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Japan

Essen & Trinken

Dashi und Umami

出汁だしdashi

Seetang, getrockneter Fisch und der fünfte Geschmack

Dashi ist die leichte Brühe, meist aus Kombu-Seetang und getrockneten Bonitoflocken, auf der Suppen, Schmorgerichte und Nudelbrühen der japanischen Küche beruhen. Ihr herzhafter Geschmack führte den Chemiker Ikeda Kikunae 1908 zur Entdeckung von Umami, der fünften Grundgeschmacksrichtung.

Während die französische Küche auf stundenlang gekochten Fleischfonds aufbaut, verlässt sich die japanische auf Dashi, eine klare Brühe, die in Minuten entsteht. Ihre Zutaten sind getrocknet: Kombu-Seetang, Katsuobushi (geräucherter und getrockneter Bonito), kleine getrocknete Sardinen oder getrocknete Shiitake. In Wasser gezogen, geben sie herzhafte Stoffe ab, die Tiefe ohne Fett und Schwere verleihen.

Diesen Geschmack, japanischen Köchen seit jeher vertraut, benannte der Chemiker Ikeda Kikunae 1908 als Umami. Spätere Forschung zeigte, dass sich die Wirkung vervielfacht, wenn Zutaten mit verschiedenen Umami-Stoffen kombiniert werden – daher verbindet die klassische Dashi Seetang mit getrocknetem Fisch.

Schritt für Schritt

  1. 1Kombu einweichenEin Stück Kombu mit einem feuchten Tuch abwischen, ohne den weißen Belag abzuwaschen, und mindestens eine halbe Stunde in kaltem Wasser einweichen.
  2. 2Sanft erhitzenDas Wasser langsam erwärmen und den Kombu kurz vor dem Kochen herausnehmen; kocht er mit, wird die Brühe schleimig und bitter.
  3. 3Katsuobushi zugebenDas Wasser aufkochen, eine großzügige Handvoll Bonitoflocken hineingeben und den Herd sofort ausschalten.
  4. 4Absetzen lassenDie Flocken ein bis zwei Minuten absinken lassen, ohne umzurühren.
  5. 5AbseihenDurch ein feines Tuch oder ein mit Küchenpapier ausgelegtes Sieb gießen, ohne auszudrücken, damit die Brühe klar bleibt.

Die Zutaten

Kombu wird vor allem an den Küsten Hokkaidos geerntet, und die Sorten haben unterschiedliche Stärken: Ma-Kombu aus der Gegend um Hakodate für süßliche, klare Brühen, Rishiri-Kombu für die feinen Suppen Kyotos, Rausu-Kombu für Fülle. Katsuobushi entsteht, indem Echter Bonito filetiert, gegart, geräuchert und getrocknet wird, bis er holzhart ist; die besten Qualitäten reifen zusätzlich mit Edelschimmel. Die wichtigsten Herstellungsorte sind Makurazaki in der Präfektur Kagoshima und Yaizu in der Präfektur Shizuoka.

  • Kombu

    昆布konbu

    Getrockneter Seetang, reich an Glutamat; stammt überwiegend aus Hokkaido.

  • Katsuobushi

    鰹節katsuobushi

    Geräucherter, getrockneter Bonito, in Flocken gehobelt; reich an Inosinat.

  • Niboshi

    煮干しniboshi

    Gekochte und getrocknete kleine Sardinen; ergeben eine kräftigere, fischigere Brühe für Misosuppe und Ramen.

  • Hoshi-Shiitake

    干し椎茸hoshi-shiitake

    Getrocknete Shiitake, reich an Guanylat; das Einweichwasser dient als Brühe, auch in der Tempelküche.

Arten von Dashi

Ichiban Dashi, die „erste Dashi“, ist ein kurzer Auszug aus Kombu und Katsuobushi für Gerichte, bei denen Klarheit und Duft zählen, etwa klare Suppen (Suimono). Niban Dashi nutzt dieselben Zutaten ein zweites Mal für eine kräftigere, trübere Brühe zum Schmoren und für Misosuppe. Kombu-Dashi allein oder mit Shiitake ergibt eine vegetarische Brühe, wie sie in der Tempelküche verwendet wird.

Viele Haushalte greifen heute zu Instant-Granulat oder Dashi-Beuteln; Restaurants und passionierte Hobbyköche setzen die Brühe aber täglich frisch an.

