Künste
Popkultur und Kawaii
かわいいかわいいkawaiiNiedliche Figuren, Straßenmode und Fankultur
Kawaii, die japanische Ästhetik des Niedlichen, durchzieht Figuren, Mode, Werbung und öffentliches Leben – von Hello Kitty bis zu den Maskottchen von Präfekturen und Polizei. Zusammen mit Manga, Anime, Spielen, Idols, Cosplay und den Vierteln Harajuku und Akihabara bildet es eine Popkultur mit weltweiter Fangemeinde.
Das Wort Kawaii beschreibt etwas Niedliches, Kleines, Unschuldiges oder Liebenswertes, das den Wunsch weckt, es zu beschützen. Als Ästhetik verbreitete es sich in den 1970er-Jahren unter Jugendlichen – sichtbar in der runden „Niedlichschrift“ von Schülerinnen, in Schreibwaren und Charakterartikeln. Sanrios Hello Kitty (1974) wurde zum weltweiten Symbol dieser Kultur. Kawaii ist nicht auf Kinder beschränkt: Erwachsene tragen Anhänger mit Figuren, Banken und Rathäuser werben mit niedlichen Maskottchen, und Warnschilder an Baustellen zeigen oft sich verbeugende Comicarbeiter.
Ab den 1990er-Jahren fand die japanische Popkultur ein großes internationales Publikum. Der amerikanische Journalist Douglas McGray beschrieb 2002 Japans „Gross National Cool“, und die Regierung machte „Cool Japan“ später zum Etikett für die Förderung der Kreativwirtschaft im Ausland. Für viele Reisende sind Manga, Anime, Spiele, Mode und Fankultur ein Hauptgrund für eine Japanreise.
Kawaii und Figurenkultur
Japan hat eine außergewöhnlich reiche Figurenkultur (Kyara). Figuren aus Manga, Anime, Spielen und Unternehmen erscheinen auf allem, von Snacks bis zu Kreditkarten; Hello Kitty, Doraemon, Pikachu, Anpanman und Rilakkuma kennen alle Generationen. Kapselautomaten (Gachapon), Greifautomaten und Themencafés erweitern den Markt.
Kommunen und Organisationen setzen Maskottchen ein, die Yuru-kyara, „lockere Figuren“, oft bewusst ungelenk. Hikonyan, 2007 zum 400-jährigen Jubiläum der Burg Hikone geschaffen, löste einen Boom aus, und Kumamon, der schwarze Bär der Präfektur Kumamoto aus dem Jahr 2010, wurde zu einer der bekanntesten Figuren Japans. Jährliche Maskottchen-Wettbewerbe und -Messen ziehen große Menschenmengen an.
Hello Kitty
ハローキティHarō KitiSanrios Figur seit 1974, weltweite Ikone des Kawaii.
Yuru-kyara
ゆるキャラyuru-kyaraMaskottchen von Städten, Präfekturen, Unternehmen und Veranstaltungen.
- ひこにゃんHikonyan
Katze mit Samuraihelm aus Hikone, 2007 zum 400-jährigen Burgjubiläum geschaffen.
- くまモンKumamon
Bärenmaskottchen der Präfektur Kumamoto, 2010 geschaffen.
Gachapon
ガチャポンgachaponKapselspielzeug-Automaten, teils in eigenen Läden mit Hunderten Geräten.
Harajuku und Straßenmode
Harajuku zwischen dem Bahnhof Harajuku und der Omotesandō im Bezirk Shibuya ist seit den 1970er- und 1980er-Jahren das Zentrum der Jugendmode, als sich Tänzer und Bands auf den autofreien Straßen am Yoyogi-Park trafen. Die schmale Einkaufsstraße Takeshita-dōri ist gesäumt von Läden für Kleidung, Accessoires und bunte Crêpes. Ab den 1990er-Jahren dokumentierten Street-Snap-Magazine wie FRUiTS Harajuku-Stile wie Decora, Gothic- und Lolita-Mode und bunte Lagenlooks, die sich ins Ausland verbreiteten.
Die Sängerin Kyary Pamyu Pamyu, die 2011 debütierte, wurde zum internationalen Gesicht des Harajuku-Kawaii. Neben den jugendlichen Seitenstraßen ist der Boulevard Omotesandō ein Schaufenster für Flagship-Stores von Luxusmarken, entworfen von bekannten Architekten.
- 竹下通りTakeshita-dōri
Belebte Einkaufsgasse in Harajuku für Jugendmode und Süßes.
Lolita-Mode
ロリータ・ファッションrorīta fasshonPuppenhafter Stil nach viktorianischen und Rokoko-Vorbildern, ohne Bezug zu Nabokovs Roman.
Decora
デコラdekoraStil aus bunten Kleidungsschichten, übersät mit Haarspangen und Accessoires.
Purikura
プリクラpurikuraFotosticker-Automaten mit Verschönerungsfiltern, seit 1995.
Akihabara und Otaku-Kultur
Akihabara im Bezirk Chiyoda entwickelte sich von einem Schwarzmarkt für Radioteile der Nachkriegszeit zu Tokios „Electric Town“ und ab den 1990er-Jahren zum Zentrum der Otaku-Kultur, der Welt leidenschaftlicher Fans von Manga, Anime, Spielen und Figuren. Mehrstöckige Läden verkaufen Manga, Figuren, Sammelkarten und Retrospiele, und Maid-Cafés, in denen kostümierte Kellnerinnen die Gäste als ihre Herrschaft begrüßen, wurden in den 2000er-Jahren zum Symbol des Viertels.
Weitere Fan-Viertel sind Nakano Broadway, ein Einkaufskomplex voller Sammlerläden, die Otome Road in Ikebukuro mit Artikeln für weibliche Fans und Den Den Town im Osakaer Viertel Nipponbashi. Das Wort Otaku, einst abwertend, wird heute vielfach mit Stolz verwendet.
- 秋葉原Akihabara
Elektronik- und Otaku-Viertel im Tokioter Bezirk Chiyoda.
Otaku
オタクotakuLeidenschaftliche Fans eines Hobbys, besonders von Manga, Anime und Spielen.
Maid-Café
メイドカフェmeido kafeThemencafés mit Personal in Dienstmädchenkostümen, typisch für Akihabara.
Cosplay und Fan-Veranstaltungen
Cosplay, eine japanische Verkürzung von „costume play“, geht meist auf den Redakteur Takahashi Nobuyuki Anfang der 1980er-Jahre zurück. Fans verkleiden sich als Figuren aus Manga, Anime und Spielen und treffen sich bei Veranstaltungen und Conventions. Die größte ist der Comic Market (Comiket), seit 1975 zweimal jährlich in Tokio, wo Amateurkünstler selbstverlegte Werke (Dōjinshi) an Hunderttausende Besucher verkaufen. Der World Cosplay Summit findet seit 2003 in Nagoya statt, mit Teams aus vielen Ländern, die sich über nationale Vorentscheide qualifizieren.
Die Fankultur ist gut organisiert und folgt klaren Regeln: Fotografen fragen um Erlaubnis, Kostüme werden vor Ort angelegt, und außerhalb ausgewiesener Veranstaltungen wird Cosplay in der Öffentlichkeit meist vermieden.
Cosplay
コスプレkosupureVerkleidung als fiktive Figur; der Begriff entstand Anfang der 1980er-Jahre in Japan.
- コミックマーケットKomikku Māketto
Messe für selbstverlegte Comics in Tokio, seit 1975 im Sommer und Winter.
Dojinshi
同人誌dōjinshiSelbstverlegte Werke von Fans und Amateurkünstlern.
- 世界コスプレサミットSekai Kosupure Samitto
Internationale Cosplay-Veranstaltung in Nagoya, seit 2003.
Idols
Idols (Aidoru) sind junge Sängerinnen und Sänger, die weniger über musikalisches Können als über Image, Persönlichkeit und Nähe zu den Fans vermarktet werden. In den 1970er- und 1980er-Jahren dominierten Solo-Idols; in den 2000er-Jahren kamen große Gruppen wie AKB48 hinzu, 2005 gegründet, mit eigenem Theater in Akihabara, wo Fans die Mitglieder bei Händeschüttel-Events treffen und in Beliebtheitsabstimmungen wählen können. Männliche Idol-Gruppen haben eine ebenso treue Anhängerschaft.
Das Idol-System steht wegen strenger Verträge, Beziehungsverboten und des Drucks auf junge Darsteller in der Kritik; Skandale bei großen Agenturen haben eine öffentliche Debatte über die Branche ausgelöst.
- AKB48Ē Kē Bī Fōtī Eito
Große Idol-Gruppe, 2005 gegründet und nach Akihabara benannt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Kawaii?
Kawaii bedeutet niedlich, liebenswert oder reizend. In Japan ist es zugleich eine Ästhetik, die Figuren, Mode, Design und öffentliche Kommunikation prägt.
Wo erlebt man in Tokio japanische Popkultur am besten?
In Akihabara für Anime, Spiele und Figuren, in Harajuku für Straßenmode und Kawaii-Läden, im Nakano Broadway für Sammlerstücke und an der Otome Road in Ikebukuro für Artikel für weibliche Fans.
Darf man in Japan im Kostüm durch die Stadt laufen?
Cosplay wird in der Regel nur bei Veranstaltungen und in ausgewiesenen Bereichen mit Umkleiden getragen. Im vollen Kostüm durch die Straßen zu gehen, ist unüblich und kann stören.
Was ist ein Yuru-kyara?
Ein Maskottchen einer Stadt, Präfektur, Firma oder Veranstaltung, oft bewusst schlicht und tollpatschig. Kumamon aus Kumamoto und Hikonyan aus Hikone gehören zu den bekanntesten.
Was ist die Comiket?
Der Comic Market findet seit 1975 jeden Sommer und Winter in Tokio statt und ist die weltweit größte Messe für selbstverlegte Comics und Fanwerke.
Weiterlesen
Quellen
- 1.Japan National Tourism Organization (öffnet in neuem Tab) — JNTO
- 2.サンリオ (öffnet in neuem Tab) — Sanrio
- 3.コミックマーケット (öffnet in neuem Tab) — Comic Market Preparatory Committee
- 4.The Japan Foundation (öffnet in neuem Tab) — The Japan Foundation