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Japan

Essen & Trinken

Bento

弁当べんとうbentō

Eine ganze Mahlzeit, sorgfältig verpackt

Ein Bento ist eine in einer Box verpackte Einzelmahlzeit, meist Reis mit mehreren Beilagen, selbst zubereitet oder fertig gekauft. Von den Lackkästen der Theaterbesucher in Edo über das Bahnhofs-Ekiben bis zur Mittagsbox aus dem Konbini ist es eine der typischsten Formen japanischen Essens.

Proviant für den Tag mitzunehmen ist so alt wie Reisen und Feldarbeit. In der Heian-Zeit trug man Tonjiki, Reisbällchen, und getrockneten Reis (Hoshi-ii), der trocken oder in Wasser eingeweicht gegessen wurde. Ab dem 16. Jahrhundert nutzte man lackierte, gestapelte Kästen für Picknicks unter Kirschblüten und für Ausflüge, und das Wort Bentō, „praktisch“, kam in Gebrauch.

In der Edo-Zeit aßen Theaterbesucher in den Pausen zwischen den Kabuki-Akten das Makunouchi-Bentō. Die Eisenbahn brachte ab dem späten 19. Jahrhundert das Ekiben (Bahnhofs-Bento), das 20. Jahrhundert die Aluminiumbox von Arbeitern und Schulkindern, die Feinkostetagen der Kaufhäuser und das Bento aus dem Konbini. Heute reichen Bento vom schlichten Hausmittagessen bis zu aufwendigen regionalen Spezialitäten.

Was in ein Bento gehört

Ein ausgewogenes Bento folgt derselben Logik wie eine traditionelle Mahlzeit: Reis als Basis, eine Eiweißkomponente und mehrere kleine Gemüsegerichte mit Kontrasten in Farbe, Textur und Geschmack. Da es bei Raumtemperatur und oft Stunden später gegessen wird, bevorzugt man Speisen, die kalt schmecken und sich halten: gesalzenen gegrillten Fisch, gerolltes Omelett, geschmortes Gemüse, Eingelegtes und mit Essig oder Umeboshi gewürzten Reis.

Eine verbreitete Faustregel: etwa die Hälfte der Box mit Reis füllen, den Rest mit Beilagen, und alles so dicht packen, dass nichts verrutscht. Farben spielen eine Rolle – Rot, Gelb, Grün, Schwarz und Weiß werden gern kombiniert, damit das Bento appetitlich aussieht.

  • Onigiri

    おにぎりonigiri

    Reisbällchen, oft in Nori gewickelt, gefüllt mit Salzlachs, eingelegter Pflaume oder Thunfisch.

  • Tamagoyaki

    玉子焼きtamagoyaki

    Gerolltes Omelett, ein Bento-Klassiker, je nach Region süß oder herzhaft.

  • Umeboshi

    梅干しumeboshi

    Gesalzene, eingelegte japanische Aprikose, traditionell auf den Reis gelegt, um ihn haltbarer zu machen.

  • Furikake

    ふりかけfurikake

    Trockene Würzmischung für Reis mit Sesam, Seetang und Fischflocken.

Klassische Arten

Einige Bento-Formen haben sich als feste Typen etabliert, die man im ganzen Land in Geschäften, Restaurants und Haushalten findet.

  • Makunouchi-Bento

    幕の内弁当makunouchi bentō

    Reis in kleinen geformten Portionen mit vielen Beilagen; benannt nach der Theaterpause („zwischen den Vorhängen“).

  • Shokado-Bento

    松花堂弁当shōkadō bentō

    Quadratischer Lackkasten mit vier Fächern, ein Restaurant-Mittagessen mit Kaiseki-Gerichten; benannt nach dem Mönch und Künstler Shōkadō Shōjō aus der frühen Edo-Zeit.

  • Noriben

    のり弁noriben

    Reis mit Bonitoflocken und sojagewürztem Nori, darauf frittierter Fisch – ein günstiger Alltagsklassiker.

  • Hinomaru-Bento

    日の丸弁当hinomaru bentō

    Weißer Reis mit einer einzigen roten eingelegten Pflaume in der Mitte, wie die Nationalflagge; Sinnbild der Genügsamkeit.

  • Jubako

    重箱jūbako

    Gestapelte Lackkästen für Neujahrsspeisen, festliche Ausflüge und Kirschblütenpicknicks.

