Wirtschaft
Deutschland und Japan
日独関係にちどくかんけいNichi-Doku kankeiZwei Exportnationen, verbunden durch über 160 Jahre Austausch
Deutschland und Japan stehen seit 1861 in vertraglichen Beziehungen und sind heute enge Partner – beide demokratische Industrienationen mit exportorientierter Fertigung. Japan ist nach China Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner im Asien-Pazifik-Raum, Deutschland Japans größter Handelspartner in der EU; in Düsseldorf lebt eine der größten japanischen Wirtschaftsgemeinden Europas.
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan sind älter als beide modernen Staaten. Deutsche Ärzte und Naturforscher im niederländischen Handelsposten Dejima brachten europäische Wissenschaft nach Japan und Japan nach Europa; der 1861 von Preußen unterzeichnete Vertrag eröffnete die offiziellen Beziehungen. In der Meiji-Zeit orientierte sich Japan in Verfassungsrecht, Medizin, Militär und Bildung stark an deutschen Vorbildern.
Nach dem Bündnis im Zweiten Weltkrieg und der Niederlage beider Länder gingen die Bundesrepublik und Japan ähnliche Wege des exportgetriebenen Wiederaufbaus und wurden zu führenden Industriedemokratien. Heute arbeiten sie in der G7 zusammen, teilen Sorgen um wirtschaftliche Sicherheit und Lieferketten und sind durch dichte Netzwerke aus Unternehmen, Kammern, Forschungsinstituten und Städtepartnerschaften verbunden.
Geschichte der Beziehungen
Engelbert Kaempfer, ein Arzt aus Lemgo, der in den 1690er-Jahren auf Dejima diente, verfasste einen der ersten großen europäischen Berichte über Japan. Philipp Franz von Siebold aus Würzburg lehrte in den 1820er-Jahren in Nagasaki westliche Medizin und trug umfangreiche Sammlungen japanischer Pflanzen und Objekte zusammen. Die Eulenburg-Expedition schloss im Januar 1861 den Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Preußen und Japan.
In der Meiji-Zeit studierte Itō Hirobumi in Berlin und Wien Verfassungslehre, und die Meiji-Verfassung von 1889 folgte preußischen Vorbildern; deutsche Berater wie Hermann Roesler prägten das japanische Recht, Erwin Bälz lehrte jahrzehntelang Medizin in Tokio. Im Ersten Weltkrieg eroberte Japan den deutschen Stützpunkt Tsingtau; deutsche Kriegsgefangene im Lager Bandō in der Präfektur Tokushima führten 1918 erstmals in Japan Beethovens Neunte vollständig auf. 1940 verbündeten sich beide Länder im Dreimächtepakt; die Beziehungen zwischen Japan und der Bundesrepublik wurden Anfang der 1950er-Jahre wiederhergestellt.
Niederländischer Handelsposten in Nagasaki, über den deutsche Gelehrte nach Japan kamen.
Epoche der Modernisierung mit starkem deutschem Einfluss auf Recht und Wissenschaft.
Im heutigen Naruto; bekannt für seinen Kulturaustausch und die Neunte von 1918.
Handelsstruktur
Der bilaterale Handel wird von Industriegütern bestimmt. Deutsche Exporte nach Japan bestehen vor allem aus pharmazeutischen Erzeugnissen, Kraftfahrzeugen und Teilen, Maschinen, Chemikalien sowie Medizin- und Messtechnik; Pharmaprodukte haben zuletzt Autos als größte Warengruppe überholt. Bei den Importen aus Japan führen Maschinen, Kraftfahrzeuge und Teile, elektronische Bauteile, optische und medizinische Instrumente sowie Chemikalien.
Beide Länder sind hochspezialisierte Industrienationen, deren Handel stark intraindustriell geprägt ist: Deutsche und japanische Firmen sind in Automobilbau, Werkzeugmaschinen, Chemie und Elektronik zugleich Wettbewerber, Zulieferer und Kunden. Das seit 2019 geltende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen EU und Japan hat die meisten Zölle beseitigt.
Der Freihandelsrahmen für den deutsch-japanischen Handel.
Japans führende Branchen und Unternehmen.
Investitionen und Unternehmen
Hunderte deutsche Unternehmen unterhalten Tochtergesellschaften in Japan, darunter Automobilkonzerne und Zulieferer, Chemie- und Pharmaunternehmen, Maschinenbauer sowie Logistik- und Softwarefirmen; viele konzentrieren sich im Raum Tokio und Yokohama. Japanische Investitionen in Deutschland verteilen sich auf Automobilzulieferung, Elektronik, Maschinenbau, Chemie und Handelshäuser, und mehrere japanische Konzerne haben deutsche Firmen übernommen.
Gemeinschaftsunternehmen und Fusionen verbinden beide Industrien eng; der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, hervorgegangen aus der deutschen Gildemeister und der japanischen Mori Seiki, ist ein prominentes Beispiel.
