Essen & Trinken
Tofu und Yuba
豆腐・湯葉とうふ・ゆばtōfu, yubaSojamilch, gestockt und abgehoben: zwei stille Grundnahrungsmittel
Tofu ist aus Sojamilch gestockter Quark, Yuba die zarte Haut, die sich auf erhitzter Sojamilch bildet. Beide kamen mit dem Buddhismus aus China nach Japan und wurden zu Säulen der Tempelküche, der Kyotoer Küche und des japanischen Alltags.
Tofu stammt aus China und gelangte vermutlich mit buddhistischen Mönchen nach Japan; in der Kamakura- und Muromachi-Zeit war er eine wichtige Eiweißquelle der Zen-Tempelküche, in der Fleisch verboten war. Unter dem Stadtvolk verbreitete er sich in der Edo-Zeit – ein Kochbuch-Bestseller von 1782, Tōfu hyakuchin („Hundert seltene Tofugerichte“), stellte hundert Zubereitungen vor.
Auch Yuba, der Film, der sich beim sanften Erhitzen von Sojamilch bildet, war Tempelspeise. Kyoto mit seinen vielen Tempeln und weichem Grundwasser sowie Nikkō, wo die Mönche des großen Schrein-Tempel-Komplexes versorgt wurden, entwickelten sich zu den beiden Zentren. Geschätzt werden beide Lebensmittel weniger für kräftigen Geschmack als für ihre Textur und die feine Süße guter Sojabohnen.
Wie Tofu entsteht
Sojabohnen werden eingeweicht, mit Wasser gemahlen und gekocht; die Masse wird gefiltert, um Sojamilch und Trester (Okara) zu trennen. In die heiße Sojamilch rührt man ein Gerinnungsmittel ein, das sie stocken lässt. Traditionell ist das Nigari, aus Meerwasser gewonnenes Magnesiumchlorid; verbreitet ist auch Calciumsulfat (Gips). Für festen Tofu wird der Bruch zerteilt und in mit Tuch ausgelegten Formen gepresst, für Seidentofu wird dickere Sojamilch unzerteilt in der Form gestockt.
Einst gab es in jedem Ort eine Tofurei, deren Inhaber vor Sonnenaufgang mit der Arbeit begannen. Ihre Zahl ist stark gesunken, doch viele verkaufen bis heute jeden Morgen frischen Tofu.
Momen dofu
木綿豆腐momen-dōfu„Baumwoll“-Tofu, im Tuch gepresst; fester, gut zum Schmoren und Braten.
Kinugoshi dofu
絹ごし豆腐kinugoshi-dōfu„Durch Seide gesiebter“ Tofu, glatt und zart, kalt oder in Suppe gegessen.
Oboro dofu
おぼろ豆腐oboro-dōfuWeicher, lockerer Bruch, vor dem Pressen abgeschöpft.
Okara
おからokaraDer verbleibende Sojatrester, mit Gemüse geschmort als Beilage.
Nigari
にがりnigariTraditionelles Gerinnungsmittel aus Meerwasser, überwiegend Magnesiumchlorid.
Frittiert, getrocknet, regional
Viele Tofuformen werden weiterverarbeitet. Besonders verbreitet ist frittierter Tofu, als eigene Zutat wie in regionalen Gerichten. Gefriergetrockneter Tofu entstand als Vorrat in kalten Bergregionen und Tempelgemeinschaften.
- 油揚げabura-age
Dünne frittierte Tofuscheiben, für Kitsune-Udon und als Tasche für Inari-Sushi.
Atsuage
厚揚げatsuageDicke Tofublöcke, außen frittiert, innen weich.
Ganmodoki
がんもどきganmodokiFrittierte Küchlein aus Tofu und Gemüse, fester Bestandteil von Oden.
- 高野豆腐kōya-dōfu
Gefriergetrockneter Tofu, verbunden mit dem Berg Kōya, eingeweicht und in Dashi geschmort.
- 島豆腐shima-dōfu
Großer, fester, leicht salziger Tofu aus Okinawa für Chanpurū-Pfannengerichte.
