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Japan

Chūbu · Präfektur · JP-23

Aichi

愛知県あいちけんAichi-ken

Owari und Mikawa: Heimat der Reichseiniger und Herz der japanischen Industrie

Aichi ist die bevölkerungsreichste Präfektur der Region Chūbu und Japans wichtigster Industriestandort, am Pazifik zwischen Shizuoka und Mie gelegen. Die Hauptstadt Nagoya ist die viertgrößte Stadt Japans, und die aus den Provinzen Owari und Mikawa hervorgegangene Präfektur war die Heimat der drei Reichseiniger Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu.

Überblick

Aichi liegt auf halbem Weg zwischen Tokio und Osaka an der Pazifikseite Honshus. Die westliche Hälfte, die alte Provinz Owari, nimmt den Ostteil der Nōbi-Ebene um Nagoya und die Ise-Bucht ein; die östliche, Mikawa, reicht von der Okazaki-Ebene und den Halbinseln Chita und Atsumi bis zum Mikawa-Hochland an der Grenze zu Nagano. Die Präfektur ist dicht besiedelt und nach Tokio, Kanagawa und Osaka die viertbevölkerungsreichste Japans.

Beim Wert der Industrieproduktion liegt Aichi seit Langem landesweit an der Spitze. Hier wuchs der Toyota-Konzern vom Webstuhlhersteller zu einem der größten Autobauer der Welt, und die Industrie reicht von der Luftfahrt über Werkzeugmaschinen bis zu Keramik und Textilien. Der Hafen Nagoya gehört zu den größten Japans, der Flughafen Chūbu Centrair bedient die Region.

Historisch kann Aichi mehr Einfluss auf die Geschichte Japans beanspruchen als fast jede andere Präfektur: Nobunaga und Hideyoshi stammten aus Owari, Ieyasu aus Mikawa, und viele Fürstenfamilien der Edo-Zeit hatten hier ihre Wurzeln. Die Burg Nagoya, der Atsuta-Schrein, die Töpferstädte Seto und Tokoname und eine eigenwillige Küche sind die bekanntesten Anziehungspunkte.

Name und Herkunft

Der Name geht auf den Landkreis Aichi in Owari zurück, in alter Zeit Ayuchi geschrieben, ein Gebiet um das heutige Nagoya und Atsuta, dessen Name sich vermutlich auf die Watten bezieht. 1872 wurde die aus dem Owari-Lehen gebildete Präfektur Nagoya in Aichi umbenannt und mit der Präfektur Nukata vereinigt, die Mikawa umfasste – so entstand die heutige Präfektur.

Städte

Geografie

Die Owari-Hälfte ist fast vollständig Tiefland, der östliche Teil der Nōbi-Ebene, entwässert von Kiso und Shōnai; ihre Südwestecke um Yatomi und Tobishima liegt unter dem Meeresspiegel. Die Chita-Halbinsel erstreckt sich südwärts zwischen Ise- und Mikawa-Bucht, und die lange Atsumi-Halbinsel schließt die Mikawa-Bucht zum Pazifik hin ab und endet am Kap Irago.

Mikawa steigt von den Ebenen um Okazaki und Toyohashi, bewässert von Yahagi und Toyo, zum bewaldeten Mikawa-Hochland an, wo nahe der Grenze zu Nagano mit dem Chausu-yama (1.415 m) der höchste Gipfel der Präfektur steht. Mikawa-Bucht und Atsumi-Küste bilden einen Quasi-Nationalpark mit Stränden und kleinen Inseln wie Himakajima und Shinojima.

Klima

Aichi hat Pazifikklima mit heißen, schwülen Sommern und milden, trockenen Wintern. Nagoyas Sommer gehören zu den drückendsten unter Japans Großstädten, während im Winter der kalte Ibuki-oroshi-Wind aus den Bergen im Nordwesten weht und gelegentlich Schnee in die Ebene bringt. Die Atsumi-Halbinsel ist mild genug für ganzjährigen Blumenanbau, das Mikawa-Hochland im Sommer kühl.

Landschaft

  • Nōbi-Ebene

    濃尾平野Nōbi heiya

    Die große, mit Gifu geteilte Ebene, in der Nagoya und die Städte Owaris liegen.

  • Kiso

    木曽川Kiso-gawa

    Fluss, der weitgehend die Grenze zu Gifu bildet und an der Burg Inuyama vorbeifließt.

  • Chita-Halbinsel

    知多半島Chita hantō

    Halbinsel der Tokoname-Keramik, der Essig- und Sakebrauereien, mit dem Flughafen Centrair vor der Küste.

  • Atsumi-Halbinsel und Kap Irago

    渥美半島・伊良湖岬Atsumi hantō, Irago-misaki

    Lange Halbinsel mit Gewächshäusern und Blumenfeldern, die an einem Kap gegenüber der Ise-Shima-Küste endet.

  • Mikawa-Bucht

    三河湾Mikawa-wan

    Flache Bucht mit Watten, Fischerinseln und Thermalorten am Meer.

  • Mikawa-Hochland

    三河高原Mikawa kōgen

    Bewaldetes Bergland mit der Kōrankei-Schlucht und den höchsten Gipfeln der Präfektur.

Geschichte

Der Atsuta-Schrein, der das heilige Schwert Kusanagi – eine der drei Reichsinsignien – verwahrt, machte Owari seit alters religiös bedeutsam. Im 16. Jahrhundert brachte die Region die Reichseiniger hervor: Oda Nobunaga besiegte 1560 bei Okehazama Imagawa Yoshimoto, Toyotomi Hideyoshi stieg vom Bauernsohn aus Nakamura auf, und der auf der Burg Okazaki geborene Tokugawa Ieyasu begründete nach Sekigahara das Shogunat. Ihr Sieg bei Nagashino 1575 ist für den massierten Einsatz von Feuerwaffen berühmt.

1610 ließ Ieyasu die Burg Nagoya bauen und die gesamte Stadt Kiyosu an den neuen Ort umsiedeln. Nagoya wurde Sitz der Owari-Tokugawa, einer der drei vornehmsten Nebenlinien des Shogunshauses. In der Meiji-Zeit wurde Owari ein Zentrum der Textilherstellung, im 20. Jahrhundert des Maschinen-, Flugzeug- und Autobaus.

Im Zweiten Weltkrieg litt Aichi schwer unter Luftangriffen auf seine Flugzeugwerke, und 1959 tötete der Isewan-Taifun rund um die Ise-Bucht mehr als 5.000 Menschen. Die Weltausstellung 2005 in Nagakute und Seto und die Eröffnung von Centrair unterstrichen das internationale Profil der Region.

  1. 1560

    Oda Nobunaga besiegt Imagawa Yoshimoto in der Schlacht von Okehazama.

  2. 1575

    Oda- und Tokugawa-Truppen schlagen die Takeda bei Nagashino.

  3. 1610

    Baubeginn der Burg Nagoya; die Stadt Kiyosu zieht nach Nagoya um.

  4. 1872

    Die Präfektur Aichi entsteht aus Owari und Mikawa.

  5. 1937

    Gründung der Toyota Motor Corporation.

  6. 1945

    Luftangriffe zerstören große Teile Nagoyas, darunter den Burgturm.

  7. 1959

    Der Isewan-Taifun verwüstet die Küste der Ise-Bucht.

  8. 1964

    Eröffnung des Tōkaidō-Shinkansen mit Halt in Nagoya.

  9. 2005

    Weltausstellung Expo 2005 Aichi; Eröffnung des Flughafens Chūbu Centrair.

  10. 2016

    Fünf Festwagenfeste Aichis werden als Teil der Yama-, Hoko- und Yatai-Feste immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Kultur

Aichis Kultur spiegelt das Samurai-Erbe von Owari und Mikawa sowie die Sparsamkeit und Nüchternheit, die man seinen Kaufleuten und Fabrikanten nachsagt. Karakuri, mechanische Puppen auf Festwagen, sind eine regionale Spezialität und Vorläufer der Ingenieurstradition. Keine Präfektur hat mehr von der UNESCO anerkannte Festwagenfeste.

Nagoyas Alltagskultur ist bekannt für ihre Großzügigkeit – etwa den „Morning“-Service, bei dem Cafés zum Morgenkaffee Toast und Ei reichen –, für aufwendige Hochzeiten und ihren Dialekt. In Seto und Tokoname wird seit tausend Jahren getöpfert; das Wort „setomono“ steht in ganz Japan bis heute für Keramik.

Feste

  • Owari-Tsushima-Tennō-Fest

    尾張津島天王祭Owari Tsushima Tennō Matsuri

    Am vierten Juli-Wochenende (Samstag und Sonntag) mit Booten, die Hunderte Laternen tragen, auf dem Fluss in Tsushima.

  • Inuyama-Fest

    犬山祭Inuyama Matsuri

    Am ersten April-Wochenende ziehen dreizehn dreistöckige Festwagen mit Karakuri-Puppen unterhalb der Burg.

  • Nacktfest von Kōnomiya

    国府宮はだか祭Kōnomiya Hadaka Matsuri

    Spätwinterfest in Inazawa am 13. Tag des ersten Mondmonats, bei dem Tausende Männer im Lendenschurz den auserwählten „Gottesmann“ zu berühren suchen.

