Essen & Trinken
Japanisches Bier
ビールびーるbīruSpritziges Lager, der erste Toast und ein Steuerrecht, das einen Markt formte
Bier ist das meistgetrunkene alkoholische Getränk Japans. Seit den 1870er-Jahren nach deutschem und amerikanischem Vorbild gebraut, wird der Markt von hellen, spritzigen Lagerbieren weniger großer Brauereien bestimmt – daneben stehen steuerbedingte Kategorien wie Happōshu und eine lebendige Craft-Beer-Szene.
Bier kam in der Edo-Zeit mit niederländischen Händlern nach Japan, gebraut wurde es aber erst nach der Öffnung der Häfen. 1870 gründete der amerikanische Brauer William Copeland in Yokohama die Spring Valley Brewery für die Ausländersiedlung; ihr Gelände ging später an das Unternehmen über, aus dem Kirin wurde. 1876 eröffnete die Kolonialbehörde für Hokkaido in Sapporo eine staatliche Brauerei unter Nakagawa Seibei, der in Deutschland gelernt hatte. Deutsche Braukunst – untergäriges Lagerbier mit deutschen Braumeistern und deutscher Technik – wurde zum Vorbild der japanischen Brauindustrie.
Anfang des 20. Jahrhunderts beherrschten wenige große Unternehmen den Markt, und daran hat sich wenig geändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg überholte Bier den Sake als meistgetrunkenes alkoholisches Getränk. Die japanische Alkoholsteuer, die Getränke nach ihrem Malzgehalt besteuert, hat das Kaufverhalten ungewöhnlich stark geprägt und ganze Kategorien bierähnlicher Getränke hervorgebracht.
Bier und bierähnliche Getränke
Das japanische Recht definiert Bier über seine Zutaten: Seit einer Reform von 2018 muss Malz mindestens 50 Prozent der vergärbaren Zutaten ausmachen (zuvor zwei Drittel), und eine breitere Palette an Zusätzen wie Obst, Kräutern und Gewürzen ist erlaubt – ein deutlicher Unterschied zum deutschen Reinheitsgebot. Weil Bier weit höher besteuert wurde als andere Getränke, entwickelten die Brauereien günstigere Alternativen: 1994 erschien Happōshu mit weniger Malz, Mitte der 2000er-Jahre folgte „New Genre“ oder „drittes Bier“, ohne Malz oder mit zugesetztem Alkohol.
Eine stufenweise Steuerreform ab 2020 sollte die drei Kategorien im Oktober 2026 auf einen einheitlichen Satz bringen, was den Preisvorteil der bierähnlichen Getränke verringert. Alkoholfreie Biere sowie zucker- oder purinarme Biere bilden ebenfalls große Segmente.
Happoshu
発泡酒happōshu„Schäumender Alkohol“: bierähnliches Getränk mit weniger Malz als gesetzlich für Bier vorgeschrieben.
Dai-san no biru
第三のビールdai-san no bīru„Drittes Bier“ oder „New Genre“, mit Erbsen- oder Sojaeiweiß oder zugesetztem Alkohol statt Malz.
Non-aru
ノンアルコールビールnon-arukōru bīruAlkoholfreie Getränke mit Biergeschmack, weit verbreitet.
Stile und Brauereien
Das typische japanische Bier ist ein spritziges, helles Lager, oft mit Reis oder anderen Rohfrucht-Zusätzen gebraut und sehr kalt serviert. Die Einführung eines „Dry“-Lagers 1987 löste unter den großen Brauereien einen „Dry-Krieg“ aus und prägte den klaren, trockenen Geschmack, den viele mit japanischem Bier verbinden. Allmalzbiere, dunkle Lagerbiere und saisonale Sorten sind ebenfalls verbreitet. Zu den regionalen Bieren zählen solche aus Okinawa, wo seit den 1950er-Jahren gebraut wird, und Marken, die es nur auf Hokkaido gibt.
Nama biru
生ビールnama bīru„Frischbier“: in Japan jedes nicht hitzepasteurisierte Bier, ob vom Fass oder aus der Dose.
Kurobiru
黒ビールkuro bīruDunkles Lagerbier, oft halb und halb mit hellem gemischt.
- 札幌Sapporo
Standort der staatlichen Brauerei von 1876; ein Backstein-Brauereigebäude aus der Meiji-Zeit beherbergt heute ein Biermuseum.
- 横浜Yokohama
Standort der Spring Valley Brewery von 1870, Japans erster kommerzieller Brauerei.
- 沖縄Okinawa
Mit eigener Brautradition und einem leichten Lager für das subtropische Klima.
