Tempel · Higashiyama · Kyoto
Silberner Pavillon (Ginkaku-ji)
銀閣寺ぎんかくじGinkaku-jiDer stille Rückzugsort eines Shōguns, der Japans Geschmack prägte
Der Ginkaku-ji, offiziell Jishō-ji, ist ein Zen-Tempel am Fuß der östlichen Berge Kyotos, ab 1482 als Alterssitz des Shōguns Ashikaga Yoshimasa angelegt. Der schlichte, nie versilberte Pavillon und die Halle Tōgu-dō sind Nationalschätze und Teil des Welterbes Kyoto.
Überblick
Der Ginkaku-ji liegt dort, wo der Philosophenweg auf die bewaldeten Hänge der Higashiyama-Berge im Osten Kyotos trifft. Offiziell heißt er Jishō-ji und gehört wie der Kinkaku-ji zum Shōkoku-ji-Zweig des Rinzai-Zen. Der achte Shōgun der Muromachi-Zeit, Ashikaga Yoshimasa, begann hier 1482 eine Bergvilla, teils nach dem Vorbild des goldenen Alterssitzes seines Großvaters Yoshimitsu, und lebte hier bis zu seinem Tod 1490.
Der Silberne Pavillon, eigentlich Kannon-den, ist eine zweigeschossige Halle aus dunklem Holz: unten im Wohnstil, oben eine buddhistische Kapelle mit glockenförmigen Fenstern. Trotz des Namens gibt es keinen Beleg, dass er je versilbert werden sollte; der Beiname kam erst in der Edo-Zeit auf, vermutlich als Gegenstück zum Goldenen Pavillon.
Davor liegen zwei geformte Flächen aus weißem Sand, der flache Ginshadan und der Kegelstumpf Kōgetsudai, die das Mondlicht reflektieren. Dahinter ziehen sich ein Teichgarten und ein Moosgarten den Hang hinauf bis zu einem Aussichtspunkt über der Stadt.
Höhepunkte
Silberner Pavillon
観音殿(銀閣)Kannon-den (Ginkaku)Zweigeschossige Halle in Wohn- und Zen-Stil; Nationalschatz und einer der beiden erhaltenen Originalbauten.
Tōgu-dō
東求堂Tōgu-dōYoshimasas private Andachtshalle; ihr kleines Studierzimmer Dōjinsai gilt als Urform des Viereinhalb-Matten-Teeraums und der Shoin-Architektur.
Meer aus Silbersand
銀沙灘GinshadanErhöhtes Beet aus weißem Sand, in Streifen geharkt, vor der Haupthalle.
Mondschau-Plattform
向月台KōgetsudaiEtwa zwei Meter hoher Kegelstumpf aus Sand, oft mit der Mondbetrachtung in Verbindung gebracht.
Teich Kinkyō-chi und Hangweg
錦鏡池Kinkyō-chiTeichgarten und moosbedeckter Hang; der Weg führt zu einem Aussichtspunkt über Pavillon und Stadt.
Geschichte
Yoshimasa zog sich nach dem Ōnin-Krieg (1467–1477), zu dem sein Zaudern in der Nachfolgefrage beigetragen hatte, aus der Politik zurück und widmete sich den Künsten. Seine Villa, der Higashiyama-dono, wurde zum Zentrum der sogenannten Higashiyama-Kultur: Teezusammenkünfte, Tuschmalerei, Blumenkunst, Nō und Gartenkunst in zurückhaltender Ästhetik. Nach seinem Tod wurde die Villa zum Zen-Tempel. Von den ursprünglichen Bauten stehen nur noch Kannon-den und Tōgu-dō.
1482
Ashikaga Yoshimasa beginnt den Bau der Higashiyama-Villa.
1489
Überliefertes Datum für die Aufrichtung des Obergeschosses des Kannon-den.
1490
Nach Yoshimasas Tod wird die Villa zum Zen-Tempel Jishō-ji.
16. Jh.
Kriege beschädigen die Anlage; die meisten Bauten gehen verloren.
Edo-Zeit
Der Tempel wird wiederhergestellt; der Name Ginkaku, „Silberner Pavillon“, kommt auf.
1952
Der Garten wird Besondere historische Stätte und Besonderer Landschaftlicher Schönheitsort.
1994
Aufnahme in das Welterbe „Historische Monumente des alten Kyoto“.
Kultur
Der Ginkaku-ji ist das Sinnbild der Higashiyama-Kultur, einer Ästhetik der Zurückhaltung und Andeutung, die mit Begriffen wie Wabi und Yūgen verbunden wird. Unter Yoshimasas Förderung entwickelten Teemeister, Maler und Gartengestalter Formen, die japanische Innenräume bis heute prägen: das Shoin-Zimmer mit Bildnische (Tokonoma), versetzten Regalen und Schiebetüren, den kleinen Teeraum und das formelle Blumenarrangement.
Der Tempel bildet das Nordende des Philosophenwegs, eines Uferwegs an einem Kanal bis zum Nanzen-ji, benannt nach dem Philosophen Nishida Kitarō, der ihn täglich ging. Besonders beliebt ist er zur Kirschblüte am Kanal und zur Laubfärbung am Hang.
Besuch
- Mit dem Stadtbus vom Hauptbahnhof Kyoto in rund 40 Minuten bis Ginkakuji-michi, dann ein kurzer Anstieg zu Fuß.
- Ein Einbahnweg führt an den Sandgärten und am Teich vorbei zu einem Aussichtspunkt am Hang; die Hallen sieht man von außen, außer bei gelegentlichen Sonderöffnungen.
- Zusammen mit einem Spaziergang über den Philosophenweg nach Süden zum Eikan-dō und Nanzen-ji ergibt sich ein gemächlicher halber Tag.
- Die Zufahrtsgasse mit Läden ist ab dem Vormittag voll; früh ist es deutlich ruhiger.
In der Nähe
Philosophenweg
哲学の道Tetsugaku no MichiRund zwei Kilometer langer Steinweg an einem kirschbaumgesäumten Kanal Richtung Nanzen-ji.
Nanzen-ji
南禅寺Nanzen-jiHaupttempel eines Rinzai-Zweigs mit mächtigem Tor und einem Aquädukt aus Backstein aus der Meiji-Zeit.
Tempel mit hölzerner Bühne am Hang, weiter südlich in Higashiyama.
Heiliger Berg des Enryaku-ji im Nordosten der Stadt.
Häufige Fragen
Warum heißt er „Silberner Pavillon“, wenn er gar nicht silbern ist?
Der Name stammt aus der Edo-Zeit und entstand wohl als Gegenstück zum Goldenen Pavillon. Dass die Halle je versilbert war oder werden sollte, ist nicht belegt.
Wer hat den Ginkaku-ji erbaut?
Der Shōgun Ashikaga Yoshimasa, Enkel des Kinkaku-ji-Erbauers Yoshimitsu, ab 1482. Nach seinem Tod 1490 wurde die Villa zum Zen-Tempel.
Ist der Silberne Pavillon ein Original?
Ja. Kannon-den und Tōgu-dō sind die beiden erhaltenen Bauten von Yoshimasas Villa und Nationalschätze.
Wie hängen Ginkaku-ji und Philosophenweg zusammen?
Der Weg beginnt direkt unterhalb des Tempels und führt rund zwei Kilometer an einem Kanal entlang nach Süden Richtung Nanzen-ji.
Weiterlesen
Quellen
- 1.銀閣寺(慈照寺) (öffnet in neuem Tab) — 臨済宗相国寺派
- 2.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
- 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