Feste · Mai
Kanda-Matsuri
神田祭かんだまつりKanda MatsuriDas Fest der Shōgune: Edo-Pracht im Herzen des modernen Tokio
Das Kanda-Matsuri ist das Fest des Schreins Kanda Myōjin im Zentrum Tokios. Es findet Mitte Mai statt, in voller Form als hon-matsuri nur in ungeraden Jahren. Mit seiner ganztägigen Kostümprozession durch Kanda, Nihonbashi, Ōtemachi und Akihabara und rund zweihundert Tragschreinen der Nachbarschaften zählt es zu den drei großen Festen Edos und Japans.
Der Kanda Myōjin auf einer flachen Anhöhe zwischen Akihabara und Ochanomizu ist Schutzschrein von mehr als hundert Stadtvierteln im alten Kern Edos, des heutigen Tokio – darunter Kanda, Nihonbashi, Ōtemachi, Marunouchi und die Viertel der Fischmärkte. Sein Fest war der Stolz der Bürger Edos und zeigt die alten Viertel der Stadt bis heute von ihrer lebhaftesten Seite.
Das volle Fest, das hon-matsuri, wird nur alle zwei Jahre gefeiert, in ungeraden Jahren. In geraden Jahren ist das Sannō-Matsuri des Hie-Schreins in Nagatachō an der Reihe, und der Kanda Myōjin begeht nur eine kleinere Form, das kage-matsuri. In einem Hauptjahr erstreckt sich das Fest über rund eine Woche Mitte Mai, die Umzüge konzentrieren sich auf das Wochenende um den 15. Mai.
Schrein und Gottheiten
Nach Überlieferung des Schreins wurde der Kanda Myōjin 730 nahe dem heutigen Ōtemachi gegründet. 1616, als das Shōgunat Edo rund um seine Burg neu ordnete, wurde er an seinen heutigen Platz verlegt und galt fortan als Schützer der Stadt. Verehrt werden drei Gottheiten: Ōnamuchi (gleichgesetzt mit Daikoku, dem Bringer von Glück und guter Ehe), Sukunahikona (gleichgesetzt mit Ebisu, dem Schutzpatron des Handels) und Taira no Masakado, ein Krieger des 10. Jahrhunderts, der sich gegen den Hof erhob und dessen Geist in der Gegend als Beschützer verehrt wurde.
1874 wurde Masakado als Hauptgottheit entfernt, weil die Meiji-Regierung in ihm einen Rebellen gegen den Kaiser sah; 1984 kehrte er als dritte Gottheit zurück. Heute ist der Schrein auch bei der Technik- und Anime-Szene des benachbarten Akihabara beliebt.
Ein Fest für den Shōgun
Tokugawa Ieyasu soll vor der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 im Kanda Myōjin um den Sieg gebetet haben – und er siegte am Festtag des Schreins. Unter dem Tokugawa-Shōgunat durfte die Prozession das Gelände der Burg Edo betreten, damit der Shōgun sie betrachten konnte; zusammen mit dem Sannō-Matsuri hieß es deshalb tenka matsuri, „Fest des Reiches“. 1681 legte das Shōgunat fest, dass beide Feste im jährlichen Wechsel stattfinden.
In der Edo-Zeit zogen Dutzende hohe dashi-Wagen mit kunstvollen Figuren mit. Die meisten gingen im Großen Kantō-Erdbeben von 1923 und in den Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs verloren, und unter den Oberleitungen der modernen Stadt kamen hohe Wagen ohnehin nicht mehr durch. Heute fahren einige restaurierte oder neu gebaute Wagen mit; im Mittelpunkt stehen aber die Tragschreine.