Craft Beer
Bis 1994 setzte eine Braulizenz eine jährliche Mindestproduktion von 2.000 Kilolitern voraus, die nur Großbrauereien erreichten. In jenem Jahr wurde die Grenze auf 60 Kiloliter gesenkt, und im ganzen Land entstanden Hunderte kleiner Brauereien, oft als örtliche Tourismusprojekte. Nachdem dieser erste „Ji-bīru“-Boom (Regionalbier) abgeflaut war, setzte eine neue Generation von Brauern auf Qualität und Stile wie IPA, Saison und Stout, heute als Craft Beer vermarktet.
Craft-Brauer verwenden gern regionale Zutaten wie Yuzu, Sanshō-Pfeffer, Grüntee oder Sake-Hefe, und viele Sake-Brauereien brauen auch Bier. Craft-Beer-Bars und Gasthausbrauereien gibt es in allen größeren Städten.
Ji-biru
地ビールji-bīruRegionalbier, die Bezeichnung für Bier kleiner Brauereien nach 1994.
Kurafuto biru
クラフトビールkurafuto bīruCraft Beer, der Begriff, der Ji-bīru weitgehend abgelöst hat.
Trinksitten
In Izakaya und auf Feiern lautet die erste Bestellung oft einfach „toriaezu bīru“ – „erst mal Bier“ –, damit alle gemeinsam mit „Kanpai“ anstoßen können, bevor jeder zu anderen Getränken übergeht. Man schenkt einander ein, nicht sich selbst, und Jüngere achten auf die Gläser der Älteren. Serviert wird Bier meist im Krug (Jokki) oder aus großen Flaschen, die man auf kleine Gläser verteilt.
Im Sommer öffnen Biergärten auf den Dächern von Kaufhäusern und Hotels sowie in Parks. Bier gibt es in jedem Konbini und Supermarkt; das gesetzliche Mindestalter für Alkohol liegt in Japan bei 20 Jahren.
- とりあえずビールtoriaezu bīru
„Erst mal Bier“, die übliche erste Bestellung.
Jokki
ジョッキjokkiBierkrug, vom englischen „jug“.
Biya gaden
ビアガーデンbia gādenSaisonale Biergärten unter freiem Himmel, oft auf Dachterrassen.
Zeitleiste
1870
William Copeland eröffnet in Yokohama die Spring Valley Brewery.
1876
Die Kolonialbehörde für Hokkaido eröffnet in Sapporo eine staatliche Brauerei unter dem in Deutschland ausgebildeten Nakagawa Seibei.
1880er–1900er
Die Vorläufer der heutigen Großbrauereien entstehen; 1907 wird die Kirin Brewery Company gegründet.
1987
Ein „Dry“-Lager löst den „Dry-Krieg“ aus und prägt den Massengeschmack neu.
1994
Die Mindestproduktion für eine Braulizenz sinkt auf 60 Kiloliter – Beginn des Ji-bīru-Booms; Happōshu kommt auf den Markt.
2018
Die gesetzliche Definition von Bier wird erweitert: mindestens 50 Prozent Malz, zahlreiche Aromazutaten erlaubt.
2026
Die stufenweise Steuerreform bringt Bier, Happōshu und New-Genre-Getränke im Oktober auf einen einheitlichen Satz.
Häufige Fragen
Was ist Happōshu?
Happōshu ist ein bierähnliches Getränk mit geringerem Malzanteil, als die gesetzliche Definition von Bier verlangt, entstanden, um niedrigere Steuern zu nutzen. Es sieht ähnlich aus und schmeckt meist leichter.
Ab wann darf man in Japan Alkohol trinken?
Ab 20 Jahren. Das gilt für Kauf und Konsum aller alkoholischen Getränke, auch Bier – anders als in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo Bier meist schon ab 16 erlaubt ist.
Hat japanisches Bier etwas mit deutschem Bier zu tun?
Ja. Die frühe japanische Brauindustrie orientierte sich an deutschem Lagerbier, mit deutschen Braumeistern und Anlagen. Ein Reinheitsgebot gibt es in Japan aber nicht; Reis und andere Zutaten sind üblich.
Gibt es Craft Beer in Japan?
Ja. Seit der Lockerung der Lizenzregeln 1994 sind Hunderte kleiner Brauereien entstanden. Craft-Beer-Bars und Gasthausbrauereien gibt es in den meisten Großstädten, und viele Brauereien verwenden regionale Zutaten.
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Quellen
- 1.1994年酒税法改正により日本全国で「地ビール」が誕生する (öffnet in neuem Tab) — キリン歴史ミュージアム (Kirin)
- 2.酒税に関する資料 (öffnet in neuem Tab) — 財務省 (Ministry of Finance)
- 3.ビール酒造組合 (öffnet in neuem Tab) — ビール酒造組合 (Brewers Association of Japan)
- 4.お酒に関する情報 (öffnet in neuem Tab) — 国税庁 (National Tax Agency)