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Japan

Künste

Japanischer Film

日本映画にほんえいがNihon eiga

Von der Stimme der Benshi bis zu Ghiblis Zeichentrickwelten

Das japanische Kino ist eine der ältesten und einflussreichsten Filmkulturen der Welt. Sein goldenes Zeitalter in den 1950er-Jahren brachte Kurosawa, Ozu und Mizoguchi hervor; spätere Generationen von Imamura und Kitano bis Kore-eda, Hamaguchi und Studio Ghibli gewannen die großen Festivalpreise und Oscars.

Bewegte Bilder erreichten Japan 1896/97, und nur wenige Jahre später entstanden die ersten japanischen Filme, oft Aufnahmen von Kabuki-Szenen. Den Stummfilm prägten die Benshi, Erzähler, die neben der Leinwand standen, den Figuren ihre Stimme liehen und die Handlung erklärten. Berühmte Benshi zogen so viel Publikum an wie die Filme selbst, und ihre Beliebtheit verzögerte den Tonfilm bis in die 1930er-Jahre. Studios wie Nikkatsu, Shōchiku und später Tōhō organisierten die Produktion mit fest angestellten Regisseuren und Stars.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zensur der Besatzungszeit erlebte der japanische Film in den 1950er-Jahren ein goldenes Zeitalter, mit Hunderten von Filmen pro Jahr und einem Rekord an Kinobesuchen. Das westliche Publikum entdeckte das japanische Kino, als Kurosawa Akiras Rashōmon 1951 in Venedig den Goldenen Löwen gewann. Seither sind japanische Regisseure – im Real- wie im Animationsfilm – feste Größen auf den internationalen Festivals.

Das goldene Zeitalter

Drei Regisseure prägen den klassischen Kanon. Kurosawa Akira verband dynamische Action mit moralischem Drama, etwa in Die sieben Samurai (1954), die Western und Actionkino weltweit beeinflussten. Ozu Yasujirō erzählte leise Familiengeschichten mit tiefer, unbewegter Kamera und kaum Handlung; Die Reise nach Tokyo (1953) steht regelmäßig in Listen der größten Filme aller Zeiten. Mizoguchi Kenji, bekannt für lange Einstellungen und seine Frauenporträts, gewann in Venedig in aufeinanderfolgenden Jahren den Silbernen Löwen – mit Das Leben der Frau Oharu, Erzählungen unter dem Regenmond und Sansho Dayu.

Weitere große Namen jener Zeit sind Naruse Mikio, Kinoshita Keisuke und Kinugasa Teinosuke, dessen Farbfilm Das Höllentor 1954 in Cannes den Hauptpreis gewann. Auch die Genres blühten: Jidaigeki, historische Filme mit Samurai-Helden, Gendaigeki, Gegenwartsdramen, und der Monsterfilm, begründet durch Honda Ishirōs Godzilla von 1954, ein Werk unter dem Eindruck von Hiroshima und Nagasaki.

  • Kurosawa Akira

    黒澤明Kurosawa Akira

    Rashōmon (1950), Einmal wirklich leben (1952), Die sieben Samurai (1954), Yojimbo (1961), Ran (1985).

  • Ozu Yasujiro

    小津安二郎Ozu Yasujirō

    Später Frühling (1949), Die Reise nach Tokyo (1953), Ein Herbstnachmittag (1962).

  • Mizoguchi Kenji

    溝口健二Mizoguchi Kenji

    Das Leben der Frau Oharu (1952), Erzählungen unter dem Regenmond (1953), Sansho Dayu (1954).

  • Naruse Mikio

    成瀬巳喜男Naruse Mikio

    Zurückhaltende Dramen über das Leben von Frauen, etwa Ukigumo (1955).

  • Godzilla

    ゴジラGojira

    Tōhōs Monsterfilm von 1954 unter der Regie von Honda Ishirō, Ursprung des Kaijū-Genres und einer langen Filmreihe.

Neue Welle und danach

Ab etwa 1960 forderte eine japanische Neue Welle das Studiosystem mit politisch und sexuell provokanten Filmen heraus, darunter Ōshima Nagisa, Imamura Shōhei, Shinoda Masahiro und Yoshida Yoshishige. Imamura gewann später zweimal die Goldene Palme, für Die Ballade von Narayama (1983) und Der Aal (1997). Mit dem Siegeszug des Fernsehens sank die Zuschauerzahl, und die Studios setzten auf Genre-Reihen: Tōeis Yakuza-Filme, die Komödienserie Otoko wa Tsurai yo und das erotische „Roman Porno“ bei Nikkatsu, wo viele spätere Regisseure ihr Handwerk lernten.

In den 1990er-Jahren fanden Kitano Takeshi (Hana-Bi, Goldener Löwe 1997) und eine Welle von Horrorregisseuren, angeführt von Nakata Hideos Ringu (1998), ein internationales Publikum; Ringu löste einen Boom japanischer Horrorfilme aus, die Hollywood neu verfilmte. Takita Yōjirōs Nokan – Die Kunst des Ausklangs (Departures) gewann 2009 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Studio Ghibli und der Animationsfilm

Animierte Spielfilme sind eine tragende Säule des japanischen Kinos und gehören zu den erfolgreichsten Filmen an der heimischen Kinokasse. Studio Ghibli, 1985 von Miyazaki Hayao und Takahata Isao mit dem Produzenten Suzuki Toshio gegründet, schuf Werke wie Mein Nachbar Totoro (1988), Prinzessin Mononoke (1997) und Chihiros Reise ins Zauberland (2001), das den Goldenen Bären der Berlinale und den Oscar für den besten Animationsfilm gewann. Einen zweiten Oscar erhielt Miyazaki 2024 für Der Junge und der Reiher.