Die Hauptereignisse
Das Fest beginnt mit Riten im Schrein. Am Samstag bricht bei Tagesanbruch die Prozession shinkōsai zu einer ganztägigen Runde durch die Gemeinde auf: Die Gottheiten reisen in drei hōren, von einem Phönix bekrönten Sänften, und in Tragschreinen, begleitet von Priestern, kostümiertem Gefolge, berittenen Bogenschützen, Wagen und Musikern – insgesamt rund fünfhundert Menschen. Der Zug führt durch Kanda, Nihonbashi, Ōtemachi und Marunouchi und kehrt abends über Akihabara zurück.
Am Sonntag bringen die Nachbarschaftsvereinigungen ihre eigenen mikoshi zum Schrein, das mikoshi-miyairi. Von morgens bis abends werden rund zweihundert große und kleine Tragschreine nacheinander hinaufgetragen – unter Rufen, Pfiffen und dem rhythmischen Heben und Schütteln, mit dem die Träger die Gottheit im Inneren beleben.
Shinkōsai
神幸祭shinkōsaiDie Prozession der Gottheiten durch die Gemeinde am Samstag des Hauptwochenendes.
Mikoshi-miyairi
神輿宮入mikoshi miyairiDer Einzug der Nachbarschafts-Tragschreine in den Schreinbezirk am Sonntag.
Kage-matsuri
陰祭kage-matsuriDas kleinere Fest in geraden Jahren, ohne die große Prozession.
Sannō-Matsuri
山王祭Sannō MatsuriDas Fest des Hie-Schreins, Gegenstück zum Kanda-Matsuri; in voller Form Mitte Juni in geraden Jahren.
Besuch
Der Kanda Myōjin liegt wenige Gehminuten von den Bahnhöfen Ochanomizu, Suehirochō und Akihabara entfernt. Am Sonntag der Schreineinzüge ist der Schreinbezirk dicht gedrängt; der Samstagsumzug lässt sich an vielen Punkten seiner Strecke verfolgen, die der Schrein vorab veröffentlicht. Zuschauen ist frei. Die Tragschreine tragen Mitglieder der Nachbarschaftsvereinigungen und deren Gäste – Außenstehende sollten sich nicht ungefragt anschließen.
Zeitleiste
730
Gründung des Schreins nahe dem heutigen Ōtemachi nach der Überlieferung
1600
Sieg Tokugawa Ieyasus bei Sekigahara, den die Überlieferung mit dem Schrein verbindet
1616
Verlegung an den heutigen Standort
1681
Kanda- und Sannō-Matsuri wechseln sich fortan jährlich ab
1874
Taira no Masakado wird als Hauptgottheit entfernt
1923
Das Große Kantō-Erdbeben zerstört Schrein und viele Festwagen
1984
Masakado wird wieder als Gottheit des Schreins verehrt
Häufige Fragen
Wann findet das Kanda-Matsuri statt?
Mitte Mai, mit den großen Umzügen am Wochenende um den 15. Mai. In voller Form nur in ungeraden Jahren; in geraden Jahren gibt es lediglich ein kleineres Fest.
Was hat es mit dem Sannō-Matsuri auf sich?
Seit der Edo-Zeit wechseln sich das Kanda-Matsuri und das Sannō-Matsuri des Hie-Schreins ab; jedes feiert sein volles Fest nur alle zwei Jahre.
An welchem Tag lohnt sich der Besuch?
Samstags für die Kostümprozession durch das Zentrum Tokios, sonntags für den Einzug der Nachbarschafts-Tragschreine in den Schrein.
Dürfen Besucher einen Tragschrein mittragen?
Die mikoshi tragen Mitglieder der Nachbarschaftsvereinigungen und eingeladene Gäste. Zuschauer sind willkommen, sollten sich aber nicht ungefragt einreihen.
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Quellen
- 1.神田明神 神田祭 (öffnet in neuem Tab) — 神田明神
- 2.千代田区公式ホームページ (öffnet in neuem Tab) — 千代田区
- 3.GO TOKYO (öffnet in neuem Tab) — Tokyo Convention & Visitors Bureau