  • Gion-Fest in Toyohashi

    豊橋祇園祭Toyohashi Gion Matsuri

    Juli-Fest, berühmt für Tezutsu Hanabi – Rohrfeuerwerk, das die Teilnehmer in den Händen halten.

  • Nagoya Matsuri

    名古屋まつりNagoya Matsuri

    Fest im Oktober mit einem Umzug der drei Reichseiniger und ihres Gefolges.

Traditionelles Handwerk

  • Seto-Keramik

    瀬戸焼Seto-yaki

    Glasierte Keramik und Porzellan aus Seto, einem der sechs alten Brennöfen Japans.

  • Tokoname-Keramik

    常滑焼Tokoname-yaki

    Unglasiertes rotes Steinzeug von der Chita-Halbinsel, berühmt für Teekannen.

  • Arimatsu-Narumi-Shibori

    有松・鳴海絞Arimatsu-Narumi shibori

    Abgebundene Baumwolle aus dem Tōkaidō-Dorf Arimatsu in Nagoya.

  • Owari-Cloisonné

    尾張七宝Owari shippō

    Emailarbeiten aus Ama, im 19. Jahrhundert entwickelt.

  • Steinmetzarbeiten aus Okazaki

    岡崎石工品Okazaki sekkōhin

    Granitlaternen und Skulpturen aus Okazaki.

  • Mikawa-Hausaltäre

    三河仏壇Mikawa butsudan

    Vergoldete, lackierte Hausaltäre aus Okazaki und Toyohashi.

Traditionen

  • Karakuri-Puppen

    からくり人形karakuri ningyō

    Mechanische Figuren, mit Schnüren und Federn auf Festwagen bewegt.

  • Morning-Service

    モーニングmōningu

    Café-Brauch, zum Morgenkaffee Toast, Ei und Salat zu servieren.

  • Nagoya-Dialekt

    名古屋弁Nagoya-ben

    Mundart mit Endungen wie „-dagaya“ und „-miyaa“.

  • Sumo-Turnier in Nagoya

    名古屋場所Nagoya basho

    Eines der sechs jährlichen Profi-Sumoturniere, im Juli.

Küche

„Nagoya meshi“, die Küche Nagoyas, gehört zu den eigenwilligsten Regionalküchen Japans. Ihr Markenzeichen ist das dunkle, kräftige Hatchō-Miso aus Okazaki, allein aus Sojabohnen hergestellt und jahrelang gereift, das Miso-Katsu und Miso-Nikomi-Udon würzt. Aal aus Mikawa, Hähnchenflügel, flache Kishimen-Nudeln und Toast mit süßer Bohnenpaste runden das Repertoire ab. Chita und Handa sind für Essig, Sake und Sojasauce bekannt, Nishio für Matcha.

  • Hitsumabushi

    ひつまぶしhitsumabushi

    Gehackter gegrillter Aal auf Reis, erst pur, dann mit Würzzutaten und schließlich mit Brühe gegessen.

  • Miso-Katsu

    味噌カツmiso-katsu

    Schweineschnitzel mit süßer Sauce aus Hatchō-Miso.

  • Miso-Nikomi-Udon

    味噌煮込みうどんmiso-nikomi udon

    Feste Udon, im Tontopf in Misobrühe gegart.

  • Tebasaki

    手羽先tebasaki

    Knusprig frittierte Hähnchenflügel mit süß-pfeffriger Glasur.

  • Kishimen

    きしめんkishimen

    Flache Weizennudeln in leichter Brühe mit Bonitoflocken.

  • Tenmusu

    天むすtenmusu

    Kleine Reisbällchen mit Garnelentempura im Inneren.

  • Ogura-Toast

    小倉トーストogura tōsuto

    Gebutterter Toast mit süßer roter Bohnenpaste.

  • Hatchō-Miso

    八丁味噌Hatchō miso

    Reines Sojabohnen-Miso, in Okazaki unter Steinen in Zedernfässern gereift.

Heiße Quellen

  • Nishiura

    西浦温泉Nishiura onsen

    Thermalort am Meer auf einer kleinen Halbinsel in der Mikawa-Bucht bei Gamagōri.

  • Yuya

    湯谷温泉Yuya onsen

    Quelle am Fluss im Mikawa-Hochland bei Shinshiro, der Überlieferung nach von einem Bergasketen entdeckt.

  • Sanage

    猿投温泉Sanage onsen

    Thermalquelle am Fuß des Sanage in Toyota.

Wirtschaft

Beim Wert der Industrieproduktion steht Aichi seit Jahrzehnten an der Spitze der Präfekturen. Kern ist die Autoindustrie um Toyota und seine Zulieferer im westlichen Mikawa, dazu Luftfahrt in Nagoya und Komaki, Werkzeugmaschinen, Hochleistungskeramik, Stahl und Textilien im Gebiet Bisai. Über den Hafen Nagoya werden große Mengen Fahrzeuge exportiert.