Ekiben: Bento für die Bahnreise

Das erste Ekiben wird meist auf 1885 am Bahnhof Utsunomiya datiert, wo Reisbällchen mit eingelegtem Rettich in Bambusrinde an Fahrgäste verkauft wurden. Mit dem wachsenden Bahnnetz konkurrierten die Bahnhöfe mit örtlichen Spezialitäten, und das Ekiben wurde Teil der Freude am Bahnfahren. Viele verwenden regionale Zutaten und besondere Behälter, manche werden seit über hundert Jahren verkauft.

Ekiben gibt es an Bahnhofskiosken und in eigenen Läden; große Knotenpunkte wie der Bahnhof Tokio führen Bento aus dem ganzen Land. In Fernzügen wie dem Shinkansen ist Essen ganz normal, in vollen Pendler- und Nahverkehrszügen vermeidet man es eher.

  • Kamameshi

    釜めしkamameshi

    Mit Zutaten gegarter Reis, im kleinen Tontopf verkauft, etwa in Yokokawa in der Präfektur Gunma.

  • Masu no sushi

    ますのすしmasu no sushi

    Gepresstes Forellen-Sushi in einer runden, mit Bambusblättern ausgelegten Schachtel, ein berühmtes Ekiben aus Toyama.

  • Ikameshi

    いかめしikameshi

    Mit Klebreis gefüllter Tintenfisch, in süßer Sojasauce geschmort, aus dem südlichen Hokkaido.

  • Gyumeshi

    牛めしgyūmeshi

    Reis mit süß geschmortem Rindfleisch, ein beliebtes Ekiben in vielen Regionen, etwa in Kobe.

Selbst gemachte Bento

Viele Japaner nehmen ein selbst gemachtes Bento mit in Schule oder Büro, und das Zubereiten gehört zum Familienalltag. Kinder in Krippe und Kindergarten bringen oft liebevoll dekorierte Bento mit; in den 2000er-Jahren wurde das Kyaraben, das „Charakter-Bento“ in Form von Tieren oder Comicfiguren, zu einem online viel geteilten Hobby.

Auch die Box selbst ist Teil der Kultur: von traditionellen Spanschachteln (Magewappa) aus Zeder oder Zypresse über Lack und Aluminium bis zu modernen Kunststoffboxen mit Fächern. Ein Bento wird meist in ein Tuch (Furoshiki oder Bento-Tsutsumi) gewickelt und mit Stäbchen im eigenen Etui getragen.

  • Kyaraben

    キャラ弁kyaraben

    Bento, gestaltet als Figuren, Tiere oder Szenen.

  • Magewappa

    曲げわっぱmagewappa

    Spanschachtel aus dünn gebogenem Zedernholz, traditionelles Handwerk aus Ōdate in der Präfektur Akita; das Holz nimmt Feuchtigkeit aus dem Reis auf.

  • Furoshiki

    風呂敷furoshiki

    Quadratisches Einschlagtuch zum Tragen von Bento und Geschenken.

Häufige Fragen

Was bedeutet Bento?

Bentō ist eine Einzelmahlzeit in einer Box. Das Wort geht vermutlich auf einen chinesischen Ausdruck für „praktisch“ zurück; die höfliche Form Obentō wird vor allem für selbst gemachte Mittagsboxen verwendet.

Darf man im Zug Bento essen?

In Fernzügen wie Shinkansen und Expresszügen ist das normal, Ekiben sind genau dafür gemacht. In vollen Pendlerzügen und U-Bahnen isst man in der Regel nicht.

Isst man Bento kalt?

Selbst gemachte Bento isst man meist bei Raumtemperatur; sie werden aus Speisen zubereitet, die kalt gut schmecken. Gekaufte Bento lassen sich im Geschäft oft in der Mikrowelle erwärmen.

Welches war das erste Ekiben?

Als erstes Bahnhofs-Bento gilt meist ein Angebot am Bahnhof Utsunomiya in der Präfektur Tochigi im Jahr 1885: Reisbällchen mit eingelegtem Rettich. Andere Bahnhöfe beanspruchen den Titel allerdings ebenfalls.

Quellen

  1. 1.和食文化の保護・継承 (öffnet in neuem Tab) — 農林水産省 (Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries)
  2. 2.Japan National Tourism Organization – Official travel guide (öffnet in neuem Tab) — JNTO

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