Zum Inhalt springen
Japan

Kyoto · Kyoto ·

Gion

祇園ぎおんGion

Teehäuser, Geiko und die Schreinstadt des Yasaka

Gion ist das historische Vergnügungsviertel Kyotos zwischen dem Fluss Kamo und dem Yasaka-Schrein und das bekannteste Hanamachi (Geiko-Viertel) der Stadt; hölzerne Teehäuser, das Theater Minamiza und der Shirakawa-Kanal bewahren dort das Stadtbild der Edo-Zeit.

Überblick

Gion ist keine Verwaltungseinheit, sondern ein historisches Viertel im Kyotoer Stadtbezirk Higashiyama. Gemeint sind meist die Straßen östlich des Kamo zu beiden Seiten der Shijō-dōri bis zum zinnoberroten Westtor des Yasaka-Schreins, mit Shinbashi und dem Shirakawa-Kanal im Norden sowie Hanamikoji und dem Kennin-ji im Süden. Der Name stammt von Gion-sha, der älteren Bezeichnung des Yasaka-Schreins, vor dessen Toren das Viertel entstand.

Aus Teestuben für Schreinpilger wuchs Gion seit der Edo-Zeit zum berühmtesten der fünf Hanamachi Kyotos heran – der Viertel, in denen Geiko (so heißen Geishas in Kyoto) und ihre Lehrmädchen, die Maiko, Gäste bei privaten Banketten in Ochaya-Teehäusern unterhalten. Zwei davon liegen hier: Gion Kōbu rund um den Hanamikoji und das kleinere Gion Higashi. Die Stadthäuser mit Holzgittern, Bambusrollos und gepflasterten Gassen in Shinbashi gehören zu den geschützten historischen Ensembles Kyotos.

Gion ist auch ein Theaterviertel: Das Kabuki geht auf die Auftritte der Izumo no Okuni am nahen Flussufer um 1603 zurück, und das Minamiza an der Shijō-Brücke steht an der Stelle des letzten der dort zugelassenen Edo-Theater. Heute mischen sich exklusive Teehäuser und Kappō-Restaurants mit Andenkenläden und Besuchermassen; die Anwohnervereine bitten immer wieder darum, Maiko in den Privatgassen weder zu fotografieren noch ihnen zu folgen.

Sehenswürdigkeiten

  • Yasaka-Schrein

    八坂神社Yasaka Jinja

    Der namensgebende Schrein und Ausrichter des Gion-Fests; seine Haupthalle von 1654 ist Nationalschatz, sein Westtor schließt die Shijō-dōri ab.

  • Hanamikoji

    花見小路Hanami-kōji

    Gepflasterte Straße südlich der Shijō mit Ochaya-Teehäusern und Restaurants – das Herz von Gion Kōbu.

  • Shirakawa und Tatsumi-Brücke

    白川Shirakawa

    Von Weiden gesäumter Kanal im Schutzgebiet Gion Shinbashi, überspannt von der kleinen Tatsumi-Brücke neben dem Tatsumi-Daimyōjin-Schrein.

  • Minamiza

    南座Minamiza

    Kabuki-Theater an der Shijō-Brücke, Erbe der Edo-Theater; die Kaomise-Vorstellung im Dezember eröffnet das Kyotoer Theaterjahr.

  • Kennin-ji

    建仁寺Kennin-ji

    Zen-Tempel von 1202 am Südende des Hanamikoji; bekannt für Tawaraya Sōtatsus Stellschirm mit Wind- und Donnergott und ein Deckenbild mit zwei Drachen.

  • Gion Kōbu Kaburenjō

    祇園甲部歌舞練場Gion Kōbu Kaburenjō

    Das eigene Theater des Hanamachi von 1913, Spielstätte der Miyako Odori.

  • Ichiriki-tei

    一力亭Ichiriki-tei

    Teehaus mit rot verputzter Mauer an der Ecke Shijō/Hanamikoji, bekannt aus der Geschichte der 47 Rōnin.

