Wirtschaft
Japans Volkswirtschaft
日本経済にほんけいざいNihon keizaiEin Industrieriese im Umbau zur alternden Gesellschaft
Japan ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt: eine hoch entwickelte Marktwirtschaft mit fortschrittlicher Industrie, großem Dienstleistungssektor und weltweit tätigen Unternehmen. Nach Jahrzehnten raschen Nachkriegswachstums und der Blase der späten 1980er-Jahre wächst sie langsam, kämpfte lange mit Deflation und steht vor einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung.
Japan industrialisierte sich ab der Meiji-Zeit als erstes nichtwestliches Land und stieg nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bis 1968 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf. Diesen Platz hielt es vier Jahrzehnte, bis China um 2010 vorbeizog; in Dollar gerechnet hat inzwischen auch Deutschland Japan überholt, nicht zuletzt wegen des schwachen Yen.
Die Wirtschaft verbindet Weltklasse-Industrie mit einem großen, oft weniger produktiven binnenwirtschaftlichen Dienstleistungssektor, sehr hohen privaten Ersparnissen und einer Staatsschuld, die überwiegend im Inland gehalten wird. Ihre Kernprobleme – schwaches Wachstum, ein langer Kampf gegen Deflation, eine schrumpfende und alternde Bevölkerung – nehmen vorweg, was viele andere Industrieländer erst allmählich erleben.
Struktur
Dienstleistungen erbringen rund sieben Zehntel der Wirtschaftsleistung, angeführt von Groß- und Einzelhandel, Immobilien, Gesundheitswesen, Finanzen und Verkehr. Die Industrie trägt etwa ein Fünftel bei – mehr als in den meisten Industrieländern – und bleibt das Rückgrat von Export und Forschungsausgaben. Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei machen nur rund ein Prozent aus, sind aber politisch und kulturell bedeutsam, etwa beim Reis.
Der private Konsum ist die größte Nachfragekomponente. Japan erzielt einen hohen Leistungsbilanzüberschuss, der weniger auf dem Warenhandel als auf Erträgen aus seinem riesigen Auslandsvermögen beruht.
Automobil, Maschinenbau, Elektronik, Werkstoffe und Wachstumsfelder.
Vom Wirtschaftswunder zur Blase und danach
Von Mitte der 1950er- bis Anfang der 1970er-Jahre wuchs Japans Wirtschaft um rund zehn Prozent im Jahr – getragen von hohen Investitionen, gut ausgebildeten Arbeitskräften, exportorientierter Industrie und enger Abstimmung zwischen Staat und Wirtschaft. Die Ölkrisen bremsten das Wachstum, doch in den 1980er-Jahren eroberten japanische Autos und Elektronik die Weltmärkte.
Nachdem das Plaza-Abkommen von 1985 den Yen stark aufwerten ließ, heizte billiges Geld eine Blase bei Aktien und Grundstücken an. Als sie 1990/91 platzte, blieben die Banken auf faulen Krediten sitzen; die folgende Phase von Stagnation und fallenden Preisen wurde als „verlorenes Jahrzehnt“ bekannt, später als „verlorene Jahrzehnte“. Die Politik setzte seither auf Bankensanierung, Konjunkturprogramme und eine zunehmend unkonventionelle Geldpolitik.
Rasantes Wachstum von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre.
Bubble Economy
バブル経済baburu keizaiVermögenspreisblase der späten 1980er-Jahre, die 1990/91 zusammenbrach.
- 失われた30年ushinawareta sanjū-nen
Die lange Phase schwachen Wachstums und der Deflation nach der Blase.
Branchen
Die Automobilindustrie mit Toyota, Honda, Nissan, Suzuki, Mazda und Subaru und einem dichten Zuliefernetz ist der größte Industriezweig. Stark ist Japan zudem bei Werkzeugmaschinen, Industrierobotern, Präzisionsinstrumenten, elektronischen Bauteilen, Anlagen und Materialien für die Halbleiterfertigung, Chemie und Stahl. Viele dieser Unternehmen sind Verbrauchern kaum bekannt, beherrschen aber als Nischenzulieferer den Weltmarkt.
Bei den Dienstleistungen ragen Einzelhandel, Convenience Stores, Eisenbahnen, Logistik und der wachsende Tourismus heraus; Spiele, Anime und andere Inhalte sind zu bedeutenden Exportgütern geworden.
Monozukuri
ものづくりmonozukuriDie Kunst des Herstellens, Inbegriff japanischer Fertigungsqualität.
Einer der bekanntesten Kulturexporte Japans.
Außenhandel
Japan ist bei Energie fast vollständig und bei Lebensmitteln zu einem großen Teil auf Importe angewiesen und finanziert sie mit Exporten von Fahrzeugen, Maschinen und Hightech-Bauteilen. China und die USA sind die größten Handelspartner, gefolgt von anderen asiatischen Volkswirtschaften und der Europäischen Union. In den vergangenen Jahrzehnten haben japanische Unternehmen viel Produktion ins Ausland verlagert, sodass die Fertigung ihrer Auslandstöchter in manchen Branchen die direkten Exporte weit übersteigt.
Japan ist Mitglied der Welthandelsorganisation und hat ein Netz von Freihandelsabkommen geknüpft, darunter das Transpazifische Partnerschaftsabkommen (CPTPP), die Regionale Umfassende Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) und das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EU.
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen EU–Japan
Freihandelsabkommen, in Kraft seit 2019.
Handel und Investitionen zwischen beiden Ländern.
