Tempel · Higashiyama · Kyoto
Kiyomizu-dera
清水寺きよみずでらKiyomizu-deraDer Tempel des reinen Wassers und seine Bühne über den Baumkronen
Der Kiyomizu-dera ist ein buddhistischer Tempel am Hang des Otowa-Bergs im Osten Kyotos, der Überlieferung nach 778 gegründet und der elfköpfigen, tausendarmigen Kannon geweiht. Seine Haupthalle von 1633, ein Nationalschatz, ragt auf einer nagellos gefügten Holzbühne über das Tal hinaus.
Überblick
Der Kiyomizu-dera, „Tempel des reinen Wassers“, liegt an einem bewaldeten Hang des Otowa-Bergs am Ostrand Kyotos. Der Name bezieht sich auf den Otowa-Wasserfall, um dessen Quelle herum der Tempel entstand. Er ist Haupttempel der kleinen Kita-Hossō-Schule, die sich 1965 von der in Nara ansässigen Hossō-Schule löste, und die sechzehnte Station der Saigoku-Pilgerreise zu 33 Kannon-Tempeln Westjapans.
Die Haupthalle ist im Kake-zukuri-Stil errichtet: Ihr vorderer Teil, die berühmte Bühne (Butai), kragt auf einem Gerüst hoher Zelkova-Pfeiler, die ohne Nägel verbunden sind, über den Hang hinaus. Die heutige Halle entstand 1633 nach Bränden unter dem dritten Tokugawa-Shōgun Iemitsu; ihr Dach aus Zypressenrinde wurde bei einer 2020 abgeschlossenen Restaurierung erneuert.
Um die Haupthalle gruppieren sich rund dreißig Bauten, darunter das zinnoberrote Niō-mon-Tor, eine dreistöckige Pagode und die Halle Oku-no-in mit einer zweiten, kleineren Bühne. Die Zugangsgassen Kiyomizu-zaka, Sannen-zaka und Ninen-zaka gehören zu den besterhaltenen historischen Straßenbildern der Stadt.
Höhepunkte
Haupthalle und Bühne
本堂(清水の舞台)Hondō (Kiyomizu no Butai)Die Halle von 1633 (Nationalschatz) mit ihrer rund 13 m über dem Hang schwebenden Plattform, nagellos auf einem Pfeilergitter errichtet.
Otowa-Wasserfall
音羽の滝Otowa no TakiDrei Quellwasserstrahlen unterhalb der Haupthalle, aus denen man mit langstieligen Schöpfkellen für langes Leben, Lernerfolg oder Liebesglück trinkt.
Niō-mon-Tor
仁王門Niō-monZinnoberrotes Haupttor am Ende des Aufgangs, bewacht von zwei Niō-Figuren.
Dreistöckige Pagode
三重塔Sanjū-no-tōRund 31 m hohe zinnoberrote Pagode, eine der höchsten ihrer Art in Japan.
Oku-no-in
奥の院Oku-no-inInnere Halle mit kleinerer Bühne; von hier stammt der klassische Blick über das Tal auf die Haupthalle.
Geschichte
Der Tempeltradition nach fand der Mönch Enchin 778 die Otowa-Quelle und stellte hier eine Kannon auf; der für seine Feldzüge im Nordosten berühmte General Sakanoue no Tamuramaro ließ um 798 eine Halle errichten. Der Kiyomizu-dera wurde zu einem der beliebtesten Wallfahrtstempel der Heian-Hauptstadt und taucht im „Kopfkissenbuch“ und im „Genji monogatari“ auf. Er brannte viele Male; die meisten heutigen Bauten stammen aus dem Wiederaufbau unter Tokugawa Iemitsu in den 1630er-Jahren.
778
Überlieferte Gründung: Der Mönch Enchin stellt an der Otowa-Quelle eine Kannon auf.
um 798
Sakanoue no Tamuramaro stiftet den Bau einer Haupthalle.
Heian-Zeit
Der Tempel wird zu einem führenden Pilgerziel für Hof und Stadtvolk.
1629
Ein Großbrand zerstört weite Teile des Tempels.
1633
Wiederaufbau der Haupthalle mit Bühne unter Tokugawa Iemitsu.
1965
Austritt aus der Hossō-Schule und Gründung der Kita-Hossō-Schule.
1994
Aufnahme in das Welterbe „Historische Monumente des alten Kyoto“.
2017–2020
Erneuerung des Zypressenrindendachs der Haupthalle.
Kultur
„Von der Bühne des Kiyomizu springen“ ist im Japanischen die Redewendung für einen mutigen Entschluss. Tempelaufzeichnungen belegen, dass in der Edo-Zeit tatsächlich Menschen sprangen – im Glauben, ein Wunsch gehe in Erfüllung, wer überlebe –, bis dies 1872 verboten wurde. Seit 1995 schreibt der Oberpriester jeden Dezember auf der Bühne das „Kanji des Jahres“, ein landesweit beachtetes Ritual.
Tempel und Zugangsgassen sind fester Teil des Kyotoer Jahreslaufs: Kirschblüte im Frühjahr, Herbstlaub im Tal unter der Bühne und abendliche Illuminationen in beiden Jahreszeiten. Direkt hinter der Haupthalle liegt der Jishu-jinja, ein Schrein der Liebes- und Ehestiftung.
Besuch
- Mit dem Stadtbus vom Hauptbahnhof Kyoto bis Kiyomizu-michi oder Gojō-zaka, dann 10 bis 15 Minuten bergauf durch die Zugangsgassen.
- Die Bühne gehört zum Rundgang durch die Haupthalle; der Weg führt weiter am Oku-no-in vorbei hinunter zum Otowa-Wasserfall.
- Der Tempel zählt zu den meistbesuchten Orten Kyotos; am ruhigsten ist es zur Öffnung und an Werktagen am Morgen.
- Bergab über Sannen-zaka und Ninen-zaka gelangt man zum Kōdai-ji, zur Yasaka-Pagode und nach Gion.
In der Nähe
Sannen-zaka und Ninen-zaka
三年坂・二年坂Sannen-zaka, Ninen-zakaTreppengassen mit hölzernen Stadthäusern, ein Schutzgebiet für historische Bauten.
Kōdai-ji
高台寺Kōdai-jiVon der Witwe Toyotomi Hideyoshis gegründeter Tempel mit Lackkunst und Gärten.
Kyotos Geisha-Viertel mit dem Yasaka-Schrein, etwa 15 Minuten zu Fuß nördlich.
Halle der 1.001 Kannon-Statuen, eine kurze Busfahrt südwestlich.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Bühne des Kiyomizu-dera?
Die Plattform liegt etwa 13 m über dem Boden – so hoch wie ein vierstöckiges Haus – und ruht auf einem ohne Nägel gefügten Pfeilergerüst.
Was bedeutet „von der Bühne des Kiyomizu springen“?
Die Redewendung steht für einen kühnen Entschluss. In der Edo-Zeit sprangen tatsächlich Menschen, weil man glaubte, wer überlebe, dem werde ein Wunsch erfüllt; 1872 wurde das verboten.
Aus welchem Strahl des Otowa-Wasserfalls sollte man trinken?
Die drei Strahlen sollen langes Leben, Lernerfolg und Liebesglück bringen. Der Sitte nach wählt man nur einen, denn aus allen dreien zu trinken gilt als gierig.
Gehört der Kiyomizu-dera zum Welterbe?
Ja. Er ist einer der 17 Bestandteile der „Historischen Monumente des alten Kyoto“, eingetragen 1994.
Wann ist die beste Reisezeit für den Kiyomizu-dera?
Ende März bis Anfang April zur Kirschblüte und Mitte bis Ende November zur Laubfärbung ist es am schönsten, aber auch am vollsten; frühmorgens ist es das ganze Jahr über ruhiger.
Weiterlesen
Quellen
- 1.音羽山 清水寺 (öffnet in neuem Tab) — 清水寺
- 2.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