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Japan

Tempel · Kyoto · Kyoto

Ryoan-ji

龍安寺りょうあんじRyōan-ji

Fünfzehn Steine, weißer Kies und eine offene Frage

Der Ryōan-ji ist ein Rinzai-Zen-Tempel im Nordwesten Kyotos, 1450 vom Militärgouverneur Hosokawa Katsumoto gegründet. Sein Steingarten – fünfzehn Steine in Gruppen auf einem Rechteck aus geharktem weißem Kies – ist das bekannteste Beispiel des Karesansui, des japanischen Trockenlandschaftsgartens.

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Überblick

Der Ryōan-ji, „Tempel des friedvollen Drachen“, liegt am Fuß der Kinugasa-Hügel im Nordwesten Kyotos zwischen Kinkaku-ji und Ninna-ji. Er gehört zum Myōshin-ji-Zweig des Rinzai-Zen und wurde 1450 von Hosokawa Katsumoto, einem der führenden Feldherren des Ōnin-Kriegs, auf dem Gelände einer Adelsvilla gegründet.

Berühmt ist der Tempel vor allem für den Garten seines Abtsquartiers (Hōjō): ein Rechteck aus weißem Kies, in geraden und kreisförmigen Linien geharkt und an zwei Seiten von einer niedrigen Lehmmauer umschlossen, in dem fünfzehn Steine in fünf Gruppen auf Moosinseln liegen. Von der Veranda aus bleibt stets mindestens ein Stein verdeckt, gleich wo man sitzt. Gestalter und Entstehungsdatum sind unbekannt; die meisten Fachleute datieren den Garten ins späte 15. oder frühe 16. Jahrhundert.

Der übrige Tempelbezirk ist ein stiller Teichgarten um den großen Kyōyō-chi, angelegt in der Heian-Zeit und bepflanzt mit Kirschbäumen, Iris und Seerosen.

Höhepunkte

  • Steingarten

    石庭Sekitei

    Fünfzehn Steine in fünf Gruppen auf geharktem weißem Kies, gerahmt von einer mit Öl versetzten Lehmmauer, die zu feinen Mustern verwittert ist.

  • Abtsquartier

    方丈Hōjō

    Die Halle, von deren Veranda aus der Garten betrachtet wird; ihre Schiebetüren zeigen moderne Drachenbilder.

  • Wasserbecken Tsukubai

    つくばいTsukubai

    Steinbecken hinter dem Hōjō, dessen vier Schriftzeichen mit dem mittleren Quadrat den Zen-Spruch „Ich weiß nur, genug zu haben“ (ware tada taru o shiru) ergeben.

  • Teich Kyōyō-chi

    鏡容池Kyōyō-chi

    Großer Teichgarten im unteren Tempelbezirk, älter als der Tempel selbst, im Sommer mit Seerosen.

Geschichte

Hosokawa Katsumoto gründete den Ryōan-ji 1450 auf Land, das der Familie Fujiwara gehört hatte. Im Ōnin-Krieg, in dem Katsumoto das östliche Heer führte, brannte der Tempel nieder; sein Sohn Masamoto baute ihn 1488 wieder auf. Ein Brand 1797 zerstörte die Hauptbauten; das heutige Abtsquartier stammt aus dem Nebentempel Seigen-in. Weltberühmt wurde der Garten im 20. Jahrhundert, als man ihn zur Ikone des Zen und der abstrakten Kunst erhob.

  1. 1450

    Hosokawa Katsumoto gründet den Ryōan-ji auf einem früheren Adelsanwesen.

  2. 1467–1477

    Der Tempel wird im Ōnin-Krieg zerstört.

  3. 1488

    Hosokawa Masamoto baut den Tempel wieder auf.

  4. spätes 15.–frühes 16. Jh.

    Vermutliche Entstehungszeit des Steingartens; sein Gestalter ist unbekannt.

  5. 1797

    Ein Brand zerstört die Hauptbauten; als Abtsquartier dient fortan die Halle eines Nebentempels.

  6. 1975

    Besuch Königin Elisabeths II., deren Lob den Garten international bekannter macht.

  7. 1994

    Aufnahme in das Welterbe „Historische Monumente des alten Kyoto“.

Kultur

Was der Steingarten bedeutet, ist bis heute offen. Man hat ihn als Inseln im Meer gedeutet, als Tigermutter, die ihre Jungen über einen Fluss trägt, als Berggipfel über Wolken oder als reine Abstraktion zur Meditation; der Tempel selbst überlässt die Deutung den Betrachtenden. Im 20. Jahrhundert wurde der Garten zu einem der meistdiskutierten Werke japanischer Kunst im Ausland und beeinflusste Künstler, Architekten und Komponisten.

Als aktiver Zen-Tempel erwartet der Ryōan-ji, dass man ruhig auf der Veranda sitzt. In einem Nebentempel auf dem Gelände wird schlichte vegetarische Küche serviert, vor allem Yudōfu (gegarter Tofu).

Besuch

  • Der Ryōan-ji liegt an der Straße Kinukake-no-michi zwischen Kinkaku-ji und Ninna-ji; erreichbar mit dem Stadtbus oder vom Bahnhof Ryōanji der Keifuku-Kitano-Linie.
  • Vor dem Betreten des Abtsquartiers werden die Schuhe ausgezogen; den Garten betrachtet man sitzend von der Holzveranda.
  • Am meditativsten wirkt der Garten früh am Tag, bevor Reisegruppen eintreffen.
  • Ein Rundgang um den Teich Kyōyō-chi bildet einen ruhigen Kontrast zum Steingarten, besonders zur Kirschblüte.

In der Nähe

  • Kinkaku-ji

    Der Goldene Pavillon, etwa 20 Gehminuten nordöstlich.

  • Ninna-ji

    仁和寺Ninna-ji

    Ehemaliger Kaisertempel wenige Minuten westlich, ebenfalls Teil des Welterbes.

  • Myōshin-ji

    妙心寺Myōshin-ji

    Haupttempel des Zweigs, zu dem der Ryōan-ji gehört – ein großer ummauerter Komplex aus Zen-Nebentempeln im Süden.

  • Arashiyama

    Direkt mit der Straßenbahn Keifuku (Randen) erreichbar.

Häufige Fragen

Wie viele Steine liegen im Steingarten des Ryoan-ji?

Fünfzehn, in fünf Gruppen. Von jedem Sitzplatz auf der Veranda aus bleibt mindestens ein Stein hinter einem anderen verborgen.

Was bedeutet der Garten?

Sicher weiß das niemand. Verbreitet sind Deutungen als Inseln im Meer oder als Tigermutter, die ihre Jungen über einen Fluss bringt; der Tempel überlässt die Auslegung den Besuchern.

Wer hat den Steingarten angelegt?

Der Gestalter ist unbekannt. Auf einem Stein sind zwei Namen eingeritzt, vermutlich von Gartenarbeitern, doch sie klären die Frage nicht.

Lässt sich der Ryoan-ji mit dem Kinkaku-ji verbinden?

Ja. Beide Tempel liegen rund 20 Gehminuten auseinander an der Straße Kinukake-no-michi; der Ninna-ji folgt wenige Minuten weiter westlich.

Quellen

  1. 1.龍安寺 (öffnet in neuem Tab) — 大雲山 龍安寺
  2. 2.Historic Monuments of Ancient Kyoto (Kyoto, Uji and Otsu Cities) (öffnet in neuem Tab) — UNESCO World Heritage Centre
  3. 3.文化遺産オンライン (öffnet in neuem Tab) — 文化庁

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