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Japan

Kyoto · Kyoto ·

Higashiyama

東山ひがしやまHigashiyama

Tempel, Pagoden und alte Gassen an Kyotos Ostbergen

Higashiyama ist das historische Tempelviertel am Fuß der Ostberge Kyotos; es reicht vom Kiyomizu-dera und dem Sanjūsangen-dō im Süden über die gepflasterten Gassen Sannenzaka und Ninenzaka bis zum Nanzen-ji und im weiteren Sinn zum Ginkaku-ji – die dichteste Ansammlung von Tempeln und altem Stadtbild in der Stadt.

Überblick

Higashiyama, die „Ostberge“, ist die bewaldete Hügelkette, die das Becken von Kyoto im Osten abschließt, und im übertragenen Sinn das Viertel an ihrem Fuß. Der Name wird doppelt verwendet: Der Stadtbezirk Higashiyama östlich des Kamo umfasst Gion, den Kiyomizu-dera und den Sanjūsangen-dō; im kulturellen Sinn setzt sich Higashiyama nach Norden über Okazaki und den Nanzen-ji bis zum Ginkaku-ji fort, die bereits im Bezirk Sakyō liegen.

Der klassische Rundgang beginnt am Kiyomizu-dera, dessen Holzbühne über den Hang hinausragt, und führt durch die Stufengassen Sannenzaka und Ninenzaka – ein geschütztes Ensemble hölzerner Läden und Teehäuser – vorbei an der Yasaka-Pagode zum Kōdai-ji, den die Witwe Toyotomi Hideyoshis gründete. Von dort gelangt man über den Nene-no-Michi und den Maruyama-Park zum Yasaka-Schrein und zum gewaltigen Tor des Chion-in, des Haupttempels des Reines-Land-Buddhismus.

Weiter nördlich liegen in Okazaki der Heian-Schrein und die Museen Kyotos, der Nanzen-ji mit dem Backstein-Aquädukt des Biwa-See-Kanals und der Philosophenweg, der an einem kirschbaumgesäumten Kanal zum Ginkaku-ji führt – dem Silbernen Pavillon, nach dem die Higashiyama-Kultur des 15. Jahrhunderts benannt ist. In den Werkstätten von Gojōzaka und Chawanzaka unterhalb des Kiyomizu-dera entstand die Kiyomizu-Keramik.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

  • Kiyomizu-dera

    清水寺Kiyomizu-dera

    Tempel am Hang mit einer ohne Nägel gebauten Holzbühne über der Stadt; Nationalschatz und Teil des Welterbes.

  • Sanjūsangen-dō

    三十三間堂Sanjūsangen-dō

    Eine rund 120 m lange Halle mit 1.001 stehenden Statuen der tausendarmigen Kannon.

  • Yasaka-Pagode (Hōkan-ji)

    八坂の塔Yasaka no Tō

    Fünfstöckige Pagode von 1440 über den Gassen, Sinnbild des alten Stadtbilds.

  • Kōdai-ji

    高台寺Kōdai-ji

    Zen-Tempel von 1606 mit Lackkunst der Momoyama-Zeit, Gärten und einem Bambushain.

  • Chion-in

    知恩院Chion-in

    Haupttempel der Jōdo-Schule des Reines-Land-Buddhismus; sein Sanmon von 1621 gehört zu den größten Holztoren Japans.

  • Nanzen-ji

    南禅寺Nanzen-ji

    Bedeutender Zen-Tempel mit mächtigem Tor, Trockengarten und dem Backstein-Aquädukt des Biwa-See-Kanals.

  • Ginkaku-ji

    銀閣寺Ginkaku-ji

    Der Silberne Pavillon am Nordende des Philosophenwegs, Mittelpunkt der Higashiyama-Kultur.

  • Heian-Schrein

    平安神宮Heian Jingū

    Schrein von 1895, der einen Teil des Heian-Palasts nachbildet, mit großem zinnoberrotem Torii und Wandelgarten.

Stadtviertel

  • Sannenzaka und Ninenzaka

    三年坂・二年坂Sannen-zaka, Ninen-zaka

    Stufengassen unterhalb des Kiyomizu-dera mit Holzläden, Teehäusern und Keramik.

  • Gion

    祇園Gion

    Das Geiko-Viertel um den Yasaka-Schrein, im Bezirk Higashiyama gelegen.

  • Gojōzaka

    五条坂Gojō-zaka

    Der Aufgang zum Kiyomizu-dera von Süden, traditionelles Zentrum der Kiyomizu-Keramik.

  • Okazaki

    岡崎Okazaki

    Kulturviertel mit Heian-Schrein, Nationalmuseum für moderne Kunst und dem Kunstmuseum der Stadt Kyoto.

  • Philosophenweg

    哲学の道Tetsugaku no Michi

    Weg am Kanal von der Gegend des Nanzen-ji zum Ginkaku-ji, benannt nach dem Philosophen Nishida Kitarō.

Geschichte

Die Ostberge wurden schon in den Anfängen der Stadt von Tempeln besiedelt: Der Kiyomizu-dera führt seine Gründung auf 778 zurück, also vor die Verlegung der Hauptstadt, und die Pagode des Hōkan-ji steht auf dem Gelände eines Tempels, der ins 6. Jahrhundert zurückgehen soll. Die Hänge waren zugleich Begräbnisfeld (Toribeno), und die Tempel der Gegend kümmerten sich um die Toten der Hauptstadt.

Im späten 15. Jahrhundert baute Shogun Ashikaga Yoshimasa am Nordende seinen Alterssitz, den späteren Ginkaku-ji; die Kunst-, Tee- und Gartenkultur seines Kreises heißt Higashiyama-Kultur. Aus der Zeit Toyotomi Hideyoshis stammen der Kōdai-ji und der Große Buddha des Hōkō-ji, die Tokugawa bauten den Chion-in aus. Nach 1890 brachte der Biwa-See-Kanal Wasser und Strom nach Okazaki, wo die Industrieausstellung von 1895 und der Heian-Schrein ein neues Kulturviertel schufen.

  1. 778

    Überlieferte Gründung des Kiyomizu-dera.

  2. 1164

    Der Sanjūsangen-dō wird für den Ex-Kaiser Go-Shirakawa errichtet; die heutige Halle stammt von 1266.

  3. 1482

    Ashikaga Yoshimasa beginnt seine Villa in Higashiyama, den späteren Ginkaku-ji.

  4. 1606

    Nene, die Witwe Toyotomi Hideyoshis, gründet den Kōdai-ji.

  5. 1633

    Haupthalle und Bühne des Kiyomizu-dera werden in ihrer heutigen Form neu errichtet.

  6. 1890

    Der Biwa-See-Kanal mit dem Aquädukt am Nanzen-ji wird fertiggestellt.

  7. 1895

    Zum 1.100-jährigen Bestehen der Hauptstadt entsteht in Okazaki der Heian-Schrein.

  8. 1976

    Sannenzaka wird Schutzgebiet für Gruppen traditioneller Bauten.

Kultur

In Higashiyama sind die religiösen und künstlerischen Traditionen Kyotos am deutlichsten sichtbar: Die Higashiyama-Kultur Ashikaga Yoshimasas prägte Teezeremonie, Ikebana, Tuschmalerei und die Ästhetik des Wabi. Kiyomizu-Keramik wird an den Hängen seit der Edo-Zeit hergestellt und gibt einem jährlichen Keramikmarkt den Namen. Die Gassen gehören zu den belebtesten Orten Kyotos; wer früh am Morgen unterwegs ist und die Tempeletikette beachtet, erleichtert den Besuch für alle.

Feste

  • Keramikfest Gojōzaka

    京都五条坂陶器まつりGojō-zaka Tōki Matsuri

    Anfang August, um die Obon-Zeit, säumen Stände von Töpfern und Händlern den Gojōzaka.

  • Jidai-Fest

    時代祭Jidai Matsuri

    Am 22. Oktober zieht ein Umzug in Kostümen aller Epochen Kyotos vom Kaiserpalast zum Heian-Schrein.

