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Japan

Künste

Manga

漫画まんがmanga

Comics für jedes Alter, von rechts nach links gelesen

Manga sind japanische Comics, gelesen von allen Altersgruppen und in allen Genres von Abenteuer und Romantik bis zu Geschichte, Kochen und Wirtschaft. Der moderne Manga nahm nach dem Zweiten Weltkrieg Gestalt an, angeführt von Tezuka Osamu, und erscheint in Wochen- und Monatsmagazinen sowie Sammelbänden, gedruckt und zunehmend digital.

Das Wort Manga, „launige Bilder“, machte Katsushika Hokusai populär, dessen Skizzenbände Hokusai Manga ab 1814 erschienen. Japans Tradition erzählender Bilder reicht jedoch viel weiter zurück, bis zu den Bildrollen Chōjū-jinbutsu-giga aus dem 12. und 13. Jahrhundert mit Fröschen, Hasen und Affen, die oft als ältester Vorläufer des Manga gelten. In der Meiji-Zeit kamen westliche Karikaturen über Magazine wie Japan Punch ins Land, später Comicstrips in Zeitungen.

Der moderne Erzähl-Manga entstand in den Trümmern des Nachkriegsjapan. Tezuka Osamus Die neue Schatzinsel von 1947 nutzte filmische Mittel wie Bildausschnitt, Nahaufnahme und Bewegung, und seine späteren Werke von Astro Boy bis Phoenix bestimmten die Richtung des Mediums. Heute ist Manga ein zentraler Teil der japanischen Populärkultur, auf den viele Anime, Filme und Spiele zurückgreifen.

Geschichte

In den 1950er-Jahren verbreiteten sich billige Leihbibliotheks-Manga und Kindermagazine im ganzen Land. 1957 prägte Tatsumi Yoshihiro den Begriff Gekiga, „dramatische Bilder“, für düstere, realistische Manga für ältere Leser. 1959 starteten die Wochenmagazine Shōnen Magazine und Shōnen Sunday, 1968 folgte Shōnen Jump, das zum meistverkauften Manga-Magazin wurde.

In den 1970er-Jahren erneuerte eine Generation von Zeichnerinnen, nach ihrem Geburtsjahr Shōwa 24 (1949) oft „Gruppe der 24er“ genannt, den Shōjo-Manga mit psychologischer Tiefe und neuen Bildstilen. Ab den 1980er-Jahren erschloss der Manga alle Themen und Altersgruppen und verbreitete sich im Ausland, ab den 1990er-Jahren in Übersetzungen in viele Sprachen.

  • Choju-jinbutsu-giga

    鳥獣人物戯画Chōjū-jinbutsu-giga

    Bildrollen des 12. bis 13. Jahrhunderts mit Tieren, die sich wie Menschen verhalten, aufbewahrt im Kōzan-ji in Kyoto.

  • Hokusai Manga

    北斎漫画Hokusai Manga

    Hokusais Skizzenbände mit Menschen, Tieren und Szenen, ab 1814.

  • Tezuka Osamu

    手塚治虫Tezuka Osamu

    „Gott des Manga“ (1928–1989), Schöpfer von Astro Boy, Kimba, der weiße Löwe, Black Jack und Phoenix.

  • Gekiga

    劇画gekiga

    Ernsthafte, realistische Manga für Erwachsene, 1957 benannt.

Kategorien und Genres

Manga werden weniger nach Genre als nach der Leserschaft des Magazins eingeteilt, in dem sie erscheinen. Innerhalb jeder Kategorie gibt es Sport, Romantik, Fantasy, Science-Fiction, Horror, Geschichte, Krimi, Berufsleben, Essen und vieles mehr.

  • Shonen

    少年shōnen

    Für Jungen und junge Teenager; Action, Freundschaft und Reifung, etwa Dragon Ball oder One Piece.

  • Shojo

    少女shōjo

    Für Mädchen; Gefühle, Beziehungen und ausdrucksstarke Zeichnungen, etwa Die Rosen von Versailles.

  • Seinen

    青年seinen

    Für erwachsene Männer; komplexere oder ernstere Themen, etwa Akira.

  • Josei

    女性josei

    Für erwachsene Frauen; Alltag, Beruf und Beziehungen.

  • Kodomo

    子供kodomo

    Für Kinder, etwa Doraemon.

  • Yonkoma

    四コマyonkoma

    Comicstrips aus vier Bildern wie in Zeitungen; Sazae-san ist das klassische Beispiel.

Wie Manga entstehen und erscheinen

Die meisten Manga erscheinen zunächst kapitelweise in Wochen- oder Monatsmagazinen auf billigem Papier; erfolgreiche Serien werden dann in Taschenbuchbänden (Tankōbon) gesammelt. Leserumfragen in den Magazinen entscheiden maßgeblich, welche Serien fortgesetzt werden. Immer häufiger erscheinen Manga zuerst in Smartphone-Apps und auf Webplattformen, und digitale Verkäufe sind ein wichtiger Teil des Marktes geworden.