Stadtviertel

  • Gion Kōbu

    祇園甲部Gion Kōbu

    Das größte Hanamachi, rund um den Hanamikoji südlich der Shijō.

  • Gion Higashi

    祇園東Gion Higashi

    Kleines Hanamachi nördlich der Shijō, östlich des Hanamikoji; zeigt im Herbst die Gion Odori.

  • Gion Shinbashi

    祇園新橋Gion Shinbashi

    Geschütztes Ensemble von Teehäusern am Shirakawa und an der Shinbashi-dōri.

  • Pontochō (jenseits des Flusses)

    先斗町Pontochō

    Schmale Gasse mit Teehäusern und Restaurants am Westufer des Kamo, ebenfalls eines der fünf Hanamachi.

  • Miyagawa-chō

    宮川町Miyagawa-chō

    Hanamachi am Kamo südlich der Shijō, nahe Gion und dem Kennin-ji.

Geschichte

Der Yasaka-Schrein, der Überlieferung nach im 7. Jahrhundert gegründet, hieß die längste Zeit Gion-sha und war ein Schrein-Tempel-Komplex für die Seuchengottheit Gozu Tennō. Aus dem Gion Goryōe, einem erstmals 869 abgehaltenen Ritus gegen Epidemien, ging das Gion-Fest hervor. In der Edo-Zeit bewirteten Teestuben vor dem Schreintor die Pilger; ihre Teemädchen gelten als Vorläuferinnen der Geiko. Das Shogunat genehmigte Gion als Vergnügungsviertel, und die Theater an der Shijō wurden zum Zentrum des Kyotoer Kabuki.

Nach der Meiji-Restauration wurde der Schrein von seinen buddhistischen Elementen getrennt und 1868 in Yasaka Jinja umbenannt. Die Teehausbesitzer riefen 1872 die Tanzaufführungen Miyako Odori ins Leben, um Kyoto nach dem Umzug der Hauptstadt nach Tokio neu zu beleben. 1976 wurde Gion Shinbashi eines der ersten Schutzgebiete für Gruppen traditioneller Bauten in Japan.

  1. 869

    Erstes Gion Goryōe, aus dem das Gion-Fest hervorgeht.

  2. 1202

    Eisai gründet südlich des späteren Viertels den Kennin-ji, Kyotos ältesten Zen-Tempel.

  3. um 1603

    Izumo no Okuni zeigt frühes Kabuki am Kamo-Ufer bei der Shijō.

  4. 17. Jh.

    Die Teestuben vor dem Schreintor werden zum genehmigten Vergnügungsviertel.

  5. 1868

    Gion-sha wird im Zuge der Trennung von Shintō und Buddhismus in Yasaka Jinja umbenannt.

  6. 1872

    Erste Miyako Odori von Gion Kōbu.

  7. 1929

    Der heutige Bau des Minamiza an der Shijō-Brücke wird fertiggestellt.

  8. 1976

    Gion Shinbashi wird nationales Schutzgebiet für Gruppen traditioneller Bauten.

Kultur

Die Kultur Gions ist die des Hanamachi: Maiko und Geiko lernen jahrelang Tanz, Shamisen, Gesang und Teezeremonie und treten bei Ochaya-Banketten auf, zu denen man nur auf Empfehlung Zugang erhält. Öffentlich zu sehen sind sie bei den Miyako Odori im Frühjahr, den Gion Odori im Herbst und bei Schreinfesten. Von Besuchern wird erwartet, auf den Hauptstraßen zu bleiben, die Gassen nicht zu versperren und Maiko nicht ohne Einverständnis zu fotografieren; in einigen Privatgassen am Hanamikoji ist Fotografieren verboten. Das Gion-Fest des Yasaka-Schreins zählt zu den berühmtesten Festen Japans.

Feste

  • Gion-Fest

    祇園祭Gion Matsuri

    Den ganzen Juli hindurch; die großen Wagenumzüge am 17. und 24. Juli, die Sänftenprozessionen beginnen am Yasaka-Schrein.

  • Miyako Odori

    都をどりMiyako Odori

    Frühjahrstänze der Geiko und Maiko von Gion Kōbu, seit 1872 jeden April.