Düsseldorf und die japanische Gemeinde
Düsseldorf ist seit den 1950er-Jahren das Zentrum der japanischen Wirtschaft in Deutschland; damals ließen sich japanische Handelshäuser und Stahlfirmen in der Nähe des Rhein-Ruhr-Reviers nieder. Die Stadt beherbergt eine der größten japanischen Gemeinden Europas, mit japanischer internationaler Schule, Kindergärten, einer japanischen Industrie- und Handelskammer, Generalkonsulat, japanischen Geschäften und Restaurants rund um die Immermannstraße sowie dem EKŌ-Haus, einem buddhistischen Tempel mit Kulturzentrum.
Der jährliche Japan-Tag am Rheinufer mit einem Feuerwerk japanischer Pyrotechniker zieht sehr viele Besucher an. Auch Hamburg, Frankfurt und München haben bedeutende japanische Wirtschaftsgemeinden.
Institutionen
Ein dichtes Netz von Institutionen trägt den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Austausch. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ, AHK Japan) in Tokio berät deutsche Unternehmen und vertritt ihre Interessen. JETRO, Japans Organisation zur Handels- und Investitionsförderung, unterhält Büros in Deutschland, die deutschen Firmen beim Japangeschäft und japanischen Unternehmen bei Investitionen in Deutschland helfen.
In Wissenschaft und Kultur spielen das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin (JDZB), das Deutsche Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokio, die 1873 in Tokio gegründete Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), das Goethe-Institut in Japan und das Japanische Kulturinstitut Köln der Japan Foundation zentrale Rollen, dazu zahlreiche Deutsch-Japanische Gesellschaften und Städtepartnerschaften.
DIHKJ / AHK Japan
Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan, Tokio.
JETRO Berlin und Düsseldorf
Japanische Handels- und Investitionsförderung; ein weiteres Büro in München.
JDZB
Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin, Stiftung für Austausch in Wissenschaft, Politik und Kultur.
DIJ
Deutsches Institut für Japanstudien in Tokio, ein Institut der Max Weber Stiftung.
OAG
Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, 1873 in Tokio gegründet.
Österreich und die Schweiz
Auch jenseits Deutschlands sind die Verbindungen alt: Die Schweiz schloss 1864 einen Vertrag mit Japan, Österreich-Ungarn 1869. Die Schweiz hat seit 2009 ein bilaterales Freihandels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Japan, Österreich handelt im Rahmen des EU-Abkommens. Beide Länder unterhalten Handelskammern und Außenwirtschaftsbüros in Tokio, und Japan hat mit Deutschland, der Schweiz und Österreich Sozialversicherungsabkommen, die doppelte Beiträge bei Entsendungen vermeiden.
Sozialversicherungsabkommen und Beschäftigung.
Zeitleiste
1690–1692
Engelbert Kaempfer ist Arzt auf Dejima.
1823–1829
Philipp Franz von Siebold lehrt in Nagasaki westliche Medizin.
1861
Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Preußen und Japan.
1889
Die an preußischen Vorbildern orientierte Meiji-Verfassung wird verkündet.
1914
Japan erobert den deutschen Stützpunkt Tsingtau.
1918
Deutsche Kriegsgefangene in Bandō führen Beethovens Neunte auf.
1940
Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan.
1950er
Wiederaufnahme der Beziehungen mit der Bundesrepublik; japanische Firmen siedeln sich in Düsseldorf an.
2019
Das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen EU–Japan tritt in Kraft.
2023
Erste deutsch-japanische Regierungskonsultationen in Tokio.
Häufige Fragen
Wie wichtig ist Japan als Handelspartner für Deutschland?
Japan ist nach China Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner im Asien-Pazifik-Raum; aktuelle Handelszahlen stehen in den Eckdaten oben und werden vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.
Warum ist Düsseldorf das Zentrum der Japaner in Deutschland?
Japanische Handelshäuser und Stahlunternehmen ließen sich in den 1950er-Jahren wegen der Nähe zur Rhein-Ruhr-Industrie dort nieder; Schulen, Geschäfte und Einrichtungen folgten und zogen weitere Firmen an.
Wer unterstützt deutsche Unternehmen im Japangeschäft?
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan), Germany Trade & Invest (GTAI), die JETRO-Büros in Deutschland und das EU-Japan Centre for Industrial Cooperation.
Seit wann bestehen deutsch-japanische Beziehungen?
Preußen und Japan unterzeichneten im Januar 1861 einen Freundschafts- und Handelsvertrag, der den Beginn der offiziellen Beziehungen markiert.
Wo kann man in Deutschland Japanisch lernen oder japanische Kultur erleben?
An Universitäten mit Japanologie, bei Deutsch-Japanischen Gesellschaften, im Japanischen Kulturinstitut Köln, im JDZB in Berlin und in Düsseldorf, etwa beim Japan-Tag oder im EKŌ-Haus.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Rangfolge der Handelspartner im Außenhandel (öffnet in neuem Tab) — Statistisches Bundesamt (Destatis)
- 2.Exporte nach Japan von Januar bis November 2024 um 7,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen (öffnet in neuem Tab) — Statistisches Bundesamt (Destatis)
- 3.Exportrückgänge und steigende Importe: Handelsdefizit mit Asien-Pazifik nimmt zu (öffnet in neuem Tab) — Ostasiatischer Verein (OAV)
- 4.JETRO in Deutschland (öffnet in neuem Tab) — JETRO
- 5.Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) (öffnet in neuem Tab) — DIHKJ
- 6.Japan-Germany Relations (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Foreign Affairs of Japan