  • Setsubun am Yasaka-Schrein

    節分祭Setsubun-sai

    Anfang Februar tanzen Maiko und werfen Bohnen, um das Böse zu vertreiben.

  • Neujahrsglocke des Chion-in

    除夜の鐘joya no kane

    In der Silvesternacht schlagen Mönche die große Glocke des Chion-in, eine der größten Japans, mit einem Balken, den eine ganze Gruppe zieht.

Essen

  • Yudōfu

    湯豆腐yudōfu

    Gegarter Tofu, Spezialität der Restaurants rund um den Nanzen-ji.

  • Yatsuhashi

    八ッ橋yatsuhashi

    Reismehlgebäck mit Zimt, knusprig gebacken oder weich um Bohnenmus gefaltet, verkauft an den Hängen zum Kiyomizu-dera.

  • Shichimi tōgarashi

    七味唐辛子shichimi tōgarashi

    Sieben-Gewürze-Chilimischung aus alten Gewürzläden am Weg zum Kiyomizu-dera.

  • Matcha und Wagashi

    和菓子wagashi

    Jahreszeitliche Süßigkeiten und geschlagener Tee in den Teehäusern am Ninenzaka und am Kōdai-ji.

Unterwegs vor Ort

  • Stadtbusse ab dem Bahnhof Kyoto halten an Gojōzaka und Kiyomizu-michi für den Kiyomizu-dera, an Higashiyama Yasui für den Kōdai-ji und an Ginkakuji-michi für das Nordende.
  • Die Keihan-Bahnhöfe Kiyomizu-Gojō und Gion-Shijō liegen am Fluss; die U-Bahn-Linie Tōzai hält in Higashiyama und Keage nahe dem Nanzen-ji.
  • Am besten erkundet man das Viertel zu Fuß: Vom Kiyomizu-dera nach Gion ist man etwa eine halbe Stunde unterwegs, auf dem Philosophenweg ebenso lange.

Ausflüge

  • Fushimi Inari Taisha

    Tausende Torii am Berg südlich von Higashiyama, eine kurze Bahnfahrt entfernt.

  • Nijō-jō

    Die Burg der Tokugawa im Zentrum Kyotos.

  • Hiei

    Der Berg des Enryaku-ji, per Seilbahn vom Nordosten der Stadt erreichbar.

  • Ōtsu und Biwa-See

    Jenseits der Hügel mit der Keihan-Bahn – von dort kommt das Kanalwasser.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Ist Higashiyama dasselbe wie der Bezirk Higashiyama?

Nicht ganz. Der Stadtbezirk Higashiyama umfasst Gion und den Kiyomizu-dera; als touristischer Begriff schließt Higashiyama auch die Tempel an den Hügeln weiter nördlich bis zum Ginkaku-ji im Bezirk Sakyō ein.

Wie verläuft der klassische Rundgang?

Vom Kiyomizu-dera über Sannenzaka und Ninenzaka, vorbei an Yasaka-Pagode und Kōdai-ji zum Maruyama-Park und Yasaka-Schrein; viele gehen weiter über Chion-in und Nanzen-ji zum Philosophenweg und Ginkaku-ji.

Warum gilt der Sannenzaka als Unglückshang?

Einem Volksglauben nach stirbt innerhalb von drei Jahren, wer auf dem Hang stürzt; Läden verkaufen Kürbis-Amulette als Schutz. Der Name hängt eher mit Gebeten um eine glückliche Geburt an einem nahen Tempel zusammen.

Wann ist in den Tempeln von Higashiyama am wenigsten los?

Früh am Morgen und werktags außerhalb von Kirschblüte und Herbstlaub; der Kiyomizu-dera öffnet früh, bevor die Reisegruppen eintreffen.

Quellen

  1. 1.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  2. 2.京都市情報館 (öffnet in neuem Tab) — 京都市
  3. 3.京都観光Navi (öffnet in neuem Tab) — 京都市観光協会
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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