Andere Regisseure wie Ōtomo Katsuhiro (Akira, 1988), Oshii Mamoru (Ghost in the Shell, 1995), Kon Satoshi und Hosoda Mamoru erweiterten die Kunstform; Shinkai Makotos Your Name (2016) wurde ein weltweiter Erfolg. Ghiblis Welt lässt sich im Ghibli-Museum in Mitaka (Tokio) und im Ghibli Park in der Präfektur Aichi erleben.

  • Miyazaki Hayao

    宮崎駿Miyazaki Hayao

    Nausicaä (1984), Mein Nachbar Totoro (1988), Prinzessin Mononoke (1997), Chihiros Reise ins Zauberland (2001).

  • Takahata Isao

    高畑勲Takahata Isao

    Die letzten Glühwürmchen (1988), Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013).

  • Ghibli Park

    ジブリパークJiburi Pāku

    2022 im Gedenkpark der Expo 2005 in Aichi eröffnet.

  • Shinkai Makoto

    新海誠Shinkai Makoto

    Your Name (2016), Weathering with You (2019), Suzume (2022).

Kino der Gegenwart

Kore-eda Hirokazu ist zur wichtigsten humanistischen Stimme der letzten Jahrzehnte geworden und erkundet Familien, in die man hineingeboren wird oder die man sich wählt; Shoplifters gewann 2018 die Goldene Palme. Hamaguchi Ryūsukes Drive My Car nach einer Erzählung von Murakami Haruki erhielt 2022 den Oscar als bester internationaler Film; Hamaguchi war zuvor bereits auf der Berlinale mit dem Großen Preis der Jury für Das Glücksrad ausgezeichnet worden. Auch Kawase Naomi, Kurosawa Kiyoshi und Miike Takashi sind regelmäßig auf europäischen Festivals vertreten. Yamazaki Takashis Godzilla Minus One gewann 2024 den Oscar für visuelle Effekte.

Der heimische Markt ist groß und wird von japanischen Produktionen dominiert, viele davon Adaptionen von Manga, Anime oder Romanen, die von den großen Studios Tōhō, Shōchiku, Tōei und Kadokawa herausgebracht werden. Das Tokyo International Film Festival findet jeden Herbst statt; im deutschsprachigen Raum ist das Nippon Connection in Frankfurt am Main das größte Festival für japanisches Kino.

  • Kore-eda Hirokazu

    是枝裕和Koreeda Hirokazu

    Nobody Knows (2004), Like Father, Like Son (2013), Shoplifters (2018).

  • Hamaguchi Ryusuke

    濱口竜介Hamaguchi Ryūsuke

    Das Glücksrad (2021), Drive My Car (2021), Evil Does Not Exist (2023).

  • Kitano Takeshi

    北野武Kitano Takeshi

    Komiker und Regisseur; Hana-Bi gewann 1997 den Goldenen Löwen in Venedig.

Zeitleiste

  1. 1896/97

    Kinetoskop und Cinématographe erreichen Japan.

  2. 1912

    Gründung des Studios Nikkatsu.

  3. 1951

    Rashōmon gewinnt den Goldenen Löwen in Venedig.

  4. 1954

    Die sieben Samurai und Godzilla kommen ins Kino; Das Höllentor gewinnt in Cannes.

  5. 1985

    Gründung von Studio Ghibli.

  6. 2002

    Chihiros Reise ins Zauberland gewinnt den Goldenen Bären der Berlinale.

  7. 2018

    Kore-edas Shoplifters gewinnt die Goldene Palme; das National Film Archive of Japan wird eigenständige nationale Einrichtung.

  8. 2024

    Der Junge und der Reiher und Godzilla Minus One gewinnen Oscars.

Häufige Fragen

Mit welchen japanischen Filmen fängt man am besten an?

Ein klassischer Einstieg sind Rashōmon oder Die sieben Samurai von Kurosawa, Die Reise nach Tokyo von Ozu, Chihiros Reise ins Zauberland von Miyazaki und Shoplifters von Kore-eda.

Was war ein Benshi?

Ein Live-Erzähler im Stummfilmkino, der neben der Leinwand stand, den Figuren seine Stimme lieh und die Handlung kommentierte. Berühmte Benshi waren eine eigene Attraktion.

Welche japanischen Filme gewannen auf der Berlinale?

Chihiros Reise ins Zauberland erhielt 2002 den Goldenen Bären (gemeinsam mit Bloody Sunday). Hamaguchi Ryūsukes Das Glücksrad gewann 2021 den Großen Preis der Jury.

Wo kann man in Deutschland japanisches Kino sehen?

Neben Kinostarts und Streaming ist das jährliche Festival Nippon Connection in Frankfurt am Main die wichtigste Adresse; auch das Japanische Kulturinstitut in Köln zeigt regelmäßig Filme.

Wo erlebt man in Japan Filmgeschichte?

Das National Film Archive of Japan in Kyōbashi (Tokio) zeigt Filme und Ausstellungen. Ghibli-Fans besuchen das Ghibli-Museum in Mitaka und den Ghibli Park in Aichi.

Quellen

  1. 1.国立映画アーカイブ (öffnet in neuem Tab) — National Film Archive of Japan
  2. 2.スタジオジブリ (öffnet in neuem Tab) — Studio Ghibli
  3. 3.Festival de Cannes (öffnet in neuem Tab) — Festival de Cannes
  4. 4.Tokyo International Film Festival (öffnet in neuem Tab) — TIFF
  5. 5.The Japan Foundation (öffnet in neuem Tab) — The Japan Foundation

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