Auch die Landwirtschaft ist stark: Die Atsumi-Halbinsel ist führend beim Anbau von Chrysanthemen unter Kunstlicht, Kohl und Blumen, und Aichi ist für die Aalzucht in Isshiki und den Matcha aus Nishio bekannt.

Wichtige Branchen

  • Automobile und Autoteile
  • Luft- und Raumfahrt
  • Werkzeug- und Industriemaschinen
  • Keramik und Hochleistungskeramik
  • Stahl und Chemie
  • Textilien (Bisai)
  • Gartenbau und Gemüse (Atsumi)
  • Logistik und Hafen Nagoya

Bekannte Persönlichkeiten

  • Oda Nobunaga (1534–1582)

    織田信長

    Kriegsherr, der die Einigung Japans einleitete, geboren in Owari.

  • Toyotomi Hideyoshi (1537–1598)

    豊臣秀吉

    Reichseiniger, geboren in Nakamura im heutigen Nagoya.

  • Tokugawa Ieyasu (1543–1616)

    徳川家康

    Begründer des Tokugawa-Shogunats, geboren auf der Burg Okazaki.

  • Katō Kiyomasa (1562–1611)

    加藤清正

    Feldherr und Burgenbauer, geboren in Nakamura.

  • Suzuki Ichirō (geb. 1973)

    鈴木一朗

    Baseballspieler, bekannt als Ichiro, aufgewachsen in Toyoyama.

  • Asada Mao (geb. 1990)

    浅田真央

    Eiskunstläuferin und Weltmeisterin aus Nagoya.

Anreise

  • Der Tōkaidō-Shinkansen verbindet Nagoya in etwa einer Stunde und vierzig Minuten mit Tokio und in unter einer Stunde mit Kyoto und Osaka; auch Toyohashi und Mikawa-Anjō haben Bahnhöfe.
  • Der Flughafen Chūbu Centrair auf einer künstlichen Insel vor Tokoname bietet Inlands- und Auslandsflüge und ist mit dem Meitetsu-Express etwa 30 Minuten von Nagoya entfernt.
  • Kintetsu-Züge fahren von Nagoya nach Osaka, Ise und Toba; JR-Limited-Express-Züge nach Takayama, Matsumoto und Nagano.
  • Tōmei-, Shin-Tōmei-, Meishin- und Isewangan-Autobahn treffen sich um Nagoya; eine Autofähre verbindet Kap Irago mit Toba in Mie.

Nachbarpräfekturen

Historische Provinzen

  • 尾張国Owari no kuni
  • 三河国Mikawa no kuni

Präfektursymbole

Blume
カキツバタkakitsubata
Baum
ハナノキhananoki
Vogel
コノハズクkonohazuku

Häufige Fragen

Wofür ist die Präfektur Aichi bekannt?

Für Nagoya und seine Burg, die Autoindustrie um Toyota, die drei Reichseiniger Japans, die Nagoya-Küche mit Miso-Katsu und Hitsumabushi sowie die Töpferstädte Seto und Tokoname.

Kann man Toyota-Werke besichtigen?

Toyota veranstaltet in der Stadt Toyota seit Langem Werksführungen nach Voranmeldung (Einzelheiten auf der Website des Unternehmens); die Geschichte des Unternehmens zeigen das Toyota-Industrie- und Technikmuseum in Nagoya und das Toyota-Automobilmuseum in Nagakute.

Was ist „Nagoya meshi“?

Die Regionalküche Nagoyas mit Hatchō-Miso, Aal als Hitsumabushi, Hähnchenflügeln, Kishimen-Nudeln und Toast mit süßer Bohnenpaste.

Wo wurden die drei Reichseiniger geboren?

Oda Nobunaga in Owari (im Raum Nagoya), Toyotomi Hideyoshi in Nakamura im heutigen Nagoya und Tokugawa Ieyasu auf der Burg Okazaki in Mikawa.

Eignet sich Nagoya als Ausgangspunkt für Zentraljapan?

Ja. Nagoya liegt am Tōkaidō-Shinkansen und hat direkte Zugverbindungen nach Takayama, ins Kiso-Tal, nach Matsumoto, Ise und Kyoto.

Quellen

  1. 1.令和2年国勢調査 (öffnet in neuem Tab) — Statistics Bureau of Japan
  2. 2.全国都道府県市区町村別面積調 (öffnet in neuem Tab) — Geospatial Information Authority of Japan
  3. 3.愛知県ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 愛知県
  4. 4.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — Japan National Tourism Organization

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