- 胡麻豆腐goma-dōfu
Kein echter Tofu: Sesampaste, mit Kuzu-Stärke gebunden – ein Klassiker der Tempelküche.
Yuba
Sojamilch wird in breiten, flachen Wannen langsam erhitzt; die Haut, die sich bildet, hebt man Blatt für Blatt mit einem dünnen Stab ab. Frisches Yuba (Nama yuba) isst man wie Sashimi mit etwas Sojasauce und Wasabi, getrocknetes wird für Suppen und Schmorgerichte eingeweicht. Die ersten Blätter sind die dünnsten und zartesten, spätere werden dicker und gehaltvoller.
In Kyoto hebt man das Yuba meist als einzelnes dünnes Blatt an einer Kante ab, in Nikkō (dort 湯波 geschrieben) aus der Mitte, sodass es doppelt liegt. Nikkō-Yuba wird oft gerollt oder gebunden und frittiert oder geschmort.
Nama yuba
生湯葉nama yubaFrisches, weiches Yuba, pur oder in Suppe.
Hikiage yuba
引き上げ湯葉hikiage yubaFrisch abgehobenes Yuba, oft am Tisch aus einem Topf heißer Sojamilch serviert.
- 京ゆばKyō yuba
Dünnes, einlagiges Yuba, Zutat der Kyotoer Tempel- und Kaiseki-Küche.
- 日光湯波Nikkō yuba
Doppellagiges, dickeres Yuba, oft gerollt und frittiert.
Tofugerichte
Tofu kommt täglich in Misosuppe, Eintöpfen und Schmorgerichten vor, doch manche Gerichte stellen ihn allein in den Mittelpunkt. Yudōfu, in Kombubrühe erwärmter Tofu mit Soja-Dip, ist eine Winterspezialität Kyotos, besonders im Tempelviertel um den Nanzen-ji. Hiyayakko, gekühlter Tofu mit geriebenem Ingwer, Frühlingszwiebeln und Bonitoflocken, ist das sommerliche Gegenstück.
- 湯豆腐yudōfu
In Kombubrühe erwärmter Tofu, ein Kyotoer Wintergericht.
- 冷奴hiyayakko
Gekühlter Tofu mit Würzbeilagen, Sommerbeilage und Izakaya-Klassiker.
Agedashi dofu
揚げ出し豆腐agedashi-dōfuLeicht bemehlter, frittierter Tofu in warmer Dashi-Sauce.
- 麻婆豆腐mābō-dōfu
Tofu nach Sichuan-Art mit Hackfleisch, dem japanischen Geschmack angepasst.
Zeitleiste
Kamakura–Muromachi
Tofu und Yuba etablieren sich in der Zen-Tempelküche.
Edo-Zeit
Tofureien verbreiten sich in den Städten; Tofu wird Alltagsspeise.
1782
Tōfu hyakuchin, eine Sammlung von hundert Tofurezepten, wird zum Bestseller.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Seidentofu und festem Tofu?
Seidentofu (Kinugoshi) wird ungepresst in der Form gestockt und ist glatt und weich. Fester Tofu (Momen) wird zerteilt und im Tuch gepresst, dadurch dichter und besser zum Kochen.
Was ist Yuba?
Yuba ist die Haut, die sich auf sanft erhitzter Sojamilch bildet. Man isst es frisch oder getrocknet; Spezialitäten sind Yuba aus Kyoto und Nikkō.
Sind Tofugerichte in Japan vegetarisch?
Der Tofu selbst ja, doch er wird oft mit Bonitoflocken oder in Fischbrühe serviert. Am zuverlässigsten ohne tierische Zutaten isst man Tofu in der Tempelküche (Shōjin ryōri).
Ist japanischer Tofu anders als der aus dem Bioladen?
Frischer japanischer Tofu ist meist weicher und feiner im Geschmack als die in Europa üblichen, stark gepressten Blöcke. Seidentofu entspricht am ehesten dem, was Japaner kalt oder in Suppe essen.
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Quellen
- 1.うちの郷土料理 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)
- 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO