Tempel · Higashiyama · Kyoto
Sanjusangen-do
三十三間堂さんじゅうさんげんどうSanjūsangen-dōTausendundeine goldene Kannon in einer einzigen Halle
Der Sanjūsangen-dō, offiziell Rengeō-in, ist eine buddhistische Tempelhalle im Osten Kyotos, 1164 gegründet und 1266 neu errichtet. In der rund 120 Meter langen Halle stehen 1.001 vergoldete Holzstatuen der Tausendarmigen Kannon in dichten Reihen, flankiert von Schutzgottheiten; Halle und Statuen sind Nationalschätze.
Überblick
Der Sanjūsangen-dō steht im Viertel Higashiyama in Kyoto, wenige Gehminuten vom Nationalmuseum Kyoto entfernt. Der volkstümliche Name, „Halle der dreiunddreißig Joche“, bezieht sich auf die 33 Zwischenräume zwischen den Pfeilern des langen Innenraums; offiziell heißt der Tempel Rengeō-in und gehört zum Tendai-Tempel Myōhō-in. Mit rund 120 Metern ist die Halle der längste hölzerne Tempelbau Japans.
Im Inneren stehen 1.000 etwa lebensgroße, vergoldete Standfiguren der elfköpfigen, Tausendarmigen Kannon in zehn Reihen auf gestuften Podesten beiderseits einer großen Sitzfigur, die Tankei 1254 schnitzte. Davor stehen die Achtundzwanzig Begleiter, kraftvolle Schutzgottheiten, und an den Enden Fūjin und Raijin, die Götter von Wind und Donner. Zusammen bilden sie eines der eindrucksvollsten Ensembles japanischer buddhistischer Plastik.
Die Zahl 33 verweist auch auf die 33 Gestalten, in denen Kannon den Lebewesen zur Rettung erscheint – mit 1.001 Figuren sollte sich das Verdienst der Andacht vielfach vervielfältigen.
Höhepunkte
1.001 Tausendarmige Kannon
千体千手観音立像Sentai Senju Kannon RyūzōVergoldete Zypressenholzfiguren in zehn Reihen; jedes Gesicht ist etwas anders, und der Überlieferung nach sucht man nach den Zügen eines verstorbenen Menschen.
Sitzende Tausendarmige Kannon
千手観音坐像Senju Kannon ZazōHauptkultbild in der Hallenmitte, 1254 vom über achtzigjährigen Tankei geschnitzt.
Achtundzwanzig Begleiter
二十八部衆像Nijūhachi Bushū-zōRealistische Figuren buddhistischer Schutzgottheiten der Kamakura-Zeit, viele auf indische Götter zurückgehend.
Fūjin und Raijin
風神・雷神像Fūjin, Raijin-zōDer Windgott mit seinem Windsack und der Donnergott mit seinen Trommeln – Vorbilder späterer Darstellungen, etwa der berühmten Stellschirme Tawaraya Sōtatsus.
Westveranda
通し矢TōshiyaDie rund 120 Meter lange Veranda, an der Bogenschützen der Edo-Zeit um die Wette die ganze Hallenlänge beschossen.
Geschichte
Taira no Kiyomori ließ die Halle 1164 als Andachtshalle für den abgedankten Kaiser Go-Shirakawa errichten. Sie brannte 1249 ab; der heutige Bau wurde 1266 unter Kaiser Go-Saga vollendet. 124 Standfiguren überstanden den Brand und stammen aus dem ursprünglichen Tempel, die übrigen schufen Bildhauer der Kei-, En- und In-Schulen im 13. Jahrhundert, darunter Tankei, der Sohn Unkeis. In der Edo-Zeit war die lange Westveranda Schauplatz des Tōshiya, eines Bogenwettbewerbs über die gesamte Hallenlänge.
1164
Taira no Kiyomori errichtet die Halle für den abgedankten Kaiser Go-Shirakawa.
1249
Ein Brand zerstört die Halle; 124 Statuen und einige weitere werden gerettet.
1254
Tankei vollendet die zentrale sitzende Tausendarmige Kannon.
1266
Die heutige Halle ist fertiggestellt.
spätes 16. Jh.
Toyotomi Hideyoshi bezieht die Halle in das Gelände des Hōkō-ji ein; Taikō-Mauer und Südtor stammen aus dieser Zeit.
Edo-Zeit
Die Tōshiya-Bogenwettbewerbe an der Westveranda werden berühmt.
2018
Die 1.001 stehenden Kannon-Statuen werden gemeinsam zum Nationalschatz erklärt.
Kultur
Der Sanjūsangen-dō verbindet die Verehrung der Kannon, des Bodhisattvas des Mitgefühls, mit einer fast überwältigenden bildhauerischen Inszenierung. Tausend gleiche und doch individuelle Figuren, die im Halbdunkel der Halle schimmern, machen ihn zu einem der eindrücklichsten Innenräume Japans.
Die Bogentradition lebt im Ōmato Taikai fort, der im Januar stattfindet: Junge Schützinnen und Schützen, viele zur Volljährigkeitsfeier in Kimono und Hakama, schießen im Tempelhof auf Scheiben. Zur selben Zeit hält der Tempel die Yanagi no Okaji ab, eine Segnung mit Weidenzweigen, die gegen Kopfschmerzen helfen soll.
Besuch
- Der Tempel liegt etwa 15 Gehminuten östlich des Hauptbahnhofs Kyoto oder wenige Minuten von der Station Shichijō der Keihan-Linie; Stadtbusse halten an Hakubutsukan Sanjūsangendō-mae.
- Vor dem Betreten der Halle werden die Schuhe ausgezogen; Fotografieren ist im Inneren nicht gestattet.
- Man geht die Halle an der Ostseite entlang und auf der Rückseite zurück; 30 bis 45 Minuten genügen.
- Das gegenüberliegende Nationalmuseum Kyoto bietet sich zur Kombination an.
In der Nähe
Nationalmuseum Kyoto
京都国立博物館Kyōto Kokuritsu HakubutsukanMuseum für japanische und ostasiatische Kunst direkt gegenüber.
Hangtempel mit Holzbühne, eine kurze Busfahrt oder 25 Gehminuten östlich.
Schrein der roten Torii, wenige Stationen südlich an der JR-Nara- oder Keihan-Linie.
Tōfuku-ji
東福寺Tōfuku-jiGroßer Zen-Tempel, bekannt für das Herbstlaub, ein kurzer Fußweg südlich.
Häufige Fragen
Wie viele Statuen stehen im Sanjusangen-do?
1.001 Figuren der Tausendarmigen Kannon – 1.000 stehende und eine große sitzende in der Mitte –, dazu 28 Begleitgottheiten sowie die Götter von Wind und Donner.
Woher kommt der Name Sanjusangen-do?
Er bedeutet „Halle der dreiunddreißig Joche“, nach den 33 Pfeilerzwischenräumen im Inneren. Offiziell heißt der Tempel Rengeō-in.
Sind die Statuen Originale?
Ja. 124 Standfiguren stammen noch aus dem Tempel des 12. Jahrhunderts; die übrigen, auch das Hauptbild, entstanden im 13. Jahrhundert nach dem Brand von 1249.
Darf man im Sanjusangen-do fotografieren?
Nein, im Inneren der Halle ist Fotografieren nicht erlaubt.
Gehört der Sanjusangen-do zum Welterbe?
Nein. Er zählt nicht zu den Bestandteilen der „Historischen Monumente des alten Kyoto“, doch Halle und Statuen sind Nationalschätze.