Unternehmen und Keiretsu
Vor 1945 beherrschten familienkontrollierte Konglomerate, die Zaibatsu – Mitsui, Mitsubishi, Sumitomo und Yasuda –, die Wirtschaft. Die Besatzungsbehörden zerschlugen sie, doch ihre Nachfolgeunternehmen fanden sich zu Keiretsu zusammen: Netzwerken von Firmen, die über Überkreuzbeteiligungen um eine Hausbank und ein Handelshaus verbunden sind. Vertikale Keiretsu wie Toyotas Zulieferergruppe binden Hersteller an ihre Lieferanten.
Seit den 1990er-Jahren werden die Überkreuzbeteiligungen schrittweise abgebaut; Corporate-Governance-Reformen, Druck der Tokioter Börse und aktive Investoren drängen die Unternehmen zu höheren Renditen. Mehr als 99 Prozent der Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe, und manche Familienfirmen gehören zu den ältesten Unternehmen der Welt.
Keiretsu
系列keiretsuUnternehmensgruppen, verbunden durch Beteiligungen und Geschäftsbeziehungen.
Sōgō shōsha
総合商社sōgō shōshaAllgemeine Handelshäuser wie Mitsubishi Corporation, Mitsui & Co. und Itochu.
Unternehmen, Governance und Börse im Detail.
Der Yen und die Bank of Japan
Der Yen wurde mit dem Neuen Währungsgesetz von 1871 eingeführt und löste das verwickelte Münzwesen der Edo-Zeit ab. Die 1882 gegründete Bank of Japan gibt die Banknoten aus und betreibt die Geldpolitik mit einem 2013 eingeführten Inflationsziel von zwei Prozent. Das Finanzministerium prägt die Münzen und entscheidet über Devisenmarktinterventionen.
Ab 1999 betrat die Bank of Japan als Vorreiterin geldpolitisches Neuland mit Nullzins, quantitativer Lockerung und ab 2016 Negativzins und Zinskurvensteuerung; sie wurde zur größten Halterin japanischer Staatsanleihen. Im März 2024 beendete sie die Negativzinsen und begann, die Zinsen anzuheben, als Inflation und Löhne anzogen. Der Yen zählt zu den meistgehandelten Währungen und gilt in globalen Krisen als sicherer Hafen.
Bank of Japan
日本銀行Nippon GinkōDie Zentralbank mit Sitz in Nihonbashi, Tokio.
Yen
円enJapans Währung; ein Yen hat 100 Sen, eine Einheit, die im Alltag keine Rolle mehr spielt.
Bargeld, Karten und Zahlungsmittel für Reisende.
Die demografische Herausforderung
Die schrumpfende und alternde Bevölkerung belastet Wachstum, Staatsfinanzen und Arbeitsmarkt. Weniger Erwerbstätige müssen mehr Rentner tragen, und viele Branchen – von der Pflege über den Bau und das Transportgewerbe bis zur Gastronomie – klagen über anhaltenden Arbeitskräftemangel. Regionale Wirtschaften leiden, weil junge Menschen nach Tokio ziehen.
Als Antworten gelten eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, Automatisierung und Robotik, die Digitalisierung von Verwaltung und Wirtschaft sowie eine breitere Aufnahme ausländischer Arbeitskräfte, etwa über den Status „Specified Skilled Worker“. Auch Tourismus und Investitionen in Halbleiter und grüne Technologien sollen neues Wachstum bringen.
Bevölkerung, Alterung und Arbeit in Japan.
Aufenthaltsstatus für ausländische Arbeitskräfte.
Häufige Fragen
Wie groß ist Japans Volkswirtschaft?
Nach nominalem BIP gehört Japan zu den vier größten Volkswirtschaften der Welt. Die aktuelle Zahl des Kabinettsbüros und die Rangfolge des IWF stehen in den Eckdaten.
Hat Deutschland Japan wirtschaftlich überholt?
Gemessen am nominalen BIP in US-Dollar ja, seit 2023 – vor allem wegen des schwachen Yen und der Inflation in Deutschland. Pro Kopf und nach Kaufkraft sind die Verhältnisse anders.
Was sind Keiretsu?
Gruppen japanischer Unternehmen, die durch Überkreuzbeteiligungen und Geschäftsbeziehungen verbunden sind – entweder um eine Hausbank und ein Handelshaus oder um einen großen Hersteller und seine Zulieferer.
Warum stagnierte Japans Wirtschaft nach 1990?
Das Platzen der Vermögenspreisblase hinterließ Banken mit faulen Krediten und Unternehmen mit zu hohen Schulden; die Folge waren schwache Investitionen, fallende Preise und jahrelang geringes Wachstum.
Wer bestimmt die Zinsen in Japan?
Der geldpolitische Rat der Bank of Japan, der eine stabile Inflation von zwei Prozent anstrebt.
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Quellen
- 1.国民経済計算(GDP統計) (öffnet in neuem Tab) — Economic and Social Research Institute, Cabinet Office (内閣府経済社会総合研究所)
- 2.Bank of Japan (öffnet in neuem Tab) — 日本銀行
- 3.Japan: Country data (öffnet in neuem Tab) — International Monetary Fund
- 4.Statistics Bureau of Japan (öffnet in neuem Tab) — 総務省統計局
- 5.Ministry of Economy, Trade and Industry (öffnet in neuem Tab) — 経済産業省
- 6.Trade Statistics of Japan (öffnet in neuem Tab) — Ministry of Finance (財務省)