Ein Manga-Zeichner (Mangaka) schreibt und zeichnet sein Werk meist mit einem Team von Assistenten und in enger Zusammenarbeit mit einem Redakteur des Verlags. Manga sind in der Regel schwarz-weiß, nutzen Rasterfolien für Schattierungen und werden von rechts nach links und von oben nach unten gelesen.

  • Mangaka

    漫画家mangaka

    Manga-Zeichner.

  • Tankobon

    単行本tankōbon

    Sammelband eines fortlaufend veröffentlichten Manga.

  • Dojinshi

    同人誌dōjinshi

    Selbstverlegte Manga, oft Fan-Werke, verkauft auf Veranstaltungen wie der Comiket in Tokio, die seit 1975 stattfindet.

Wo man Manga erlebt

Manga werden in Japan überall verkauft, vom Konbini bis zur mehrstöckigen Buchhandlung, und in Manga-Cafés (Manga kissa) kann man stundenlang lesen. Mehrere Museen widmen sich dem Manga und einzelnen Zeichnern, viele in deren Heimatorten.

  • Kyoto International Manga Museum

    京都国際マンガミュージアムKyōto Kokusai Manga Myūjiamu

    2006 in einer ehemaligen Grundschule eröffnet, mit riesiger Lesesammlung.

  • Osamu-Tezuka-Manga-Museum

    宝塚市立手塚治虫記念館Takarazuka Shiritsu Tezuka Osamu Kinenkan

    In Takarazuka (Präfektur Hyōgo), wo Tezuka aufwuchs; 1994 eröffnet.

  • Fujiko-F.-Fujio-Museum

    藤子・F・不二雄ミュージアムFujiko F Fujio Myūjiamu

    Museum des Doraemon-Schöpfers in Kawasaki, 2011 eröffnet; Eintritt nur mit Vorab-Reservierung.

  • Ishinomori-Manga-Museum

    石ノ森萬画館Ishinomori Mangakan

    Museum für Ishinomori Shōtarō, Schöpfer von Cyborg 009 und Kamen Rider, in Ishinomaki.

  • Mizuki-Shigeru-Straße

    水木しげるロードMizuki Shigeru Rōdo

    Straße in Sakaiminato (Präfektur Tottori) mit Bronzefiguren der Yōkai aus Mizukis GeGeGe no Kitarō.

  • Akihabara

    秋葉原Akihabara

    Tokioter Viertel der Manga-, Anime- und Spieleläden.

Zeitleiste

  1. 12.–13. Jh.

    Die Tier-Bildrollen Chōjū-jinbutsu-giga entstehen.

  2. 1814

    Der erste Band von Hokusai Manga erscheint.

  3. 1862

    Charles Wirgman gründet in Yokohama das Satiremagazin Japan Punch.

  4. 1947

    Tezuka Osamus Die neue Schatzinsel wird zum Bestseller.

  5. 1959

    Die Wochenmagazine Shōnen Magazine und Shōnen Sunday starten.

  6. 1968

    Das Wochenmagazin Shōnen Jump startet.

  7. 1970er

    Die „Gruppe der 24er“ erneuert den Shōjo-Manga.

  8. 1975

    Der erste Comic Market (Comiket) findet in Tokio statt.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Manga und Anime?

Manga sind gedruckte oder digitale Comics, Anime sind Animationsfilme und -serien für Fernsehen, Kino oder Streaming. Viele Anime beruhen auf Manga, manche sind Originalstoffe.

Warum liest man Manga von rechts nach links?

Japanisch wird traditionell in senkrechten Spalten von rechts nach links geschrieben, Bücher öffnen sich daher von der aus westlicher Sicht hinteren Seite. Manga folgen dieser Richtung, auch in vielen Übersetzungen.

Sind Manga nur für Kinder?

Nein. Manga richten sich an alle Altersgruppen, auch an Erwachsene, und behandeln neben Unterhaltung ernste Themen wie Geschichte, Politik, Medizin und Wirtschaft.

Wer ist der „Gott des Manga“?

Tezuka Osamu (1928–1989) wird weithin so genannt, weil er mit Werken wie Astro Boy den modernen Erzähl-Manga und den frühen Fernseh-Anime prägte.

Quellen

  1. 1.京都国際マンガミュージアム (öffnet in neuem Tab) — Kyoto International Manga Museum
  2. 2.宝塚市(手塚治虫記念館) (öffnet in neuem Tab) — Takarazuka City
  3. 3.文化庁 メディア芸術 (öffnet in neuem Tab) — Agency for Cultural Affairs

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