  • Okera Mairi

    をけら詣りOkera Mairi

    In der Silvesternacht tragen Besucher eine Flamme vom heiligen Feuer des Yasaka-Schreins an einem gedrehten Seil nach Hause.

  • Kaomise

    顔見世kaomise

    Das Staraufgebot des Kabuki im Dezember im Minamiza, angekündigt durch Namenstafeln der Schauspieler an der Fassade.

Essen

  • Kyō-ryōri und Kaiseki

    京料理kyō-ryōri

    Die verfeinerte, jahreszeitliche Küche Kyotos, serviert in Restaurants im Teehausstil und an Kappō-Tresen.

  • Warabi-Mochi und Kuzukiri

    くずきりkuzukiri

    Kühle Pfeilwurz-Nudeln in schwarzem Zuckersirup und Süßes aus Adlerfarnstärke von alten Konditoreien in Gion.

  • Matcha-Süßes

    抹茶matcha

    Grüntee aus Uji in Parfaits und Wagashi, angeboten von Teehändlern an der Shijō-dōri.

  • Saba-Zushi

    鯖寿司saba-zushi

    Gepresstes Makrelen-Sushi, eine Kyotoer Spezialität, die man traditionell zu Festtagen kauft.

Unterwegs vor Ort

  • Der Bahnhof Gion-Shijō (Keihan-Linie) liegt an der Shijō-Brücke; der Bahnhof Kawaramachi (Hankyū-Linie) am anderen Ufer.
  • Stadtbusse ab dem Bahnhof Kyoto halten an der Haltestelle Gion vor dem Yasaka-Schrein.
  • Das Viertel ist kompakt und am besten zu Fuß zu erkunden; die Gassen von Higashiyama und der Kiyomizu-dera liegen etwa zwanzig Gehminuten südöstlich.

Ausflüge

  • Higashiyama

    Maruyama-Park, Chion-in, Kōdai-ji, Ninenzaka und Sannenzaka beginnen direkt hinter dem Yasaka-Schrein.

  • Kiyomizu-dera

    Der Tempel mit der hölzernen Bühne, zu Fuß durch die alten Gassen erreichbar.

  • Fushimi Inari Taisha

    Der Schrein der tausend Torii, eine kurze Fahrt mit der Keihan-Linie nach Süden.

  • Arashiyama

    Bambushain und Tenryū-ji im Westen Kyotos.

Weitere Städte der Präfektur

Häufige Fragen

Wo genau liegt Gion?

Gion liegt im Kyotoer Stadtbezirk Higashiyama östlich des Kamo, zu beiden Seiten der Shijō-dōri bis zum Yasaka-Schrein. Es ist ein historisches Viertel, keine offizielle Verwaltungseinheit.

Was unterscheidet Geiko und Maiko?

Geiko ist das Kyotoer Wort für eine voll ausgebildete Geisha; Maiko sind Lehrmädchen, erkennbar am lang herabhängenden Obi, üppigem Haarschmuck und farbigeren Kimonos.

Darf man Maiko in Gion fotografieren?

Nicht ohne ihr Einverständnis. Die Anwohnervereine bitten darum, Maiko und Geiko weder zu verfolgen noch zu fotografieren; in mehreren Privatgassen am Hanamikoji ist Fotografieren verboten.

Wie kann man Geiko tanzen sehen?

Am einfachsten bei den öffentlichen Tanzaufführungen wie den Miyako Odori im April oder bei Kulturvorführungen in Gion; Teehausbankette stehen traditionell nur auf Empfehlung offen.

Wann ist es in Gion am ruhigsten?

Früh am Morgen, wenn die Gassen am Shirakawa und am Hanamikoji fast leer sind; abends ist der Andrang am größten.

Quellen

  1. 1.京都市情報館 (öffnet in neuem Tab) — 京都市
  2. 2.京都観光Navi (öffnet in neuem Tab) — 京都市観光協会
  3. 3.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO

Redaktion · Veröffentlicht: