Essen & Trinken
Awamori
泡盛あわもりawamoriSchwarzes Kōji, Thai-Reis und die Geduld des Kusu-Krugs
Awamori ist eine Spirituose aus Okinawa aus Langkornreis, der vollständig zu schwarzem Kōji verarbeitet, vergoren und einmal destilliert wird. Jahrelang in Tonkrügen gereift, wird er zu Kusu – eine der wenigen Traditionen lange gereifter Spirituosen in Japan.
Awamori gilt oft als älteste Spirituose Japans. Die Destillation gelangte nach verbreiteter Ansicht um das 15. Jahrhundert über den Handel mit Südostasien, besonders mit Siam (Thailand), in das Königreich Ryūkyū; die Verwendung von Langkornreis geht auf diese Verbindung zurück. Unter dem Königshaus wurde Awamori mit königlicher Lizenz in drei Bezirken der Hauptstadt Shuri hergestellt und als kostbares Geschenk nach China und an das Tokugawa-Shogunat gesandt.
Von anderem Shōchū unterscheidet sich Awamori in dreierlei Hinsicht: Der gesamte Reis wird zu Kōji verarbeitet, und zwar mit schwarzem Kōji, das zum warmen, feuchten Klima Okinawas passt; es gibt nur eine Gärung ohne weitere Zugaben; und die Spirituose reift oft jahrelang. Für den Namen gibt es mehrere Erklärungen, etwa den Schaum (Awa), der beim Eingießen starken Alkohols aufsteigt und früher zur Prüfung der Stärke diente.
Herstellung
Langkörniger Indica-Reis, meist aus Thailand eingeführt, wird gewaschen, eingeweicht, gedämpft und dann vollständig mit schwarzem Kōji beimpft. Langkornreis klebt weniger als japanischer Reis, sodass das Kōji gleichmäßiger wächst. Schwarzes Kōji bildet viel Zitronensäure und schützt die Maische in der Hitze vor dem Verderben. Nach Zugabe von Wasser und Hefe gärt die Maische etwa zwei Wochen und wird einmal in der Brennblase destilliert.
Abgefüllt wird Awamori meist mit 25 bis 43 Prozent Alkohol, 30 Prozent sind ein verbreiteter Standard. Rechtlich gilt er als Honkaku-Shōchū, wird aber eigens etikettiert und vermarktet; Ryūkyū-Awamori ist als geografische Angabe für Spirituosen geschützt, die in Okinawa nach traditionellem Verfahren entstehen.
Kuro koji
黒麹kuro kōjiSchwarzer Kōji-Schimmel, nach Ryūkyū als Aspergillus luchuensis benannt.
Zen-koji shikomi
全麹仕込みzen-kōji shikomiDas Verfahren, den gesamten Reis zu Kōji zu machen – eine Besonderheit des Awamori.
Thai-Reis
タイ米taimaiLangkörniger Indica-Reis, der übliche Rohstoff.
Kusu: gereifter Awamori
Awamori, der mindestens drei Jahre gereift ist, heißt Kusu (hochjapanisch Koshu). Seit 2015 darf nur dann „Kusu“ auf dem Etikett stehen, wenn der gesamte Inhalt drei Jahre oder länger gereift ist; eine Altersangabe bezieht sich auf den jüngsten Anteil einer Mischung. Die Reifung macht die Spirituose weicher und bringt süße, vanilleartige und nussige Aromen hervor.
Traditionell reift Kusu in großen Tonkrügen (Kame). Familien stellten bei der Geburt eines Kindes Awamori beiseite, um ihn bei einem späteren Fest zu öffnen. In alten Häusern Shuris gab es einst Kusu, der hundert Jahre und länger gereift war – fast alles davon wurde 1945 in der Schlacht um Okinawa zerstört.
Kusu
古酒kūsuMindestens drei Jahre gereifter Awamori.
Kame
甕kameTonkrug für die Reifung; der poröse Ton soll die Spirituose milder machen.