  • Ichiban Dashi

    一番出汁ichiban dashi

    Erster, feiner Auszug für klare Suppen und edle Gerichte.

  • Niban Dashi

    二番出汁niban dashi

    Zweiter Auszug aus denselben Zutaten, zum Schmoren und für Misosuppe.

  • Awase Dashi

    合わせ出汁awase dashi

    Jede Dashi, die Seetang mit Fisch oder Pilzen kombiniert und so den Umami-Effekt verstärkt.

  • Mentsuyu

    麺つゆmentsuyu

    Mit Sojasauce und Mirin gewürzte Dashi, als Dip und Brühe für Nudeln.

Regionale Unterschiede

Die beiden großen Küchenzentren Japans unterscheiden sich schon in der Brühe. In der Kansai-Region um Kyoto und Osaka dominiert Kombu, gewürzt wird mit heller Usukuchi-Sojasauce – die Brühen sind hell und schmecken deutlich nach Seetang. In der Kantō-Region um Tokio überwiegt Katsuobushi, dazu kommt dunkle Koikuchi-Sojasauce, weshalb Nudelbrühen dort viel dunkler aussehen.

Die Vorliebe des Kansai geht auf den Kombu-Handel der Edo-Zeit zurück: Kitamae-bune-Frachtschiffe brachten Seetang aus Hokkaido entlang der Küste des Japanischen Meeres nach Osaka, und der Handel reichte bis Toyama und ins Königreich Ryūkyū. In Toyama wie in Okinawa spielt Kombu bis heute eine große Rolle.

Die Entdeckung von Umami

1908 isolierte Ikeda Kikunae, Chemieprofessor an der Kaiserlichen Universität Tokio, Glutaminsäure aus Kombu und erkannte darin die Quelle des Geschmacks, den er Umami nannte, abgeleitet von umai (köstlich). Er patentierte ein Verfahren zur Herstellung von Mononatriumglutamat, das als Würzmittel weltweit verbreitet wurde. Sein Schüler Kodama Shintarō fand 1913 Inosinat im Katsuobushi, Kuninaka Akira später Guanylat in getrockneten Shiitake.

In der westlichen Wissenschaft galt Umami lange nicht als eigene Grundgeschmacksrichtung. Erst der Nachweis spezifischer Geschmacksrezeptoren für Glutamat um die Jahrtausendwende klärte die Frage; heute steht Umami gleichberechtigt neben süß, sauer, salzig und bitter.

Zeitleiste

  1. Edo-Zeit

    Kitamae-bune-Schiffe bringen Kombu aus Hokkaido nach Osaka; die Katsuobushi-Herstellung breitet sich an der Pazifikküste aus.

  2. 1908

    Ikeda Kikunae identifiziert Glutamat im Kombu als Ursache von Umami.

  3. 1913

    Kodama Shintarō weist Inosinat im Katsuobushi nach.

  4. 1957

    Kuninaka Akira beschreibt Guanylat, enthalten in getrockneten Shiitake, und die Verstärkung zwischen Umami-Stoffen.

  5. um 2000

    Umami-Geschmacksrezeptoren werden nachgewiesen und bestätigen Umami als Grundgeschmack.

Häufige Fragen

Wie schmeckt Umami?

Umami ist ein herzhafter, vollmundiger Geschmack, wie man ihn von Brühen, gereiftem Käse, reifen Tomaten oder Sojasauce kennt. Verantwortlich sind vor allem Glutamat und bestimmte Nukleotide.

Gibt es vegetarische Dashi?

Ja. Kombu-Dashi, allein oder mit getrockneten Shiitake, enthält keinen Fisch und ist die Brühe der buddhistischen Tempelküche.

Ist Dashi dasselbe wie Glutamat?

Nein. Dashi ist eine Brühe aus natürlichen Zutaten, die von Natur aus Glutamat und andere Umami-Stoffe enthält. Mononatriumglutamat ist ein daraus abgeleitetes, industriell hergestelltes Würzmittel.

Warum darf Kombu nicht kochen?

Beim Kochen treten schleimige und bittere Stoffe aus dem Seetang aus. Nimmt man ihn kurz vorher heraus, bleibt die Brühe klar und rein im Geschmack.

Quellen

  1. 1.Umami Information Center (öffnet in neuem Tab) — 特定非営利活動法人 うま味インフォメーションセンター
  2. 2.和食文化の保護・継承 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)

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