Jahre erneuert – auch wenn die weiten Lücken zwischen den Planken die Überquerung spannend machen.

Wie viel Zeit braucht man für das Iya-Tal?

Ein Tag reicht für Ōboke und die Kazurabashi; für Higashi-Iya, Ochiai und die Doppelbrücken sollte man mindestens eine Nacht bleiben.

Kommt man ohne Auto nach Iya?

Ja, mit dem Bus ab Awa-Ikeda oder Bahnhof Ōboke, allerdings mit wenigen Verbindungen; Fahrpläne vorab prüfen und die Tour danach planen.

Warum zählt Iya zu den drei verborgenen Gegenden Japans?

Tiefes Tal und steile Hänge hielten es jahrhundertelang abgeschieden; zusammen mit Shirakawa-gō und Shiiba wird es oft zu Japans drei großen verborgenen Gegenden gezählt.

Quellen

  1. 1.三好市ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 三好市
  2. 2.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  3. 3.重要伝統的建造物群保存地区一覧 (öffnet in neuem Tab) — 文化庁
  4. 4.徳島県ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 徳島県

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