Shitsugi
仕次ぎshitsugiNachfüllsystem, ähnlich der Solera: Was man dem ältesten Krug entnimmt, wird mit etwas jüngerem Awamori ersetzt und so fort – der Charakter des ältesten Krugs bleibt erhalten.
Awamori trinken
Meist trinkt man Awamori als Mizuwari (mit Wasser und Eis) zu okinawanischen Gerichten wie Gōyā Chanpurū, Rafute (geschmortem Schweinebauch) und Tofu. Guten Kusu nippt man oft pur aus kleinen Bechern (Chibuguā) oder mit ganz wenig Wasser. Awamori ist außerdem Basis von Kōrēgūsu, einer Chili-Würze für Okinawa-Soba, und von Mixgetränken mit örtlichen Zitrusfrüchten wie Shīkwāsā.
Auf Yonaguni, Japans westlichster bewohnter Insel, wird ein traditioneller Vorlauf namens Hanazake mit bis zu 60 Prozent abgefüllt; wegen seiner Stärke gilt er rechtlich als Spirituose, nicht als Awamori.
Karakara
カラカラkarakaraRunde Keramikflasche mit einer Tonkugel darin, die klappert, wenn sie leer ist.
Koregusu
コーレーグースkōrēgūsuInselchilis, in Awamori eingelegt, über Okinawa-Soba geträufelt.
- 花酒hanazake
Sehr starker Vorlauf-Brand aus Yonaguni.
Shikwasa
シークヮーサーshīkwāsāKleine saure Zitrusfrucht aus Okinawa, oft in Awamori gepresst.
Zeitleiste
15. Jh.
Die Destillation erreicht das Königreich Ryūkyū, vermutlich über den Handel mit Siam und Südostasien.
17.–19. Jh.
Die königliche Regierung lizenziert die Herstellung in drei Bezirken Shuris; Awamori geht als Tribut und Geschenk nach China und Edo.
1879
Ryūkyū wird als Präfektur Okinawa annektiert; die königliche Kontrolle über den Awamori endet.
1945
Die Schlacht um Okinawa zerstört die meisten Brennereien und fast allen historischen Kusu.
1995
Ryūkyū-Awamori wird geografische Angabe.
2015
Neue Kennzeichnungsregeln: Kusu muss vollständig aus mindestens drei Jahre gereifter Spirituose bestehen.
2024
Die UNESCO nimmt das traditionelle Brauen mit Kōji in Japan auf, einschließlich Awamori.
Häufige Fragen
Ist Awamori dasselbe wie Shōchū?
Rechtlich ist Awamori eine Form des Honkaku-Shōchū, hat aber ein eigenes Verfahren: Der gesamte Reis wird zu schwarzem Kōji, und oft reift er jahrelang. Hergestellt wird er nur in Okinawa.
Warum wird Awamori aus Thai-Reis gemacht?
Auf Langkornreis wächst Kōji gleichmäßiger, und die Tradition reicht bis in den Handel des Königreichs Ryūkyū mit Siam zurück. Einige Brennereien verwenden auch okinawanischen oder japanischen Reis.
Was ist Kusu?
Kusu ist mindestens drei Jahre gereifter Awamori, meist in Tonkrügen oder Tanks. Er ist weicher und süßer als junger Awamori.
Wie stark ist Awamori?
Die meisten Awamori haben 25 bis 43 Prozent Alkohol, 30 Prozent sind ein verbreiteter Standard; viele Kusu sind stärker. Getrunken wird er meist mit Wasser verdünnt.
Weiterlesen
Quellen
- 1.本格焼酎・泡盛 (öffnet in neuem Tab) — 日本酒造組合中央会 (Japan Sake and Shochu Makers Association)
- 2.Awamori – Highlighted Japanese Ingredients (öffnet in neuem Tab) — JETRO
- 3.酒類の地理的表示一覧 (öffnet in neuem Tab) — 国税庁 (National Tax Agency)
- 4.Japan – Intangible Cultural Heritage elements (öffnet in neuem Tab) — UNESCO Intangible Cultural Heritage